Neujahrsvorsatz: Autofreie Tage sammeln

Hast du schon einen richtig guten Vorsatz für das Jahr 2026 gefasst? So einen Vorsatz, für dessen Verwirklichung es schon ein bisschen Ehrgeiz braucht, der aber auch ziemlich viel Spaß macht, mit dem du bei anderen manchmal Eindruck schindest und mindestens ebenso oft auf Unverständnis stößt, und der absolut nachhaltig ist, also sowohl seine Umsetzung, als auch, weil du ihn jedes Jahr wieder fassen kannst? Nein?

Dann nimm dir doch mal vor, das ganze Jahr lang möglichst viele autofreie Tage zu sammeln, also Tage, an denen dein Auto oder euer Familienauto nicht bewegt wird.

Grüner Punkt im Tagebuch für autofreien Tag

Wir haben diesen Vorsatz 2021 zum ersten Mal gefasst und unser damaliges Ziel 100 autofreie Tage ganz knapp übertroffen. Jeder Tag, an dem unser Auto stehen bleibt, bekommt im Tagebuch einen dicken grünen Punkt. Jeden Monat wird durchgezählt und am Jahresende aufaddiert. Von Jahr zu Jahr wurden wir besser und 2025 waren es genau 161 autofreie Tage!

In der Silvesternacht vor zwei Jahren erntete ich mit diesem Vorsatz folgenden Kommentar: „So ein blöder Vorsatz. Ich fahr doch eh elektrisch!“ Da war ich tatsächlich erst einmal sprachlos. Konnte es wirklich sein, dass man jemanden erklären muss, was so ein autofreier Tag alles bedeutet:

Als Allererstes: Ich muss mir Gedanken machen! Immer, wenn ich einen Weg ins Auge fasse, überlege ich, ob ich ihn zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn zurücklegen kann oder, ob es doch das Auto sein muss, weil jemand mitgenommen werden soll, etwas Schweres transportiert werden muss, die Strecke zu lang oder die Zeit, die zur Verfügung steht, zu kurz ist. Und wenn dann doch alles für das Auto spricht, geht das Überlegen erst richtig los: Muss das gleich sein, oder kann es bis morgen warten, wenn ich eh losfahren muss? Welche Besorgungen kann ich noch miterledigen? Ein Einkaufszettel, der laufend aktualisiert wird, liegt immer auf dem Küchentisch und über die WhatsApp-Gruppe „Gemeinsam einkaufen“ kann ich Tochter und Schwiegertochter anbieten, etwas mit zu besorgen oder anfragen, ob diese etwas für uns mitbringen können.

Als Zweites: Wir leben gesünder! Mit jeder vermiedenen Autofahrt gewinnen wir Zeit, um uns zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu bewegen, und selbst wenn wir mit Bus oder Bahn unterwegs sind kommt die körperliche Bewegung nicht zu kurz: Das Gehen zur Haltestelle, treppauf, treppab beim Umsteigen, der kurze „Spurt“, um den Anschluss zu erreichen und schließlich die letzten Meter zu Fuß zum Ziel.

Als Drittes: Nicht Auto fahren ist rücksichtsvoller! Wir setzen Mensch und Tier viel weniger einer Unfallgefahr aus, wir verursachen keinen zusätzlichen Lärm, wir setzen keine zusätzlichen Schadstoffe und keinen Feinstaub frei, wir verlängern keinen Stau, wir legen keine zusätzlichen Kilometer auf der Suche nach einem Parkplatz zurück und wir nehmen keinen öffentlichen Raum in Anspruch um unser Auto zu parken.

Als Viertes: Wir verbrauchen keine zusätzlichen Ressourcen! Auch ein e-Auto braucht Energie, die nicht immer regenerativ erzeugt wird und damit nicht genug: Je weniger wir unser Auto bewegen, umso länger hält es – wir brauchen weniger Ersatzteile, Schmierstoffe und Reifen.

Als Fünftes: Wir fahren nicht nur an weniger Tagen Auto, sondern auch immer weniger Kilometer mit dem Auto. Das bedeutet, dass wir ganz schön sparen: Leasingrate, Versicherungsprämie, Werkstatt- und Spritkosten sinken.

Und schließlich: Vorbild wirkt und steckt an! Kürzlich hat unsere Enkeltochter gefragt, ob sie nach der Schule zu uns kommen kann: „Ich fahre mit der S-Bahn nach Weßling und nehme den Bus nach Hochstadt und wenn mich abends der Papa auf dem Weg von der Arbeit mit nach Hause nimmt, bekommt ihr auch den grünen Punkt!“

Noch geht nicht alles ohne eigenes Auto. Für sechs Enkelkinder wollen wir gerne regelmäßig aber auch spontan im Notfall da sein. Hochstadt hat kaum Einkaufsmöglichkeiten und der Bus fährt abends nur bis 21 Uhr. Oft, aber nicht immer haben wir nachts noch Lust von Weßling nach Hause zu laufen. Und manchmal ist es auch einfach bequem, schnell das Auto zu nehmen …

Trotzdem: Ich finde, wir sind auf einem guten Weg. Vielleicht schaffen wir ja 2026 50 % autofreie Tage. Wer macht mit?

Gerhard Sailer

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