Archiv des Autors: Gerhard Hippmann

Rückblick auf das achte Jahr

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Arbeit und Projekte der Mobilitätswende Weßling im Jahr 2020.

Mitfahrbänke

Seit Herbst 2019 gibt es Mitfahrbänke in den drei Ortsteilen der Gemeinde. Nach ersten positiven Erfahrungen warteten wir gespannt auf den Beginn des Frühlings, um zu verfolgen, wie das Konzept von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen wird. Doch dann zog die Corona-Pandemie ein und stellte den Alltag auf den Kopf, sodass die zu den erforderlichen Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen im Widerspruch stehenden Mitfahrbänke leider verwaisten. Allerdings wurde bereits deutlich, dass Vandalismus, Wind und Wetter nach einer robusteren Ausführung der Haltestellenausrüstung verlangen.

Lockdown

Der Lockdown im Frühling wirkte sich in erstaunlichem Maße auf das Mobilitätsverhalten der Menschen aus. Der starke Rückgang des Kfz- und Flugverkehrs und die deutliche Zunahme von Fuß- und Radverkehr gaben einen Ausblick auf die Auswirkungen einer erfolgreichen Verkehrswende. Andererseits verlor der öffentliche Personenverkehr wegen Ansteckungsgefahr massiv an Zuspruch – und dieser negative Effekt wird wohl erheblich länger anhalten als die vorübergehenden positiven Entwicklungen bei den anderen verträglichen Verkehrsformen. Leider war beim zweiten Lockdown im Herbst keine deutliche Reduzierung der Kfz-Verkehrsbelastung mehr zu beobachten.

Radl Werkstatt

Da die Garagenräume auf der Rückseite des ehemaligen Feuerwehrhauses Weßling zur Kita umgebaut wurden, musste die Radl Werkstatt ausziehen. Erfreulicherweise stellte die Gemeinde die direkt nebenan liegende Doppelgarage als neuen Werkstattraum zur Verfügung. Der Umzug erfolgte im Mai und die neuen Räume haben sich seitdem bewährt – nur im Winter muss die Radl Werkstatt nun geschlossen bleiben, weil es dort mangels Heizung zu kalt zum Arbeiten wird.

Auch in diesem Jahr war die Nachfrage sowohl von Geflüchteten als auch Einheimischen in der Radl Werkstatt oft hoch, und es hat sich ein vierköpfiges zuverlässiges Reparaturteam eingespielt. Der Radl-Reparaturkurs im Rahmen des Ferienprogramms der Nachbarschaftshilfe musste leider pandemiebedingt entfallen.

Kommunalpolitik

Mit der Kommunalwahl im März hat nachhaltige Mobilität deutlich mehr Gewicht in Gemeinde- und Kreisrat erhalten. Mit Gerhard Hippmann wurde ein Kandidat in den Gemeinderat gehäufelt, der zuvor in der Mobilitätswende aktiv war und speziell mit diesem Thema angetreten war. Auch im Beirat des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Mobilität (Gerhard Sailer) sowie in der Geschäftsleitung der Gemeindeverwaltung (Astrid Kahle) ist nun Personal mit Mobilitätswende-Vergangenheit vertreten. Nicht zuletzt bringt auch der neue Bürgermeister Michael Sturm wesentlich mehr Verständnis für verträgliche Mobilität mit. Hier besteht also Grund zur Hoffnung für erhöhte Qualität und Quantität in Sachen Verkehrswende – allerdings muss für jede wichtige Entscheidung nach wie vor eine Mehrheit im Gemeinderat gefunden werden.

Im Rahmen der Verhandlungen zur neuen Geschäftsordnung wurde der Arbeitskreis mobil & lebenswert aufgelöst. Das ist bedauerlich, weil er in seinen 29 Sitzungen zwischen Mai 2016 und Dezember 2019 zahlreiche konstruktive Beiträge geliefert und eine besonders unkomplizierte und niederschwellige Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht hatte.

Fahrradstraße

Fast zweieinhalb Jahre nach dem Gemeinderatsbeschluss war es am 21. Juni soweit: Die erste Fahrradstraße „Bahnhof“ in der Gemeinde Weßling wurde von Bürgermeister Michael Sturm feierlich eröffnet. Der Termin wurde zum Auftakt des diesjährigen STAdtradelns gewählt. Dank entspannter Corona-Lage nahmen mehr als 50 Bürgerinnen und Bürger mit den gebotenen Abstandsregeln teil.

In zwei begleitenden Artikeln in UNSER DORF heute und dem Infoblatt der Gemeinde wurden die Verkehrsregeln für Fahrradstraßen sowie die damit verbundenen Vorfahrtsänderungen erklärt. Nicht zuletzt durch den pandemiebedingten Radlboom wurde die Fahrradstraße schnell angenommen und hat sich mittlerweile recht gut eingespielt und etabliert. Dies war im vergangenen Jahr sicherlich der größte Fortschritt unserer Gemeinde in Sachen Verkehrswende.

Radltag

Nach dem Erfolg im Vorjahr musste der zweite Radltag der Nachbarschaftshilfe wegen Corona vom Frühling in den Sommer verschoben werden. Im Rahmen des STAdtradelns fand er am 4. Juli bei schönem Wetter statt. Hauptprogrammpunkt war erneut ein Radlflohmarkt mit stattlichem Angebot und zufriedenstellender Nachfrage. Außerdem wurden wieder Einweisungen für das Lastenpedelec LaRa 1 sowie Reparaturen durch die Radl Werkstatt angeboten. Im Anschluss fand eine Radltour für Neubürger:innen und neugierige Bürger:innen statt, an der erfreulicherweise auch der erste Bürgermeister teilnahm.

STAdtradeln

Als das STAdtradeln 2020 im Frühling vorbereitet wurde war unklar, ob es überhaupt stattfinden kann oder aufgrund von Corona-Maßnahmen abgesagt werden muss. Glücklicherweise war die Lage im Frühsommer eher entspannt, sodass die Aktion mit reduziertem Programm sogar besonders erfolgreich verlief: 450 aktive Teilnehmer:innen radelten in 27 Teams 104.824 Kilometer weit, das mit Abstand beste Ergebnis in der zehnjährigen Stadtradelgeschichte unserer Gemeinde. Sehr erfreulich war auch der erstmalige Landkreissieg in der Kategorie Parlamentarier:innen-Kilometer, mit dem der neue Gemeinderat und die vorbildlich radelnden Bürgermeister den Sprung vom Underdog an die Spitze schafften – herzlichen Glückwunsch!

Sonstiges

Auch im Jahr 2020 lieferte die Mobilitätswende wieder Beiträge zu UNSER DORF heute. Darüber hinaus nahm sie mit einen Leserbrief über unnötige Anschlussstellen sowie einem Beitrag zur Windschutzscheibenperspektive Stellung zu fragwürdiger autozentrierter Verkehrsinfrastruktur.

Zunächst völlig unabhängig von der Mobilitätswende bildete sich im vergangenen Jahr eine Gruppe von ca. 25 Bürgerinnen und Bürgern, die sich für Carsharing interessieren. Mittlerweile wurde der Bedarf analysiert und verschiedene Lösungs- und Kooperationsmöglichkeiten ausgelotet. Derzeit ist allerdings nicht absehbar, ob sich dieses Projekt im kommenden Jahr bis zur Umsetzung entwickeln wird.

Eine weitere lose Bürger:innen-Initiative hat sich für Verkehrsberuhigung in der Gautinger Straße gebildet. Da es sich um eine Staatsstraße mit Bedeutung für den überörtlichen Kfz-Verkehr handelt, sind die Möglichkeiten der Gemeinde hier allerdings stark eingeschränkt. Entscheidend sind vielmehr die übergeordneten Verkehrsbehörden auf Kreis- und Bezirksebene, welche letztlich die autolobbyfreundliche Verkehrspolitik von Staats- und Bundesregierung gegen Anwohner:innen durchsetzen. Aus diesem Grund war die Mobilitätswende auf Durchgangsstraßen bisher kaum aktiv.

Der Trend vom regelmäßig arbeitenden Team zu projektorientierten Initiativen hat mittlerweile auch die Mobilitätswende erfasst. Die seit der Gründung im Herbst 2012 durchgeführten monatlichen Treffen mit anschließendem Radlstammtisch fanden im Jahr 2020 nicht nur wegen Corona nur noch sporadisch statt. Zudem kostet das kommunalpolitische Engagement der (ehemals) Aktiven einen großen Teil der knappen personellen Ressourcen. Das äußerte sich auch in weniger Aktivität auf dieser Webseite.

Auch im achten Jahr der Mobilitätswende sind leider keine signifikanten Erfolge in Richtung nachhaltige Mobilität erkennbar. Noch immer nutzt die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger selbst für nur wenige hundert Meter lange Wege tonnenschwere Kraftfahrzeuge – und schadet damit der Umwelt, sich selbst und vor allem den Mitmenschen. Neben der über viele Jahrzehnte geförderten Autoabhängigkeit stimmt der pandemiebedingte Einbruch beim öffentlichen Personenverkehr nachdenklich. Grund zur Hoffnung geben hingegen der auch vor Ort belegbar deutlich wachsende Radverkehr, die beschleunigte Verkehrswende in größeren Städten sowie der sich langsam aber sicher drehende verkehrspolitische Wind.

Carsharing nimmt Fahrt auf

Das Interesse an gemeinschaftlich genutzten Autos wächst langsam aber sicher

Seit 2007 hat sich die Anzahl der in unserer Gemeinde zugelassenen Kraftfahrzeuge um fast 700 erhöht. Mit 868 Kfz pro 1000 Einwohner liegt der Motorisierungsgrad weit über dem Bundesdurchschnitt von 701. Diese Entwicklung ist nicht nur hinsichtlich Klimakrise und Ressourcenverbrauch inakzeptabel, sondern wirkt sich auch in hohem Maße negativ auf das Ortsbild und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum aus.

Die gemeinschaftliche Nutzung von Pkws kann bekanntlich dazu beitragen, diesem fatalen Trend entgegenzuwirken. In den letzten Monaten haben sich etwas mehr als 20 Bürgerinnen und Bürger zusammen gefunden, die sich gerne an Carsharing beteiligen möchten. Dabei handelt es sich überwiegend um Menschen, die weitgehend autofrei leben, oder die gelegentlich ein zusätzliches Fahrzeug benötigen, wenn der Familienfuhrpark nicht ausreicht. Bei zwei Treffen wurden Erfahrungen ausgetauscht und Möglichkeiten ausgelotet.

In unserer kleinen Gemeinde kommt nur stationsgebundenes Carsharing in Betracht, bei dem die Fahrzeuge an einem festen Stellplatz stehen, wenn sie nicht genutzt werden. Dabei sind zwei wesentlich unterschiedliche Organisationsformen möglich: Einerseits können die Fahrzeuge durch ein Unternehmen wie STATTAUTO oder die Energiegenossenschaft Fünfseenland bereit gestellt werden. Diese Variante ist zwar vergleichsweise teuer, aber komfortabel und ohne großes Engagement der Nutzerinnen und Nutzer realisierbar. Andererseits kann die Organisation durch einen Verein erfolgen, sodass vorhandene Fahrzeuge eingebracht werden können und auch sonst deutlich mehr Flexibilität gegeben ist. Dabei wäre es möglich, sich einem bestehenden Verein wie z. B. Carsharing Königsbrunn anzuschließen, sodass vor Ort nur Wartung und Pflege der Fahrzeuge zu leisten sind.

Voraussetzung für dauerhaft erfolgreiches Carsharing ist in jedem Fall eine regelmäßige Nutzung der geteilten Autos, welche durch „Grundlastnutzer“ gewährleistet werden kann. Die Gemeindeverwaltung, die Nachbarschaftshilfe und der Gasthof Il Plonner haben dafür Interesse bekundet. Derzeit werden weiter Informationen gesammelt und Interessierte gesucht, um ein tragfähiges Konzept und eine ausreichende Nutzerbasis zu finden.

Weitere Informationen zum Thema Carsharing in der Gemeinde Weßling gibt es unter Projekte/Carsharing. Bitte melden Sie sich unter carsharing(at)mobilitaetswende-wessling.de, wenn auch Sie Interesse daran haben, durch Carsharing die Kfz-Belastung unserer Gemeinde zu verringern und nachhaltiger mobil zu werden.

Windschutzscheibenperspektive

Die Straßenausstattung der Gemeinde Weßling hat häufig alleine den Kraftverkehr im Blick. So wird der verträgliche, nicht motorisierte Verkehr nicht nur durch die überholte Straßenverkehrsordnung, sondern zusätzlich aufgrund ihrer autozentrierten Umsetzung benachteiligt. Dabei werden Fußgänger:innen und Radler:innen sicherlich nicht bewusst diskriminiert, sondern aufgrund subjektiver Wahrnehmung in den zuständigen Behörden unabsichtlich übersehen. So bleibt im Unterbewusstsein der Verkehrsteilnehmer:innen der Kraftverkehr das Maß der Dinge – und die soziale Inklusion nicht motorisierter Menschen ist nicht gewährleistet.

Wo bin ich?

Wer zu Fuß oder mit dem Radl auf dem Geh- und Radweg aus Richtung Delling kommt, erspäht zunächst links Sportstätten, um dann nach einem Gefälle mit einem Stop-Verkehrszeichen in unserer Gemeinde begrüßt zu werden. Da es keine Ortstafel gibt tappen Ortsfremde im Dunkeln, in welchem Ort sie sich befinden. Es versteht sich von selbst, dass an der parallel verlaufenden Hauptstraße eine Ortstafel steht, die allerdings vom Meilinger Weg aus nicht einsehbar ist.

Am Ende der Welt

Die Grünsinker Straße ist hinter der Grünsinker Kapelle für den Kfz-Verkehr gesperrt, stellt aber eine bedeutende Radverkehrsverbindung nach Etterschlag und Schluifeld/Steinebach dar. Dennoch fehlt auf der Ortstafel an der Weßlinger Ortsausfahrt die Angabe der nächsten Ortschaft – die Beschilderung erfolgte offenbar allein aus Sicht des hier eigentlich unbedeutenden Kraftverkehrs.

Radweggenehmigungspflicht

Wer dennoch weiter in Richtung Grünsink radelt, trifft auf das Verkehrszeichen „Gemeinsamer Geh- und Radweg“ mit Zusatzzeichen „Durchfahrt nur mit Genehmigung“. Das macht zwar aus Windschutzscheibenperspektive Sinn, doch für Radlerinnen und Radler ist völlig rätselhaft, warum sie eine Genehmigung für die Durchfahrt brauchen und wie sie diese bekommen können.

Geheimnisvolle Straßennamen

An der Ortsausfahrt in Richtung Gilching auf Höhe der Einmündung Nelkenweg geht die Hauptstraße in die Münchener Straße über. Wie üblich werden hier die Verkehrsteilnehmer:innen mit entsprechenden Straßennamensschildern informiert. Diese sind allerdings einseitig ausgeführt, sodass sie nur für den Kfz-Verkehr ablesbar sind. Benutzer:innen des stark frequentierten Geh- und Radwegs wurden einmal mehr nicht berücksichtigt.

Spieglein, Spieglein

Im Leitgarten befindet sich an der Einmündung in die vorfahrtsberechtigte Hochstadter Straße ein Verkehrsspiegel, der die Sicht in Richtung Süden verbessert. Obwohl vom gegenüber liegenden Ende des Weges zur Ettenhofener Straße die Sichtbeziehung nach Norden noch wesentlich schlechter ist, suchen Fußgänger:innen und Radler:innen dort vergeblich nach einem Verkehrsspiegel. Anscheinend sind nur motorisierte Verkehrsteilnehmer:innen diesen Aufwand wert.

Richtungsweisend

Als die Bahnhofstraße zur Einbahnstraße erklärt wurde, war der Radverkehr von Beginn an auch in Gegenrichtung zugelassen – sehr gut! Allerdings wurden dieses Jahr zur Verdeutlichung bzw. Erinnerung Richtungspfeilmarkierungen ergänzt, die einmal mehr völlig sinnfrei für den Radverkehr sind.

Auch die Beschilderungen zur vorgeschriebenen Fahrtrichtung in sämtlichen Einmündungen sind für Radler:innen einfach Nonsens.

Diese Beispiele belegen nicht nur, dass auch in der Gemeinde Weßling unter Verkehr häufig nur Kraftverkehr verstanden wird. Sie verdeutlichen auch, wie bedeutsam die Einrichtung der ersten Fahrradstraße ist, denn sie stellt ein klares Bekenntnis zum Ziel „nichtmotorisierter Verkehr wird bevorzugt“ aus dem Leitbild der Gemeinde dar. Insofern besteht Hoffnung, dass die genannten Mängel in absehbarer Zeit beseitigt werden.

Die Mobilitätswende ist für uns Teil einer notwendigen sozialökologischen Transformation, die neben der Frage der Mobilität folgende radikale Kurswechsel umfasst: eine Energiewende, die erneuerbare Energien in Bürger:innenhand setzt, eine Agrarwende, die statt exportgetriebener Massenproduktion auf die Förderung ökologisch-solidarischer Landwirtschaft setzt und eine industrielle Abrüstung, in der überflüssige – zuallererst Rüstung – durch gesellschaftlich nützliche Produktion ersetzt wird.

Aus der Einleitung des AttacBasisTexts Klimagerechte Mobilität für alle von Achim Heier, 2020.

Neue Rekorde für Weßling beim STAdtradeln

Seit 2011 nimmt die Gemeinde Weßling an der Klimaschutzaktion Stadtradeln teil. Wegen der Corona-Krise war vorab ungewiss, wie in diesem Jahr die Beteiligung ausfällt. Jetzt steht fest: auch in unserer Region hat das Virus den Radverkehr erheblich beflügelt.

STAdtradel-Ergebnisse seit 2011

In den drei Wochen vom 21. Juni bis 11. Juli radelten für unsere Gemeinde 450 aktive Teilnehmer:innen in 27 Teams 104.824 Kilometer weit. Damit wurde der Rekord von 93.374 km aus dem Jahr 2018 deutlich übertroffen. In der Wertung Kilometer pro Einwohner:in erzielte Weßling mit 19,14 km einmal mehr das mit Abstand beste Ergebnis im Landkreis.

Eine große Überraschung gab es in der Kategorie Parlamentarier:innen-Kilometer, in die nur Gemeinderät:innen und Bürgermeister:innen eingehen. Mit einer Beteiligung von 13 von 21 = 62 % und 2943 gefahrenen Kilometern war Weßling erstmalig auch hier die Nummer eins im Landkreis. Das ist wirklich erstaunlich, denn vor zwei Jahren landeten die Weßlinger Kommunalpolitiker:innen noch auf dem letzten Platz. Hier zeigt sich die Wirkung eines vorbildlich und mitreißend voraus radelnden Bürgermeisters und das kooperative Miteinander im neu gewählten Gemeinderat. Wir sind begeistert – weiter so!

Alle STAdtradel-Ergebnisse gibt es hier.

Wie funktionieren Fahrradstraßen?

von Gerhard Hippmann für Unser Dorf heute mit Aktualisierungen

„Nichtmotorisierter Verkehr ist bevorzugt” lautet eines der Ziele des Leitbilds der Gemeinde Weßling. Mit der Eröffnung der ersten Fahrradstraße am 21. Juni wurde endlich ein deutlicher Fortschritt in diese Richtung erzielt. Die gesamte Schulstraße, das südliche Ende des Walchstadter Wegs und der Meilinger Weg werden dann mit dem Verkehrszeichen „Fahrradstraße” und dem Zusatzzeichen „Kraftfahrzeuge frei” beschildert. Damit ändern sich die Verkehrsregeln laut StVO wie folgt:

  1. Für alle Fahrzeuge gilt Tempo 30 als zulässige Höchstgeschwindigkeit.
  2. Das Nebeneinanderfahren mit Fahrrädern ist ausdrücklich erlaubt.
  3. Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Kfz-Verkehr die Geschwindigkeit weiter verringern.

Alle anderen Verkehrsregeln ändern sich durch die Erklärung zur Fahrradstraße nicht. Insbesondere gilt weiterhin das Rechtsfahrgebot, und Kraftfahrzeuge dürfen Radfahrende überholen, wenn sie dabei den seitlichen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern und Tempo 30 einhalten. Unverändert bleiben außerdem Parkflächen sowie Vorfahrtsregelungen an Einmündungen und Kreuzungen. Allerdings wurde die Vorfahrt an der Kreuzung mit der Grünsinker Straße bereits geändert, und bei Eröffnung der Fahrradstraße wurden auch die Regelungen an den beiden Einmündungen in den Walchstadter Weg angepasst, sodass der Radverkehr Vorfahrt genießt.

Verlauf der ersten Weßlinger Fahrradstraße mit geänderten Vorfahrtsregelungen

In Fahrradstraßen ist die Fahrbahn in erster Linie zum Radeln da. Kraftfahrzeuge spielen nur eine Nebenrolle. Sie sind verpflichtet, ihre Geschwindigkeit zu verringern und besonders rücksichtsvoll zu fahren. So machen Fahrradstraßen das Radeln sicherer und attraktiver. Gleichzeitig entschleunigen und verringern sie den Kfz-Verkehr, sodass die Lebensqualität steigt und die Umweltbelastung sinkt.

Um unserem Leitbild durch Fahrradstraßen näher zu kommen, müssen alle Verkehrsteilnehmer nicht nur die Verkehrsregeln kennen, sondern auch bewusst und uneigennützig umsetzen. Helfen Sie mit, die neue Fahrradstraße zum Erfolgsmodell zu machen!