Archiv für den Monat: Januar 2016

Wir haben in Paris hehre Klimaabsichten beschlossen, doch wir geben immer noch Geld zum Asphaltieren und Zubetonieren von Fahrbahnen aus. Eigentlich müsste jetzt ein Moratorium kommen: kein Quadratmeter mehr für den Autoverkehr insgesamt.

Aus dem Interview Kein Meter fürs Auto mit Prof. Hermann Knoflacher in der Kontext Wochenzeitung vom 13. Januar 2016.

Rückblick auf das dritte Jahr

Das dritte Jahr der Ende 2012 gegründeten Mobilitätswende Weßling ist Geschichte. Dieser Beitrag gibt einen Rückblick auf die Aktivitäten und Projekte im Jahr 2015.

Bushaltestelle am Hort

Durch den Hort in Hochstadt wird viel unnötiger Abhol-Kfz-Verkehr verursacht, weil die Kinder nicht mit einem Schulbus zurück nach Oberpfaffenhofen und Weßling gebracht werden können. Um Eltern und Hortleitung dafür zu gewinnen, die Schulkinder mit dem Linienbus 955 nach hause fahren zu lassen, sammelte die Mobilitätswende Unterschriften für einen sicheren Umbau der Bushaltestelle am Hort. Das Problem ist nun in Gemeindeverwaltung und Landratsamt bekannt, es wurden aber bisher leider keine Maßnahmen zu seiner Lösung getroffen.

Radverbindung nach Etterschlag

In der Planfeststellung der Westumfahrung Weßling ist keine Rad- und Fußverkehrsverbindung nach Etterschlag/Schluifeld vorgesehen, sodass Ammerseeradweg und Kreisradwanderweg durchtrennt werden. Die Mobilitätswende hatte seit Jahren auf dieses Problem aufmerksam gemacht und versucht, eine praktikable Lösung zu finden. Mit Unterstützung von Bürgermeister Michael Muther gelang es im Februar, die bestehenden Pläne um einen alltagstauglichen Geh- und Radweg zu erweitern, der die Lücke zwischen der Grünsinker Straße und dem Wirtschaftsweg mit Unterführung nach Etterschlag schließt.

Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR

Ebenfalls auf Anregung der Mobilitätswende hat der Gemeinderat im vergangenen Jahr beschlossen, den Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 zwischen Aldi-Kreisel und DLR-Einfahrt mit einer Beleuchtung auszustatten. Während außerörtliche Radwege normalerweise nicht beleuchtet werden, wird sie in diesem Abschnitt wegen hohem Fußgängeraufkommen und starker Blendwirkung durch auf der erhöhten Straße fahrenden Kfz benötigt.

Sanierung Hochstadter Straße

Nach der ursprünglichen Planung sollte die Hochstadter Straße in Oberpfaffenhofen im Rahmen ihrer Sanierung lediglich verbreitert werden. Als das Projekt im Gemeinderat diskutiert wurde, konnte die Mobilitätswende einige wesentliche Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer einbringen. So gibt es jetzt einen Gehsteig vom Durchgang zur Ettenhofener Straße bis zum Kesselboden, und an der Ortseinfahrt wurde eine Querungshilfe gebaut, die auch temporeduzierend auf den Kfz-Verkehr wirkt.

Radl Repair Café

Bei der Vorstellung der Gewerkhausidee im ehemaligen Feuerwehrhaus Weßling wirkte die Mobilitätswende mit einem Radl Repair Café mit. Diese Aktivitäten wurden ab Ende Juli durch wöchentliche Treffen des von der Nachbarschaftshilfe Weßling gegründeten Helferkreises Radl für Flüchtlinge fortgesetzt.

Radlständer

Beim zweiten Radlständer-Vergleichstest wurde deutlich, dass diese erstmalig im Jahr 2014 durchgeführte Aktion leider keinen Anstoß zur Verbesserung der Abstellanlagen in Weßling gegeben hat. Lediglich der von den Weßlinger STAdtradlern gewonnene Radlständer beim Kiosk am Badestrand setzt qualitativ neue Maßstäbe, und an der Grundschule Weßling stimmt nun wenigstens die Anzahl der Stellplätze. Auf Anregung der Mobilitätswende wurden außerdem brauchbare Radlständer beim Spielplatz und beim Edeka installiert.

STAdtradeln

Zum fünften Mal nahm Weßling erfolgreich am STAdtradeln teil. 419 Radlerinnen und Radler erreichten mit 83.232 km den landkreisweit ersten und deutschlandweit dritten Platz in der Wertung Radlkilometer je Einwohner. Damit gewannen sie den von Landrat Karl Roth ausgelobten Preis von 2.000 € zur Radverkehrsförderung. Auch diesmal hatte die Mobilitätswende organisatorisch in Weßling und auf Landkreisebene mitgewirkt. Bürgermeister Michael Muther zeigte sich beim begleitenden Wettbewerb Chefsache Radverkehr großzügig und sagte zu, sich um die Radverkehrsverbindung nach Etterschlag sowie die Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR zu kümmern. Auch die Radverkehrsbeauftragte der Gemeinde, Frau Erika Schuster, hat sich für ihr Interesse und ihren Einsatz im Jahr 2015 übrigens ein dickes Lob verdient.

Sonstiges

Als im Sommer im Walchstadter Weg eine neue Stromleitung verlegt wurde, nahm die Gemeindeverwaltung die Anregung der Mobilitätswende an, dabei zwei der 28 fehlenden Bordsteinabsenkungen herzustellen. Nach den Herbstferien führte die Mobilitätswende eine Verkehrszählung in der Hauptstraße durch. Mit zahlreichen Leserbriefen, Zitaten und Artikeln in Unser Dorf heute kommentierte die Mobilitätswende die aktuellen Geschehnisse hinsichtlich nachhaltiger Mobilität. Außerdem wirkten Vertreter der Mobilitätswende im Gemeinderat, im städtebaulichen Arbeitskreis Weßling, im Arbeitskreis Radverkehr des Landratsamts und in der Arbeitsgemeinschaft Radverkehr STA des ADFC mit.

Stillstand

In ihrem dritten Jahr hat die Mobilitätswende zweifellos mehr erreicht als zuvor. Allerdings verliefen nicht alle Bemühungen erfolgreich. So hat es der Gemeinderat abgelehnt, den 40 m langen Radwegabschnitt zwischen Aldi-Einfahrt und Kreisel endlich mit einer alltagstauglichen Fahrbahnoberfläche zu versehen, und auch die offenkundig falschen Beschilderungen in Argelsrieder Straße/Feld und am Badestrand wurden von der Verwaltung trotz mehrfacher Anfrage nicht behoben. Außerdem wurde das fertige Tempo-30-Konzept der Mobilitätswende nicht in Angriff genommen.

Rückschritte

Schmerzlicher als diese Kleinigkeiten sind allerdings im Jahr 2015 realisierte Millionenprojekte auf Weßlinger Flur, die die Dominanz des Kfz-Verkehrs in einer neuen Dimension für Jahrzehnte zementieren: Westumfahrung, DLR-Parkhaus (251 Kfz-Stellplätze) und OHB-Parkplatz (177 Kfz-Stellplätze) schaffen Tatsachen, neben denen die genannten Bemühungen für zukunftsfähige Mobilität gänzlich verblassen. In Weßling steht die Überwindung fossilen Denkens nach wie vor ganz am Anfang.