Archiv des Autors: Gerhard Hippmann

Konstruktive Freinacht in Hochstadt

In der Weßlinger Straße in Hochstadt wurde am 1. Mai ein neuer einseitiger Schutzstreifen für Radfahrer:innen entdeckt. Offenbar handelt es sich dabei nicht um eine offizielle Verkehrsregelung, sondern um einen konstruktiven Freinacht-Scherz – danke für die Anregung!

Etwa vier Wochen zuvor war in der Gautinger Straße ein amtlicher Schutzstreifen markiert worden. Sicherlich besteht auch in der Weßlinger Straße der Bedarf für ein Angebot für den Radverkehr. Ein einseitiger Schutzstreifen ist allerdings nur auf ansteigenden Straßen begründbar, und für beidseitige Schutzstreifen ist die Weßlinger Straße leider nicht breit genug. Denkbar wäre hier eher, den Gehweg auf 2,5 m zu verbreitern und für den Radverkehr freizugeben. Auf diese Weise könnte eine der beiden Lücken der nicht nur für Grundschüler:innen benötigten Radroute zwischen Hort und neuer Schule geschlossen werden. Allerdings ist die zweite Lücke zwischen Vereinsheim und Ettenhofener Straße schwieriger behebbar, und die Zuständigkeit entlang der gesamten Kreisstraße STA 6 liegt nicht bei der Gemeinde, sondern beim Landratsamt.

Erster Fahrradschutzstreifen in der Gautinger Straße

In der vergangenen Woche wurde in der Gautinger Straße zwischen der Unteren Seefeldstraße (Apotheke) und dem Adelbergweg ein einseitiger Fahrradschutzstreifen markiert. Der Schutzstreifen wurde am 23. Februar 2021 vom Gemeinderat beschlossen, am 11. März 2022 erließ das Verkehrsmanagement des Landratsamts die verkehrsrechtliche Anordnung, und die Umsetzung erfolgte durch das Staatliche Bauamt Weilheim.

Den aktuellen Empfehlungen für Radverkehrsanlagen entsprechend weist der Schutzstreifen eine Breite von 1,50 m auf, sodass eine Restfahrbahnbreite von 4,50 bis 4,80 m verbleibt. Er wurde nur einseitig in Richtung Oberpfaffenhofen eingeführt, weil die Fahrbahn für eine beidseitige Ausführung nicht breit genug ist, und weil bergauf wesentlich größere Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Kfz- und Radverkehr auftreten als bergab.

Objektiv betrachtet bieten Fahrradschutzstreifen im Vergleich zu anderen Arten von Radverkehrsanlagen keinen großen Sicherheitsgewinn. Unter Umständen können sie Kraftfahrer:innen gar dazu verleiten, sich alleine an der Markierung zu orientieren und somit den vorgeschriebenen Mindestüberholabstand von 1,50 m zu unterschreiten. Doch eine bessere Art der Radverkehrsführung ist in der Gautinger Straße nicht realisierbar, und insbesondere von weniger routinierten Radler:innen werden Schutzstreifen subjektiv sicherer empfunden und laden daher zur vermehrten Fahrradnutzung ein.

Wir hoffen, dass sich dieser Effekt auch auf der Gautinger Straße zeigen wird, und dass sich die neue Verkehrsregelung bewährt und etabliert. Ein weiterer einseitiger Schutzstreifen ist am östlichen Ende der Gautinger Straße geplant.

15-Minuten-Gemeinde Weßling

von Gerhard Hippmann für Unser Dorf heute

Ende der 50er Jahre wurde die autogerechte Stadt- und Raumplanung entwickelt. Sie ist durch räumliche Trennung der Bedarfe Wohnen, Einkaufen, Arbeit und Freizeit gekennzeichnet und sieht vor, dass die damit verbundenen Mobilitätsbedürfnisse durch Pkw-Verkehr befriedigt werden. Seither verbreitete sich dieses Konzept so erfolgreich, dass es uns heute völlig normal erscheint. Indes nahm unsere Abhängigkeit vom Auto in frappierendem Maße zu: Legten die Menschen in Deutschland im Jahr 1960 noch durchschnittlich 11 km am Tag zurück, waren es 2017 39 km. Die Anzahl der Pkw wuchs unterdessen von 4,4 Mio auf heute über 48 Mio. Der damit verbundene CO2-Ausstoß und Ressourcenverbrauch sprengt längst die planetaren Grenzen – und Ortskerne ertrinken im Kfz-Verkehr.

Weil es so nicht weiter gehen kann, setzt Paris sehr konsequent auf das kluge und attraktive Konzept der 15-Minuten-Stadt. Dieses sieht vor, dass alle Grundbedürfnisse innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad von der Wohnung aus erfüllt werden können. Beste Voraussetzungen also für nachhaltige Mobilität und hohe Lebensqualität durch ein über viele Jahrhunderte bewährtes Prinzip, welches in den letzten Jahren durch die Megatrends Onlineshopping und Homeoffice wieder leichter realisierbar geworden ist.

Wie stehen die Chancen in der Gemeinde Weßling? In 15 Minuten können fast alle Wege im Gemeindegebiet mit dem Fahrrad oder Pedelec zurück gelegt werden. Und abgesehen von Weichselbaum sind innerhalb der Ortsteile zentrale Ziele binnen einer Viertelstunde zu Fuß erreichbar. Für Erholung und Sport steht attraktive Natur zur Verfügung. Wir hätten also eine ziemlich perfekte 15-Minuten-Gemeinde, wenn es in jedem Ortsteil Einkaufsmöglichkeiten, Kitas, Schulen und genügend viele Arbeitsplätze gäbe – wie es vor der autogerechten Stadtplanung selbstverständlich war. Dem Ideal kommen wir heute nur noch bei den Kitas nahe. Bei anderen Bedarfen sieht es hingegen vor allem in Hochstadt und Weichselbaum mau aus. Discounter und Gewerbegebiete auf der grünen Wiese, aber auch die neue Grundschule am westlichen Ende der Gemeinde sind in diesem Sinne offenkundig kontraproduktiv.

Fazit: Bei der Ortsentwicklung sollten wir enkeltaugliche Mobilität stets mitdenken.

100 Tage autofrei

von Gerhard Sailer für Unser Dorf heute

Im August 2021 konntest du ein paar Tipps lesen, mit deren Hilfe sich einzelne Autofahrten leichter vermeiden lassen.

Zum Start ins neue Jahr haben wir uns etwas Neues vorgenommen: Wir wollen es schaffen, an mindestens 100 Tagen unser Auto gar nicht zu bewegen, also unserem Auto frei zu geben oder auch uns selbst vom Auto frei zu machen. Der Januar ist vorbei und wir liegen ganz gut im Rennen! Der Vorsatz hilft dabei, unsere Wege noch besser zu organisieren. Und das Überraschende daran: Ein Tag ganz ohne Auto ist ein ganz besonderer Genuss! Probiere es einfach mal aus. Wir freuen uns auf deine Rückmeldungen und sind gespannt, welche Familie die 100 autofreien Tage als erstes schafft und welche am Jahresende von den meisten autofreien Tagen berichten kann.

In einem Liter Kraftstoff stecken zehn Kilowattstunden gespeicherte Energie, für deren äquivalente Erbringung ein Mensch ca. 125 Stunden durcharbeiten müsste, was bei heutiger Arbeitskultur (40 Stunden/Woche) also ca. drei Wochen menschlicher Arbeit entspricht.

Aus dem Beitrag Europas Energiekrise von Norbert Rost auf peak-oil.com am 12. Februar 2022.

Richtige und falsche Verkehrsteilnehmer:innen

Leserbrief zum Beitrag Neuer Radweg am Ostufer in der Süddeutschen Zeitung vom 5. Februar 2022

Den Bürgermeistern Steigenberger und Grasl aus Berg und Münsing sei sehr daran gelegen, dass der Lückenschluss für den Fuß- und Radweg zwischen Allmannshausen und Weipertshausen „sowohl für die Verkehrsteilnehmer als auch für die Fußgänger und Radfahrer zügig kommt“!

Ja Herrschaftzeiten, was bin ich denn als Fußgänger oder Radfahrerin? Etwa kein Verkehrsteilnehmer? Waren Fußgänger vor tausenden von Jahren nicht die allerersten menschlichen Verkehrsteilnehmer überhaupt? Haben 100 Jahre, in denen in diesem Land die Verkehrsplanung nahezu ausschließlich auf das Auto ausgerichtet war, und Fußgänger in den größeren Städten in eigene Reservate (Fußgängerzonen) verbannt und ansonsten an den Rand bzw. auf enge, holprige Gehwege gedrängt und zusammen mit Radfahrern außerorts auf zerfurchte Wald- und matschige Feldwege verwiesen wurden, gereicht, um sie jetzt gar nicht mehr als Verkehrsteilnehmer wahrzunehmen? Während dessen dürfen Autos selbst ohne Insassen straf- aber auch sinnlos als „ruhender Verkehr“ bezeichnet werden und als solcher den Menschen in unseren Städten und Dörfern den Lebensraum wegnehmen.

Bürgermeister, die das Gros ihrer Bürger:innen derart diskriminieren, sollten ihren Hut nehmen, wenn schon nicht auf Dauer, dann doch einmal für vierzehn Tage. Dann hätten sie nämlich Zeit, ihre Gemeinden zu Fuß zu erkunden und auszuprobieren, wie viele Nachbarorte für Fußgänger und Radfahrer überhaupt auf direkten, sicheren und alltagstauglichen Wegen erreicht werden können!

Jedenfalls wage ich zu bezweifeln, dass mit politisch Verantwortlichen, in deren Gedankenwelt Fußgänger und Radfahrer nicht als Verkehrsteilnehmer vorkommen, eine klima- und menschenfreundliche Verkehrswende gelingen kann.

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Das Déjà-vu der Benzinpreis-Empörung macht einen ratlos. Der Aufschrei-Reflex wegen teurem Sprit gehört zu den chronischen Dummheiten einer Gesellschaft, die immer noch „Benzin im Blut“ zu haben scheint und die stur die Fakten ignoriert.

Aus dem Artikel Schluss mit dem Gejammer von Manfred Kriener auf taz.de am 5. Februar 2022.