Archiv der Kategorie: Allgemein

Park-Platz statt Parkplatz

Foto: VCD Jena


Die Umverteilung von Flächen im öffentlichen Raum zählt zu den dringensten Maßnahmen der anstehenden Mobilitätswende. Mit der Aktionsserie Park-Platz statt Parkplatz macht das Aktionsbündnis Verkehrswende STA die Flächenverteilung des ruhenden Verkehrs zum Thema.

In urbanen Räumen, welche es auch in den Ortszentren der größeren Kommunen im Landkreis STA gibt, steht ein unverhältnismäßig großer Teil des knappen Raums für das Parken von Pkw zur Verfügung. Diese autogerechte Ortsgestaltung wird noch immer von Einzelhändlern vehement eingefordert und von der Kommunalpolitik wie selbstverständlich umgesetzt.

Urbane Räume sind jedoch für Menschen da. Die Aufenthaltsqualität im Straßenraum entscheidet darüber, ob sich Bürgerinnen und Bürger wohl fühlen oder möglichst das Weite suchen. Attraktive Ortszentren und ein großzügiges Kfz-Stellplatzangebot schließen sich aus. Mit Kraftfahrzeugen zugestellte Parkstreifen zerstören zuverlässig das Ortsbild und verhindern für Menschen, Tiere und Mikroklima bedeutsame Grünflächen.

Wie am weltweiten Park(ing) Day demonstrieren wir in mehreren Landkreiskommunen die Nutzung von zentral gelegenen Parkplätzen als öffentlichen Lebensraum. Wir laden alle sympathisierenden und interessierten Menschen ein, sich zu beteiligen und mit Park-Platz statt Parkplatz ein Zeichen für eine zeitgemäße und faire Verteilung des Verkehrsraums zu setzen.

Weitere Infos gibt es hier.

Mitfahrerbänke für Weßling

von Gerhard Sailer für Unser Dorf heute

Die Älteren unter uns können sich noch an die Zeiten erinnern, als vor allem zur Ferienzeit an jeder Ecke junge Leute standen und mit hochgestrecktem Daumen zeigten, dass sie gerne mitgenommen werden wollten. Man nannte sie „Anhalter“, eine inzwischen fast ausgestorbene Spezies. Für die weiten Strecken sicher zurecht, aber im Alltag? Ich habe die Methode für mich wiederentdeckt: Abends mit der S-Bahn in Weßling angekommen aber den Bus verpasst, das Stück bis Oberpfaffenhofen flotten Schrittes bewältigt und dann an der Hochstadter Straße den Daumen hoch. Sie werden es nicht glauben: Oft hält gleich das erste Auto an, spätestens aber das dritte! Manchmal folgt ein kurzer Ratsch darüber, warum es eigentlich nur noch so wenige Anhalter gibt. Schon sind die zwei Kilometer nach Hochstadt zurückgelegt – ein Genuss nach einem langen Arbeitstag! Und dabei auch noch endlich mal wieder alte Bekannte getroffen oder neue Menschen kennengelernt.

Vor einigen Jahren startete die Gemeinde schon einmal den Versuch, Menschen sozusagen mit offiziellem Segen dazu zu bewegen, andere mitzunehmen. Ein roter Punkt sollte Autofahrer mit freien Plätzen und solche, die selbst über kein Auto verfügten, zusammenbringen. Vielleicht war das damalige System einfach zu bürokratisch, vielleicht war auch die Zeit noch nicht reif.

Inzwischen gibt es immer mehr Menschen, die sich kein eigenes Auto mehr leisten können, oder die angesichts von Luftverschmutzung und Lärmbelästigung durch zu viel Autoverkehr ihr eigenes Mobilitätsverhalten nachhaltiger gestalten wollen. Aber Busse fahren nicht immer und auch nicht überall hin. Mancher Weg wird einem zu Fuß arg lang, wenn die Sonne vom Himmel brennt, es stürmt oder schneit oder die gefüllten Einkaufstaschen immer schwerer werden. Manches Ziel, obwohl gar nicht so weit weg, lässt sich zu Fuß kaum mehr erreichen, weil Fußgänger auf unseren Straßen einfach nicht mehr vorgesehen sind. Da wäre es dann schön, wenn man in einem der vorbeibrausenden Autos Platz nehmen könnte. Zumal es nahezu in jedem Auto noch freie Plätze zur Genüge gäbe. Etwa bei zwei Drittel aller Autofahrten in Deutschland sitzt der Fahrer alleine im Fahrzeug, und der durchschnittliche Besetzungsgrad eines Autos liegt bei sage und schreibe 1,5 Personen!

Mitfahrerbank in Schondorf

Aber wie bringt man Fahrer und Mitfahrer zusammen? Es gibt da eine Idee, die zu funktionieren scheint: Die Mitfahrerbank! Gar nicht weit weg, in Schondorf am Ammersee, steht seit einiger Zeit eine solche Bank und sie wird gut angenommen. Der Clou: Aus einer Reihe aufklappbarer Schilder wird dasjenige ausgesucht, das den vorbeikommenden Autofahrern das gewünschte Fahrziel anzeigt. Wie es genau funktioniert, wollen wir aus erster Hand erfahren:

Am 5. April um 19:30 Uhr veranstaltet die Mobilitätswende Weßling zusammen mit dem ökologischen Verkehrsclub VCD im Pfarrstadel das zweite Weßlinger VCD Fairkehrsforum und hat dazu Sabine Pittroff eingeladen. Sie betreut bei der Initiative mobi-LL vom Ammersee-Westufer die Mifahrerbänke und wird uns das Projekt vorstellen. Mit den notwendigen Informationen versehen, wollen wir uns dann daran machen, auch für unsere Ortsteile Mitfahrerbänke zu organisieren. Haben auch Sie Ideen, wie wir wieder wirkliches Leben auf unseren Straßen und Plätzen ermöglichen können? Dann kommen Sie doch auch dazu!

