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Verkehrswende in Zeitlupe

Die Änderung der Vorfahrtsregelung Schulstraße/Grünsinker Straße ist ein Vorbote der Widmung zur Fahrradstraße – und der einzige Verkehrswende-Fortschritt in der Gemeinde seit mehr als einem Jahr.

Als sich die Mobilitätswende Weßling im Herbst 2012 formierte, waren die Begriffe Verkehrswende und Mobilitätswende noch weitgehend unbekannt. Heute ist das Thema ein Dauerbrenner in den Medien. Durch diskursprägende Bewegungen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion hat sich der Trend in den vergangenen Monaten weiter verstärkt. Immer mehr Menschen wird bewusst, dass ein weiter so – insbesondere im Mobilitätsbereich – unmöglich ist und die Weichen so schnell wie möglich auf Nachhaltigkeit gestellt werden müssen. Denn der gigantische Ressourcenbedarf, die desaströse Natur- und Umweltbelastung, aber auch die fortschreitende Entwertung des öffentlichen Raums durch massenhafte Kfz-Nutzung sind nicht länger verantwortbar.

Die heutige Situation wurde verursacht durch die große Politik auf Bundes- und Landesebene, in der sich nach wie vor alles und jeder dem Streben nach unendlichem Wirtschaftswachstum unterordnen muss und Konzerninteressen mit höchster Priorität behandelt werden. Das immer wieder offenkundig absurde Agieren des Bundesverkehrsministers in den letzten Monaten lässt weiterhin nicht erwarten, dass sich daran etwas Wesentliches ändern wird. Deshalb kann die Verkehrswende nur auf kommunaler Ebene und durch Verhaltensänderungen von Bürgerinnen und Bürgern Wirklichkeit werden. Die lebenswertesten Metropolen wie Kopenhagen oder Wien führen dies bereits eindrucksvoll vor, aber auch in Berlin und München bewegt sich mittlerweile viel in Richtung nachhaltige Mobilität.

Gebrauchtwagenschau beim Grünsinker Fest: Die Gemeinde lädt weiterhin zur Autonutzung ein.

Wie geht unsere Gemeinde mit dieser Verantwortung um? Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger und Entscheidungen des Gemeinderats stimmen zunehmend hoffnungsvoll. Aber Bürgermeister und Verwaltung fehlen häufig das Verständnis und die Kompetenz, um Maßnahmen im Sinne der Verkehrswende mit der gebotenen Priorität aufzugreifen und umzusetzen. Dabei werden gerne Bedenkenträger aus gleichermaßen rückwärtsgewandten Behörden wie Landratsamt, Straßenbauamt oder Verkehrspolizei ins Feld geführt.

So kommt es, dass einige der vor einem Jahr hier präsentierten Maßnahmen immer noch nicht realisiert wurden: Die am 23. Januar 2018 vom Gemeinderat beschlossene Einrichtung der Fahrradstraßen steht weiterhin aus. Obwohl für die Erneuerung der Fahrradabstellanlagen am Bahnhof seit etwa einem Jahr aufwändig erarbeitete Konzeptplanungen und umfangreiches Knowhow zur Umsetzung und Förderung vorliegen, sind in diesem Projekt keine Fortschritte erkennbar, und Weßling wird schon bald der letzte S-Bahnhof der südwestlichen S8 mit völlig veralteten Radlständern sein. Und auch die am 23. Oktober 2018 beschlossene Erweiterung der Fahrrad- und Rollerabstellanlage am Schulhaus Weßling steckt noch immer in der Verwaltung fest. In anderen Kommunen unserer Region geht das deutlich einfacher und schneller.

Notwendig ist eine allgemeine Verkehrswende, die Umweltschützer seit mindestens vier Jahrzehnten fordern, weg vom Auto als individuellem Massentransportmittel hin zum Fahrrad, zu Bus, Tram und Bahn, um Ressourcen und Flächen zu sparen und das Klima zu retten. Dazu muss der individuelle Autoverkehr massiv zurückgedrängt und beschränkt werden schreibt Peter Bierl in der Süddeutschen Zeitung. Es ist höchste Zeit, den Zeitlupenmodus zu verlassen und den Weg für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde Weßling frei zu machen!

Autobahnbauer nehmen Klimarettung in die Hand

Radschnellweg Freiham-Weßling fast fertig!

von Gerhard Sailer für Unser Dorf heute

Die Region München soll sichere und bequeme Radschnellwege bekommen: Vier Meter breit, möglichst kreuzungsfrei und von Fußwegen und Straßen getrennt. Aktuell wird die Trasse für den Weg von München durch das Würmtal nach Starnberg gesucht. Bei Ausflüglern sicher gefragt, aber welcher Berufspendler soll denn dort unterwegs sein?

Wäre nicht ein Radschnellweg von Freiham mit demnächst 25.000 neuen Einwohnern in den Westen unseres Landkreises viel dringender?

An den Wochenenden ersticken wir im Ausflugsverkehr und jeden Werktag kommen 13.000 Pendler aus München und dem Landkreis Fürstenfeldbruck zu uns. Warum aber hört man bisher vom Radschnellweg Freiham-Weßling nichts? Liegt es daran, dass die Menschen zwar 100 Millionen Euro für neun Kilometer Autobahnausbau von Gräfelfing nach Oberpfaffenhofen klaglos akzeptieren, aber keine 0,5 bis 2 Millionen Euro pro Kilometer neu gebauten Radschnellweg? Dieses Blatt hat sich ziemlich abrupt gewendet, seit Fridays for Future die Diskussionen bestimmt und manchem Politiker erst nach den letzten Wahlen aufgefallen ist, dass Klimaschutz auch ein Thema gewesen wäre. Jetzt schreit ein ganzes Klimakabinett nach Vorschlägen, wie das Klima schnell zu retten, oder besser, wie die Wählergunst in wenigen Monaten zurückgewonnen werden könnte.

Werbetafel der Baufirma verrät geheimes Projekt der Autobahndirektion

Dabei arbeitet ausgerechnet Scheuers Verkehrsministerium vor unserer Haustür längst an Lösungen! Demnächst wird es der Minister bekannt geben: Die aufwändigen Galerien bei Germering und Gilching sind kein Selbstzweck. Auf ihnen wird der neue Radschnellweg München West for Future verlaufen! Statt sich auf gefährlichen Routen durch die beiden Ortschaften zu quälen, werden Radler bald über lange Autostaus hinweg schweben. Es fehlen nur noch wenige Kilometer Radweg über Wiesen und Felder und ein paar kühn geschwungene Brücken über die A 96 hinüber Richtung KIM, Gilching-Süd und Sonderflughafen, und schon können täglich tausende Radler klimaschonend ihre Arbeitsplätze und am Wochenende das Wörthseeufer erreichen: Ein wahres Leuchtturmprojekt für den Klimaschutz! Die nächsten Wahlen können kommen!

Alles nur ein Traum – warum eigentlich?

Park-Platz statt Parkplatz

Foto: VCD Jena


Die Umverteilung von Flächen im öffentlichen Raum zählt zu den dringensten Maßnahmen der anstehenden Mobilitätswende. Mit der Aktionsserie Park-Platz statt Parkplatz macht das Aktionsbündnis Verkehrswende STA die Flächenverteilung des ruhenden Verkehrs zum Thema.

In urbanen Räumen, welche es auch in den Ortszentren der größeren Kommunen im Landkreis STA gibt, steht ein unverhältnismäßig großer Teil des knappen Raums für das Parken von Pkw zur Verfügung. Diese autogerechte Ortsgestaltung wird noch immer von Einzelhändlern vehement eingefordert und von der Kommunalpolitik wie selbstverständlich umgesetzt.

Urbane Räume sind jedoch für Menschen da. Die Aufenthaltsqualität im Straßenraum entscheidet darüber, ob sich Bürgerinnen und Bürger wohl fühlen oder möglichst das Weite suchen. Attraktive Ortszentren und ein großzügiges Kfz-Stellplatzangebot schließen sich aus. Mit Kraftfahrzeugen zugestellte Parkstreifen zerstören zuverlässig das Ortsbild und verhindern für Menschen, Tiere und Mikroklima bedeutsame Grünflächen.

Wie am weltweiten Park(ing) Day demonstrieren wir in mehreren Landkreiskommunen die Nutzung von zentral gelegenen Parkplätzen als öffentlichen Lebensraum. Wir laden alle sympathisierenden und interessierten Menschen ein, sich zu beteiligen und mit Park-Platz statt Parkplatz ein Zeichen für eine zeitgemäße und faire Verteilung des Verkehrsraums zu setzen.

Weitere Infos gibt es hier.

Mitfahrerbänke für Weßling

von Gerhard Sailer für Unser Dorf heute

Die Älteren unter uns können sich noch an die Zeiten erinnern, als vor allem zur Ferienzeit an jeder Ecke junge Leute standen und mit hochgestrecktem Daumen zeigten, dass sie gerne mitgenommen werden wollten. Man nannte sie „Anhalter“, eine inzwischen fast ausgestorbene Spezies. Für die weiten Strecken sicher zurecht, aber im Alltag? Ich habe die Methode für mich wiederentdeckt: Abends mit der S-Bahn in Weßling angekommen aber den Bus verpasst, das Stück bis Oberpfaffenhofen flotten Schrittes bewältigt und dann an der Hochstadter Straße den Daumen hoch. Sie werden es nicht glauben: Oft hält gleich das erste Auto an, spätestens aber das dritte! Manchmal folgt ein kurzer Ratsch darüber, warum es eigentlich nur noch so wenige Anhalter gibt. Schon sind die zwei Kilometer nach Hochstadt zurückgelegt – ein Genuss nach einem langen Arbeitstag! Und dabei auch noch endlich mal wieder alte Bekannte getroffen oder neue Menschen kennengelernt.

Vor einigen Jahren startete die Gemeinde schon einmal den Versuch, Menschen sozusagen mit offiziellem Segen dazu zu bewegen, andere mitzunehmen. Ein roter Punkt sollte Autofahrer mit freien Plätzen und solche, die selbst über kein Auto verfügten, zusammenbringen. Vielleicht war das damalige System einfach zu bürokratisch, vielleicht war auch die Zeit noch nicht reif.

Inzwischen gibt es immer mehr Menschen, die sich kein eigenes Auto mehr leisten können, oder die angesichts von Luftverschmutzung und Lärmbelästigung durch zu viel Autoverkehr ihr eigenes Mobilitätsverhalten nachhaltiger gestalten wollen. Aber Busse fahren nicht immer und auch nicht überall hin. Mancher Weg wird einem zu Fuß arg lang, wenn die Sonne vom Himmel brennt, es stürmt oder schneit oder die gefüllten Einkaufstaschen immer schwerer werden. Manches Ziel, obwohl gar nicht so weit weg, lässt sich zu Fuß kaum mehr erreichen, weil Fußgänger auf unseren Straßen einfach nicht mehr vorgesehen sind. Da wäre es dann schön, wenn man in einem der vorbeibrausenden Autos Platz nehmen könnte. Zumal es nahezu in jedem Auto noch freie Plätze zur Genüge gäbe. Etwa bei zwei Drittel aller Autofahrten in Deutschland sitzt der Fahrer alleine im Fahrzeug, und der durchschnittliche Besetzungsgrad eines Autos liegt bei sage und schreibe 1,5 Personen!

Mitfahrerbank in Schondorf

Aber wie bringt man Fahrer und Mitfahrer zusammen? Es gibt da eine Idee, die zu funktionieren scheint: Die Mitfahrerbank! Gar nicht weit weg, in Schondorf am Ammersee, steht seit einiger Zeit eine solche Bank und sie wird gut angenommen. Der Clou: Aus einer Reihe aufklappbarer Schilder wird dasjenige ausgesucht, das den vorbeikommenden Autofahrern das gewünschte Fahrziel anzeigt. Wie es genau funktioniert, wollen wir aus erster Hand erfahren:

Am 5. April um 19:30 Uhr veranstaltet die Mobilitätswende Weßling zusammen mit dem ökologischen Verkehrsclub VCD im Pfarrstadel das zweite Weßlinger VCD Fairkehrsforum und hat dazu Sabine Pittroff eingeladen. Sie betreut bei der Initiative mobi-LL vom Ammersee-Westufer die Mifahrerbänke und wird uns das Projekt vorstellen. Mit den notwendigen Informationen versehen, wollen wir uns dann daran machen, auch für unsere Ortsteile Mitfahrerbänke zu organisieren. Haben auch Sie Ideen, wie wir wieder wirkliches Leben auf unseren Straßen und Plätzen ermöglichen können? Dann kommen Sie doch auch dazu!

Gebaut, um die Zukunft zu rauben

BMW ist immer noch stolz auf Auspuffrohre.

Obwohl es offenkundig keinen nachvollziehbaren Grund dafür gibt, die Beförderung einer Nutzlast um 100 kg mit einem tonnenschweren, wertvolle Ressourcen verschwendenden, klima- und gesundheitssschädlichen Kfz zu bewundern oder gar mit Sportlichkeit in Verbindung zu bringen, setzt die Reklame der Autobauer noch immer vorwiegend auf diese Karte. Besonders unverschämt kam kürzlich eine Zeitungsbeilage von BMW daher, in der mit dem Spruch „Gebaut, um den Atem zu rauben” geworben wurde – eine öffentliche Verhöhnung der zahlreichen Opfer giftiger Autoabgase und ihrer Angehörigen bzw. Hinterbliebenen. Anscheinend ist im Endspiel der fossilen Automobilität mittlerweile jedes Mittel recht, um aus der Zeit gefallenen Kraftfahrern ausnehmend sinnfreie Protzfahrzeuge anzudrehen.

Rückblick auf das sechste Jahr

Seit sechs Jahren setzt sich die Mobilitätswende für nachhaltige Mobilität in Weßling ein. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Projekte und Aktionen im Jahr 2018.

Fahrradstraßen

Das Jahr 2018 begann mit einer Sensation in der gemeindlichen Radverkehrspolitik. Am 23. Januar beschloss der Gemeinderat einstimmig die Einrichtung der von der Mobilitätswende vorgeschlagenen und vom Arbeitskreis mobil & lebenswert beantragten zwei Fahrradstraßen Bahnhof und Pfarrstadel. Diese Entscheidung ist nicht nur bemerkenswert, weil dadurch dem Radverkehr Vorrang vor dem Kfz-Verkehr gewährt wird, sondern insbesondere weil es sich dabei um strategisch wichtige Straßenzüge handelt.

Die darauf folgende Bearbeitung durch die Gemeindeverwaltung gab allerdings wenig Anlass zur Begeisterung. Obwohl wiederholte Prüfung durch die Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt keine rechtlichen Einwände ergab, sind die Fahrradstraßen bis heute nicht realisiert worden. Es gibt sogar Bestrebungen, die Bahnhofstraße wegen geringer Fahrbahnbreite und Linienbusverkehr auszunehmen. Wir setzen uns für eine Eröffnung der beiden Fahrradstraßen im vollen Umfang im kommenden Frühling ein.

Fahrradabstellanlagen

In Weßling stellt die Erneuerung der Fahrradabstellanlagen am Bahnhof den wohl größtmöglichen Fortschritt auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Gemeinde dar. Deshalb war die allerste Aktion der Mobilitätswende ein entsprechender Antrag bei der Bürgerversammlung am 17. Dezember 2012, der von den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern ohne Gegenstimmen angenommen wurde. Dennoch wurde das Projekt Jahr für Jahr verschoben, um die Maßnahme mit dem barrierefreien Umbau des Bahnhofs kombinieren zu können.

Anfang 2018 änderte sich die Situation grundlegend, weil bekannt wurde, dass der Umbau des Bahnhofs erst für das Jahr 2026 vorgesehen ist, und weil die staatliche Förderquote für Bike&Ride-Anlagen auf stolze 75 % erhöht wurde. Daher beschloss der AK mobil & lebenswert, nicht mehr länger zu warten und sich wenigstens für die Realisierung einer Übergangslösung einzusetzen. Dazu erarbeitete die Mobilitätswende Konzeptplanungen mit Kostenschätzungen in verschiedenen Varianten. Doch ähnlich wie bei den Fahrradstraßen konnte auch die Erneuerung der Abstellanlagen nicht erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. In diesem Fall verhinderten Einwände des Ortsbildbeirats sowie die Konzentration der Kommunalpolitik auf die Verhinderung des AWISTA Müllzentrums in Hochstadt, dass ein entsprechender Antrag in den Gemeinderat eingebracht wurde. Für das kommende Jahr besteht immerhin Hoffnung, dass eine hochwertige überdachte Fahrradabstellanlage auf der Bahnhofsnordseite beantragt und realisiert wird.

Beschlossene Sache ist hingegen die Erweiterung der Fahrradabstellanlage des Weßlinger Schulhauses. Gemäß einer von der Mobilitätswende erarbeiteten Planung werden 12 überdachte Fahrradabstellplätze und 24 Rollerabstellplätze ergänzt. Die Fahrradparker im Wert von ca. 1000 € spendet erfreulicherweise UNSER DORF e.V. Einziger Wehrmutstropfen bei diesem Projekt sind die Diskussionen und das knappe Abstimmungsergebnis im Gemeinderat wegen zu hoch empfundener Kosten, obwohl die Bereitstellung überdachter Radlständer für Grundschulen eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Auch am Freizeitheim in Hochstadt setzte sich die Mobilitätswende für die Errichtung einer Fahrradabstellanlage ein, bisher leider noch nicht erfolgreich.

Rotmarkierte Fahrradfurten

Rotmarkierte Fahrradfurten sind eine weit verbreitete Maßnahme aus den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) zur Erhöhung der Radverkehrssicherheit. Ähnlich wie bei Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) sprach sich die Untere Verkehrsbehörde des Landkreises STA in den vergangenen Jahren dennoch stets mit merkwürdigen Begründungen dagegen aus. Der Hartnäckigkeit unseres zweiten Bürgermeisters Michael Sturm ist zu verdanken, dass in diesem Sommer trotzdem drei der vier von der Mobilitätswende vorgeschlagenen Rotmarkierungen (Neuhochstadter Straße, Buchenweg, Aldi-Zufahrt) angebracht wurden. Nun fehlt nur noch die Furt über den Nelkenweg.

Bordsteinabsenkungen

Ebenfalls in diesem Sommer wurden drei Bordsteinabsenkungen aus der Liste der Mobilitätswende hergestellt. Die Absenkung beim Autohaus Widmann wurde verbreitert, und in der Schulstraße wurden beim Zugang zum Edeka sowie an der Kreuzung mit der Grünsinker Straße barrierefrei umgebaut. Wir hoffen, dass auch im kommenden Jahr einige Bordsteinabsenkungen realisiert werden.

Fairkehrsforum

Am 5. März organisierte die Mobilitätswende ein VCD Fairkehrsforum im Hotel Zur Post. Vor etwa 40 Gästen referierte und diskutierte Dr. Markus Büchler über Maßnahmen und existierende Beispiele für menschenfreundliche Mobilität – ein Thema, das offenbar immer mehr Menschen bewegt.

Critical Mass

Erstmalig trafen sich in diesem Jahr Radlerinnen und Radler in Weßling zur Critical Mass, um ein Zeichen für die Rückeroberung der Straßen zu setzen. Das gelang an fünf Freitagabenden mit bis zu 90 Teilnehmern sehr eindrucksvoll und stets gut gelaunt. So starken Zuspruch wünscht sich so manche Mittelstadt.

STAdtradeln

Beim diesjährigen STAdtradeln konnte – nicht zuletzt durch günstiges Wetter – der Abwärtstrend der letzten Jahre gestoppt werden. Dank starker Beteiligung durch Firmenteams fuhren 435 aktive Radlerinnen und Radler in 28 Teams mit 93.374 Kilometern sogar ein absolutes Rekordergebnis für Weßling ein.

Neben der Koordination auf Landkreis- und Gemeindeebene brachte sich die Mobilitätswende dieses Jahr auch durch einen Semmelservice mit dem Leihlastenpedelec LaRa 1 ein. In Kooperation mit der Gemeindeverwaltung und der Bäckerei Böck belieferte Gerhard Sailer an vier Samstagen Teamkapitäne sowie aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer frei Haus mit frischen Backwaren. Damit wurden nicht nur die STAdtradler motiviert, sondern gleichzeitig demonstriert, wie ein autofreier Lieferservice funktionieren und die Gemeinde lebenswerter machen kann.

Überörtliche Radwege

Für den Fuß- und Radverkehr stellt der Wirtschaftsweg zwischen Weßling und Steinebach die mit Abstand günstigste Verbindung dar. Alle möglichen Alternativen sind wegen großer Umwege und Höhenunterschiede inakzeptabel. Aufgrund seiner unbefestigten Oberfläche ist der Weg vor allem im Winter jedoch kaum mit dem Fahrrad befahrbar. Zusammen mit Radlaktivisten aus Wörthsee versucht die Mobilitätswende schon seit einiger Zeit erfolglos, die zuständigen Gemeinden dazu zu bewegen, den Weg für den Alltagsradverkehr zu ertüchtigen.

Auch zwischen Oberpfaffenhofen und Unterbrunn sowie zwischen Hochstadt und Unering fehlen sichere, alltagstaugliche Geh- und Radwege zu unseren Nachbargemeinden. Es besteht ein wenig Hoffnung, dass durch die angekündigte Bürgermeisterrunde zum Alltagsradroutennetz STA im kommenden Jahr Bewegung in die Herstellung überörtlicher Radwege kommt.

Sonstiges

Auch im diesem Jahr wirkte die Mobilitätswende in der Radl Werkstatt mit. Neben Reparatur und Aufbereitung von Fahrrädern wurde wieder ein Radlreparaturkurs für Kinder im Rahmen des Ferienprogramms der Nachbarschaftshilfe angeboten.

Außerdem bezog die Mobilitätswende mit einem Leserbrief zum Radwegmängelmeldesystem des Landratsamts, Stellungnahmen zur Weiterentwicklung des öffentlichen Personenverkehrs im Landkreis und zur Sanierung der Grünsinker Straße sowie durch Artikel in UNSER DORF heute Stellung zu aktuellen Entwicklungen in Sachen nachhaltige Mobilität.

Fortschritte ohne Mobilitätswende

Erfreulicherweise gab es im Jahr 2018 auch einige bemerkenswerte Fortschritte ohne aktive Beteiligung der Mobilitätswende: Die Landjugend baute in Oberpfaffenhofen ein hübsches Wartehäuschen für Busfahrgäste. Engagierten Eltern gelang es nach vielen Jahren endlich, eine Fußgängerampel über die Gautinger Straße in Oberpfaffenhofen durchzusetzen. Anwohner setzten sich erfolgreich für eine 30 Zone Max-Doerner-Weg/Gartenstraße ein. Und die Gemeindeverwaltung konnte mit Hilfe eines Verkehrsplaners erreichen, dass Tempo 30 auf der Hauptstraße auf den Abschnitt zwischen Max-Doerner-Weg und Gautinger Straße ausgeweitet wurde. Das sind schöne Erfolge, die hoffen lassen, dass sich menschen- und umweltfreundliche Mobilität in unserer Gemeinde zum Selbstläufer entwickelt.

Fazit

Im sechten Jahr der Mobilitätswende gab es einige Fortschritte, aber auch erfolglose Aktivitäten für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde Weßling. Wenig Grund für Optimismus geben zahlreiche gigantische Straßenbauprojekte im Landkreis STA, die eine aus der Zeit gefallene Förderung des Kfz-Verkehrs darstellen. In Anbetracht dieser Dimensionen kämpfen ehrenamtlich arbeitende Vereine und Bürgerinitiativen gegen Windmühlen. Hoffnungsvoll stimmt hingegen die zunehmende Mitwirkung durch Bürgerinnen und Bürger bei Fairkehrsforum, Critical Mass, STAdtradeln und eigeninitiativen Aktivitäten. Anscheinend gelingt es einer wachsenden Minderheit in unserer Gemeinde, fossiles Denken zu überwinden – wir sind gespannt, was die Zukunft bringt.

Highway to Bell

Nach bald zwei Jahren seit Eröffnung der Westumfahrung hat sich bei den meisten Bürgerinnen und Bürgern Ernüchterung breit gemacht, denn der Rückgang der Verkehrsbelastung in der Hauptstraße ist subjektiv kaum wahrnehmbar und nichtmotorisierte Menschen meiden sie nach wie vor so weit wie möglich. Als zweifellos positive Wirkung bleibt allerdings die vom Kfz-Verkehr weitgehend befreite Grünsinker Straße, welche hinter der Grünsinker Kapelle sogar für den Durchgangskraftverkehr gesperrt wurde. Hier haben Fußgänger und Radfahrer die Straße zurück erobert und man kann getrost von einem kleinen Paradies für menschen- und umweltfreundlich mobile Menschen sprechen.

Überdimensionierte Kfz-Straße statt Allee für Fußgänger und Radler

Um die Straße der neuen Nutzung entsprechend umzugestalten, hatten die Ortsgruppe Weßling des Bund Naturschutz und die Mobilitätswende im vorigen Jahr vorgeschlagen, die Straße von derzeit sechs Metern auf ca. vier Meter zu verschmälern und eine Allee zu pflanzen. Bedauerlicherweise wurden beide Ideen von Anrainern und Gemeinderäten abgelehnt. Als Begründung wurden die kostenlose Sanierung der bestehenden Straße durch das Straßenbauamt sowie zu hoher Aufwand durch im Boden verlegte Leitungen genannt. So müsse sich die Gemeinde für Jahrzehnte nicht mehr um die Straße kümmern. Nur in unmittelbarer Nähe der Kapelle wurde eine Umgestaltung der Fahrbahn beschlossen.

Verworfener Beschilderungsvorschlag der Mobilitätswende

Im Juli führte das Straßenbauamt die Sanierung durch. Dabei wurden die geplanten Änderungen allerdings nicht berücksichtigt, weil die Gemeinde keine Haushaltsmittel für die dafür erforderliche Entsorgung des teerhaltigen Asphalts zur Verfügung hatte. Daher führt nun nach wie vor eine sechs Meter breite Landstraße bis zum Beginn des Geh- und Radwegs hinter der Kapelle. Obwohl sie überwiegend von Fußgängern und Radlern benutzt wird, weist sie einen Querschnitt für Verkehrsstärken zwischen 3.000 und 10.000 Kfz/Tag auf und die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt weiterhin 100 km/h. Auch in der Kommunikation kann sich die Gemeindeverwaltung nicht von alten Denkmustern lösen: Während viele andere Kommunen (z. B. Dachau 1, Dachau 2, und Ismaning) längst empfehlen, ihre Veranstaltungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu besuchen, werden die Besucher der Grünsinker Feste weiterhin lediglich auf die gute Erreichbarkeit mit dem Auto hingewiesen.

Grünsinker Kapelle an der erneuerten Asphaltpiste

Bei Außenstehenden kann die völlig überdimensionierte Straße nach Grünsink nur für Kopfschütteln sorgen. Frappierend ist dabei nicht nur das fehlende Gespür für eine ansprechende Gestaltung des Straßenraums mit angemessenen Proportionen, sondern auch die darin zum Ausdruck gebrachte Zukunftsvergessenheit. Denn der Rückbau der ehemaligen Staatsstraße und die aufwändige Entsorgung des giftigen Asphalts wurden ohne Not zukünftigen Generationen aufgebürdet.

Semmelservice

Verwöhnaktion der Mobilitätswende für Weßlings STAdtradler

Wer kennt das nicht? In vielen Urlaubsorten kann man sich jeden Morgen die Frühstückssemmeln an die Tür der Ferienwohnung liefern lassen. Tja, dachte ich mir, das wäre doch auch in Weßling eine tolle Sache, samstags auf diese Weise ein bisschen Urlaubsgefühle zu verbreiten. Und jetzt, wo mit LaRa 1 das geeignete Gefährt dafür bei der Nachbarschaftshilfe bereitsteht, war endlich der Zeitpunkt da, diesen schon lange gehegten Gedanken in die Tat umzusetzen.

LaRa 1 im Semmelservice-Einsatz

Also nahmen wir an allen drei STAdtradel-Samstagen den „Semmelservice“ in die Terminliste des Weßlinger STAdtradelns auf. Zum Start kamen mir unsere beiden Bürgermeister, Michael Muther und Michael Sturm, zu Hilfe. Sie wollten sich gerne bei den STAdtradel-Aktiven für ihr Engagement bedanken und griffen meinen Vorschlag, allen Team-Kapitänen eine prall gefüllte Semmeltüte vor die Haustür zu stellen, begeistert auf. Um 6:30 Uhr ging es los. Den Duft der frisch gebackenen Semmeln in der Nase und erstaunte Blicke einiger Frühaufsteher einheimsend, sauste ich mit LaRa 1 durch den Ort. Es war einfach eine Freude, die Semmeltüten mit einer netten Danke-Karte von der Gemeinde an den vielen Haustüren abzulegen, an die noch schlafenden Bewohner zu denken und sich vorzustellen, wie sie später ihre Semmeln ins Haus holen würden.

Aber dann wurde es spannend. Würden auch Weßlings STAdtradler den Service annehmen? Ein bisschen zögerlich waren sie anfangs schon, aber dann kamen tatsächlich die ersten Bestellungen per E-Mail oder WhatsApp bei mir an. Von „uns war es in der Tat etwas unangenehm diesen Service anzunehmen. Aber gut, damit bewerben wir uns bei Dir!“ bis „Welch geniale Idee!“ reichten die Reaktionen. Die vielen Einladungen zum Kaffee, die mit den Bestellungen verbunden waren, konnte ich leider nicht annehmen – da wären die letzten Kunden ja erst gegen Mittag bedient worden. Über die Danke-Mails und -Fotos habe ich mich aber sehr gefreut.

Semmeln mit Danke-Karte von Bürgermeister Muther

Nach drei Samstagen hatte ich dann schon ein paar Stammkunden. Ob man so einen Service aber auch dauerhaft etablieren könnte? Schließlich setzen sich jeden Samstag und Sonntag ganz viele Menschen ins Auto, um sich Frühstückssemmeln zu holen. Bestimmt ließe sich mit einem Lieferservice so manche Autofahrt vermeiden, oder?

Gerhard Sailer

Mobilität für Menschen

Der VCD Kreisverband Fürstenfeldbruck-Starnberg und die Mobilitätswende Weßling laden am Montag, den 5. März, um 19:30 Uhr zum Fairkehrsforum im Nebenraum des Hotels Zur Post ein.

In fast jedem Ort im Großraum München zählt die wachsende Kfz-Verkehrsbelastung zu den drängensten Sorgen der Bürgerinnen und Bürger. Der öffentliche Raum wird vom Kraftverkehr dominiert. Lärm, Abgase und Lebensgefahr führen zu verwaisten Straßen und Ortszentren, die kaum mehr als Lebensraum genutzt werden.

Beim VCD Fairkehrsforum werden Ideen und Konzepte für die Rückeroberung der Straßen vorgestellt. In einem Vortrag mit anschließender Diskussion stellt Dr. Markus Büchler, Kreis- und Gemeinderat aus Oberschleißheim, die gegenwärtige Entwicklung in der Region München dar und zeigt anhand von erfolgreich umgesetzten Maßnahmen aus aller Welt, wie Mobilität für Menschen gestaltet werden kann.

Rückblick auf das fünfte Jahr


Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Aktivitäten und Projekte der Mobilitätswende im vergangenen Jahr 2017.

Radldemo „Verkehrsraum fairteilen”

Am 1. Juli organisierte die Mobilitätswende die Radldemo Verkehrsraum fairteilen. Etwa 150 Radlerinnen und Radler traten mit einem Demonstrationszug von Gilching nach Mamhofen für einen Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik im Landkreis STA mit folgenden Forderungen ein:

  • Rad- und Fußverkehr dem Kraftverkehr gleichstellen
  • Kraftverkehr reduzieren
  • Fahrradfreundlichen Landkreis realisieren

Besonders erfreulich war dabei, dass mit der Bildung des Aktionsbündnisses „Verkehrswende STA” die wichtigsten Organisationen für nachhaltige Mobilität und Lebensweise an einem Strang zogen: Der ADFC Kreisverband STA, die Bund Naturschutz Kreisgruppe STA, der Energiewendeverein STA und der VCD Kreisverband FFB-STA. Enttäuschend war hingegen die geringe Presseresonanz, denn obwohl die unerträglich gewordene Belastung durch den Kfz-Verkehr in den meisten Landkreiskommunen ganz oben auf der Sorgenliste der Bürgerinnen und Bürger steht, wurde die Demo auf eine Lobbyveranstaltung für mehr Fahrradwege reduziert. Die Süddeutsche Zeitung verzichtete sogar komplett auf eine Berichterstattung.

Tempo 30

Es gibt überwältigende, wissenschaftlich untermauerte Argumente für eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften. Ähnlich wie auf Autobahnen und Landstraßen werden diese aber von der in Deutschland durchregierenden Autolobby ohne vernünftige Begründung erfolgreich marginalisiert. Als kleines Zugeständnis – und zur Vermeidung weiterer Debatten zu diesem Thema – wurde mit der Ende 2016 eingeführten Novelle der Straßenverkehrsordnung wenigstens die Einführung von Tempo 30 im unmittelbaren Bereich von Kindertagesstätten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern erleichtert.

Die Mobilitätswende initiierte daher die Beantragung von Tempo 30 auf der Weßlinger Straße im Bereich des Horts sowie auf der Hauptstraße im Bereich des altersgerechten Wohnhauses durch den Arbeitskreis mobil & lebenswert. In beiden Fällen führte der Antrag im Herbst schließlich zur Einführung von jeweils 300 m langen Tempo-30-Abschnitten. Es ist ein schöner Erfolg des AK mobil & lebenswert, dass diese seit Jahrzehnten geforderten Geschwindigkeitsbegrenzungen endlich durchgesetzt werden konnten. Neu und erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass Gemeinderat und -verwaltung nicht mehr widerstandslos den Empfehlungen von Unterer Verkehrsbehörde, Straßenbauamt und Verkehrspolizei folgen, sondern selbstbewusst die Interessen der Weßlinger Bürgerinnen und Bürger vertreten.

Auch die Realisierung des Ende 2014 von der Mobilitätswende vorgelegten Tempo-30-Konzepts wurde im AK mobil & lebenwert diskutiert. Da sich jedoch die Beantragung einer verwässerten Variante abzeichnete, stellten wir unsere Aktivitäten in dieser Sache vorerst ein.

Fahrradstraßen

Im Juli wurde bekannt, dass die Klassenstufen der Grundschule ab dem Schuljahr 2017/2018 jeweils in einem der beiden Schulhäuser unterrichtet werden. Die Mobilitätswende nahm den dadurch zu erwartenden zusätzlichen Radverkehr durch pendelnde Schulkiner zum Anlass, die Einführung zweier Fahrradstraßen vorzuschlagen. Diese Idee wurde sowohl im AK mobil & lebenswert als auch bei vielen Weßlinger Radlerinnen und Radlern wohlwollend bis begeistert aufgenommen. Wegen der überwältigenden Zustimmung setzte sich die Mobilitätswende federführend dafür ein, einen entsprechenden Gemeinderatsantrag im AK mobil & lebenswert zu erarbeiten und einzureichen. Obwohl es sich um eine für Weßlinger Verhältnisse sehr progressive Maßnahme zur Radverkehrsförderung handelt, kam der Vorschlag mittlerweile auch im Gemeinderat überraschend gut an und wurde einstimmig(!) angenommen.

Bushaltestelle beim Hort

Im Rahmen der Erneuerung von Kanalisation und Fahrbahndecke in der Dorfstraße wurde im Sommer auch die Bushaltestelle beim Hort neu gestaltet. Wie von der Mobilitätswende seit Jahren gefordert und Ende 2016 vom Gemeinderat beschlossen, wurde der Bürgersteig deutlich verbreitert und barrierefrei ausgeführt. Auch die Installation einer Überdachung wurde mittlerweile beschlossen.

Verkehrsberuhigter Bereich

Bereits im Jahr 2015 hatte die Mobilitätswende die Anwohner im Sackgassenbereich Herbststraße-Winterweg-Walchstadter Weg bei der Formulierung und Einreichung eines Gemeinderatsantrags zur Einführung eines Verkehrsberuhigten Bereichs unterstützt. Dieser Antrag fand nicht nur die Zustimmung des Gemeinderats, sondern erstaunlicherweise auch der Verkehrspolizei. Daher gibt es seit November neben dem Höhenrainäcker einen zweiten Verkehrsberuhigten Bereich in Weßling.

Radlständer

Da sich in der Gemeinde Weßling in Sachen Fahrradabstellanlagen von Jahr zu Jahr leider nur sehr wenig tut, hat die Mobilitätswende in 2017 auf einen aktualisierten Radlständervergleichstest verzichtet und stattdessen ein konkretes Projekt angestoßen. Da die Abstellanlage am Schulhaus Weßling im Schuljahr 2016/2017 häufig überlastet war, schlug die Mobilitätswende vor, einen zusätzlichen Radlständer mit Überdachung und Ansperrmöglichkeit zu installieren. Als Ergebnis eines Ortstermins mit Schulleitung, Lehrerinnen, Elternbeiräten und Gemeinderäten erstellten wir eine Grobplanung, die heuer hoffentlich umgesetzt wird.

Radl Werkstatt, Ferienprogramm und freies Lastenpedelec

Der Flüchtlingansturm im Sommer 2015 hat viele hilfsbereite Weßlingerinnen und Weßlinger zusammen gebracht. Aus der Helfergruppe Radl für Flüchtlinge entwickelte sich die Radl Werkstatt, welche sich mittlerweile zu einer festen Institution etabliert hat. Sowohl die Gäste, die sich zu etwa gleich großen Teilen aus Geflüchteten und Einheimischen zusammen setzen, als auch das auf acht Helfer angewachsene Reparaturteam möchten die technisch wie sozial bereichernden Donnerstagabende nicht mehr missen.

Im August führte die Radl Werkstatt im Rahmen des Ferienprogramms der Nachbarschaftshilfe einen Radl-Reparaturkurs für Kinder ab neun Jahren durch. Zwei Mädchen und drei Jungen lernten, wie man einen Platten flickt, um anschließend zum Eisessen zu radeln.

Durch eine Spende aus dem Umfeld von Mobilitätswende, Radl Werkstatt und befreundeten Personen und Firmen gelang es im Sommer außerdem, das schicke Lastenpedelec LaRa 1 anzuschaffen, das seit September von Mitgliedern der Nachbarschaftshilfe kostenlos ausgeliehen werden kann. Pflege und Wartung werden vom Team der Radl Werkstatt übernommen.

STAdtradeln

Im Sommer nahm die Gemeinde Weßling zum siebten Mal am Stadtradeln teil. Mit 322 aktiven Radlerinnen und Radlern, die im dreiwöchigen Aktionszeitraum 62.241 Kilometer zurücklegten, belegte Weßling den beachtlichen dritten Platz im Landkreis. In der Wertung Kilometer pro Einwohner lagen die 19 Weßlinger Teams mit 11,567 Kilometer einmal mehr deutlich vor allen anderen Landkreiskommunen.

Verkehrszählung auf der Hauptstraße

Im November wiederholte die Mobilitätswende die vor zwei Jahren erstmalig durchgeführten Verkehrszählungen auf der Hauptstraße. Beim Gasthof Zur Post und beim Einrichtungshaus Hof Art ergaben sich um 27 bzw. 26 % geringere Verkehrsstärken als vor Eröffnung der Umgehungsstraße. Auch das Geschwindigkeitsniveau war diesmal erfreulicherweise etwas niedriger.

Sonstiges

Im vergangenen Jahr wurden vom AK mobil & lebenswert überdies einige weitere Maßnahmen für den Fuß- und Radverkehr initiiert bzw. beschlossen (Alltagsradroutennetz, Rotmarkierung von Radwegfurten, Bordsteinabsenkungen, Radlständer Freizeitheim), die hoffentlich in den kommenden Monaten realisiert werden. Es ist sehr erfreulich, dass die Mitarbeit im Arbeitskreis zunehmend Früchte trägt. Darüber hinaus beteiligte sich die Mobilitätswende in der Regel an den monatlichen Treffen der AG Radverkehr.

In einigen Leserbriefen sowie Artikeln für UNSER DORF heute hielt die Mobilitätswende auch im Jahr 2017 die Fahne für menschen- und umweltfreundliche Mobilität hoch. Einschlägige Sach- und Fachliteratur stellte sie in erweitertem Umfang der Gemeindebücherei zur Verfügung.

Fazit

Seit Ende 2012 engagiert sich die Mobilitätswende für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde Weßling. Auch im fünften Jahr wurden zahlreiche Aktionen und Projekte erfolgreich durchgeführt bzw. angestoßen. Während die große Politik auf Bundes- und Landesebene bei der dringend notwendigen Einleitung einer Verkehrswende bisher völlig versagt, geben die jüngsten Beschlüsse des Weßlinger Gemeinderats zu Tempo 30, Fahrradstraßen und Verkehrsberuhigtem Bereich Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Ernüchternd ist allerdings die alltägliche Erfahrung im Ort: Ob Edeka, Kindergarten, Elternabend, Grünsinker Feste, Baden im See und selbst Fitnessstudio, für Entfernungen von wenigen Kilometern benutzt die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger noch immer tonnenschwere Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die viel mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Ein Ende des fossilen Denkens ist also nach wie vor nicht absehbar – wir bleben dran…