Naturschutz-PR für den Straßenbau

Leserbrief zu den Beiträgen Drei Millionen für den Artenschutz im Starnberger Merkur vom 12. Mai 2017 und Modellwald an der Umfahrung in der Süddeutschen Zeitung vom 12. Mai 2017

In einer dreisten PR-Aktion feiert das Straßenbauamt Weilheim seine großartigen Verdienste für den Umwelt- und Naturschutz im Rahmen des Baus der Weßlinger Umgehungsstraße. Der Bund Naturschutz, der einen großen Teil der umfangreichen Maßnahmen nur über jahrelange Grabenkämpfe gegen die Umfahrungslobby durchsetzen konnte, wird dabei nicht einmal erwähnt. Völlig absurd wird sogar suggeriert, es ergäbe sich letztlich eine Aufwertung für das weiträumig durch Lärm und Abgase zerstörte FFH-Naherholungsgebiet. Warum lassen sich Bürgermeister Muther, Förster Mergler und die Lokalpresse bereitwillig vor den Karren einer Behörde spannen, welche die haarsträubend rückwärtsgewandte Verkehrspolitik von Bund und Land bekanntlich ganz besonders gewissenhaft umsetzt und noch immer den Neu- und Ausbau von Kfz-Straßen als Lösung aller Verkehrsprobleme propagiert?

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Wir brauchen den Ausstieg aus der Autoindustrie so wie den aus der Atomwirtschaft. Als kriminelle Vereinigung, die Abgaswerte manipuliert und damit die Gesundheit der Menschen zerstört, und die alle Versuche blockiert, klimaschädliche Treibhausgase zu beschränken, beleidigt sie die Intelligenz und die Moral jener Millionen Menschen, die in Deutschland für sie arbeiten.

Aus dem Beitrag Von der Absurdität des Autos von Fred Grimm in Schrot & Korn 2015/12.

Besserungsgebot für den Radverkehr

Offener Brief zum geplanten Wegfall der Fuß- und Radwegquerung in Mamhofen

Sehr geehrte Frau John, sehr geehrte Frau Dr. Kössinger, sehr geehrter Herr Roth, sehr geehrter Herr Walter, sehr geehrter Herr Muther,

mit großem Entsetzen habe ich der Presse entnommen, dass die Radroute Hanfeld – Hochstadt bei Mamhofen im Zuge des Neubaus der Starnberger Umfahrung und deren Anknüpfung an die Staatsstraße 2069 unterbrochen werden soll. Auch wenn die Strecke nicht alltagstauglich ist, so ist sie doch die einzige sicher zu befahrende Radstrecke von Hochstadt in Richtung Starnberg!

Ich kenne sie seit meiner Jugend, nutze sie für Erledigungen in Starnberg, auf dem Weg zum Kreiskrankenhaus, zum Landratsamt, zum Finanzamt, zum Bahnhof Starnberg, zum See. Für meine Frau und ihre Kollegin aus Gilching war es jahrelang der Weg zur Arbeitsstelle im Kreiskrankenhaus. Viele Starnberger fahren diese Strecke auf dem Weg zur Arbeit in den Gewerbegebieten von Weßling und Gilching rund um den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen. Und jetzt soll diese Strecke einfach wegfallen, anstatt sie endlich alltagstauglich für Radfahrer zu gestalten? Ausgerechnet jetzt, wo der Landkreis für viel Geld ein Alltagsradwegenetz planen ließ?

Sehr geehrte Frau John, wenn Sie den Autoverkehr in Starnberg wirklich reduzieren wollen, dann muss Starnberg für Radfahrer aus allen Richtungen erreichbar sein!

Sehr geehrte Frau Dr. Kössinger, beim letztjährigen Stadtradelabschluss hoben Sie die Bedeutung des Fahrrads für den Weg zur Arbeit hervor. Sie planen ein neues Gewerbegebiet in Nachbarschaft zum Sonderflughafen Oberpfaffenhofen und zum Gewerbegebiet Gilching Süd. Neue Gewerbegebiete müssen für die Beschäftigten mit dem Rad erreichbar sein. Von Starnberg und Söcking aus führt der Weg zu dem geplanten Gewerbegebiet über Mamhofen!

Sehr geehrter Herr Walter, auch die Gilchinger Gewerbegebiete sind über diesen Weg von Starnberg und Söcking aus zu erreichen!

Sehr geehrter Herr Muther, lieber Michael, Weßling hat sich schon am Bau einer Umgehungsstraße versucht, stöhnt aber immer noch unter viel zu viel Autoverkehr. Weßlinger Radfahrer brauchen diese Verbindung, um sicher nach Starnberg zu gelangen. Lass nicht zu, dass auch die letzten Radler wieder ins Auto gezwungen werden!

Sehr geehrter Herr Roth, seit einigen Jahren darf sich der Landkreis Starnberg fahrradfreundlich nennen. Leider plant den Verkehr im Landkreis zu großen Teilen aber immer noch ein (Auto-)Straßenbauamt. Wann erhält dieses Straßenbauamt endlich die Vorgabe, dass bei jeglicher Straßenplanung ein Verschlechterungsverbot oder noch besser ein Besserungsgebot für den Radverkehr zu beachten ist?

Unter dem Titel Autobahnen für Radler berichtet die SZ heute über den Thementag Radverkehr in der Region und schreibt: „Begeisterte Radler gibt es immer mehr, doch es hapert an der Infrastruktur. Auch weil Politik und Wirtschaft einiges verschlafen haben.“

Ich mag nicht glauben, dass die politischen Verantwortlichen im Landkreis Starnberg und seinen Kommunen in Sachen Radverkehr immer noch schlafen. Nein, sie werden aktiv dafür eintreten, dass keine wichtigen Radverbindungen mehr zerstört werden, sondern dass diese vielmehr alltagstauglich gestaltet werden – oder?

Ich freue mich sehr auf Ihre Antworten und Lösungsvorschläge – warum z. B. legt man die Straße bei Mamhofen auf bestehender Route nicht einfach tiefer und führt den Rad-, Geh- und Reitweg darüber hinweg, erreicht so gleichzeitig Lärmschutz für Mamhofen und ermöglicht Menschen und Tieren das gefahrlose Überqueren der Straße?

Mit freundlichen Grüßen,
Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling


Antwort von Frau John am 3. Mai

Sehr geehrter Herr Sailer,

die Verlegung der Kreisstraße beim Gut Mamhofen wird vom Staatlichen Bauamt Weilheim geplant und während der Ausführung auch federführend von diesem betreut, weil die Kreisstraße nach deren Verlegung zur Staatsstraße aufgestuft werden soll.

Der Stadt Starnberg ist es ein großes Anliegen, dass die bestehenden Radwegeverbindungen erhalten bleiben und das Radwegenetz weiter ausgebaut wird. Aus diesem Grund hat die Stadt stetig versucht auf die Planungen einzuwirken und der Eigentümerin eintsprechende Angebote unterbreitet und Alternativen zur Erhaltung der bestehenden Radwegeverbindung vorgestellt.

Leider ist die Eigentümerin nicht bereit, weiteren Grund für eine Querungsmöglichkeit für Fußgänger, Radfahrer und Reiter abzugeben. Auch vom Landratsamt hat die Stadt Starnberg keinerlei Unterstützung in diesem Punkt erhalten, obwohl die Stadt ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass es sich bei dem Weg um einen Bestandteil des Kreisradwanderweges handelt.

Die Möglichkeiten der Einflussnahme durch die Stadt sind bis auf das Letzte ausgeschöpft.

Wir bedauern sehr, dass wir Ihnen keine positivere Mitteilung zu diesem Thema geben können.

Mit freundlichen Grüßen,
Eva John
Erste Bürgermeisterin

Wenn man nach Belegen sucht, wie die Propaganda der Nazis auch nach dem Krieg noch gewirkt hat, muss man sich mit der Verkehrspolitik beschäftigen.

Aus dem Buch Goodbye Auto von Carsten Otte, 2009.

Noch besser Busfahren in Weßling

von Gerhard Sailer für Unser Dorf heute

Bevor die Entscheidung für den Bau der Umgehungsstraße fiel, stellte Tobias Sailer ein alternatives Verkehrskonzept vor, mit dem die Zahl der täglichen Fahrten auf der Hauptstraße um 7.100 reduziert worden wäre. Einen wesentlichen Teil des Konzeptes stellte die Verbesserung des MVV-Busnetzes dar.

Die Umgehungsstraße erfüllt die von vielen in sie gesetzten Erwartungen nicht. Umso wichtiger ist es jetzt, vor allem den innerörtlichen Kfz-Verkehr zu reduzieren. Fünf Buslinien fahren den Bahnhof Weßling an. So kann man mit dem 947er im Halbstundentakt die Gewerbegebiete zwischen Argelsrieder Feld und Gilching erreichen, der 952er fährt stündlich von Gilching-Argelsried nach Inning und der 953er startet achtmal am Tag zu einer Runde um den Wörthsee. Von Montag bis Samstag verkehrt der 955er stündlich zwischen Weßling und Starnberg Nord.

Was will man denn mehr? Nun, die Busse werden zwar gut angenommen, aber es gilt die freien Plätze den vielen Weßlingern schmackhaft zu machen, die immer noch für Fahrten im Ort ins eigene Auto steigen. Zunächst: Es fehlt an Haltestellen! Die Weßlinger Ortsdurchfahrt ist gut einen Kilometer lang, aber alle Busse halten nur am Bahnhof. Zusätzliche Haltestellen Uferweg und Nelkenstraße würden auch die Bewohner des Höhenrainäcker im Westen und der Blumensiedlung im Osten an das Busnetz anbinden. Gäbe es auch noch eine Haltestelle in der Hauptstraße auf Höhe der Bahnunterführung, hätte man die Chance, den 955er doch noch zu erreichen, falls er einem am Bahnhof vor der Nase weggefahren ist.

Vorbildliche Bushaltestelle in Hadorf

Apropos Haltestellen: Weßling lässt die Busfahrgäste buchstäblich im Regen stehen! Es ist an der Zeit, die Stationen im Gemeindegebiet mit Wartehäuschen auszustatten, um Fahrgäste vor Wind und Wetter zu schützen. Gleichzeitig müssen die Zustiege barrierefrei gestaltet werden. In vielen Fällen würde ein Häuschen reichen, wenn ein Zebrastreifen das sichere Queren der Straße ermöglicht, um zum Bus auf der anderen Seite zu gelangen. Derart gestaltete Haltestellen würden auch verkehrsberuhigend wirken.

In der Bahnhofstraße behindern längsparkende Kfz den Bus-, Rad- und Fußverkehr – und verschandeln außerdem das Ortsbild

Die Bahnhofstraße erweist sich als neuralgischer Punkt für den Busverkehr. Durch ein Chaos von Radfahrern, Fußgängern und Autos bahnen sich die Busse ihren Weg. Für die Fahrer bedeutet das oft Zentimeterarbeit. Aber warum braucht man eigentlich immer noch all die Parkplätze aus einer Zeit, als noch kein Bus den Bahnhof anfuhr? Zu den dringendsten Hausaufgaben der Nahverkehrsplaner gehört es deshalb, durch Einrichten eines Halteverbots entlang der Bahnhofstraße Platz und Sicherheit zu schaffen für Busse, Radler und Fußgänger.

Ja, und schließlich warten wir immer noch darauf, dass die Verantwortlichen im Landratsamt dafür sorgen, dass alle Haltestellen in der Gemeinde einer Tarifzone zugeordnet werden, damit in Zukunft die 10 km lange Fahrt von Schule Hochstadt (Hort) nach Starnberg nicht mehr 5,60 € kostet, während z. B. die 30 km von Starnberg mit dem X900 nach Fürstenfeldbruck für 2,80 € zu haben sind …

Und wie schaut es bei Ihnen aus? Liegt ein Fahrplan griffbereit daheim oder ist eine gute App auf dem Smartphone installiert? Haben Sie den Bus schon mal in aller Ruhe ausprobiert? Dann ist es nicht mehr weit, bis Sie sich vor jeder Unternehmung fragen: „Geht das auch mit dem Bus?“

Verkehrsplanung für alle

Leserbrief zum Artikel Mit Bypass schneller zur B 2 in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Februar 2017 und Leserbriefen

Wieder einmal geht man beim Straßenbau im Landkreis die uralten Wege: Für mehr Autos braucht man eine neue Straße, die man so durch die Landschaft legt, dass die vielen Autos möglichst schnell und sicher von der Stelle kommen. Fußgänger und Radfahrer könnte man, wie in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts üblich, in dunkle und enge Unterführungen schicken oder sie sollen sich über platzsparend geplante und deshalb steile Überführungen quälen. Und wenn Anlieger dafür keinen Grund hergeben wollen, dann gibt es halt irgendwelche Notlösungen, ganz egal, wie weit diese an den Bedürfnissen der Nicht-Autofahrer vorbeigehen.

Wer eine Karte lesen kann, erkennt auf den ersten Blick, dass die Wald- und Feldwege über Mamhofen und Hanfeld für Radfahrer und Fußgänger die einzige Möglichkeit darstellen, aus Hochstadt oder Oberbrunn nach Söcking und Starnberg zu kommen. Nachdem bei Mamhofen in Zukunft mehr Autos noch schneller fahren sollen, stünde für einen guten Verkehrsplaner fest: Dieser Rad- und Fußweg muss erhalten bleiben und sicher über die neue Straße geführt werden.

Es muss also eine Lösung für die Autos gefunden werden, nicht für die Radler und Fußgänger!

Wie könnte die ausschauen? Man legt die Straße bei Mamhofen auf der bestehenden Trasse tiefer, führt einen Weg für Radler und Fußgänger ebenerdig darüber hinweg und kann die erforderliche Brücke so breit anlegen, dass auch landwirtschaftliche Fahrzeuge, Reiter und, auf breiten Grünstreifen, auch Wildtiere eine Querungsmöglichkeit bekommen. Und nachts fliegen Fledermäuse und Eulen auch ohne Lärmschutzwall als Überflughilfe ungefährdet über die Straße hinweg.

Um den Weg alltagstauglich zu machen, müsste man ihn ab Hanfeld tatsächlich auf einer für Radfahrer ausreichenden Breite asphaltieren. Jenseits der Westumfahrung kann man ihn dann asphaltiert auf bestehenden Wegen bis zu einem bereits gebauten Begleitweg der Oberbrunner Umfahrung führen.

Aber leider gibt es im Landkreis halt keine guten und zukunftsfähigen Verkehrsplaner…

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Aufstieg statt Umstieg

Leserbrief zum Kommentar Schwieriger Umstieg in der Süddeutschen Zeitung vom 27. Februar 2017

„Ein Autofahrer ist per se kein schlechterer Mensch als ein Radler oder Fußgänger” schreibt Herr Fritscher in seinem Kommentar. Wollen wir hoffen, dass er damit recht hat – leben wir doch in einem Landkreis, in dem es mehr Kfz als volljährige Einwohner gibt.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Fahrradinfrastrukur ist allerdings entscheidend, dass der Autofahrer das für fast alle schlechtere Verkehrsmittel nutzt. Denn nur die Insassen können die Vorteile des Autos genießen, der Rest der Welt wird hingegen durch Lärm, Abgase und Blechwüsten belästigt und durch Lebensgefahr auf den Straßen, Klimawandel und Resourcenkriege bedroht.

Es ist daher rückwärtsgewandt und unangemessen, aus der Windschutzscheibenperspektive der weiteren Marginalisierung des Rad- und Linienbusverkehrs das Wort zu reden. Gerade im völlig übermotorisierten Landkreis STA ist eine Wende in der Verkehrspolitik dringend notwendig und letztlich unvermeidbar.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Motorwelt Vierseenland

Leserbrief zum Kommentar Schwieriger Umstieg in der Süddeutschen Zeitung vom 27. Februar 2017

Was qualifiziert eigentlich Herrn Fritscher dafür, Kommentare zum Thema Verkehr in einer anspruchsvollen Tageszeitung wie der SZ zu schreiben? Da wird den Stadtradlern schnell unterstellt, bei ihren Kilometerangaben zu betrügen – schließt da jemand von sich auf andere und vergisst dabei, dass es auch ehrliche Menschen gibt? – und die vielen Busse fahren bei Herrn Fritscher natürlich leer durch die Gegend. Ich bin den Winter über fast täglich ein- oder zweimal Bus gefahren und war nur ganz selten mal auf einem Teilstück einziger Fahrgast. Kommentare auf diesem Niveau wären auf jeden Fall besser in der ADAC-Motorwelt aufgehoben! Aber nicht alle Landkreisbürger wollen das Vierseenland zur Motorwelt verkommen lassen und haben längst verstanden, dass das Auto nicht die Zukunft unserer Mobilität darstellen wird.

Dass beim Ausbau der Fahrradinfrastruktur so wenig vorangeht, liegt auch weder an den vielen Hindernissen, die Herr Fritscher ausgemacht hat, noch an den angeblich so astronomischen Grundstückspreisen, hinter denen sich Herr Roth so gerne versteckt. Es liegt vielfach am fehlenden politischen Willen. Oder hat schon jemand von einer neuen Straße gehört, die nicht gebaut werden konnte, weil der Grund zu teuer war? Was hindert Landkreis und Gemeinden denn eigentlich daran, alltagstaugliche Radwege auf bestehenden Feld- und Waldwegen anzulegen, und was spricht dagegen, bestehende Autostraßen den Radfahrern zurückzugeben? Die Grünsinker Straße in Weßling zeigt, dass das geht! Aber warum braucht man die alte Staatsstraße durch Unter- und Oberbrunn immer noch für Autos, obwohl daneben die neue Umgehung verläuft? Auch die Römerstraße von Gauting nach Gilching könnte man für Radler und die wenigen Anwohner reservieren und schon hätte man einen wunderbaren Fahrradschnellweg!

In das Straßennetz wurde in den letzten Jahren genug Geld gesteckt, das anderswo fehlt. Weßling hat jetzt eine Umgehungsstraße, auf der niemand fährt und für den Betrag, den der anstehende Ausbau der A 96 auf sechs Fahrspuren kosten wird, könnte man den ganzen Landkreis mit einem Radwegnetz ausstatten – und das nicht erst in 25 Jahren!

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Teufels-Kreis-Verkehr

Leserbrief zu den Beiträgen Stadtrat Starnberg entscheidet sich für einenTunnel im Starnberger Merkur vom 22. Februar 2017 und Ende eines Dauerstreits in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Februar 2017

Die Stadt Starnberg versenkt 162 Millionen € für einen Tunnel, der neben der im Bau befindlichen West-Umfahrung und einer zu prüfenden Nord-Umfahrung für Entlastung vom unerträglich gewordenen Kfz-Verkehr sorgen soll. Dabei ist seit Jahrzehnten bekannt, dass Straßennetze dynamische Systeme sind, bei denen eine Erweiterung des Angebots für entsprechend mehr Nachfrage sorgt (induzierter Verkehr). So werden Brennpunkte der Verkehrsbelastung bestenfalls verlagert (z. B. von Ober-/Unterbrunn in die Hanfelder Straße) – oder auch nicht (z. B. Weßling), das ursprüngliche Problem der nach 84 Jahren autozentrierter Verkehrspolitik völlig aus dem Ruder gelaufenen Kfz-Übernutzung jedoch noch weiter verschärft.

In den Ministerien auf Bundes- und Landesebene wird bekanntlich seit Jahrzehnten alles dafür getan, um das endlose Wachstum der Auto- und Straßenbauindustrie aufrecht zu erhalten. Da kommt es gerade recht, wenn man Kommunen den Neu- oder Ausbau von Kfz-Infrastruktur als Entlastungsmaßnahme verkaufen kann. Nach der Fertigstellung werden wirksame Verkehrsberuhigungsmaßnahmen vor Ort freilich nicht genehmigt, um die „Flüssigkeit” des Kfz-Verkehrs zu erhalten.

In der Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamts sprachen sich 82 % der Befragen (und 92 % der 14- bis 17-Jährigen) dafür aus, Städte und Gemeinden gezielt so umzugestalten, dass man kaum noch auf ein Auto angewiesen ist. Städte, die daran schon lange konsequent arbeiten, indem sie den Straßenraum weg vom Auto und hin zum ÖPNV, Fuß- und Radverkehr umverteilen (z. B. Wien, Zürich und Kopenhagen), führen die weltweiten Ranglisten für Lebensqualität an. Unterdessen basteln unsere Kommunen noch immer ungewollt, aber sehr erfolgreich am autogerechten Landkreis STA – und unser Landrat freut sich, dass es mit dem Tunnel „endlich weiter geht”.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling