Archiv der Kategorie: Fahrradfreundliche Gemeinde

Infos und Aktionen zum Projekt: Weßling auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Gemeinde

Radl Werkstatt Weßling

Jeden Donnerstagabend von 18 bis 20 Uhr hat die Radl Werkstatt geöffnet. In den Garagenräumen auf der Rückseite des ehemaligen Weßlinger Feuerwehrhauses (Walchstadter Weg 4) steht die offene Werkstatt allen Gemeindeeinwohnern zur Verfügung. Wir reparieren gemeinsam Fahrräder und helfen bei Problemen rund ums Radl. Spezielle Werkzeuge und Hilfsmittel für Radlreparaturen (Montageständer, Zentrierständer, Abzieher, Konusschlüssel, Kettenpeitsche u. s. w.) stehen zur Nutzung bereit – bitte nach Möglichkeit Ersatzteile mitbringen.

Gemeinnützige Schrauber in der Radl Werkstatt

Neben technischer Unterstützung leistet die Radl Werkstatt auch einen gemeinschaftlichen Beitrag: Ein Besuch bietet eine gute Gelegenheit, sich mit neuen und alteingesessenen Menschen aus unserer Gemeinde auszutauschen und das Jeder für Jeden zu leben. Außerdem regt Reparieren eine Mentalitätsveränderung an, die für die Schaffung einer breiten Akzeptanz für eine nachhaltige Postwachstumsgesellschaft erforderlich ist.

Die Radl Werkstatt hat eine jahrelange Vorgeschichte: Im Oktober 2014 wurde im Rahmen der dritten Klimaschutzwoche der SoKo Weßling einmalig ein Repair Café durchgeführt, bei dem bereits drei Reparateure der Radl Werkstatt mitwirkten. Als UNSER DORF im Mai 2015 die Gewerkhausidee vorstellte, bot die Mobilitätswende ein Radl-Repair-Café an. Einige Wochen später erreichte die Flüchtlingswelle Weßling und es wurde ein von der Nachbarschaftshilfe koordinierter Helferkreis Asyl gegründet, zu dem die Helfergruppe Radl für Flüchtlinge gehörte. Aus ihr ging im Sommer 2016 schließlich die heutige Radl Werkstatt als Teil des IntegrationsPunkt Weßling hervor. Eine Weiterentwicklung zu einem Repair Café, einer allgemeinen offenen Werkstatt und/oder einem Werkzeugverleih ist denkbar, sofern sich weitere Mitstreiter dafür finden.

Geh- und Radweg nach Etterschlag fertiggestellt

Der hartnäckige Einsatz der Mobilitätswende für eine sichere und alltagstaugliche Radverkehrsverbindung zwischen Weßling und Etterschlag ist von Erfolg gekrönt: Nun steht ein neuer Geh- und Radweg zur Verfügung, der die in Zukunft für den Kfz-Durchgangsverkehr gesperrte Grünsinker Straße mit dem Wirtschaftsweg entlang der Autobahn 96 verbindet. So können Radler und Wanderer die Unterführung an der Autobahnauffahrt Wörthsee nutzen, um ohne lebensgefährliche Überquerung der Westumfahrung nach Schluifeld oder Etterschlag zu gelangen.

Südliche Zufahrt des neuen Geh- und Radwegs

Südliche Zufahrt des neuen Geh- und Radwegs

Der Fuß- und Radverkehr war bei der Planung der Umgehung nicht einfach vergessen worden. Vielmehr wurde in der Planfeststellung bewusst entschieden, dass Radler von der Einmündung Grünsink bis zur Abfahrt Schluifeld (etwa 130 m) die Staatsstraße benutzen und als Linksabbieger verlassen sollen – eine extrem gefährliche und absolut inakzeptable „Lösung”.

Die nun realisierte Trasse stellt eine der drei im letzten Jahr von der Mobilitätswende vorgestellten Möglichkeiten dar. Wie erwartet scheiterte die favorisierte Variante, eine Brücke zur Überquerung der Umfahrung, an der bereits erfolgten Planfeststellung und an den Kosten. Doch immerhin konnte der zweitbeste Vorschlag rechtzeitig umgesetzt werden.

Blick vom höchsten Punkt nach Norden

Blick vom höchsten Punkt nach Norden

Die Radverkehrsverbindung nach Etterschlag und damit auch der Ammersee-Radweg und das Kreisradwanderweg-Netz werden somit sogar sicherer und attraktiver, weil es auf der Grünsinker Straße keinen Kfz-Durchgangsverkehr mehr geben wird. Aber nach Schluifeld bedeutet die neue Wegführung einen Umweg von etwa 690 m, der wahrscheinlich einen Teil der Fußgänger und Radler veranlassen wird, den kürzeren, lebensgefährlichen Weg über die Umfahrung zu nehmen.

Erhöhte Trassierung zur Vermeidung „verlorener Steigungen”

Erhöhte Trassierung zur Vermeidung „verlorener Steigungen”

Das Höhenprofil der ursprünglichen Planung des neuen, ca. 290 m langen Geh- und Radwegs ließ zunächst stark zu wünschen übrig, weil es viele „verlorene Steigungen” enthielt. Die Mobilitätswende machte wiederholt darauf aufmerksam und konnte so erreichen, dass die vertikale Trassierung entschärft wurde, indem sie am nördlichen Ende auf die Höhe der Einmündung in den Wirtschaftsweg erhöht, und an der höchsten Stelle um etwa 1,5 Meter abgeflacht wurde. Nun ist der Höhenverlauf im Vergleich zur nebenan verlaufenden Straße zwar immer noch eine Farce, aber immerhin für untrainierte Radlerinnen und Radler ohne abzusteigen fahrbar.

Unser Bürgermeister Michael Muther und alle anderen an den Entscheidungen und der Umsetzung Beteiligten haben sich für ihre schnelle und unbürokratische Vorgehensweise ein dickes Lob verdient! Die alltagstaugliche Radwegverbindung ist allerdings noch nicht ganz in trockenen Tüchern, weil noch nicht endgültig über den teilweisen Erhalt (min. 2,5 Meter Breite) der Asphaltierung der Straße zwischen Grünsink und der Umfahrung entschieden wurde. Aber auch hier deutet sich erfreulicherweise ein positiver Beschluss an.

STAdtradeln leicht rückläufig

Historie der Weßlinger STAdtradel-Ergebnisse

Historie der Weßlinger STAdtradel-Ergebnisse

Die Gemeinde Weßling hat dieses Jahr zum sechsten Mal am STAdtradeln teilgenommen. Im dreiwöchigen Aktionszeitraum vom 19. Juni bis 9. Juli haben 344 aktive Radlerinnen und Radler in 23 Teams 69.243 km zurückgelegt. Während die bundesweite Aktion Stadtradeln weiterhin stark wächst, sind die Teilnehmer- und Kilometerzahlen in Weßling wie fast im gesamten Landkreis STA leicht rückläufig. Dabei spielten sicherlich das übermächtige Fußballfieber und das durchwachsene Wetter in den ersten beiden Wochen eine Rolle, es ist aber auch eine gewisse STAdtradel-Müdigkeit sowohl bei den Radlerinnen und Radlern, als auch bei den Koordinatoren und Teamkapitänen erkennbar. Und so ist Weßling in der Bundeswertung Fahrradaktivste Kommune mit den meisten Radlkilometern pro EinwohnerIn mit 12,98 km erstmalig nicht unter den ersten drei, aber weiterhin mit Abstand führend im Landkreis.

In diesem Jahr hatte der Landkreis einen Preis von 2.000 € für die Kommune mit dem besten Ergebnis in der Wertung Fahrradaktivstes Kommunalparlament ausgelobt. Während in der Siegergemeinde Inning alle(!) Gemeinderäte mitmachten, ließen sich leider 14 der 21 Räte aus Weßling trotz freundlicher Aufforderung auch dieses Jahr nicht dazu bewegen, mit ihrer Teilnahme am STAdtradeln ein Zeichen für umwelt- und mitbürgerfreundliche Mobilität zu setzen – das ist entäuschend für die vielen ehrenamtlich tätigen STAdtradel-Engagierten im Ort. Allen STAdtradelverweigerern und –kritikern ist übrigens gemein, dass sie keinen konstruktiven Vorschlag für eine wirkungsvollere Aktion zur Förderung des Radfahrens haben.

Aber nach dem STAdtradeln ist vor dem STAdtradeln. Im kommenden Jahr werden die Karten neu gemischt und es besteht die Chance, mit neuen Ideen und Impulsen zu alter Stärke zurückzufinden. Der Anfang vom Ende des fossilen Zeitalters und die immer deutlicher erkennbare Zukunftsunfähigkeit der totalen Autogesellschaft werden den Zielen des STAdtradelns langfristig zum Durchbruch verhelfen – ganz unabhängig vom guten Willen der Weßlinger Gemeinderäte.

Weßling wird radlfreundlicher

Es gibt gute Nachrichten für Weßlinger Radler und Fußgänger: Am Bahnhof wurde eine Servicestation für Fahrräder installiert, und der Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 wurde mit einer Beleuchtung ausgestattet.

Radlservicestation am Bahnhof

Radlservicestation am Bahnhof

Seit diesem Montag steht am Bahnhof hinter dem Eingang der Gemeindebücherei eine hochwertige Fahrradreparaturstation. Eine Radlaufhängung, angeleinte Werkzeuge und eine Luftpumpe ermöglichen es in unserem fahrradladenlosen Ort, Fahrräder wieder flott zu machen. Damit wird Weßling im Landkreis zum Vorreiter im Bereich Service, einer der vier Säulen der Radverkehrsförderung neben Infrastruktur, Information und Kommunikation.

Die Servicestation wurde entsprechend dem Vorschlag der Mobilitätswende mit dem Preisgeld für das landkreisbeste Ergebnis beim STAdtradeln 2015 angeschafft. Genauso wie die vorbildliche Abstellanlage beim Kiosk am See haben also die Weßlinger mit ihrem hervorragenden Einsatz beim STAdtradeln eine weitere gemeinnützige Einrichtung erradelt. Die Unkenrufe über sinnloses Gestrampel wurden einmal mehr widerlegt.

Geh- und Radwegbeleuchtung beim DLR

Geh- und Radwegbeleuchtung beim DLR

Weniger plakativ, aber mindestens genauso nützlich ist die neue LED-Beleuchtung des Geh- und Radwegs zwischen dem Kreisel beim Feuerwehrhaus und dem DLR. Sie ist insbesondere für in Richtung Weßling gehende Fußgänger, aber auch Radler segensreich, weil sie die starke Blendwirkung durch den auf der höher gelegenen Straße fahrenden Kfz-Verkehr entschärft.

Gemäß den vom Arbeitskreis Radverkehr STA erarbeiteten Qualitätskriterien für Alltagsradverbindungen sollen außerörtliche Wege nur dann beleuchtet werden, wenn sie hohes Rad- und Fußverkehrsaufkommen aufweisen. Dieses Kriterium ist zwischen Weßling und der DLR-Einfahrt erfüllt, sodass die Mobilitätswende einen entsprechenden Vorschlag machte, der vom Gemeinderat befürwortet wurde.

Beide Maßnahmen stellen deutliche Fortschritte auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Gemeinde Weßling, aber auch schöne Erfolge der Mobilitätswende dar. Wir danken Herrn Bürgermeister Muther, der Radverkehrsbeauftragten Frau Schuster, der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat für die konstruktive Zusammenarbeit – und sind gespannt auf Rückmeldungen der Nutzer.

Radlständer-Vergleichstest 2016

Radlständer beim Edeka

Radlständer beim Edeka

Vor zwei Jahren führte die Mobilitätswende den ersten Radlständer-Vergleichstest durch, und im letzten Jahr gab es eine erste Aktualisierung. Nun liegen die Ergebnisse für dieses Jahr (Erhebung im Mai 2016) vor. Kategorisierung, Kriterien, Hinweise und Empfehlungen wurden im ersten Test ausführlich dargestellt und sind nach wie vor aktuell.

Radlständer für Kunden

In der Kategorie für Kunden gab es im Vorjahr keine Fortschritte. Diesmal sieht es etwas besser aus. Wegen des miserablen Zustands und der ungenügenden Kapazität des intensiv genutzten Radlständers beim Edeka legte die Mobilitätswende dem Geschäftsführer eine Planung inklusive Angebot für eine qualitativ hochwertige Abstellanlage vor. Zwar wurde diese leider nicht realisiert, es wurde aber wenigstens ein brauchbarer Ständer mit sechs Abstellplätzen zusätzlich zur alten Anlage installiert – mit der Note 2,3 nun immerhin der zweitbeste Weßlinger Radlständer in dieser Kategorie.

Vier neue Abstellplätze in unbefriedigender Qualität (Note 4,1) gibt es außerdem beim Restaurant Marina, und an der BK-Tankstelle steht nun ein etwas besseres Modell als zuvor. Im Übrigen sind die 2015 verschwundenen Radlständer bei Il Cielo Catering und bei der Spenglerei/Dachdeckerei Bernlochner wieder aufgetaucht. Damit erhöht sich die Gesamtanzahl von 204 auf 220, und die Durchschnittsnote verbessert sich von 3,7 auf 3,6 – genauso mäßig wie im Jahr 2014.

Öffentliche Radlständer

Radlständer am Spielplatz

Radlständer am Spielplatz

Auch bei den Radlständern für öffentliche Einrichtungen gab es leichte Verbesserungen. So wurde auf Anregung der Mobilitätswende ein im Bauhof deponierter Radlständer am Spielplatz installiert. Hierbei handelt sich um dasselbe Modell (wsm 2500) wie beim Rathaus und beim Edeka, welches eine brauchbare Standfestigkeit und einen sehr guten Diebstahlschutz bietet. Außerdem wurde die vorbildliche Abstellanlage am Kiosk in zwei Teile zerlegt, sodass jetzt vier Abstellplätze optimal zwischen Strand und Kiosk liegen, was zur neuen Bestnote 1,7 führt. Somit hat sich die Anzahl der Abstellplätze an öffentlichen Einrichtungen von 446 auf 450 erhöht und die Durchschnittsnote von 3,4 auf 3,3 verbessert.

Die Abstellanlage am Bahnhof ist nach wie vor zu klein und in miserablem Zustand. Entlang des südwestlichen Zweigs der S8 bildet sie zusammen mit Wörthsee das traurige Schlusslicht. Allerdings wurden beim Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Bahnhofsumfelds stark unterschiedliche Vorschläge für die Positionierung und Ausgestaltung der Radlständer gemacht, sodass es derzeit weiterhin keinen Sinn macht, die Anlage ohne Rücksicht auf die noch nicht vorliegende restliche Planung zu erneuern.

Halbe Kapazität zum vollen Preis

Viel zu geringer seitlicher Abstand: Bahnhof

Viel zu geringer seitlicher Abstand: Bahnhof

Allen neu installierten (und ebenso nahezu alle anderen) Abstellanlagen in Weßling haben den gemeinsamen Makel zu geringer seitlicher Abstände. Die Technischen Richtlinie TR 6102-0911 des ADFC und die neue DIN-Norm 79008-1 „Stationäre Fahrradparksysteme“ fordern 70 cm Abstand für höhengleiche und 50 cm für hoch-tief-angeordnete Abstellplätze. Bei geringeren Abständen (z. B. 35 cm beim Modell wsm 2500) ist nur jeder zweite Platz problemlos nutzbar, sodass man letztlich nur die halbe Kapazität zum vollen Preis erhält und sogar mehr Fläche je Radl verbraucht.

Auswertung

Auswertung der Kategorie: Öffentlich

Auswertung der Kategorie: Für Kunden

Auswertung als Tabellendokument

Fazit

Mit dem Radlständervergleichstest wollte die Mobilitätswende Gewerbetreibende und Gemeindeverwaltung motivieren, mehr und bessere Fahrradabstellanlagen zu installieren. In den vergangenen zwei Jahren hat sich diese recht aufwändige Aktion allerdings als wenig effektiv erwiesen. Offenbar lassen sich Entscheider eher über persönlich unterbreitete, konkrete Vorschläge, als über einen um Objektivität bemühten Vergleich überzeugen. Neben diesem direkten Weg wird sich die Mobilitätswende in Zukunft verstärkt für die Einführung einer verbindlichen Fahrradabstellplatzsatzung einsetzen.

Radl für Flüchtlinge

Während die Flüchtlingswelle in der großen Politik für viel Uneinigkeit und Populismus sorgt, engagieren sich im von der Weßlinger Nachbarschaftshilfe koordinierten Helferkreis Asyl hunderte Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich zum Wohl der zu uns geflüchteten Menschen. Die Mobilitätswende greift auf ihre Repair-Café-Erfahrungen bei der 3. Klimaschutzwoche sowie bei der Vorstellung der Gewerkhaus-Idee zurück und wirkt in der Helfergruppe Radl für Flüchtlinge mit.

Wir treffen uns jeden Mittwochabend ab 18 Uhr im ehemaligen Feuerwehrhaus Weßling, um Spenden (Fahrräder, Kinderfahrzeuge, Ersatzteile, Fahrradtaschen, -körbe und -schlösser, Helme, Werkzeug) entgegenzunehmen und Fahrräder instandzusetzen, die wir an Flüchtlinge ausgeben. Bisher wurden etwa 25 Radl fahrbereit gemacht, katalogisiert und gegen ein Pfand von 20 bis 50 € verliehen. Die Nachfrage ist nach wie vor groß, bei Kindern meist sogar enthusiastisch.

Es ist der Mobilitätswende ein Anliegen, armen Mitmenschen die Nutzung des mit Abstand effizientesten Verkehrsmittels zu ermöglichen. Auch das deutlich verstärkte Fußgängeraufkommen sehen wir im Sinne von nachhaltiger Mobilität und der Belebung des öffentlichen Raums positiv. Und nicht zuletzt bereichert das Engagement im Helferkreis uns alle, indem in der Gemeinde mehr Miteinander statt Nebeneinander stattfindet.

Eine andere Mobilität ist möglich

Der Mensch steht im Mittelpunkt des öffentlichen Raums

Der Mensch steht im Mittelpunkt des öffentlichen Raums

Es gibt keinen motorisierten Individualverkehr. Im ganzen Ort herrscht Fahrverbot für Kfz mit genau festgelegten Ausnahmen: Für den gewerblichen Lieferverkehr dürfen elektrisch angetriebene Kleintransporter (Höchstgeschwindigkeit 20 km/h) benutzt werden. Verbrennungsmotoren sind nur für Einsatzfahrzeuge (Feuerwehr, Krankenwagen) sowie Land- und Baumaschinen zulässig.

Parkplatz mit minimalem Flächenverbrauch

Parkplatz mit minimalem Flächenverbrauch

So setzt sich der Straßenverkehr beinahe ausschließlich aus Fuß- und Radverkehr zusammen. Die Straßen sind frei von Lärm, Abgasen, Feinstaub und Lebensgefahr. Dank dem menschlichen Maß entsprechender Geschwindigkeiten und persönlicher Kommunikation der Verkehrsteilnehmer verläuft der Verkehr jederzeit entspannt und ohne Hektik und Aggression. Infantile Drohgebärden durch hochdrehende Verbrennungsmotoren mit Sportauspuff, panzerartige SUVs und sonstige Persönlichkeitsprothesen auf vier Rädern gibt es nicht.

Hauptverkehrsmittel Fahrrad

Hauptverkehrsmittel Fahrrad

Die unzähligen Radler fahren ohne Helm auf Hollandrädern und Cruisern mit Nabenschaltung, funktionierender Lichtanlage und bei Bedarf mit geräumigem Transportanhänger. In knallbunte, reklameübersäte Radlerklamotten gezwängte Wochenendradsportler mit High-Tech-Sportbike der neuesten Generation sucht man hingegen vergebens. Das allgegenwärtige flüsterleise Prasseln der auf dem Klinkerpflaster abrollenden Veloreifen ist Musik in den Ohren eines jeden Radlfreunds.

Autofreie Wohnstraße

Autofreie Wohnstraße

Alle Waren und Diestleistungen für den täglichen Bedarf stehen im Ort zur Verfügung. Niemand braucht sich Gedanken über Kfz-Stellplätze und -Straßen, Staus, Geschwindigkeitsbeschränkungen und -kontrollen, Ampeln und Vorfahrtsregelungen, Fahruntauglichkeit und Verkehrstote, Elterntaxis und Schulwegsicherheit, Radverkehrsförderung und Mobilitätswende zu machen. Überall ist selbstbestimmte Mobilität für Jung und Alt selbstverständlich möglich. Nicht der fahrende und ruhende Kfz-Verkehr, sondern der Mensch steht im Mittelpunkt des öffentlichen Raums.

Was für einen Weßlinger völlig utopisch klingt, ist in Langeoog auf der gleichnamigen ostfriesischen Insel längst Realität. Offenbar können allein durch die räumliche Trennung des Gemeindegebiets Denkbarrieren niedergerissen und Menschenverstand beflügelt werden. Es ist verblüffend und faszinierend, dass eine so kompromisslose Hinwendung zu sanfter Mobilität in einem Ort der Autorepublik Deutschland möglich ist.

STAdtradler gewinnen 2000 €

Landrat Karl Roth und Bürgermeister Michael Muther bei der Preisverleihung

Landrat Karl Roth und Bürgermeister Michael Muther bei der Preisverleihung


Historie der Weßlinger STAdtradel-Ergebnisse

Historie der Weßlinger STAdtradel-Ergebnisse


Wie bereits vom Starnberger Merkur (Weßlinger am radlfreudigsten) und der Süddeutschen Zeitung (Weßling ist spitze) berichtet, schafften 419 Weßlinger Radlerinnen und Radler mit 83.232 km auch in diesem Jahr ein hervorragendes Ergebnis beim STAdtradeln. Landrat Karl Roth hatte für die beste Landkreiskommune in der Wertung Radlkilometer je Einwohner einen Preis von 2.000 € ausgelobt, den die Weßlinger mit großem Abstand gewannen. Das Preisgeld steht nun der Gemeinde für Radverkehrsprojekte zur Verfügung. Im Jahr 2013 hatte Weßling bereits als beste bayerische Kommune eine Fahrradabstellanlage im Wert von über 1.000 € gewonnen.

Trotzdem gibt es weiterhin Stimmen, die das STAdtradeln als nutzloses Gestrampel abtun. Sie haben noch nicht erkannt, dass die mit etwa 5.000 Teilnehmern bei Weitem erfolgreichste Mitmachaktion im Landkreis STA als außerordentlich gut funktionierender Katalysator für die Radverkehrsförderung wirkt. Denn nicht die vermiedenen CO2-Mengen stehen im Vordergrund, sondern die damit einhergehende Werbung für das Radfahren, die Sichtbarmachung des Radverkehrs in der Kommunalpolitik, sowie die Vernetzung der ehrenamtlichen Radlaktivisten im Landkreis. So ist auch die Mobilitätswende Weßling aus dem STAdtradeln hervorgegangen.

Wir danken allen aktiven STAdtradlerinnen und STAdtradlern für ihre großartige Unterstützung und hoffen, dass die Aktion weiterhin so erfolgreich läuft und den Radverkehr in Weßling nach vorne bringt.

Radlständer-Vergleichstest 2015

Edeka: Ramponierte Felgenknicker

Edeka: Ramponierte Felgenknicker

Im letzten Jahr führte die Mobilitätswende Weßling erstmalig einen Radlständer-Vergleichstest durch. Dabei wurde der subjektive Eindruck der Weßlinger Radlerinnen und Radler bestätigt: Mit einem Notendurchschnitt von 3,6 und vielen Örtlichkeiten ohne Fahrradabstellanlage lieferte die Gemeinde auch in der systematischen Bewertung ein schwaches Bild.

Ende Mai dieses Jahres machten wir uns erneut zur Erhebung auf, um die zwischenzeitliche Entwicklung festzustellen. Natürlich sind die meisten Radlständer unverändert verfügbar, sodass in diesem Beitrag nur auf die wesentlichen Änderungen zum ausführlichen Test des Vorjahres eingegangen wird.

Öffentliche Radlständer

Kiosk am See: Testsieger

Kiosk am See: Testsieger


Bei den Radlständern für öffentliche Einrichtungen ist ein leicht positiver Trend erkennbar. Am Kiosk am See wurde die erste ADFC-zertifizierte Abstellanlage im Gemeindegebiet in Betrieb genommen. Dank erstklassiger Qualität ist sie mit der Note 1,9 der Testsieger im Jahr 2015. Einziger Wehrmutstropfen ist hier die nicht optimale Ortswahl, wodurch der Ständer bisher nicht so gut wie möglich angenommen wird – es gibt aber bereits Pläne der Gemeindeverwaltung, dieses Manko zu beseitigen.

Auch an der Grundschule Weßling wurden erfreulicherweise zusätzliche Abstellplätze installiert. Damit steht nun eine ausreichende Kapazität zur Verfügung, während Ort, Qualität und fehlender Witterungsschutz nach wie vor zur Abwertung führen.

Zwei Radlständer warten am Bauhof auf ihre Verwendung

Zwei Radlständer warten am Bauhof auf ihre Verwendung


Insgesamt erhöhte sich die Anzahl der Abstellplätze für öffentliche Einrichtungen von 419 auf 446, und der Notendurchschnitt verbesserte sich von 3,5 auf 3,4. Der dringenste Bedarf für mehr und bessere Stellplätze herrscht nach wie vor am Bahnhof, wo aufgrund der bevorstehenden Umgestaltung leider nicht kurzfristig mit großen Fortschritten zu rechnen ist. Aber auch an Spielplatz, Freizeitheim und Wertstoffhof herrscht Handlungsbedarf, weil bislang überhaupt keine Radlständer zur Verfügung stehen. Hier besteht laut Gemeindeverwaltung immerhin Hoffnung, dass sich demnächst etwas tut.

Radlständer für Kunden

Eine enttäuschende Entwicklung stellen wir in der Kategorie für Kunden fest, in der Abstellanlagen für Geschäfte und Praxen gewertet werden. Nach wie vor bieten etwa das Autohaus Widmann (mit Pedelec-Angebot), das Café am See (nach aufwändiger Renovierung), das Eiscafé Roma, die Restaurants Marina und Mediterraneo sowie die Fahrschule U-Drive keine Radlstellplätze an. Gegenüber dem Vorjahr sind außerdem die Abstellanlagen beim Schreibwaren Zeller und Il Cielo Catering verschwunden. Und der wohl meistbenutzte Radlständer für Kunden beim Edeka ist mittlerweile in so schlechtem Zustand, dass nur mehr elf von 16 Stellplätzen benutzbar sind.

So ergibt sich in dieser Kategorie ein Rückgang der Stellplatzzahl von 206 auf 204, und die Durchschnittsnote verschlechtert sich von 3,6 auf 3,7.

Auswertung

Auswertung der Kategorie: Öffentlich

Auswertung der Kategorie: Für Kunden

Auswertung als Tabellendokument

Fazit

In Sachen Radlständer sieht es in Weßling nach wie vor nicht gut aus. Die Idee der Mobilitätswende, durch einen Vergleichstest Inhaber von Geschäften und Praxen zu motivieren, qualitativ und quantitativ ansprechende Fahrradabstellanlagen anzubieten, war nicht erfolgreich. Aber immerhin sind bei den öffentlichen Einrichtungen kleine Fortschritte erkennbar und auch in Zukunft absehbar. Der Weg zur fahrradfreundlichen Gemeinde Weßling bleibt weiterhin lang und mühsam.