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Zweite Verkehrszählung in der Hauptstraße

Wie bereits zwei Jahre zuvor führte die Mobilitätswende im November Verkehrszählungen in der Weßlinger Hauptstraße durch. Damit liegen vergleichbare Zählungen an denselben Orten und im selben Zeitraum (die beiden Wochen nach den Herbstferien) jeweils ein Jahr vor und ein Jahr nach der Eröffnung der Umgehungsstraße vor.

Die Messungen wurden wieder mit dem freundlicherweise vom VCD Bayern zur Verfügung gestellten Verkehrszählgerät Sierzega SR4 durchgeführt. Während der Zählung herrschte recht kalte, aber noch nicht winterliche Witterung, sodass von minimalem Freizeitverkehrsaufkommen ausgegangen werden kann. Verkehrsbehinderungen durch den Ausbau der Autobahn A96 und die Umgestaltung der Zufahrt zum DLR könnten einen gewissen, aber wahrscheinlich keinen grundlegend verändernden Einfluss auf die gemessenen Verkehrsströme gehabt haben.

Messstelle Gasthof Zur Post

Die erste Zählung fand vom Dienstag, 7. bis Samstag, 11. November auf Höhe des Biergartens des Gasthofs Zur Post statt. Gegenüber der Zählung vor zwei Jahren waren in diesem Zeitraum die seit Dezember 2016 installierten Fahrbahnverengungen vorhanden. Die mittlerweile eingeführte Geschwindigkeitsbeschränkung (30 km/h im südwestlich angrenzenden Abschnitt) galt hingegen noch nicht.

Neue Messstelle Hof Art

Die zweite Zählung fand vom Montag, 13. bis Sonntag, 19. November gegenüber des Einrichtungshauses Hof Art statt. Weil sich am ursprünglichen Messort mittlerweile eine fest installierte Geschwindigkeitsanzeige befindet, wurde das Gerät diesmal ca. 35 m weiter ortseinwärts angebracht.

Beim Gasthof Zur Post wurden an den Arbeitstagen Dienstag bis Freitag durchschnittlich 12.644 Kraftfahrzeuge, davon 474 Lkw gezählt. Im Vergleich zur Messung vor zwei Jahren (17.301 Kfz, 465 Lkw) hat sich die Verkehrsstärke demnach um 27 % reduziert. Die durchschnittliche gemessene Fahrgeschwindigkeit war diesmal ebenfalls geringer, und zwar 39 km/h in Richtung Herrsching bzw. 38 km/h in Richtung Gilching gegenüber 41 km/h (beide Richtungen) zwei Jahre zuvor. Das geringere Geschwigkeitsniveau wurde wahrscheinlich durch die Fahrbahnverengungen bewirkt.

Ähnliche Ergebnisse lieferte die Messung bei Hof Art. Hier hat sich die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (Montag bis Freitag) von 16.561 Kfz (davon 417 Lkw) auf 12.245 (504 Lkw) verringert, das entspricht 26 %. Die durchschnittliche gemessene Geschwindigkeit lag in Richtung Gilching bei 45 km/h (2015: 46 km/h) und in Richtung Herrsching mit 43 km/h deutlich niedriger als vor zwei Jahren (47 km/h). Hier zeigt offenbar die fest installierte Geschwindigkeitsanzeige Wirkung, obwohl sie nicht dauernd funktioniert.

Es fällt auf, dass sich die Anzahl der gezählten Lkw an beiden Messorten nicht verringert hat. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die Längenmessung der Fahrzeuge von der Kalibrierung des Messgeräts abhängt und daher nur relativ ungenaue Werte liefert, die mit einem systematischen Fehler behaftet sein können.

Ein weiterer prinzipbedingter Messfehler kann auftreten, wenn Fahrzeuge langsamer als acht km/h fahren und deshalb nicht mehr zuverlässig vom Radar erfasst werden. Daher könnten sowohl 2015 als auch 2017 beim Gasthof Zur Post infolge Staus ein kleiner Teil der Fahrzeuge nicht gezählt worden sein.