Gebaut, um die Zukunft zu rauben

BMW ist immer noch stolz auf Auspuffrohre.

Obwohl es offenkundig keinen nachvollziehbaren Grund dafür gibt, die Beförderung einer Nutzlast um 100 kg mit einem tonnenschweren, wertvolle Ressourcen verschwendenden, klima- und gesundheitssschädlichen Kfz zu bewundern oder gar mit Sportlichkeit in Verbindung zu bringen, setzt die Reklame der Autobauer noch immer vorwiegend auf diese Karte. Besonders unverschämt kam kürzlich eine Zeitungsbeilage von BMW daher, in der mit dem Spruch „Gebaut, um den Atem zu rauben” geworben wurde – eine öffentliche Verhöhnung der zahlreichen Opfer giftiger Autoabgase und ihrer Angehörigen bzw. Hinterbliebenen. Anscheinend ist im Endspiel der fossilen Automobilität mittlerweile jedes Mittel recht, um aus der Zeit gefallenen Kraftfahrern ausnehmend sinnfreie Protzfahrzeuge anzudrehen.

Rückblick auf das sechste Jahr

Seit sechs Jahren setzt sich die Mobilitätswende für nachhaltige Mobilität in Weßling ein. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Projekte und Aktionen im Jahr 2018.

Fahrradstraßen

Das Jahr 2018 begann mit einer Sensation in der gemeindlichen Radverkehrspolitik. Am 23. Januar beschloss der Gemeinderat einstimmig die Einrichtung der von der Mobilitätswende vorgeschlagenen und vom Arbeitskreis mobil & lebenswert beantragten zwei Fahrradstraßen Bahnhof und Pfarrstadel. Diese Entscheidung ist nicht nur bemerkenswert, weil dadurch dem Radverkehr Vorrang vor dem Kfz-Verkehr gewährt wird, sondern insbesondere weil es sich dabei um strategisch wichtige Straßenzüge handelt.

Die darauf folgende Bearbeitung durch die Gemeindeverwaltung gab allerdings wenig Anlass zur Begeisterung. Obwohl wiederholte Prüfung durch die Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt keine rechtlichen Einwände ergab, sind die Fahrradstraßen bis heute nicht realisiert worden. Es gibt sogar Bestrebungen, die Bahnhofstraße wegen geringer Fahrbahnbreite und Linienbusverkehr auszunehmen. Wir setzen uns für eine Eröffnung der beiden Fahrradstraßen im vollen Umfang im kommenden Frühling ein.

Fahrradabstellanlagen

In Weßling stellt die Erneuerung der Fahrradabstellanlagen am Bahnhof den wohl größtmöglichen Fortschritt auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Gemeinde dar. Deshalb war die allerste Aktion der Mobilitätswende ein entsprechender Antrag bei der Bürgerversammlung am 17. Dezember 2012, der von den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern ohne Gegenstimmen angenommen wurde. Dennoch wurde das Projekt Jahr für Jahr verschoben, um die Maßnahme mit dem barrierefreien Umbau des Bahnhofs kombinieren zu können.

Anfang 2018 änderte sich die Situation grundlegend, weil bekannt wurde, dass der Umbau des Bahnhofs erst für das Jahr 2026 vorgesehen ist, und weil die staatliche Förderquote für Bike&Ride-Anlagen auf stolze 75 % erhöht wurde. Daher beschloss der AK mobil & lebenswert, nicht mehr länger zu warten und sich wenigstens für die Realisierung einer Übergangslösung einzusetzen. Dazu erarbeitete die Mobilitätswende Konzeptplanungen mit Kostenschätzungen in verschiedenen Varianten. Doch ähnlich wie bei den Fahrradstraßen konnte auch die Erneuerung der Abstellanlagen nicht erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. In diesem Fall verhinderten Einwände des Ortsbildbeirats sowie die Konzentration der Kommunalpolitik auf die Verhinderung des AWISTA Müllzentrums in Hochstadt, dass ein entsprechender Antrag in den Gemeinderat eingebracht wurde. Für das kommende Jahr besteht immerhin Hoffnung, dass eine hochwertige überdachte Fahrradabstellanlage auf der Bahnhofsnordseite beantragt und realisiert wird.

Beschlossene Sache ist hingegen die Erweiterung der Fahrradabstellanlage des Weßlinger Schulhauses. Gemäß einer von der Mobilitätswende erarbeiteten Planung werden 12 überdachte Fahrradabstellplätze und 24 Rollerabstellplätze ergänzt. Die Fahrradparker im Wert von ca. 1000 € spendet erfreulicherweise UNSER DORF e.V. Einziger Wehrmutstropfen bei diesem Projekt sind die Diskussionen und das knappe Abstimmungsergebnis im Gemeinderat wegen zu hoch empfundener Kosten, obwohl die Bereitstellung überdachter Radlständer für Grundschulen eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Auch am Freizeitheim in Hochstadt setzte sich die Mobilitätswende für die Errichtung einer Fahrradabstellanlage ein, bisher leider noch nicht erfolgreich.

Rotmarkierte Fahrradfurten

Rotmarkierte Fahrradfurten sind eine weit verbreitete Maßnahme aus den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) zur Erhöhung der Radverkehrssicherheit. Ähnlich wie bei Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) sprach sich die Untere Verkehrsbehörde des Landkreises STA in den vergangenen Jahren dennoch stets mit merkwürdigen Begründungen dagegen aus. Der Hartnäckigkeit unseres zweiten Bürgermeisters Michael Sturm ist zu verdanken, dass in diesem Sommer trotzdem drei der vier von der Mobilitätswende vorgeschlagenen Rotmarkierungen (Neuhochstadter Straße, Buchenweg, Aldi-Zufahrt) angebracht wurden. Nun fehlt nur noch die Furt über den Nelkenweg.

Bordsteinabsenkungen

Ebenfalls in diesem Sommer wurden drei Bordsteinabsenkungen aus der Liste der Mobilitätswende hergestellt. Die Absenkung beim Autohaus Widmann wurde verbreitert, und in der Schulstraße wurden beim Zugang zum Edeka sowie an der Kreuzung mit der Grünsinker Straße barrierefrei umgebaut. Wir hoffen, dass auch im kommenden Jahr einige Bordsteinabsenkungen realisiert werden.

Fairkehrsforum

Am 5. März organisierte die Mobilitätswende ein VCD Fairkehrsforum im Hotel Zur Post. Vor etwa 40 Gästen referierte und diskutierte Dr. Markus Büchler über Maßnahmen und existierende Beispiele für menschenfreundliche Mobilität – ein Thema, das offenbar immer mehr Menschen bewegt.

Critical Mass

Erstmalig trafen sich in diesem Jahr Radlerinnen und Radler in Weßling zur Critical Mass, um ein Zeichen für die Rückeroberung der Straßen zu setzen. Das gelang an fünf Freitagabenden mit bis zu 90 Teilnehmern sehr eindrucksvoll und stets gut gelaunt. So starken Zuspruch wünscht sich so manche Mittelstadt.

STAdtradeln

Beim diesjährigen STAdtradeln konnte – nicht zuletzt durch günstiges Wetter – der Abwärtstrend der letzten Jahre gestoppt werden. Dank starker Beteiligung durch Firmenteams fuhren 435 aktive Radlerinnen und Radler in 28 Teams mit 93.374 Kilometern sogar ein absolutes Rekordergebnis für Weßling ein.

Neben der Koordination auf Landkreis- und Gemeindeebene brachte sich die Mobilitätswende dieses Jahr auch durch einen Semmelservice mit dem Leihlastenpedelec LaRa 1 ein. In Kooperation mit der Gemeindeverwaltung und der Bäckerei Böck belieferte Gerhard Sailer an vier Samstagen Teamkapitäne sowie aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer frei Haus mit frischen Backwaren. Damit wurden nicht nur die STAdtradler motiviert, sondern gleichzeitig demonstriert, wie ein autofreier Lieferservice funktionieren und die Gemeinde lebenswerter machen kann.

Überörtliche Radwege

Für den Fuß- und Radverkehr stellt der Wirtschaftsweg zwischen Weßling und Steinebach die mit Abstand günstigste Verbindung dar. Alle möglichen Alternativen sind wegen großer Umwege und Höhenunterschiede inakzeptabel. Aufgrund seiner unbefestigten Oberfläche ist der Weg vor allem im Winter jedoch kaum mit dem Fahrrad befahrbar. Zusammen mit Radlaktivisten aus Wörthsee versucht die Mobilitätswende schon seit einiger Zeit erfolglos, die zuständigen Gemeinden dazu zu bewegen, den Weg für den Alltagsradverkehr zu ertüchtigen.

Auch zwischen Oberpfaffenhofen und Unterbrunn sowie zwischen Hochstadt und Unering fehlen sichere, alltagstaugliche Geh- und Radwege zu unseren Nachbargemeinden. Es besteht ein wenig Hoffnung, dass durch die angekündigte Bürgermeisterrunde zum Alltagsradroutennetz STA im kommenden Jahr Bewegung in die Herstellung überörtlicher Radwege kommt.

Sonstiges

Auch im diesem Jahr wirkte die Mobilitätswende in der Radl Werkstatt mit. Neben Reparatur und Aufbereitung von Fahrrädern wurde wieder ein Radlreparaturkurs für Kinder im Rahmen des Ferienprogramms der Nachbarschaftshilfe angeboten.

Außerdem bezog die Mobilitätswende mit einem Leserbrief zum Radwegmängelmeldesystem des Landratsamts, Stellungnahmen zur Weiterentwicklung des öffentlichen Personenverkehrs im Landkreis und zur Sanierung der Grünsinker Straße sowie durch Artikel in UNSER DORF heute Stellung zu aktuellen Entwicklungen in Sachen nachhaltige Mobilität.

Fortschritte ohne Mobilitätswende

Erfreulicherweise gab es im Jahr 2018 auch einige bemerkenswerte Fortschritte ohne aktive Beteiligung der Mobilitätswende: Die Landjugend baute in Oberpfaffenhofen ein hübsches Wartehäuschen für Busfahrgäste. Engagierten Eltern gelang es nach vielen Jahren endlich, eine Fußgängerampel über die Gautinger Straße in Oberpfaffenhofen durchzusetzen. Anwohner setzten sich erfolgreich für eine 30 Zone Max-Doerner-Weg/Gartenstraße ein. Und die Gemeindeverwaltung konnte mit Hilfe eines Verkehrsplaners erreichen, dass Tempo 30 auf der Hauptstraße auf den Abschnitt zwischen Max-Doerner-Weg und Gautinger Straße ausgeweitet wurde. Das sind schöne Erfolge, die hoffen lassen, dass sich menschen- und umweltfreundliche Mobilität in unserer Gemeinde zum Selbstläufer entwickelt.

Fazit

Im sechten Jahr der Mobilitätswende gab es einige Fortschritte, aber auch erfolglose Aktivitäten für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde Weßling. Wenig Grund für Optimismus geben zahlreiche gigantische Straßenbauprojekte im Landkreis STA, die eine aus der Zeit gefallene Förderung des Kfz-Verkehrs darstellen. In Anbetracht dieser Dimensionen kämpfen ehrenamtlich arbeitende Vereine und Bürgerinitiativen gegen Windmühlen. Hoffnungsvoll stimmt hingegen die zunehmende Mitwirkung durch Bürgerinnen und Bürger bei Fairkehrsforum, Critical Mass, STAdtradeln und eigeninitiativen Aktivitäten. Anscheinend gelingt es einer wachsenden Minderheit in unserer Gemeinde, fossiles Denken zu überwinden – wir sind gespannt, was die Zukunft bringt.

Highway to Bell

Nach bald zwei Jahren seit Eröffnung der Westumfahrung hat sich bei den meisten Bürgerinnen und Bürgern Ernüchterung breit gemacht, denn der Rückgang der Verkehrsbelastung in der Hauptstraße ist subjektiv kaum wahrnehmbar und nichtmotorisierte Menschen meiden sie nach wie vor so weit wie möglich. Als zweifellos positive Wirkung bleibt allerdings die vom Kfz-Verkehr weitgehend befreite Grünsinker Straße, welche hinter der Grünsinker Kapelle sogar für den Durchgangskraftverkehr gesperrt wurde. Hier haben Fußgänger und Radfahrer die Straße zurück erobert und man kann getrost von einem kleinen Paradies für menschen- und umweltfreundlich mobile Menschen sprechen.

Überdimensionierte Kfz-Straße statt Allee für Fußgänger und Radler

Um die Straße der neuen Nutzung entsprechend umzugestalten, hatten die Ortsgruppe Weßling des Bund Naturschutz und die Mobilitätswende im vorigen Jahr vorgeschlagen, die Straße von derzeit sechs Metern auf ca. vier Meter zu verschmälern und eine Allee zu pflanzen. Bedauerlicherweise wurden beide Ideen von Anrainern und Gemeinderäten abgelehnt. Als Begründung wurden die kostenlose Sanierung der bestehenden Straße durch das Straßenbauamt sowie zu hoher Aufwand durch im Boden verlegte Leitungen genannt. So müsse sich die Gemeinde für Jahrzehnte nicht mehr um die Straße kümmern. Nur in unmittelbarer Nähe der Kapelle wurde eine Umgestaltung der Fahrbahn beschlossen.

Verworfener Beschilderungsvorschlag der Mobilitätswende

Im Juli führte das Straßenbauamt die Sanierung durch. Dabei wurden die geplanten Änderungen allerdings nicht berücksichtigt, weil die Gemeinde keine Haushaltsmittel für die dafür erforderliche Entsorgung des teerhaltigen Asphalts zur Verfügung hatte. Daher führt nun nach wie vor eine sechs Meter breite Landstraße bis zum Beginn des Geh- und Radwegs hinter der Kapelle. Obwohl sie überwiegend von Fußgängern und Radlern benutzt wird, weist sie einen Querschnitt für Verkehrsstärken zwischen 3.000 und 10.000 Kfz/Tag auf und die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt weiterhin 100 km/h. Auch in der Kommunikation kann sich die Gemeindeverwaltung nicht von alten Denkmustern lösen: Während viele andere Kommunen (z. B. Dachau 1, Dachau 2, und Ismaning) längst empfehlen, ihre Veranstaltungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu besuchen, werden die Besucher der Grünsinker Feste weiterhin lediglich auf die gute Erreichbarkeit mit dem Auto hingewiesen.

Grünsinker Kapelle an der erneuerten Asphaltpiste

Bei Außenstehenden kann die völlig überdimensionierte Straße nach Grünsink nur für Kopfschütteln sorgen. Frappierend ist dabei nicht nur das fehlende Gespür für eine ansprechende Gestaltung des Straßenraums mit angemessenen Proportionen, sondern auch die darin zum Ausdruck gebrachte Zukunftsvergessenheit. Denn der Rückbau der ehemaligen Staatsstraße und die aufwändige Entsorgung des giftigen Asphalts wurden ohne Not zukünftigen Generationen aufgebürdet.

Semmelservice

Verwöhnaktion der Mobilitätswende für Weßlings STAdtradler

Wer kennt das nicht? In vielen Urlaubsorten kann man sich jeden Morgen die Frühstückssemmeln an die Tür der Ferienwohnung liefern lassen. Tja, dachte ich mir, das wäre doch auch in Weßling eine tolle Sache, samstags auf diese Weise ein bisschen Urlaubsgefühle zu verbreiten. Und jetzt, wo mit LaRa 1 das geeignete Gefährt dafür bei der Nachbarschaftshilfe bereitsteht, war endlich der Zeitpunkt da, diesen schon lange gehegten Gedanken in die Tat umzusetzen.

LaRa 1 im Semmelservice-Einsatz

Also nahmen wir an allen drei STAdtradel-Samstagen den „Semmelservice“ in die Terminliste des Weßlinger STAdtradelns auf. Zum Start kamen mir unsere beiden Bürgermeister, Michael Muther und Michael Sturm, zu Hilfe. Sie wollten sich gerne bei den STAdtradel-Aktiven für ihr Engagement bedanken und griffen meinen Vorschlag, allen Team-Kapitänen eine prall gefüllte Semmeltüte vor die Haustür zu stellen, begeistert auf. Um 6:30 Uhr ging es los. Den Duft der frisch gebackenen Semmeln in der Nase und erstaunte Blicke einiger Frühaufsteher einheimsend, sauste ich mit LaRa 1 durch den Ort. Es war einfach eine Freude, die Semmeltüten mit einer netten Danke-Karte von der Gemeinde an den vielen Haustüren abzulegen, an die noch schlafenden Bewohner zu denken und sich vorzustellen, wie sie später ihre Semmeln ins Haus holen würden.

Aber dann wurde es spannend. Würden auch Weßlings STAdtradler den Service annehmen? Ein bisschen zögerlich waren sie anfangs schon, aber dann kamen tatsächlich die ersten Bestellungen per E-Mail oder WhatsApp bei mir an. Von „uns war es in der Tat etwas unangenehm diesen Service anzunehmen. Aber gut, damit bewerben wir uns bei Dir!“ bis „Welch geniale Idee!“ reichten die Reaktionen. Die vielen Einladungen zum Kaffee, die mit den Bestellungen verbunden waren, konnte ich leider nicht annehmen – da wären die letzten Kunden ja erst gegen Mittag bedient worden. Über die Danke-Mails und -Fotos habe ich mich aber sehr gefreut.

Semmeln mit Danke-Karte von Bürgermeister Muther

Nach drei Samstagen hatte ich dann schon ein paar Stammkunden. Ob man so einen Service aber auch dauerhaft etablieren könnte? Schließlich setzen sich jeden Samstag und Sonntag ganz viele Menschen ins Auto, um sich Frühstückssemmeln zu holen. Bestimmt ließe sich mit einem Lieferservice so manche Autofahrt vermeiden, oder?

Gerhard Sailer

Mobilität für Menschen

Der VCD Kreisverband Fürstenfeldbruck-Starnberg und die Mobilitätswende Weßling laden am Montag, den 5. März, um 19:30 Uhr zum Fairkehrsforum im Nebenraum des Hotels Zur Post ein.

In fast jedem Ort im Großraum München zählt die wachsende Kfz-Verkehrsbelastung zu den drängensten Sorgen der Bürgerinnen und Bürger. Der öffentliche Raum wird vom Kraftverkehr dominiert. Lärm, Abgase und Lebensgefahr führen zu verwaisten Straßen und Ortszentren, die kaum mehr als Lebensraum genutzt werden.

Beim VCD Fairkehrsforum werden Ideen und Konzepte für die Rückeroberung der Straßen vorgestellt. In einem Vortrag mit anschließender Diskussion stellt Dr. Markus Büchler, Kreis- und Gemeinderat aus Oberschleißheim, die gegenwärtige Entwicklung in der Region München dar und zeigt anhand von erfolgreich umgesetzten Maßnahmen aus aller Welt, wie Mobilität für Menschen gestaltet werden kann.

Rückblick auf das fünfte Jahr


Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Aktivitäten und Projekte der Mobilitätswende im vergangenen Jahr 2017.

Radldemo „Verkehrsraum fairteilen”

Am 1. Juli organisierte die Mobilitätswende die Radldemo Verkehrsraum fairteilen. Etwa 150 Radlerinnen und Radler traten mit einem Demonstrationszug von Gilching nach Mamhofen für einen Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik im Landkreis STA mit folgenden Forderungen ein:

  • Rad- und Fußverkehr dem Kraftverkehr gleichstellen
  • Kraftverkehr reduzieren
  • Fahrradfreundlichen Landkreis realisieren

Besonders erfreulich war dabei, dass mit der Bildung des Aktionsbündnisses „Verkehrswende STA” die wichtigsten Organisationen für nachhaltige Mobilität und Lebensweise an einem Strang zogen: Der ADFC Kreisverband STA, die Bund Naturschutz Kreisgruppe STA, der Energiewendeverein STA und der VCD Kreisverband FFB-STA. Enttäuschend war hingegen die geringe Presseresonanz, denn obwohl die unerträglich gewordene Belastung durch den Kfz-Verkehr in den meisten Landkreiskommunen ganz oben auf der Sorgenliste der Bürgerinnen und Bürger steht, wurde die Demo auf eine Lobbyveranstaltung für mehr Fahrradwege reduziert. Die Süddeutsche Zeitung verzichtete sogar komplett auf eine Berichterstattung.

Tempo 30

Es gibt überwältigende, wissenschaftlich untermauerte Argumente für eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften. Ähnlich wie auf Autobahnen und Landstraßen werden diese aber von der in Deutschland durchregierenden Autolobby ohne vernünftige Begründung erfolgreich marginalisiert. Als kleines Zugeständnis – und zur Vermeidung weiterer Debatten zu diesem Thema – wurde mit der Ende 2016 eingeführten Novelle der Straßenverkehrsordnung wenigstens die Einführung von Tempo 30 im unmittelbaren Bereich von Kindertagesstätten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern erleichtert.

Die Mobilitätswende initiierte daher die Beantragung von Tempo 30 auf der Weßlinger Straße im Bereich des Horts sowie auf der Hauptstraße im Bereich des altersgerechten Wohnhauses durch den Arbeitskreis mobil & lebenswert. In beiden Fällen führte der Antrag im Herbst schließlich zur Einführung von jeweils 300 m langen Tempo-30-Abschnitten. Es ist ein schöner Erfolg des AK mobil & lebenswert, dass diese seit Jahrzehnten geforderten Geschwindigkeitsbegrenzungen endlich durchgesetzt werden konnten. Neu und erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass Gemeinderat und -verwaltung nicht mehr widerstandslos den Empfehlungen von Unterer Verkehrsbehörde, Straßenbauamt und Verkehrspolizei folgen, sondern selbstbewusst die Interessen der Weßlinger Bürgerinnen und Bürger vertreten.

Auch die Realisierung des Ende 2014 von der Mobilitätswende vorgelegten Tempo-30-Konzepts wurde im AK mobil & lebenwert diskutiert. Da sich jedoch die Beantragung einer verwässerten Variante abzeichnete, stellten wir unsere Aktivitäten in dieser Sache vorerst ein.

Fahrradstraßen

Im Juli wurde bekannt, dass die Klassenstufen der Grundschule ab dem Schuljahr 2017/2018 jeweils in einem der beiden Schulhäuser unterrichtet werden. Die Mobilitätswende nahm den dadurch zu erwartenden zusätzlichen Radverkehr durch pendelnde Schulkiner zum Anlass, die Einführung zweier Fahrradstraßen vorzuschlagen. Diese Idee wurde sowohl im AK mobil & lebenswert als auch bei vielen Weßlinger Radlerinnen und Radlern wohlwollend bis begeistert aufgenommen. Wegen der überwältigenden Zustimmung setzte sich die Mobilitätswende federführend dafür ein, einen entsprechenden Gemeinderatsantrag im AK mobil & lebenswert zu erarbeiten und einzureichen. Obwohl es sich um eine für Weßlinger Verhältnisse sehr progressive Maßnahme zur Radverkehrsförderung handelt, kam der Vorschlag mittlerweile auch im Gemeinderat überraschend gut an und wurde einstimmig(!) angenommen.

Bushaltestelle beim Hort

Im Rahmen der Erneuerung von Kanalisation und Fahrbahndecke in der Dorfstraße wurde im Sommer auch die Bushaltestelle beim Hort neu gestaltet. Wie von der Mobilitätswende seit Jahren gefordert und Ende 2016 vom Gemeinderat beschlossen, wurde der Bürgersteig deutlich verbreitert und barrierefrei ausgeführt. Auch die Installation einer Überdachung wurde mittlerweile beschlossen.

Verkehrsberuhigter Bereich

Bereits im Jahr 2015 hatte die Mobilitätswende die Anwohner im Sackgassenbereich Herbststraße-Winterweg-Walchstadter Weg bei der Formulierung und Einreichung eines Gemeinderatsantrags zur Einführung eines Verkehrsberuhigten Bereichs unterstützt. Dieser Antrag fand nicht nur die Zustimmung des Gemeinderats, sondern erstaunlicherweise auch der Verkehrspolizei. Daher gibt es seit November neben dem Höhenrainäcker einen zweiten Verkehrsberuhigten Bereich in Weßling.

Radlständer

Da sich in der Gemeinde Weßling in Sachen Fahrradabstellanlagen von Jahr zu Jahr leider nur sehr wenig tut, hat die Mobilitätswende in 2017 auf einen aktualisierten Radlständervergleichstest verzichtet und stattdessen ein konkretes Projekt angestoßen. Da die Abstellanlage am Schulhaus Weßling im Schuljahr 2016/2017 häufig überlastet war, schlug die Mobilitätswende vor, einen zusätzlichen Radlständer mit Überdachung und Ansperrmöglichkeit zu installieren. Als Ergebnis eines Ortstermins mit Schulleitung, Lehrerinnen, Elternbeiräten und Gemeinderäten erstellten wir eine Grobplanung, die heuer hoffentlich umgesetzt wird.

Radl Werkstatt, Ferienprogramm und freies Lastenpedelec

Der Flüchtlingansturm im Sommer 2015 hat viele hilfsbereite Weßlingerinnen und Weßlinger zusammen gebracht. Aus der Helfergruppe Radl für Flüchtlinge entwickelte sich die Radl Werkstatt, welche sich mittlerweile zu einer festen Institution etabliert hat. Sowohl die Gäste, die sich zu etwa gleich großen Teilen aus Geflüchteten und Einheimischen zusammen setzen, als auch das auf acht Helfer angewachsene Reparaturteam möchten die technisch wie sozial bereichernden Donnerstagabende nicht mehr missen.

Im August führte die Radl Werkstatt im Rahmen des Ferienprogramms der Nachbarschaftshilfe einen Radl-Reparaturkurs für Kinder ab neun Jahren durch. Zwei Mädchen und drei Jungen lernten, wie man einen Platten flickt, um anschließend zum Eisessen zu radeln.

Durch eine Spende aus dem Umfeld von Mobilitätswende, Radl Werkstatt und befreundeten Personen und Firmen gelang es im Sommer außerdem, das schicke Lastenpedelec LaRa 1 anzuschaffen, das seit September von Mitgliedern der Nachbarschaftshilfe kostenlos ausgeliehen werden kann. Pflege und Wartung werden vom Team der Radl Werkstatt übernommen.

STAdtradeln

Im Sommer nahm die Gemeinde Weßling zum siebten Mal am Stadtradeln teil. Mit 322 aktiven Radlerinnen und Radlern, die im dreiwöchigen Aktionszeitraum 62.241 Kilometer zurücklegten, belegte Weßling den beachtlichen dritten Platz im Landkreis. In der Wertung Kilometer pro Einwohner lagen die 19 Weßlinger Teams mit 11,567 Kilometer einmal mehr deutlich vor allen anderen Landkreiskommunen.

Verkehrszählung auf der Hauptstraße

Im November wiederholte die Mobilitätswende die vor zwei Jahren erstmalig durchgeführten Verkehrszählungen auf der Hauptstraße. Beim Gasthof Zur Post und beim Einrichtungshaus Hof Art ergaben sich um 27 bzw. 26 % geringere Verkehrsstärken als vor Eröffnung der Umgehungsstraße. Auch das Geschwindigkeitsniveau war diesmal erfreulicherweise etwas niedriger.

Sonstiges

Im vergangenen Jahr wurden vom AK mobil & lebenswert überdies einige weitere Maßnahmen für den Fuß- und Radverkehr initiiert bzw. beschlossen (Alltagsradroutennetz, Rotmarkierung von Radwegfurten, Bordsteinabsenkungen, Radlständer Freizeitheim), die hoffentlich in den kommenden Monaten realisiert werden. Es ist sehr erfreulich, dass die Mitarbeit im Arbeitskreis zunehmend Früchte trägt. Darüber hinaus beteiligte sich die Mobilitätswende in der Regel an den monatlichen Treffen der AG Radverkehr.

In einigen Leserbriefen sowie Artikeln für UNSER DORF heute hielt die Mobilitätswende auch im Jahr 2017 die Fahne für menschen- und umweltfreundliche Mobilität hoch. Einschlägige Sach- und Fachliteratur stellte sie in erweitertem Umfang der Gemeindebücherei zur Verfügung.

Fazit

Seit Ende 2012 engagiert sich die Mobilitätswende für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde Weßling. Auch im fünften Jahr wurden zahlreiche Aktionen und Projekte erfolgreich durchgeführt bzw. angestoßen. Während die große Politik auf Bundes- und Landesebene bei der dringend notwendigen Einleitung einer Verkehrswende bisher völlig versagt, geben die jüngsten Beschlüsse des Weßlinger Gemeinderats zu Tempo 30, Fahrradstraßen und Verkehrsberuhigtem Bereich Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Ernüchternd ist allerdings die alltägliche Erfahrung im Ort: Ob Edeka, Kindergarten, Elternabend, Grünsinker Feste, Baden im See und selbst Fitnessstudio, für Entfernungen von wenigen Kilometern benutzt die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger noch immer tonnenschwere Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die viel mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Ein Ende des fossilen Denkens ist also nach wie vor nicht absehbar – wir bleben dran…

Zweite Verkehrszählung in der Hauptstraße

Wie bereits zwei Jahre zuvor führte die Mobilitätswende im November Verkehrszählungen in der Weßlinger Hauptstraße durch. Damit liegen vergleichbare Zählungen an denselben Orten und im selben Zeitraum (die beiden Wochen nach den Herbstferien) jeweils ein Jahr vor und ein Jahr nach der Eröffnung der Umgehungsstraße vor.

Die Messungen wurden wieder mit dem freundlicherweise vom VCD Bayern zur Verfügung gestellten Verkehrszählgerät Sierzega SR4 durchgeführt. Während der Zählung herrschte recht kalte, aber noch nicht winterliche Witterung, sodass von minimalem Freizeitverkehrsaufkommen ausgegangen werden kann. Verkehrsbehinderungen durch den Ausbau der Autobahn A96 und die Umgestaltung der Zufahrt zum DLR könnten einen gewissen, aber wahrscheinlich keinen grundlegend verändernden Einfluss auf die gemessenen Verkehrsströme gehabt haben.

Messstelle Gasthof Zur Post

Die erste Zählung fand vom Dienstag, 7. bis Samstag, 11. November auf Höhe des Biergartens des Gasthofs Zur Post statt. Gegenüber der Zählung vor zwei Jahren waren in diesem Zeitraum die seit Dezember 2016 installierten Fahrbahnverengungen vorhanden. Die mittlerweile eingeführte Geschwindigkeitsbeschränkung (30 km/h im südwestlich angrenzenden Abschnitt) galt hingegen noch nicht.

Neue Messstelle Hof Art

Die zweite Zählung fand vom Montag, 13. bis Sonntag, 19. November gegenüber des Einrichtungshauses Hof Art statt. Weil sich am ursprünglichen Messort mittlerweile eine fest installierte Geschwindigkeitsanzeige befindet, wurde das Gerät diesmal ca. 35 m weiter ortseinwärts angebracht.

Beim Gasthof Zur Post wurden an den Arbeitstagen Dienstag bis Freitag durchschnittlich 12.644 Kraftfahrzeuge, davon 474 Lkw gezählt. Im Vergleich zur Messung vor zwei Jahren (17.301 Kfz, 465 Lkw) hat sich die Verkehrsstärke demnach um 27 % reduziert. Die durchschnittliche gemessene Fahrgeschwindigkeit war diesmal ebenfalls geringer, und zwar 39 km/h in Richtung Herrsching bzw. 38 km/h in Richtung Gilching gegenüber 41 km/h (beide Richtungen) zwei Jahre zuvor. Das geringere Geschwigkeitsniveau wurde wahrscheinlich durch die Fahrbahnverengungen bewirkt.

Ähnliche Ergebnisse lieferte die Messung bei Hof Art. Hier hat sich die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (Montag bis Freitag) von 16.561 Kfz (davon 417 Lkw) auf 12.245 (504 Lkw) verringert, das entspricht 26 %. Die durchschnittliche gemessene Geschwindigkeit lag in Richtung Gilching bei 45 km/h (2015: 46 km/h) und in Richtung Herrsching mit 43 km/h deutlich niedriger als vor zwei Jahren (47 km/h). Hier zeigt offenbar die fest installierte Geschwindigkeitsanzeige Wirkung, obwohl sie nicht dauernd funktioniert.

Es fällt auf, dass sich die Anzahl der gezählten Lkw an beiden Messorten nicht verringert hat. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die Längenmessung der Fahrzeuge von der Kalibrierung des Messgeräts abhängt und daher nur relativ ungenaue Werte liefert, die mit einem systematischen Fehler behaftet sein können.

Ein weiterer prinzipbedingter Messfehler kann auftreten, wenn Fahrzeuge langsamer als acht km/h fahren und deshalb nicht mehr zuverlässig vom Radar erfasst werden. Daher könnten sowohl 2015 als auch 2017 beim Gasthof Zur Post infolge Staus ein kleiner Teil der Fahrzeuge nicht gezählt worden sein.

Zählort am Dellinger Kreisverkehr

Neben den Zählungen mit Radarmessgerät führte die Mobilitätswende nach Eröffnung der Umfahrung über ein Jahr manuelle Zählungen durch. Dazu wurden am Kreisverkehr an der Dellinger Höhe ein- bis dreimal monatlich in der Regel mittwochs am Morgen um ca. 8:30 Uhr und am Abend umd ca. 17:45 Uhr insgesamt 100 Kfz gezählt. Im Diagramm wird das gemittelte Verhältnis der Fahrzeuge auf der Umgehungsstraße (grün) und auf der Hauptstraße nach Weßling (rot) dargestellt: Die Nutzungsquote der Umfahrung stieg demnach bis Ende September von 21 % auf bis zu 39 % an und fiel im Herbst wieder auf 30 % ab. Die manuelle Verkehrszählung hat den Charme, dass sie jederzeit ohne technische Hilfmittel durchführbar ist.

Verhältnis der Verkehrsstärken am Dellinger Kreisverkehr

Alle Ergebnisse passen recht gut zu den im Oktober vorgestellten Zahlen der Gemeindeverwaltung und des Straßenbauamts. Erhebliche Unterschiede – von enttäuschend bis erfolgreich – gibt es dagegen in der subjektiven Bewertung des Nutzens der Umgehungsstraße. Eine wesentlich deutlichere Wirkung ist in Zukunft eher nicht zu erwarten, denn das auf Deattraktivierung der Ortsdurchfahrt basierende Konzept der Umfahrung wird von der am längeren Hebel sitzenden Regierung von Oberbayern als „Vergrämung” des überörtlichen Verkehrs beanstandet. Dass die unerträgliche Kfz-Verkehrsbelastung menschen- und umweltfreundlich mobilen Fußgängern und Radfahrern nach wie vor den Aufenthalt in der Hauptstraße vergrämt, findet bei den übergeordneten Verkehrsbehörden freilich keine Beachtung.

Weßling ist indes kein Einzelfall. In fast jeder Kommune im Großraum München zählt die Kfz-Verkehrsbelastung zu den drängensten Problemen der Bürgerinnen und Bürger. Dennoch wird der Kraftverkehr von Bund und Land noch immer ohne Sinn und Verstand mit allen Mitteln verteidigt und gefördert, weil mehr Verkehr fälschlicherweise mit mehr Mobilität gleichgesetzt wird – und das wahnsinnige Dogma des unendlichen Wirtschaftswachstums im Fokus aller Regierungsgeschäfte steht. Solange hier kein Paradigmenwechsel stattfindet, ist eine wesentliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum der Hauptstraße kaum realisierbar.

Die Mobilitätswende stellt hiermit alle erfassten Datensätze und Auswertungen der Öffentlichkeit zur Verfügung:

Messstelle Daten Auswertung
Gasthof Zur Post Daten Auswertung
Hof Art Daten Auswertung
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Lesestoff zum Mitdenken

Die Aktivitäten der Mobilitätswende werden nicht durch Vorteilsnahme nach dem Nimby-Prinzip motiviert. Unser Antrieb sind vielmehr

  • verantwortungsvoller Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoß, um die Übernutzung der Erde zu stoppen,
  • globale Mobilitätsgerechtigkeit, das heißt Etablierung auf alle Menschen der Erde übertragbarer Mobilitätsformen und
  • lokale Mobilitätsgerechtigkeit, das heißt Integration und Gleichbehandlung „schwacher” Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Fußgänger und Radler.

Das damit verbundene Hintergrundwissen entstammt zum großen Teil Sachbüchern, die sich nicht nur mit Mobilität und Verkehr, sondern auch mit übergeordneten Themen wie globale Gerechtigkeit, sozial-ökologische Transformation und Postwachstumsgesellschaft befassen.

Die Mobilitätswende und die SoKo Weßling stellen diese Literatur der Gemeindebücherei zur Verfügung. Fast 50 Bücher (siehe Liste unter Projekte/Booksharing) können Weßlinger Bürgerinnen und Bürger im Sachbuchzimmer (1. Stockwerk), vor allem in der Rubrik Klimaschutz/Energiewende, entleihen. Besonders lesenswert und erhellend sind folgende Titel: