Archiv der Kategorie: Allgemein

Radfahrer demonstrieren für Wertewandel in der Verkehrspolitik

Unter dem Motto Verkehrsraum fairteilen lädt die Mobilitätswende Weßling unterstützt von den Kreisgruppen des ADFC, des Bund Naturschutz, des Energiewendevereins und des VCD für Samstag, den 1. Juli 2017 zu einer Fahrrad-Demo ein. Diese ist als gemeinschaftliche Radtour von Gilching nach Starnberg konzipiert. Der Streckenverlauf berücksichtigt dabei ausgewählte Brennpunkte aktueller Straßenbaumaßnahmen, die im Rahmen kurzer Zwischenstopps angesteuert und besichtigt werden.

Auch im angeblich fahrradfreundlichen Landkreis Starnberg wird Verkehrspolitik nach wie vor hauptsächlich für den motorisierten Individualverkehr gemacht. Dies verdeutlicht eine in der Jubiläumsbeilage der Süddeutschen Zeitung vom 17. Mai 2017 veröffentlichte Statistik, laut der die Anzahl der Radwegekilometer im Zeitraum von 1999 bis 2016 entgegen dem bundesweiten Trend zurückgegangen ist.

Aktive Radfahrer bekommen die Konsequenzen tagtäglich zu spüren: Nicht nur fehlt es landkreisweit an straßenbegleitenden Radwegen und sicheren Querungsmöglichkeiten entlang neugebauter Umfahrungsstraßen. Schlimmer noch: Durch überörtliche Straßenbaumaßnahmen wurden und werden zahlreiche Ortsverbindungen im bestehenden Rad- und Fußwegenetz dauerhaft zerstört.

Jüngste Beispiele dieser verfehlten Verkehrspolitik sind die Umfahrung Weßling bei Mitterwies, die jetzige Kreisstraße STA 3 bei Mamhofen sowie die geplante Umfahrung Gilching. Darüber hinaus werden bestehende Möglichkeiten zum Straßenrückbau nicht aktiv genutzt, wie zum Beispiel bei der alten Ortsverbindungsstraße Oberbrunn-Unterbrunn. In Folge fahren immer mehr Autos mit immer höheren Geschwindigkeiten auf immer mehr Straßenkilometern, während sich das Wegeangebot für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer sukzessive reduziert und der Erholungswert der Landschaft sinkt.

Die oben genannten Vereine und Verbände sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger fordern schon länger eine Abkehr von der autozentrierten Verkehrspolitik in diesem Landkreis. Der Forderung nach einer gleichberechtigten Berücksichtigung der Interessen aller Verkehrsteilnehmer soll am Samstag, den 1. Juli 2017 mit einer Fahrrad-Demo Nachdruck verliehen werden. Treff- und Startpunkt ist um 15:00 Uhr am Marktplatz in Gilching. Von dort geht es über Unterbrunn, Oberbrunn und Hanfeld nach Mamhofen, wo die Abschlusskundgebung stattfindet. Weitere Informationen sind unter www.verkehrsraum-fairteilen.de zu finden.

Renate Richter
Pressesprecherin Verkehrsraum fairteilen

Rückblick auf das vierte Jahr


Seit vier Jahren engagiert sich die Mobilitätswende Weßling nach dem Motto Fossiles Denken überwinden für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde. Dieser Beitrag gibt einen Rückblick auf die Aktivitäten und Projekte im vergangenen Jahr 2016.

Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR

Eine Beleuchtung für den Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 vom Ortsausgang beim Autohaus Widmann bis zum DLR war in der Vergangenheit lange vorgesehen und im Gemeindehaushalt berücksichtigt gewesen. Als die Mobilitätswende im Jahr 2013 begann, sich für den Fuß- und Radverkehr einzusetzen, wurde zunächst der erste Abschnitt bis zum Kreisel bei der Feuerwehr realisiert. In 2015 stimmte der Gemeinderat dem Vorschlag der Mobilitätswende zu, auch den restliche Weg bis zum DLR mit einer LED-Beleuchtung auszustatten. Seit Juli ist der Weg nun durchgehend beleuchtet. Wenig später wurde vom DLR der weitere Verlauf bis zum OHB-Gelände mit Leuchten am Zaun versehen.

Damit existiert nun eine Geh- und Radwegverbindung nach Gilching, die dank hervorragendem Belag, vorbildlichem Winterdienst und ununterbrochener Beleuchtung ganzjährig und zu jeder Tages- und Nachtzeit problemlos und sicher benutzbar ist. Schade ist nur, dass der Gemeinderat nicht dem Vorschlag der Mobilitätswende folgte, eine bedarfsgerechte Beleuchtung mittels Bewegungssensoren einzusetzen oder wenigstens das Licht (z. B. zwischen 23 und 5 Uhr) abzuschalten, wenn es nahezu keinen Fußverkehr gibt.

Geh- und Radweg nach Etterschlag

Viel Engagement hatte die Mobilitätswende in die dieses Jahr realisierte Geh- und Radwegverbindung nach Etterschlag gesteckt. Nun gibt es zwischen Grünsink und der Schranke zur Umfahrung einen drei Meter breiten asphaltierten Weg und von dort einen neuen Geh- und Radweg neben der Staatsstraße zum Wirtschaftsweg entlang der Autobahn 96. In Anbetracht der engen Rahmenbedingungen durch Planfeststellung, Naturschutz, Kosten und Alltagstauglichkeit kann die jetzt verfügbare Lösung als optimal angesehen werden.

Radlreparaturstation

Im Jahr 2015 hatte der Landkreis STA einen Preis von 2.000 € für die Landkreiskommune mit den meisten STAdtradel-Kilometern pro Einwohner ausgelobt. Wie jedes Jahr seit 2011 waren die Weßlinger Radlerinnen und Radler in dieser Kategorie Spitze und das Preisgeld ging an die Gemeinde.

Heuer stimmte der Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Mobilität dem Vorschlag der Mobilitätswende zu, für das Preisgeld eine hochwertige Reparaturstation anzuschaffen und am Bahnhof aufzustellen. Seit Juli steht die Station allen Radlerinnen und Radlern zur Verfügung und macht Weßling im Landkreis zum Vorreiter im Radverkehrsförderungsbereich Service.

Bushaltestelle Hort

Seit Anfang 2015 setzt sich die Mobilitätswende für eine sichere Neugestaltung der Bushaltestelle am Hort in Hochstadt ein. Ein solcher Umbau wurde in diesem Jahr vom Gemeinderat als Teil der Sanierung der Dorfstraße beschlossen und wird derzeit umgesetzt. Damit wird die erste moderne, barrierefreie Bushaltestelle mit Witterungsschutz in der Gemeinde realisiert.

Dennoch ist leider nicht zu erwarten, dass in naher Zukunft ein Großteil der Hortschülerinnen und -schüler mit dem Linienbus 955 anstatt mit dem Elterntaxi nach hause fahren. Denn nach ausführlichen Diskussionen zwischen Eltern, Gemeindeverwaltung und Erzieherinnen wurde beschlossen, dass die Kinder den Hort weiterhin erst ab 16:00 Uhr verlassen dürfen – und damit nicht den Bus 955 um 15:55 Uhr nehmen können.

STAdtradeln

Beim diesjährigen STAdtradeln vom 19. Juni bis 9. Juli legten 344 Weßlinger Radlerinnen und Radler 69.243 Kilometer zurück. Damit sind Beteiligung und Gesamtkilometer leicht rückläufig gegenüber den Vorjahren. Im sechsten Jahr stellte sich leider nicht mehr die ganz große Begeisterung der vorigen Jahre für die Mitmachaktion ein. Das ist schade, weil sie als wichtiger Katalysator für die Radverkehrsförderung im Landkreis STA gewirkt hat – sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung, als auch in der Kommunalpolitik.

Radlständer-Vergleichstest

Zum dritten Mal führte die Mobilitätswende in diesem Jahr einen Vergleichstest der Radlständer in Weßling durch. Gegenüber dem Vorjahr konnten nur minimale Fortschritte verzeichnet werden, nämlich die neue Abstellanlage mit sechs Plätzen beim Edeka und der neue Vierfach-Radlständer beim Spielplatz. Beide Anlagen wurden auf Anregung der Mobilitätswende installiert, entsprechen aber nicht einschlägigen Qualitätskriterien.

Radl Werkstatt

Seit diesem Sommer gibt es in Weßling eine offene Werkstatt für Radlreparaturen. Dafür stellt die Gemeinde dankenswerterweise die Garagen auf der Rückseite des ehemaligen Feuerwehrgebäudes zur Verfügung. Sowohl Geflüchtete als auch Einheimische sind jeden Donnerstagabend eingeladen, ihre Radl instandsetzen zu lassen oder selbst zu reparieren. Die Radl Werkstatt ist ein Projekt des IntegrationsPunkt der Nachbarschaftshilfe Weßling und wird von Mitstreitern der Mobilitätswende tatkräftig unterstützt und gestaltet.

Umgehungsstraße

In diesem Jahr wurde die Weßlinger Umfahrung fertiggestellt und eröffnet. Während sich die Straßenbauer über eine „gute, leistungsfähige Strecke” freuen, erfüllt die Straße nicht die hohen Erwartungen zur Verkehrsberuhigung der Weßlinger. Für Fußgänger und Radler stellt nur die Sperrung der Grünsinker Straße für den Durchgangs-Kfz-Verkehr eine Verbesserung dar, während die Trennung des Waldweges an der Mitterwiese und die dilettantisch ausgeführte Unterführung beim Kreisel nach Delling für viel Ärger bei menschen- und umweltfreundlich mobilen Menschen sorgen.

Als positive Entwicklung ist die Beendigung des jahrzehntelangen Umgehungsstraßen-Konfliktes und die damit möglich gewordene Bildung des im Mai gegründeten Arbeitskreises mobil & lebenswert zu nennen. Durch Mitwirkung aller mobilitätsrelevanten Gruppen, Vereine und Fraktionen, maximaler Öffentlichkeit und großer Nähe zum Gemeinderat kann er Fortschritte in Richtung nachhaltige Mobilität bringen.

Sonstiges

Im Beitrag Stummer Schrei nach friedlichen Straßen machte die Mobilitätswende anschaulich darauf aufmerksam, dass der für den Kfz-Verkehr gestaltete Weßlinger Straßenraum die altersgerechte Entwicklung und selbstbestimmte Mobilität von Kindern massiv einschränkt. Mit zwei Leserbriefen bezog die Mobilitätswende Stellung zur Etablierung der Buslinien und zum autozentrierten Vorgehen der Verkehrsbehörden im Landkreis STA. Und wie immer informierte sie in der Gemeindezeitung Unser Dorf heute über Neuigkeiten in Sachen nachhaltige Mobilität, in der Frühjahrsausgabe sogar mit beigelegten Minifahrplänen der neuen Buslinie 955 und in der Sommerausgabe mit unbequemen – mittlerweile bestätigten – Aussichten zur begrenzten Wirksamkeit der Umfahrung.

Fazit und Ausblick

Mit der Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR, dem Bau des Geh- und Radwegs nach Etterschlag und der Installation der Radlreparaturstation am Bahnhof hat die Mobilitätswende in diesem Jahr besonders viel bewirkt. Von einer hinsichtlich Klimaschutz, Resourcen- und Energieverbrauch und menschengerechter Gestaltung des öffentlichen Raums dringend notwendigen Mobilitätswende ist indes weiterhin nichts zu bemerken. Vielmehr wächst der weit über dem Bundesdurchschnitt liegende Motorisierungsgrad in Weßling immer noch an, und die Verkehrspolitik auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene fördert weiterhin mit ganzer Kraft den nicht zukunftsfähigen Kfz-Verkehr.

Auch die personelle Entwicklung der Mobilitätswende Weßling stimmt wenig hoffnungsvoll, denn seit der Gründung vor vier Jahren sind die Personalresourcen stets geschrumpft, sodass immer weniger Aktivitäten und Projekte angegangen werden können. Es gibt also wenig Grund zur Annahme, dass das fossile Denken in Weßling in absehbarer Zeit überwunden werden kann.

Umgehungsstraße Weßling

Unterbrochener Wirtschaftsweg an der Mitterwiese

Unterbrochener Wirtschaftsweg an der Mitterwiese

Heute wurde die Umfahrung Weßling für den Kfz-Verkehr freigegeben. Eine nach allen Regeln der Ingenieurskunst gestaltete, 3,3 km lange Asphalttrasse verbindet nun die Autobahnausfahrt Wörthsee mit der Staatsstraße 2068 nach Herrsching. Dies führt zu teilweise erheblichen, dauerhaften Einschränkungen für den Fuß- und Radverkehr.

Die einst idyllische Mitterwiese liegt jetzt direkt an der Staatsstraße

Die einst idyllische Mitterwiese liegt jetzt direkt an der Staatsstraße

Besonders schmerzlich ist die Trennung des bei Spaziergängern, Wanderern, Joggern und Radlern beliebten Wirtschaftswegs an der Mitterwiese nach Steinebach. Außerdem ist nun die erholsame Ruhe und Idylle der Mitterwiese durch die unmittelbar angrenzende Kfz-Straße Geschichte.

Laut Planfeststellung hätte die Radverkehrsverbindung nach Etterschlag bzw. Schluifeld ebenso unterbrochen werden sollen. Hier konnte allerdings auf Betreiben der Mobilitätswende eine brauchbare Lösung gefunden werden, die in Richtung Etterschlag sogar eine Verbesserung, nach Schluifeld allerdings einen großen Umweg bedeutet.

Di­let­tan­tische Radverkehrsanlage an der Dellinger Höhe

Di­let­tan­tische Radverkehrsanlage an der Dellinger Höhe

Sehr enttäuschend ist die Ausgestaltung der Geh- und Radwegunterführung am Kreisel zwischen Weßling und Delling. Die Zufahrt aus Richtung Delling ist zu steil und zu kurvig, die Unterführung zu schmal und unübersichtlich. Gemessen an der absoluten Perfektion der neuen Kfz-Trasse ist dieses Bauwerk geradezu di­let­tan­tisch – und eines fahrradfreunlichen Landkreises in keinster Weise würdig.

Obwohl es sich um eine Staatsstraße handelt, werden etwa 2,4 Millionen € (von über zehn Millionen € Gesamtkosten) von der Gemeinde Weßling und der Rest vom Freistaat Bayern bezahlt. Dabei verfolgen die beiden Parteien völlig unterschiedliche Ziele: Während die Gemeinde den Durchgangs-Kfz-Verkehr reduzieren will, nutzt die Staatsregierung die Gelegenheit, im Rahmen ihrer zukunftsblinden Verkehrspolitik das außerordentlich dichte bayerische Straßennetz noch leistungsfähiger zu machen und damit den Kfz-Verkehr zu fördern. Diese im Grunde gegensätzlichen Interessen äußern sich auch darin, dass ernsthaft Kfz-Verkehrsbeschränkende Maßnahmen (z. B. Tempo 30, Durchfahrtverbot für Lkw) auf der Weßlinger Hauptstraße von den durch die Staatsregierung gelenkten Verkehrsbehörden nicht genehmigt werden.

Die Umfahrung wird kurzfristig für eine Reduktion der Kfz-Verkehrsbelastung auf der Hauptstraße sorgen. Wie deutlich diese ausfällt und inwieweit sie durch freie Bahn für den innerörtlichen Verkehr und Steigerung des Gesamtverkehrsaufkommens durch den unablässigen Bau weiterer Straßen und Gewerbegebiete im Landkreis egalisiert wird, ist nicht vorhersehbar. Zu den sicheren Gewinnern zählen jedenfalls Automobil- und Bauindustrie, welche bekanntlich massive Lobbyarbeit für Umfahrungsstraßen betreiben.

Die Mobilitätswende sieht den Bau von Umfahrungen kritisch, weil in hohem Maße Natur und Geld verbraucht wird, um die Symptome des unerträglich gewordenen Kfz-Verkehrs aus dem Blick zu rücken, wobei dieser aber ursächlich gefördert wird. Somit wird das kluge Prinzip global denken, lokal handeln auf den Kopf gestellt und die Verkehrswende als unumgänglicher Teil der Energiewende verzögert.

Stummer Schrei nach friedlichen Straßen

Bei einer Rundfahrt durch die Weßlinger Ortsteile entdeckte die Mobilitätswende 29 inoffizielle (straßenverkehrsrechtlich nicht maßgebliche) Beschilderungen, die Kraftfahrer zu erhöhter Aufmerksamkeit und reduzierter Fahrgeschwindigkeit motivieren sollen. Alle Schilder berufen sich auf Kinder, für die sich der Kfz-Verkehr in besonders hohem Maße lebensbedrohlich und bewegungseinschränkend darstellt. Diese Problematik wird offenbar vielen Eltern bewusst, sobald der eigene Nachwuchs beginnt, sich selbständig fortzubewegen.

Polizei, Verkehrswacht und Autoclubs wollen Kinder so früh wie möglich durch Verkehrserziehung an die bestehenden Verkehrsverhältnisse, nach denen möglichst ungehinderter Kraftverkehr höchste Priorität genießt, anpassen. Ziel ist es (oft unbewusst), die offenbar auch in Weßling immer lauter werdenden Forderungen nach menschenfreundlicher Gestaltung des öffentlichen Raums weiterhin zu marginalisieren, sodass auch in Zukunft freie Fahrt für freie Kraftfahrer gewährleistet werden kann.

Die Mobilitätswende sieht Verkehrserziehung daher kritisch und setzt sich für Maßnahmen ein, die den Kfz-Verkehr beschränken und lokale Mobilitätsgerechtigkeit für Kinder, Senioren, Behinderte, Fußgänger und Radfahrer stärken:

In der Gemeinde Weßling, wo es mehr Kfz als volljährige Einwohner gibt, ist das ein Kampf gegen Windmühlen – aber der Wind dreht sich!

Verkehrsberuhigung zum Mitmachen

von Gerhard Hippmann für Unser Dorf heute

Autolärmflagge

Autolärmflagge

Im kommenden Herbst wird die Westumfahrung eröffnet. In seiner Verkehrsuntersuchung aus dem Jahr 2008 prognostiziert Prof. Kurzak eine restliche Verkehrsbelastung von täglich 9.500 Kraftfahrzeugen auf der Hauptstraße. Das ist dreimal so hoch wie heute auf der Gautinger Straße – zu viel für eine wesentlich verbesserte Nutzbarkeit des Straßenraums (flanierende und verweilende Fußgänger, radelnde Kinder u. s. w.). Kurzak geht in seiner Prognose davon aus, dass die Umgehung gut angenommen wird und nur 700 Fahrzeuge Durchgangsverkehr verbleiben. Demnach müssen wir mit einer hausgemachten Verkehrsbelastung von ca. 8.800 Kfz am Tag rechnen.

Wir werden es also im Wesentlichen selbst in der Hand haben, ob die lang ersehnte Verkehrsberuhigung im Ort gelingt. Die Entscheidung über ein lebenswertes Weßling wird durch tägliche Abstimmung mit unserer Verkehrsmittelwahl gefällt.

Die Voraussetzungen sind eigentlich günstig: Die Gemeinde ist mittlerweile bestens an das öffentliche Personenverkehrsnetz angeschlossen, und alle möglichen innerörtlichen Wege sind so kurz, dass sie von den deutschen Stadtradelmeistern schnell und mühelos mit Fahrrad oder Pedelec zurückgelegt werden können. Der Umstieg zu sanfter Mobilität wird erheblich erleichtert durch technische Entwicklungen wie Smartphone-Apps für multimodale Mobilität, Fahrradanhänger und Lastenräder, LED-Beleuchtung und Spikereifen für Fahrräder und schicke Funktionsbekleidung für jede Witterung. Dennoch wird es sicherlich schwierig werden, bewusst und solidarisch die liebe Gewohnheit und den inneren Schweinehund mehrheitlich zu überwinden und die Autonutzung zu reduzieren.

mobil & lebenswert

Der Weg zu mitbürger- und umweltfreundlicher Mobilität soll aber nicht allein vom guten Willen der Bürgerinnen und Bürger abhängen. Ein außerordentlich breites Bündnis aus Vertretern von ADFC, Bund Naturschutz, Mobilitätswende, Ortsbildbeirat, SoKo, Unser Dorf, VCD, Verkehrsberuhigungsverein und allen Gemeinderatsfraktionen hat im Mai einen öffentlich tagenden Arbeitskreis gegründet, der das neue Langzeitprojekt „mobil & lebenswert” voran bringen will. Ziel ist es, Maßnahmen und Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, die alle Ortsteile unserer Gemeinde mobil und lebenswert machen.

Verkehrspolitik aus dem vergangenen Jahrhundert

Leserbrief zum Beitrag Groll aufs Staatliche Bauamt im Starnberger Merkur vom 5. März 2016

„Unverständnis und Verärgerung, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, über ein Amt, das konsequent alle Versuche ablehnt, entlang des Ortseingangs an der Staatsstraße den Verkehrslärm zu reduzieren und die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu verbessern” schreibt der Autor erfreulich klar und deutlich.

Tatsächlich lässt das Straßenbauamt Weilheim, aber auch die Untere Verkehrsbehörde des Landratsamtes und die örtlichen Polizeiinspektionen keine Möglichkeit aus, jede vernünftige Maßnahme zur Bändigung des allerorts unerträglich gewordenen Kfz-Verkehrs mit aller Wucht zu konterkarieren – lediglich der Neu- und Ausbau von Straßen für noch mehr Autos findet Zustimmung. Entgegen dem Wohl von geplagten Anwohnern und schwachen Verkehrsteilnehmern wird offenbar die Linie der Landesregierung durchgesetzt, für die unendliches Wachstum der bayerischen Premiumautobauer höhere Priorität genießt als menschen- und umweltgerechte Mobilität. Diese überholte, nicht zukunftsfähige Verkehrspolitik nach dem Motto „freie Fahrt für freie Bürger” aus den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts fällt selbst in der lobbykratischen Autorepublik Deutschland frappierend durch ihre Rückständigkeit aus der Reihe.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Rückblick auf das dritte Jahr

Das dritte Jahr der Ende 2012 gegründeten Mobilitätswende Weßling ist Geschichte. Dieser Beitrag gibt einen Rückblick auf die Aktivitäten und Projekte im Jahr 2015.

Bushaltestelle am Hort

Durch den Hort in Hochstadt wird viel unnötiger Abhol-Kfz-Verkehr verursacht, weil die Kinder nicht mit einem Schulbus zurück nach Oberpfaffenhofen und Weßling gebracht werden können. Um Eltern und Hortleitung dafür zu gewinnen, die Schulkinder mit dem Linienbus 955 nach hause fahren zu lassen, sammelte die Mobilitätswende Unterschriften für einen sicheren Umbau der Bushaltestelle am Hort. Das Problem ist nun in Gemeindeverwaltung und Landratsamt bekannt, es wurden aber bisher leider keine Maßnahmen zu seiner Lösung getroffen.

Radverbindung nach Etterschlag

In der Planfeststellung der Westumfahrung Weßling ist keine Rad- und Fußverkehrsverbindung nach Etterschlag/Schluifeld vorgesehen, sodass Ammerseeradweg und Kreisradwanderweg durchtrennt werden. Die Mobilitätswende hatte seit Jahren auf dieses Problem aufmerksam gemacht und versucht, eine praktikable Lösung zu finden. Mit Unterstützung von Bürgermeister Michael Muther gelang es im Februar, die bestehenden Pläne um einen alltagstauglichen Geh- und Radweg zu erweitern, der die Lücke zwischen der Grünsinker Straße und dem Wirtschaftsweg mit Unterführung nach Etterschlag schließt.

Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR

Ebenfalls auf Anregung der Mobilitätswende hat der Gemeinderat im vergangenen Jahr beschlossen, den Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 zwischen Aldi-Kreisel und DLR-Einfahrt mit einer Beleuchtung auszustatten. Während außerörtliche Radwege normalerweise nicht beleuchtet werden, wird sie in diesem Abschnitt wegen hohem Fußgängeraufkommen und starker Blendwirkung durch auf der erhöhten Straße fahrenden Kfz benötigt.

Sanierung Hochstadter Straße

Nach der ursprünglichen Planung sollte die Hochstadter Straße in Oberpfaffenhofen im Rahmen ihrer Sanierung lediglich verbreitert werden. Als das Projekt im Gemeinderat diskutiert wurde, konnte die Mobilitätswende einige wesentliche Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer einbringen. So gibt es jetzt einen Gehsteig vom Durchgang zur Ettenhofener Straße bis zum Kesselboden, und an der Ortseinfahrt wurde eine Querungshilfe gebaut, die auch temporeduzierend auf den Kfz-Verkehr wirkt.

Radl Repair Café

Bei der Vorstellung der Gewerkhausidee im ehemaligen Feuerwehrhaus Weßling wirkte die Mobilitätswende mit einem Radl Repair Café mit. Diese Aktivitäten wurden ab Ende Juli durch wöchentliche Treffen des von der Nachbarschaftshilfe Weßling gegründeten Helferkreises Radl für Flüchtlinge fortgesetzt.

Radlständer

Beim zweiten Radlständer-Vergleichstest wurde deutlich, dass diese erstmalig im Jahr 2014 durchgeführte Aktion leider keinen Anstoß zur Verbesserung der Abstellanlagen in Weßling gegeben hat. Lediglich der von den Weßlinger STAdtradlern gewonnene Radlständer beim Kiosk am Badestrand setzt qualitativ neue Maßstäbe, und an der Grundschule Weßling stimmt nun wenigstens die Anzahl der Stellplätze. Auf Anregung der Mobilitätswende wurden außerdem brauchbare Radlständer beim Spielplatz und beim Edeka installiert.

STAdtradeln

Zum fünften Mal nahm Weßling erfolgreich am STAdtradeln teil. 419 Radlerinnen und Radler erreichten mit 83.232 km den landkreisweit ersten und deutschlandweit dritten Platz in der Wertung Radlkilometer je Einwohner. Damit gewannen sie den von Landrat Karl Roth ausgelobten Preis von 2.000 € zur Radverkehrsförderung. Auch diesmal hatte die Mobilitätswende organisatorisch in Weßling und auf Landkreisebene mitgewirkt. Bürgermeister Michael Muther zeigte sich beim begleitenden Wettbewerb Chefsache Radverkehr großzügig und sagte zu, sich um die Radverkehrsverbindung nach Etterschlag sowie die Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR zu kümmern. Auch die Radverkehrsbeauftragte der Gemeinde, Frau Erika Schuster, hat sich für ihr Interesse und ihren Einsatz im Jahr 2015 übrigens ein dickes Lob verdient.

Sonstiges

Als im Sommer im Walchstadter Weg eine neue Stromleitung verlegt wurde, nahm die Gemeindeverwaltung die Anregung der Mobilitätswende an, dabei zwei der 28 fehlenden Bordsteinabsenkungen herzustellen. Nach den Herbstferien führte die Mobilitätswende eine Verkehrszählung in der Hauptstraße durch. Mit zahlreichen Leserbriefen, Zitaten und Artikeln in Unser Dorf heute kommentierte die Mobilitätswende die aktuellen Geschehnisse hinsichtlich nachhaltiger Mobilität. Außerdem wirkten Vertreter der Mobilitätswende im Gemeinderat, im städtebaulichen Arbeitskreis Weßling, im Arbeitskreis Radverkehr des Landratsamts und in der Arbeitsgemeinschaft Radverkehr STA des ADFC mit.

Stillstand

In ihrem dritten Jahr hat die Mobilitätswende zweifellos mehr erreicht als zuvor. Allerdings verliefen nicht alle Bemühungen erfolgreich. So hat es der Gemeinderat abgelehnt, den 40 m langen Radwegabschnitt zwischen Aldi-Einfahrt und Kreisel endlich mit einer alltagstauglichen Fahrbahnoberfläche zu versehen, und auch die offenkundig falschen Beschilderungen in Argelsrieder Straße/Feld und am Badestrand wurden von der Verwaltung trotz mehrfacher Anfrage nicht behoben. Außerdem wurde das fertige Tempo-30-Konzept der Mobilitätswende nicht in Angriff genommen.

Rückschritte

Schmerzlicher als diese Kleinigkeiten sind allerdings im Jahr 2015 realisierte Millionenprojekte auf Weßlinger Flur, die die Dominanz des Kfz-Verkehrs in einer neuen Dimension für Jahrzehnte zementieren: Westumfahrung, DLR-Parkhaus (251 Kfz-Stellplätze) und OHB-Parkplatz (177 Kfz-Stellplätze) schaffen Tatsachen, neben denen die genannten Bemühungen für zukunftsfähige Mobilität gänzlich verblassen. In Weßling steht die Überwindung fossilen Denkens nach wie vor ganz am Anfang.

Verkehrszählung in der Hauptstraße

Messstelle Gasthof Zur Post

Messstelle Gasthof Zur Post

In den beiden Wochen nach den Herbstferien führte die Mobilitätswende Verkehrszählungen an zwei Messstellen in der Hauptstraße durch. Sie erfolgten in der Woche vom 9. bis 15. November vor dem Biergarten des Gasthofs Zur Post und in der Woche vom 16. bis 22. November vor dem Einrichtungshaus Hof Art. Für die Zählung wurde ein freundlicherweise vom VCD Bayern zur Verfügung gestelltes Verkehrserfassungsgerät SR4 von Sierzega eingesetzt, welches per Radar Anzahl, Geschwindigkeit und ungefähre Länge der in beiden Richtungen passierenden Kraftfahrzeuge bestimmt.

Im Zeitraum der Messungen herrschte mildes Herbstwetter, bevor es in den letzten drei Tagen winterlich wurde. Eine geringfügige Beeinträchtigung der Zählung könnte es durch ausweichenden Verkehr aufgrund der wegen Sanierung gesperrten Hochstadter Straße gegeben haben.

Messstelle Hof Art

Messstelle Hof Art

Beim Gasthof Zur Post wurden innerhalb der ersten Woche 109.308 Kfz, davon ca. 2.616 Lkw gezählt. Von Montag bis Freitag lag die tägliche Kfz-Anzahl recht konstant zwischen 16.505 und 17.749 mit einem Durchschnittswert von 17.301, davon etwa 465 Lkw.

In der zweiten Woche bei Hof Art betrug die Gesamtanzahl der Kfz 102.882, davon ca. 2.442 Lkw. Von Montag bis Freitag wurden zwischen 15.936 und 17.128 Kfz mit dem Durchschnitt 16.561 (ca. 417 Lkw) gezählt.

Das Ergebnis beim Gasthof Zur Post stimmt verblüffend genau mit der in diesem Bereich im April 2008 durchgeführten, in der Verkehrsuntersuchung von Prof. Kurzak veröffentlichten Zählung (17.300 Kfz) überein. Die auf dem neben der Messstelle aufgestellten Plakat „Umgehung für Weßling jetzt!” genannten Zahlen (21.690 Kfz, 690 Lkw) wurden nicht bestätigt. Interessant ist auch, dass die Gesamtanzahl der in einer Wochen durch die Hauptstraße fahrenden Fahrzeuge in etwa dem Kfz-Bestand im Landkreis STA (Ende 2014: 109.449, das sind 1,02 Fahrzeuge je volljährigem Einwohner) entspricht. Ferner überschritten bei Hof Art 31 % der Fahrzeuge die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h, wobei nachts mehrmals Geschwindigkeiten über 100 km/h gemessen wurden.

Plakat gegenüber dem Gasthof Zur Post

Plakat gegenüber dem Gasthof Zur Post

Die Verkehrszählung 2015 dokumentiert das Verkehrsaufkommen in der Hauptstraße vor der Eröffnung der Westumfahrung. Die Mobilitätswende plant, die Zählungen in den kommenden Jahren zu wiederholen, sodass die Entwicklung des Verkehrsaufkommens objektiv nachvollziehbar wird.

Die Mobilitätswende stellt hiermit alle erfassten Datensätze und Auswertungen der Öffentlichkeit zur Verfügung:

Messstelle Daten Auswertung
Gasthof Zur Post Daten Auswertung
Hof Art Daten Auswertung

Die Ergebnisse der Verkehrszählung wurden am 12. April 2016 im Gemeinderat vorgestellt: Präsentation

Auf den Arm genommen

Leserbrief zum Beitrag Umwege mit dem Fahrrad in der Süddeutschen Zeitung vom 6. November 2015 und zur Niederschrift der Gemeinderatssitzung am 27. Oktober 2015

Als Radfahrer fühlt man sich wieder einmal vom Landkreis auf den Arm genommen: Da beauftragt der Kreis für viel Geld ein renommiertes Büro damit, ein Alltagsradroutennetz für den Landkreis zu erarbeiten. Jedem Kenner ist klar, dass die Kreuzung von Seestraße/Aubachweg mit der Staatsstraße 2070 am südlichen Ortsrand von Hechendorf einer der kritischen Punkte bei der Realisierung dieses Netzes sein wird, denn die einzig realisierbare Alltagsverbindung von Herrsching über Hechendorf nach Weßling und Gilching wird genau über diese Kreuzung führen. Der Weg an der Bahnlinie entlang von Herrsching nach Hechendorf und der Aubachweg müssten befestigt werden und schon wäre diese wichtige Verbindung realisiert. Und was macht das Landratsamt? Anstatt Fußgängern und Radfahrern ein sicheres Queren der Staatsstraße dort zu ermöglichen, wo die Route natürlicherweise auf die Straße trifft, ordnet es für die Radfahrer einen absolut unsinnigen Umweg an, wohlwissend, dass sich kein Radler daran jemals halten wird. Genauso sinnvoll wäre es, dem Aubach zu befehlen, dass er in Zukunft bergauf zu fließen habe!

Und warum das Ganze? Vermutlich, um im Fall eines Unfalls die Schuld dem unvernünftigen Radler zuweisen zu können, der die ach so weisen und fürsorglichen Anordnungen des Landratsamts nicht befolgte. Dabei könnte man diese Kreuzung auch durch Tempo 30 für die Autos am besten in Verbindung mit einer Ampel, die bei Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit auf rot schaltet, ganz leicht zur sicheren Fahrradkreuzung machen.

Den Autoverkehr ein klein wenig in die Schranken weisen – in diesem Landkreis offensichtlich ein Ding der Unmöglichkeit!

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Eine andere Mobilität ist möglich

Der Mensch steht im Mittelpunkt des öffentlichen Raums

Der Mensch steht im Mittelpunkt des öffentlichen Raums

Es gibt keinen motorisierten Individualverkehr. Im ganzen Ort herrscht Fahrverbot für Kfz mit genau festgelegten Ausnahmen: Für den gewerblichen Lieferverkehr dürfen elektrisch angetriebene Kleintransporter (Höchstgeschwindigkeit 20 km/h) benutzt werden. Verbrennungsmotoren sind nur für Einsatzfahrzeuge (Feuerwehr, Krankenwagen) sowie Land- und Baumaschinen zulässig.

Parkplatz mit minimalem Flächenverbrauch

Parkplatz mit minimalem Flächenverbrauch

So setzt sich der Straßenverkehr beinahe ausschließlich aus Fuß- und Radverkehr zusammen. Die Straßen sind frei von Lärm, Abgasen, Feinstaub und Lebensgefahr. Dank dem menschlichen Maß entsprechender Geschwindigkeiten und persönlicher Kommunikation der Verkehrsteilnehmer verläuft der Verkehr jederzeit entspannt und ohne Hektik und Aggression. Infantile Drohgebärden durch hochdrehende Verbrennungsmotoren mit Sportauspuff, panzerartige SUVs und sonstige Persönlichkeitsprothesen auf vier Rädern gibt es nicht.

Hauptverkehrsmittel Fahrrad

Hauptverkehrsmittel Fahrrad

Die unzähligen Radler fahren ohne Helm auf Hollandrädern und Cruisern mit Nabenschaltung, funktionierender Lichtanlage und bei Bedarf mit geräumigem Transportanhänger. In knallbunte, reklameübersäte Radlerklamotten gezwängte Wochenendradsportler mit High-Tech-Sportbike der neuesten Generation sucht man hingegen vergebens. Das allgegenwärtige flüsterleise Prasseln der auf dem Klinkerpflaster abrollenden Veloreifen ist Musik in den Ohren eines jeden Radlfreunds.

Autofreie Wohnstraße

Autofreie Wohnstraße

Alle Waren und Diestleistungen für den täglichen Bedarf stehen im Ort zur Verfügung. Niemand braucht sich Gedanken über Kfz-Stellplätze und -Straßen, Staus, Geschwindigkeitsbeschränkungen und -kontrollen, Ampeln und Vorfahrtsregelungen, Fahruntauglichkeit und Verkehrstote, Elterntaxis und Schulwegsicherheit, Radverkehrsförderung und Mobilitätswende zu machen. Überall ist selbstbestimmte Mobilität für Jung und Alt selbstverständlich möglich. Nicht der fahrende und ruhende Kfz-Verkehr, sondern der Mensch steht im Mittelpunkt des öffentlichen Raums.

Was für einen Weßlinger völlig utopisch klingt, ist in Langeoog auf der gleichnamigen ostfriesischen Insel längst Realität. Offenbar können allein durch die räumliche Trennung des Gemeindegebiets Denkbarrieren niedergerissen und Menschenverstand beflügelt werden. Es ist verblüffend und faszinierend, dass eine so kompromisslose Hinwendung zu sanfter Mobilität in einem Ort der Autorepublik Deutschland möglich ist.