Zählort am Dellinger Kreisverkehr

Neben den Zählungen mit Radarmessgerät führte die Mobilitätswende nach Eröffnung der Umfahrung über ein Jahr manuelle Zählungen durch. Dazu wurden am Kreisverkehr an der Dellinger Höhe ein- bis dreimal monatlich in der Regel mittwochs am Morgen um ca. 8:30 Uhr und am Abend umd ca. 17:45 Uhr insgesamt 100 Kfz gezählt. Im Diagramm wird das gemittelte Verhältnis der Fahrzeuge auf der Umgehungsstraße (grün) und auf der Hauptstraße nach Weßling (rot) dargestellt: Die Nutzungsquote der Umfahrung stieg demnach bis Ende September von 21 % auf bis zu 39 % an und fiel im Herbst wieder auf 30 % ab. Die manuelle Verkehrszählung hat den Charme, dass sie jederzeit ohne technische Hilfmittel durchführbar ist.

Verhältnis der Verkehrsstärken am Dellinger Kreisverkehr

Alle Ergebnisse passen recht gut zu den im Oktober vorgestellten Zahlen der Gemeindeverwaltung und des Straßenbauamts. Erhebliche Unterschiede – von enttäuschend bis erfolgreich – gibt es dagegen in der subjektiven Bewertung des Nutzens der Umgehungsstraße. Eine wesentlich deutlichere Wirkung ist in Zukunft eher nicht zu erwarten, denn das auf Deattraktivierung der Ortsdurchfahrt basierende Konzept der Umfahrung wird von der am längeren Hebel sitzenden Regierung von Oberbayern als „Vergrämung” des überörtlichen Verkehrs beanstandet. Dass die unerträgliche Kfz-Verkehrsbelastung menschen- und umweltfreundlich mobilen Fußgängern und Radfahrern nach wie vor den Aufenthalt in der Hauptstraße vergrämt, findet bei den übergeordneten Verkehrsbehörden freilich keine Beachtung.

Weßling ist indes kein Einzelfall. In fast jeder Kommune im Großraum München zählt die Kfz-Verkehrsbelastung zu den drängensten Problemen der Bürgerinnen und Bürger. Dennoch wird der Kraftverkehr von Bund und Land noch immer ohne Sinn und Verstand mit allen Mitteln verteidigt und gefördert, weil mehr Verkehr fälschlicherweise mit mehr Mobilität gleichgesetzt wird – und das wahnsinnige Dogma des unendlichen Wirtschaftswachstums im Fokus aller Regierungsgeschäfte steht. Solange hier kein Paradigmenwechsel stattfindet, ist eine wesentliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum der Hauptstraße kaum realisierbar.

Die Mobilitätswende stellt hiermit alle erfassten Datensätze und Auswertungen der Öffentlichkeit zur Verfügung:

Messstelle Daten Auswertung
Gasthof Zur Post Daten Auswertung
Hof Art Daten Auswertung
Dellinger Kreisverkehr Daten

Lesestoff zum Mitdenken

Die Aktivitäten der Mobilitätswende werden nicht durch Vorteilsnahme nach dem Nimby-Prinzip motiviert. Unser Antrieb sind vielmehr

  • verantwortungsvoller Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoß, um die Übernutzung der Erde zu stoppen,
  • globale Mobilitätsgerechtigkeit, das heißt Etablierung auf alle Menschen der Erde übertragbarer Mobilitätsformen und
  • lokale Mobilitätsgerechtigkeit, das heißt Integration und Gleichbehandlung „schwacher” Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Fußgänger und Radler.

Das damit verbundene Hintergrundwissen entstammt zum großen Teil Sachbüchern, die sich nicht nur mit Mobilität und Verkehr, sondern auch mit übergeordneten Themen wie globale Gerechtigkeit, sozial-ökologische Transformation und Postwachstumsgesellschaft befassen.

Die Mobilitätswende und die SoKo Weßling stellen diese Literatur der Gemeindebücherei zur Verfügung. Fast 50 Bücher (siehe Liste unter Projekte/Booksharing) können Weßlinger Bürgerinnen und Bürger im Sachbuchzimmer (1. Stockwerk), vor allem in der Rubrik Klimaschutz/Energiewende, entleihen. Besonders lesenswert und erhellend sind folgende Titel:

Aktionsbündnis Verkehrswende STA freut sich über gelungene Radldemo


Petrus meinte es denkbar gut mit den Teilnehmern der Radldemo, die am Samstag, 01. Juli 2017, dem Ruf von Mobilitätswende Weßling, ADFC Kreisverband Starnberg, VCD Kreisverband Fürstenfeldbruck-Starnberg, Bund Naturschutz Kreisgruppe Starnberg und Energiewendeverein Landkreis Starnberg gefolgt waren. Bei schönstem Sonnenschein starteten rund 120 Radfahrer auf eine 12 km lange Tour, die überwiegend auf Autostraßen von Gilching über Unterbrunn, Oberbrunn und Hanfeld bis nach Mamhofen führte.

Bereits bei seinem Zusammentreffen am Gilchinger Marktplatz erregte der bunte Trupp Aufmerksamkeit: Radfahrer aller Altersgruppen, vom Grundschulkind bis zum Senior waren dort versammelt – mit Alltagsrädern, Rennrädern, Lastenrädern und Liegerad. Sogar ein selbst gebautes Gehzeug, eine einfache Konstruktion, die den Raumbedarf eines kleinen PKW veranschaulicht, war zu bestaunen. Die Politik wurde vor Ort vertreten durch Christian Winkelmeier, Bundestagskandidat der SPD. Kerstin Täubner-Benicke, Bundestagskandidatin der Grünen, hatte eine Grußadresse geschickt. Leider fehlten die Bürgermeister der betroffenen und anliegenden Gemeinden sowie Landrat Karl Roth.

In seiner kurzen Begrüßung erklärte Gerhard Sailer, Sprecher der Mobilitätswende Weßling, warum die Demoroute exemplarisch für die vielen Mängel im landkreisweiten Radwegnetz steht: Mit der Umfahrung Unterbrunn wurde eine zweite Autostraße parallel zur alten Trasse gebaut, aber es wurde versäumt

  1. die alte Trasse den Radlern zu geben,
  2. fehlende Radwegstücke entlang der Staatsstraße zu ergänzen,
  3. das angrenzende Gewerbegebiet Gilching Süd für Radfahrer zu erschließen und
  4. wichtige Übergänge, wie z.B. bei Gut Hüll zu schaffen.

Mit etwas gutem Willen könnte man hier eine durchgehende Radverbindung von Starnberg bis nach Fürstenfeldbruck schaffen.

Anlässlich der Auftaktveranstaltung zeigte Clara Scheufler (Gilching) ihre Fahrkünste auf dem Einrad, der Schauspieler Bartholomäus Sailer (München) verlas das „Lob des Velos“, Tobias Königbauer und Jonas Schlenger (Gilching) bezauberten mit gekonnter Jonglage. Anschließend starteten die Teilnehmer, die aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus gekommen waren, zur Demonstration unter dem Motto Verkehrsraum fairteilen. Begleitet von zwei Polizeifahrzeugen und Beamten der Polizeiinspektion Germering sowie einem Rettungswagen des BRK Gilching sorgte das langgezogene Teilnehmerfeld unterwegs für reichlich Aufmerksamkeit. In Unterbrunn gab es sogar spontanen Applaus von vorbeikommenden Passanten. Die meisten Autofahrer auf der Umfahrungsstraße Ober-/Unterbrunn und auf der alten Ortsverbindungsstraße reagierten mit Besonnenheit und Geduld auf die unerwartete Behinderung.

Nur in Mamhofen konnte der öffentlich gewidmete Weg durch das Forstgut nicht genutzt werden, weil der dortige Verwalter die Tore zum Anwesen fest verschlossen hatte. Die Demonstranten nahmen es mit Gelassenheit und querten über die angrenzende Kreisstraße – eine Option, die mit Eröffnung der Westtangente nicht mehr möglich sein wird. Auf der gegenüberliegenden Seite versammelten sich dann alle ein letztes Mal, um sich von Renate Richter (Initiatorin der Petition für den Bau einer Straßenunterführung bei Mamhofen) die bitteren Konsequenzen des Ausbaus der Kreisstraße für Radfahrer und Fußgänger erläutern zu lassen. Nach einem Schlusswort von Gerhard Sailer löste sich die Demonstration auf. Abschließend waren sich die Teilnehmer einig, dass man sich als Radfahrer auf öffentlichen Straßen lange nicht mehr so sicher gefühlt hatte, wie anlässlich der Radldemo, und dass die erzielte Sichtbarkeit Grund genug sei, diese Aktion zu gegebener Zeit zu wiederholen.

Renate Richter
Pressesprecherin Verkehrsraum fairteilen

Radfahrer demonstrieren für Wertewandel in der Verkehrspolitik

Unter dem Motto Verkehrsraum fairteilen lädt die Mobilitätswende Weßling unterstützt von den Kreisgruppen des ADFC, des Bund Naturschutz, des Energiewendevereins und des VCD für Samstag, den 1. Juli 2017 zu einer Fahrrad-Demo ein. Diese ist als gemeinschaftliche Radtour von Gilching nach Starnberg konzipiert. Der Streckenverlauf berücksichtigt dabei ausgewählte Brennpunkte aktueller Straßenbaumaßnahmen, die im Rahmen kurzer Zwischenstopps angesteuert und besichtigt werden.

