15-Minuten-Gemeinde Weßling

von Gerhard Hippmann für Unser Dorf heute

Ende der 50er Jahre wurde die autogerechte Stadt- und Raumplanung entwickelt. Sie ist durch räumliche Trennung der Bedarfe Wohnen, Einkaufen, Arbeit und Freizeit gekennzeichnet und sieht vor, dass die damit verbundenen Mobilitätsbedürfnisse durch Pkw-Verkehr befriedigt werden. Seither verbreitete sich dieses Konzept so erfolgreich, dass es uns heute völlig normal erscheint. Indes nahm unsere Abhängigkeit vom Auto in frappierendem Maße zu: Legten die Menschen in Deutschland im Jahr 1960 noch durchschnittlich 11 km am Tag zurück, waren es 2017 39 km. Die Anzahl der Pkw wuchs unterdessen von 4,4 Mio auf heute über 48 Mio. Der damit verbundene CO2-Ausstoß und Ressourcenverbrauch sprengt längst die planetaren Grenzen – und Ortskerne ertrinken im Kfz-Verkehr.

Weil es so nicht weiter gehen kann, setzt Paris sehr konsequent auf das kluge und attraktive Konzept der 15-Minuten-Stadt. Dieses sieht vor, dass alle Grundbedürfnisse innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad von der Wohnung aus erfüllt werden können. Beste Voraussetzungen also für nachhaltige Mobilität und hohe Lebensqualität durch ein über viele Jahrhunderte bewährtes Prinzip, welches in den letzten Jahren durch die Megatrends Onlineshopping und Homeoffice wieder leichter realisierbar geworden ist.

Wie stehen die Chancen in der Gemeinde Weßling? In 15 Minuten können fast alle Wege im Gemeindegebiet mit dem Fahrrad oder Pedelec zurück gelegt werden. Und abgesehen von Weichselbaum sind innerhalb der Ortsteile zentrale Ziele binnen einer Viertelstunde zu Fuß erreichbar. Für Erholung und Sport steht attraktive Natur zur Verfügung. Wir hätten also eine ziemlich perfekte 15-Minuten-Gemeinde, wenn es in jedem Ortsteil Einkaufsmöglichkeiten, Kitas, Schulen und genügend viele Arbeitsplätze gäbe – wie es vor der autogerechten Stadtplanung selbstverständlich war. Dem Ideal kommen wir heute nur noch bei den Kitas nahe. Bei anderen Bedarfen sieht es hingegen vor allem in Hochstadt und Weichselbaum mau aus. Discounter und Gewerbegebiete auf der grünen Wiese, aber auch die neue Grundschule am westlichen Ende der Gemeinde sind in diesem Sinne offenkundig kontraproduktiv.

Fazit: Bei der Ortsentwicklung sollten wir enkeltaugliche Mobilität stets mitdenken.

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