Auch im angeblich fahrradfreundlichen Landkreis Starnberg wird Verkehrspolitik nach wie vor hauptsächlich für den motorisierten Individualverkehr gemacht. Dies verdeutlicht eine in der Jubiläumsbeilage der Süddeutschen Zeitung vom 17. Mai 2017 veröffentlichte Statistik, laut der die Anzahl der Radwegekilometer im Zeitraum von 1999 bis 2016 entgegen dem bundesweiten Trend zurückgegangen ist.

Aktive Radfahrer bekommen die Konsequenzen tagtäglich zu spüren: Nicht nur fehlt es landkreisweit an straßenbegleitenden Radwegen und sicheren Querungsmöglichkeiten entlang neugebauter Umfahrungsstraßen. Schlimmer noch: Durch überörtliche Straßenbaumaßnahmen wurden und werden zahlreiche Ortsverbindungen im bestehenden Rad- und Fußwegenetz dauerhaft zerstört.

Jüngste Beispiele dieser verfehlten Verkehrspolitik sind die Umfahrung Weßling bei Mitterwies, die jetzige Kreisstraße STA 3 bei Mamhofen sowie die geplante Umfahrung Gilching. Darüber hinaus werden bestehende Möglichkeiten zum Straßenrückbau nicht aktiv genutzt, wie zum Beispiel bei der alten Ortsverbindungsstraße Oberbrunn-Unterbrunn. In Folge fahren immer mehr Autos mit immer höheren Geschwindigkeiten auf immer mehr Straßenkilometern, während sich das Wegeangebot für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer sukzessive reduziert und der Erholungswert der Landschaft sinkt.

Die oben genannten Vereine und Verbände sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger fordern schon länger eine Abkehr von der autozentrierten Verkehrspolitik in diesem Landkreis. Der Forderung nach einer gleichberechtigten Berücksichtigung der Interessen aller Verkehrsteilnehmer soll am Samstag, den 1. Juli 2017 mit einer Fahrrad-Demo Nachdruck verliehen werden. Treff- und Startpunkt ist um 15:00 Uhr am Marktplatz in Gilching. Von dort geht es über Unterbrunn, Oberbrunn und Hanfeld nach Mamhofen, wo die Abschlusskundgebung stattfindet. Weitere Informationen sind unter www.verkehrsraum-fairteilen.de zu finden.

Renate Richter
Pressesprecherin Verkehrsraum fairteilen

Rückblick auf das vierte Jahr


Seit vier Jahren engagiert sich die Mobilitätswende Weßling nach dem Motto Fossiles Denken überwinden für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde. Dieser Beitrag gibt einen Rückblick auf die Aktivitäten und Projekte im vergangenen Jahr 2016.

Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR

Eine Beleuchtung für den Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 vom Ortsausgang beim Autohaus Widmann bis zum DLR war in der Vergangenheit lange vorgesehen und im Gemeindehaushalt berücksichtigt gewesen. Als die Mobilitätswende im Jahr 2013 begann, sich für den Fuß- und Radverkehr einzusetzen, wurde zunächst der erste Abschnitt bis zum Kreisel bei der Feuerwehr realisiert. In 2015 stimmte der Gemeinderat dem Vorschlag der Mobilitätswende zu, auch den restliche Weg bis zum DLR mit einer LED-Beleuchtung auszustatten. Seit Juli ist der Weg nun durchgehend beleuchtet. Wenig später wurde vom DLR der weitere Verlauf bis zum OHB-Gelände mit Leuchten am Zaun versehen.

Damit existiert nun eine Geh- und Radwegverbindung nach Gilching, die dank hervorragendem Belag, vorbildlichem Winterdienst und ununterbrochener Beleuchtung ganzjährig und zu jeder Tages- und Nachtzeit problemlos und sicher benutzbar ist. Schade ist nur, dass der Gemeinderat nicht dem Vorschlag der Mobilitätswende folgte, eine bedarfsgerechte Beleuchtung mittels Bewegungssensoren einzusetzen oder wenigstens das Licht (z. B. zwischen 23 und 5 Uhr) abzuschalten, wenn es nahezu keinen Fußverkehr gibt.

Geh- und Radweg nach Etterschlag

Viel Engagement hatte die Mobilitätswende in die dieses Jahr realisierte Geh- und Radwegverbindung nach Etterschlag gesteckt. Nun gibt es zwischen Grünsink und der Schranke zur Umfahrung einen drei Meter breiten asphaltierten Weg und von dort einen neuen Geh- und Radweg neben der Staatsstraße zum Wirtschaftsweg entlang der Autobahn 96. In Anbetracht der engen Rahmenbedingungen durch Planfeststellung, Naturschutz, Kosten und Alltagstauglichkeit kann die jetzt verfügbare Lösung als optimal angesehen werden.

Radlreparaturstation

Im Jahr 2015 hatte der Landkreis STA einen Preis von 2.000 € für die Landkreiskommune mit den meisten STAdtradel-Kilometern pro Einwohner ausgelobt. Wie jedes Jahr seit 2011 waren die Weßlinger Radlerinnen und Radler in dieser Kategorie Spitze und das Preisgeld ging an die Gemeinde.

Heuer stimmte der Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Mobilität dem Vorschlag der Mobilitätswende zu, für das Preisgeld eine hochwertige Reparaturstation anzuschaffen und am Bahnhof aufzustellen. Seit Juli steht die Station allen Radlerinnen und Radlern zur Verfügung und macht Weßling im Landkreis zum Vorreiter im Radverkehrsförderungsbereich Service.

Bushaltestelle Hort

Seit Anfang 2015 setzt sich die Mobilitätswende für eine sichere Neugestaltung der Bushaltestelle am Hort in Hochstadt ein. Ein solcher Umbau wurde in diesem Jahr vom Gemeinderat als Teil der Sanierung der Dorfstraße beschlossen und wird derzeit umgesetzt. Damit wird die erste moderne, barrierefreie Bushaltestelle mit Witterungsschutz in der Gemeinde realisiert.

Dennoch ist leider nicht zu erwarten, dass in naher Zukunft ein Großteil der Hortschülerinnen und -schüler mit dem Linienbus 955 anstatt mit dem Elterntaxi nach hause fahren. Denn nach ausführlichen Diskussionen zwischen Eltern, Gemeindeverwaltung und Erzieherinnen wurde beschlossen, dass die Kinder den Hort weiterhin erst ab 16:00 Uhr verlassen dürfen – und damit nicht den Bus 955 um 15:55 Uhr nehmen können.

STAdtradeln

Beim diesjährigen STAdtradeln vom 19. Juni bis 9. Juli legten 344 Weßlinger Radlerinnen und Radler 69.243 Kilometer zurück. Damit sind Beteiligung und Gesamtkilometer leicht rückläufig gegenüber den Vorjahren. Im sechsten Jahr stellte sich leider nicht mehr die ganz große Begeisterung der vorigen Jahre für die Mitmachaktion ein. Das ist schade, weil sie als wichtiger Katalysator für die Radverkehrsförderung im Landkreis STA gewirkt hat – sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung, als auch in der Kommunalpolitik.

Radlständer-Vergleichstest

Zum dritten Mal führte die Mobilitätswende in diesem Jahr einen Vergleichstest der Radlständer in Weßling durch. Gegenüber dem Vorjahr konnten nur minimale Fortschritte verzeichnet werden, nämlich die neue Abstellanlage mit sechs Plätzen beim Edeka und der neue Vierfach-Radlständer beim Spielplatz. Beide Anlagen wurden auf Anregung der Mobilitätswende installiert, entsprechen aber nicht einschlägigen Qualitätskriterien.

Radl Werkstatt

Seit diesem Sommer gibt es in Weßling eine offene Werkstatt für Radlreparaturen. Dafür stellt die Gemeinde dankenswerterweise die Garagen auf der Rückseite des ehemaligen Feuerwehrgebäudes zur Verfügung. Sowohl Geflüchtete als auch Einheimische sind jeden Donnerstagabend eingeladen, ihre Radl instandsetzen zu lassen oder selbst zu reparieren. Die Radl Werkstatt ist ein Projekt des IntegrationsPunkt der Nachbarschaftshilfe Weßling und wird von Mitstreitern der Mobilitätswende tatkräftig unterstützt und gestaltet.

Umgehungsstraße

In diesem Jahr wurde die Weßlinger Umfahrung fertiggestellt und eröffnet. Während sich die Straßenbauer über eine „gute, leistungsfähige Strecke” freuen, erfüllt die Straße nicht die hohen Erwartungen zur Verkehrsberuhigung der Weßlinger. Für Fußgänger und Radler stellt nur die Sperrung der Grünsinker Straße für den Durchgangs-Kfz-Verkehr eine Verbesserung dar, während die Trennung des Waldweges an der Mitterwiese und die dilettantisch ausgeführte Unterführung beim Kreisel nach Delling für viel Ärger bei menschen- und umweltfreundlich mobilen Menschen sorgen.

Als positive Entwicklung ist die Beendigung des jahrzehntelangen Umgehungsstraßen-Konfliktes und die damit möglich gewordene Bildung des im Mai gegründeten Arbeitskreises mobil & lebenswert zu nennen. Durch Mitwirkung aller mobilitätsrelevanten Gruppen, Vereine und Fraktionen, maximaler Öffentlichkeit und großer Nähe zum Gemeinderat kann er Fortschritte in Richtung nachhaltige Mobilität bringen.

Sonstiges

Im Beitrag Stummer Schrei nach friedlichen Straßen machte die Mobilitätswende anschaulich darauf aufmerksam, dass der für den Kfz-Verkehr gestaltete Weßlinger Straßenraum die altersgerechte Entwicklung und selbstbestimmte Mobilität von Kindern massiv einschränkt. Mit zwei Leserbriefen bezog die Mobilitätswende Stellung zur Etablierung der Buslinien und zum autozentrierten Vorgehen der Verkehrsbehörden im Landkreis STA. Und wie immer informierte sie in der Gemeindezeitung Unser Dorf heute über Neuigkeiten in Sachen nachhaltige Mobilität, in der Frühjahrsausgabe sogar mit beigelegten Minifahrplänen der neuen Buslinie 955 und in der Sommerausgabe mit unbequemen – mittlerweile bestätigten – Aussichten zur begrenzten Wirksamkeit der Umfahrung.

Fazit und Ausblick

Mit der Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR, dem Bau des Geh- und Radwegs nach Etterschlag und der Installation der Radlreparaturstation am Bahnhof hat die Mobilitätswende in diesem Jahr besonders viel bewirkt. Von einer hinsichtlich Klimaschutz, Resourcen- und Energieverbrauch und menschengerechter Gestaltung des öffentlichen Raums dringend notwendigen Mobilitätswende ist indes weiterhin nichts zu bemerken. Vielmehr wächst der weit über dem Bundesdurchschnitt liegende Motorisierungsgrad in Weßling immer noch an, und die Verkehrspolitik auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene fördert weiterhin mit ganzer Kraft den nicht zukunftsfähigen Kfz-Verkehr.

Auch die personelle Entwicklung der Mobilitätswende Weßling stimmt wenig hoffnungsvoll, denn seit der Gründung vor vier Jahren sind die Personalresourcen stets geschrumpft, sodass immer weniger Aktivitäten und Projekte angegangen werden können. Es gibt also wenig Grund zur Annahme, dass das fossile Denken in Weßling in absehbarer Zeit überwunden werden kann.

Umgehungsstraße Weßling

Unterbrochener Wirtschaftsweg an der Mitterwiese

Unterbrochener Wirtschaftsweg an der Mitterwiese

Heute wurde die Umfahrung Weßling für den Kfz-Verkehr freigegeben. Eine nach allen Regeln der Ingenieurskunst gestaltete, 3,3 km lange Asphalttrasse verbindet nun die Autobahnausfahrt Wörthsee mit der Staatsstraße 2068 nach Herrsching. Dies führt zu teilweise erheblichen, dauerhaften Einschränkungen für den Fuß- und Radverkehr.

Die einst idyllische Mitterwiese liegt jetzt direkt an der Staatsstraße

Die einst idyllische Mitterwiese liegt jetzt direkt an der Staatsstraße

Besonders schmerzlich ist die Trennung des bei Spaziergängern, Wanderern, Joggern und Radlern beliebten Wirtschaftswegs an der Mitterwiese nach Steinebach. Außerdem ist nun die erholsame Ruhe und Idylle der Mitterwiese durch die unmittelbar angrenzende Kfz-Straße Geschichte.

Laut Planfeststellung hätte die Radverkehrsverbindung nach Etterschlag bzw. Schluifeld ebenso unterbrochen werden sollen. Hier konnte allerdings auf Betreiben der Mobilitätswende eine brauchbare Lösung gefunden werden, die in Richtung Etterschlag sogar eine Verbesserung, nach Schluifeld allerdings einen großen Umweg bedeutet.

Di­let­tan­tische Radverkehrsanlage an der Dellinger Höhe

Di­let­tan­tische Radverkehrsanlage an der Dellinger Höhe

Sehr enttäuschend ist die Ausgestaltung der Geh- und Radwegunterführung am Kreisel zwischen Weßling und Delling. Die Zufahrt aus Richtung Delling ist zu steil und zu kurvig, die Unterführung zu schmal und unübersichtlich. Gemessen an der absoluten Perfektion der neuen Kfz-Trasse ist dieses Bauwerk geradezu di­let­tan­tisch – und eines fahrradfreunlichen Landkreises in keinster Weise würdig.

Obwohl es sich um eine Staatsstraße handelt, werden etwa 2,4 Millionen € (von über zehn Millionen € Gesamtkosten) von der Gemeinde Weßling und der Rest vom Freistaat Bayern bezahlt. Dabei verfolgen die beiden Parteien völlig unterschiedliche Ziele: Während die Gemeinde den Durchgangs-Kfz-Verkehr reduzieren will, nutzt die Staatsregierung die Gelegenheit, im Rahmen ihrer zukunftsblinden Verkehrspolitik das außerordentlich dichte bayerische Straßennetz noch leistungsfähiger zu machen und damit den Kfz-Verkehr zu fördern. Diese im Grunde gegensätzlichen Interessen äußern sich auch darin, dass ernsthaft Kfz-Verkehrsbeschränkende Maßnahmen (z. B. Tempo 30, Durchfahrtverbot für Lkw) auf der Weßlinger Hauptstraße von den durch die Staatsregierung gelenkten Verkehrsbehörden nicht genehmigt werden.

Die Umfahrung wird kurzfristig für eine Reduktion der Kfz-Verkehrsbelastung auf der Hauptstraße sorgen. Wie deutlich diese ausfällt und inwieweit sie durch freie Bahn für den innerörtlichen Verkehr und Steigerung des Gesamtverkehrsaufkommens durch den unablässigen Bau weiterer Straßen und Gewerbegebiete im Landkreis egalisiert wird, ist nicht vorhersehbar. Zu den sicheren Gewinnern zählen jedenfalls Automobil- und Bauindustrie, welche bekanntlich massive Lobbyarbeit für Umfahrungsstraßen betreiben.

Die Mobilitätswende sieht den Bau von Umfahrungen kritisch, weil in hohem Maße Natur und Geld verbraucht wird, um die Symptome des unerträglich gewordenen Kfz-Verkehrs aus dem Blick zu rücken, wobei dieser aber ursächlich gefördert wird. Somit wird das kluge Prinzip global denken, lokal handeln auf den Kopf gestellt und die Verkehrswende als unumgänglicher Teil der Energiewende verzögert.

Stummer Schrei nach friedlichen Straßen

Bei einer Rundfahrt durch die Weßlinger Ortsteile entdeckte die Mobilitätswende 29 inoffizielle (straßenverkehrsrechtlich nicht maßgebliche) Beschilderungen, die Kraftfahrer zu erhöhter Aufmerksamkeit und reduzierter Fahrgeschwindigkeit motivieren sollen. Alle Schilder berufen sich auf Kinder, für die sich der Kfz-Verkehr in besonders hohem Maße lebensbedrohlich und bewegungseinschränkend darstellt. Diese Problematik wird offenbar vielen Eltern bewusst, sobald der eigene Nachwuchs beginnt, sich selbständig fortzubewegen.

Polizei, Verkehrswacht und Autoclubs wollen Kinder so früh wie möglich durch Verkehrserziehung an die bestehenden Verkehrsverhältnisse, nach denen möglichst ungehinderter Kraftverkehr höchste Priorität genießt, anpassen. Ziel ist es (oft unbewusst), die offenbar auch in Weßling immer lauter werdenden Forderungen nach menschenfreundlicher Gestaltung des öffentlichen Raums weiterhin zu marginalisieren, sodass auch in Zukunft freie Fahrt für freie Kraftfahrer gewährleistet werden kann.

Die Mobilitätswende sieht Verkehrserziehung daher kritisch und setzt sich für Maßnahmen ein, die den Kfz-Verkehr beschränken und lokale Mobilitätsgerechtigkeit für Kinder, Senioren, Behinderte, Fußgänger und Radfahrer stärken:

In der Gemeinde Weßling, wo es mehr Kfz als volljährige Einwohner gibt, ist das ein Kampf gegen Windmühlen – aber der Wind dreht sich!

Verkehrsberuhigung zum Mitmachen

von Gerhard Hippmann für Unser Dorf heute

Autolärmflagge

Autolärmflagge

Im kommenden Herbst wird die Westumfahrung eröffnet. In seiner Verkehrsuntersuchung aus dem Jahr 2008 prognostiziert Prof. Kurzak eine restliche Verkehrsbelastung von täglich 9.500 Kraftfahrzeugen auf der Hauptstraße. Das ist dreimal so hoch wie heute auf der Gautinger Straße – zu viel für eine wesentlich verbesserte Nutzbarkeit des Straßenraums (flanierende und verweilende Fußgänger, radelnde Kinder u. s. w.). Kurzak geht in seiner Prognose davon aus, dass die Umgehung gut angenommen wird und nur 700 Fahrzeuge Durchgangsverkehr verbleiben. Demnach müssen wir mit einer hausgemachten Verkehrsbelastung von ca. 8.800 Kfz am Tag rechnen.

Wir werden es also im Wesentlichen selbst in der Hand haben, ob die lang ersehnte Verkehrsberuhigung im Ort gelingt. Die Entscheidung über ein lebenswertes Weßling wird durch tägliche Abstimmung mit unserer Verkehrsmittelwahl gefällt.

Die Voraussetzungen sind eigentlich günstig: Die Gemeinde ist mittlerweile bestens an das öffentliche Personenverkehrsnetz angeschlossen, und alle möglichen innerörtlichen Wege sind so kurz, dass sie von den deutschen Stadtradelmeistern schnell und mühelos mit Fahrrad oder Pedelec zurückgelegt werden können. Der Umstieg zu sanfter Mobilität wird erheblich erleichtert durch technische Entwicklungen wie Smartphone-Apps für multimodale Mobilität, Fahrradanhänger und Lastenräder, LED-Beleuchtung und Spikereifen für Fahrräder und schicke Funktionsbekleidung für jede Witterung. Dennoch wird es sicherlich schwierig werden, bewusst und solidarisch die liebe Gewohnheit und den inneren Schweinehund mehrheitlich zu überwinden und die Autonutzung zu reduzieren.

mobil & lebenswert

Der Weg zu mitbürger- und umweltfreundlicher Mobilität soll aber nicht allein vom guten Willen der Bürgerinnen und Bürger abhängen. Ein außerordentlich breites Bündnis aus Vertretern von ADFC, Bund Naturschutz, Mobilitätswende, Ortsbildbeirat, SoKo, Unser Dorf, VCD, Verkehrsberuhigungsverein und allen Gemeinderatsfraktionen hat im Mai einen öffentlich tagenden Arbeitskreis gegründet, der das neue Langzeitprojekt „mobil & lebenswert” voran bringen will. Ziel ist es, Maßnahmen und Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, die alle Ortsteile unserer Gemeinde mobil und lebenswert machen.

Verkehrspolitik aus dem vergangenen Jahrhundert

Leserbrief zum Beitrag Groll aufs Staatliche Bauamt im Starnberger Merkur vom 5. März 2016

„Unverständnis und Verärgerung, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, über ein Amt, das konsequent alle Versuche ablehnt, entlang des Ortseingangs an der Staatsstraße den Verkehrslärm zu reduzieren und die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu verbessern” schreibt der Autor erfreulich klar und deutlich.

Tatsächlich lässt das Straßenbauamt Weilheim, aber auch die Untere Verkehrsbehörde des Landratsamtes und die örtlichen Polizeiinspektionen keine Möglichkeit aus, jede vernünftige Maßnahme zur Bändigung des allerorts unerträglich gewordenen Kfz-Verkehrs mit aller Wucht zu konterkarieren – lediglich der Neu- und Ausbau von Straßen für noch mehr Autos findet Zustimmung. Entgegen dem Wohl von geplagten Anwohnern und schwachen Verkehrsteilnehmern wird offenbar die Linie der Landesregierung durchgesetzt, für die unendliches Wachstum der bayerischen Premiumautobauer höhere Priorität genießt als menschen- und umweltgerechte Mobilität. Diese überholte, nicht zukunftsfähige Verkehrspolitik nach dem Motto „freie Fahrt für freie Bürger” aus den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts fällt selbst in der lobbykratischen Autorepublik Deutschland frappierend durch ihre Rückständigkeit aus der Reihe.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling