Archiv des Autors: Gerhard Hippmann

In der Postmoderne steht ein Auto nicht mehr für Prestige, sondern für Provinzialität und Abhängigkeit, während das Fahrrad ein Symbol ist für Jugendlichkeit und Flexibilität.

Aus dem Artikel Der Straßenkampf von Charlotte Parnack auf Zeit Online am 17. September 2015.

Weßling wird radlfreundlicher

Es gibt gute Nachrichten für Weßlinger Radler und Fußgänger: Am Bahnhof wurde eine Servicestation für Fahrräder installiert, und der Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 wurde mit einer Beleuchtung ausgestattet.

Radlservicestation am Bahnhof

Radlservicestation am Bahnhof

Seit diesem Montag steht am Bahnhof hinter dem Eingang der Gemeindebücherei eine hochwertige Fahrradreparaturstation. Eine Radlaufhängung, angeleinte Werkzeuge und eine Luftpumpe ermöglichen es in unserem fahrradladenlosen Ort, Fahrräder wieder flott zu machen. Damit wird Weßling im Landkreis zum Vorreiter im Bereich Service, einer der vier Säulen der Radverkehrsförderung neben Infrastruktur, Information und Kommunikation.

Die Servicestation wurde entsprechend dem Vorschlag der Mobilitätswende mit dem Preisgeld für das landkreisbeste Ergebnis beim STAdtradeln 2015 angeschafft. Genauso wie die vorbildliche Abstellanlage beim Kiosk am See haben also die Weßlinger mit ihrem hervorragenden Einsatz beim STAdtradeln eine weitere gemeinnützige Einrichtung erradelt. Die Unkenrufe über sinnloses Gestrampel wurden einmal mehr widerlegt.

Geh- und Radwegbeleuchtung beim DLR

Geh- und Radwegbeleuchtung beim DLR

Weniger plakativ, aber mindestens genauso nützlich ist die neue LED-Beleuchtung des Geh- und Radwegs zwischen dem Kreisel beim Feuerwehrhaus und dem DLR. Sie ist insbesondere für in Richtung Weßling gehende Fußgänger, aber auch Radler segensreich, weil sie die starke Blendwirkung durch den auf der höher gelegenen Straße fahrenden Kfz-Verkehr entschärft.

Gemäß den vom Arbeitskreis Radverkehr STA erarbeiteten Qualitätskriterien für Alltagsradverbindungen sollen außerörtliche Wege nur dann beleuchtet werden, wenn sie hohes Rad- und Fußverkehrsaufkommen aufweisen. Dieses Kriterium ist zwischen Weßling und der DLR-Einfahrt erfüllt, sodass die Mobilitätswende einen entsprechenden Vorschlag machte, der vom Gemeinderat befürwortet wurde.

Beide Maßnahmen stellen deutliche Fortschritte auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Gemeinde Weßling, aber auch schöne Erfolge der Mobilitätswende dar. Wir danken Herrn Bürgermeister Muther, der Radverkehrsbeauftragten, der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat für die konstruktive Zusammenarbeit – und sind gespannt auf Rückmeldungen der Nutzer.

Heute ist Autofahren nur noch gestrig.

Was, bitteschön, soll modern daran sein, wenn über eine Tonne Stahl in Gang gesetzt werden muss, um einen durchschnittlich siebzig Kilo schweren Menschen zu transportieren?

Heute ist das beste Auto das, das erst gar nicht gebaut wird.

Aus dem Kommentar Das Problem sind die Autos von Lioba Werrelmann auf wdr.de am 19. September 2015.

Buslinien: Hausaufgaben erledigen

Leserbrief zu den Beiträgen Expressbus zur U-Bahn und Hohe Kosten für neue Buslinien verärgern Weßlinger in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juni 2016

Mit immer neuen Buslinien kann man als Verkehrsmanagerin natürlich viel Lob einheimsen und kaum ein Gemeinderat kann es sich leisten da nein zu sagen, auch wenn ihn die hohen Kosten nerven. Hoch erscheinen die Kosten für diese Buslinien aber vor allem deshalb, weil weder Frau Münster noch der Weßlinger Gemeinderat die dazugehörigen Hausaufgaben erledigen. Die Weßlinger haben keinen Profit von Bussen die entweder leer durch das Gemeindegebiet fahren oder zu deren Endhaltestelle am Weßlinger Bahnhof immer mehr Pendler aus den Nachbargemeinden und den Weßlinger Ortsteilen mit ihren Autos nach Weßling kommen und den Ort nicht nur bei An- und Abfahrt, sondern auch noch den ganzen Tag über mit ihrem geparkten Fahrzeug belasten.

Verkehrsmanagerin und Gemeinderat müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass Park and Ride ein längst überholtes Verkehrskonzept der 60er und 70er Jahre ist. Moderne Konzepte bieten Lösungen dafür den ganzen Weg von Zuhause bis zum Ziel ohne Auto zurückzulegen. In Weßling werden diese Lösungen aber erst greifen, wenn die Parkplätze am Bahnhof reduziert werden. Ohne Längsparkplätze wäre in der Bahnhofstraße genug Platz für eine zusätzliche Buslinie und Radler und Fußgänger könnten sich endlich wieder sicher bewegen.

Und warum ist zum Beispiel der 955er Bus von Starnberg Nord nach Weßling zwar beliebt, aber tagsüber und am Samstag trotzdem meist leer? Er führt über Hochstadt und Oberpfaffenhofen und die Haltestellen in beiden Orten liegen im Ring 9. Sie wurden damit völlig willkürlich weiter nach außen verlagert als Weßling und Starnberg Nord.

Was das bedeutet? Nicht ganz so schlimm: Pendler aus Hochstadt nach München müssen eine Kurzstrecke zusätzlich stempeln. Viel schlimmer: Wer zum Beispiel von Hochstadt Schule mit dem Bus einen Krankenbesuch im Klinikum Starnberg erledigen möchte zahlt dafür sage und schreibe 5,40 € – für die einfache Fahrt von ca. 9 km Länge.

Im Vergleich dazu: Mit dem Expressbus von Starnberg Nord nach Buchenau zu fahren kostet 2,70 € für mehr als 30 km! Zwischen Hochstadt und Starnberg kostet der Bus-Kilometer also 60 Cent, zwischen Starnberg und Buchenau dagegen nur 9 Cent! Mit solchen Preisen und Preisunterschieden treibt man Fahrgäste zurück ins Auto oder man verleitet sie zum Schwarzfahren. Der Verweis auf eine Tarifreform am Sankt-Nimmerleinstag hilft da nicht weiter – da muss Frau Münster sofort aktiv werden. Und die Weßlinger Gemeinderäte sollten sie dabei kräftig unterstützen. Ansonsten investieren sie viel Geld in tolle Busse und der Profit für Weßling – weniger Autoverkehr – bleibt trotzdem aus!

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Radlständer-Vergleichstest 2016

Radlständer beim Edeka

Radlständer beim Edeka

Vor zwei Jahren führte die Mobilitätswende den ersten Radlständer-Vergleichstest durch, und im letzten Jahr gab es eine erste Aktualisierung. Nun liegen die Ergebnisse für dieses Jahr (Erhebung im Mai 2016) vor. Kategorisierung, Kriterien, Hinweise und Empfehlungen wurden im ersten Test ausführlich dargestellt und sind nach wie vor aktuell.

Radlständer für Kunden

In der Kategorie für Kunden gab es im Vorjahr keine Fortschritte. Diesmal sieht es etwas besser aus. Wegen des miserablen Zustands und der ungenügenden Kapazität des intensiv genutzten Radlständers beim Edeka legte die Mobilitätswende dem Geschäftsführer eine Planung inklusive Angebot für eine qualitativ hochwertige Abstellanlage vor. Zwar wurde diese leider nicht realisiert, es wurde aber wenigstens ein brauchbarer Ständer mit sechs Abstellplätzen zusätzlich zur alten Anlage installiert – mit der Note 2,3 nun immerhin der zweitbeste Weßlinger Radlständer in dieser Kategorie.

Vier neue Abstellplätze in unbefriedigender Qualität (Note 4,1) gibt es außerdem beim Restaurant Marina, und an der BK-Tankstelle steht nun ein etwas besseres Modell als zuvor. Im Übrigen sind die 2015 verschwundenen Radlständer bei Il Cielo Catering und bei der Spenglerei/Dachdeckerei Bernlochner wieder aufgetaucht. Damit erhöht sich die Gesamtanzahl von 204 auf 220, und die Durchschnittsnote verbessert sich von 3,7 auf 3,6 – genauso mäßig wie im Jahr 2014.

Öffentliche Radlständer

Radlständer am Spielplatz

Radlständer am Spielplatz

Auch bei den Radlständern für öffentliche Einrichtungen gab es leichte Verbesserungen. So wurde auf Anregung der Mobilitätswende ein im Bauhof deponierter Radlständer am Spielplatz installiert. Hierbei handelt sich um dasselbe Modell (wsm 2500) wie beim Rathaus und beim Edeka, welches eine brauchbare Standfestigkeit und einen sehr guten Diebstahlschutz bietet. Außerdem wurde die vorbildliche Abstellanlage am Kiosk in zwei Teile zerlegt, sodass jetzt vier Abstellplätze optimal zwischen Strand und Kiosk liegen, was zur neuen Bestnote 1,7 führt. Somit hat sich die Anzahl der Abstellplätze an öffentlichen Einrichtungen von 446 auf 450 erhöht und die Durchschnittsnote von 3,4 auf 3,3 verbessert.

Die Abstellanlage am Bahnhof ist nach wie vor zu klein und in miserablem Zustand. Entlang des südwestlichen Zweigs der S8 bildet sie zusammen mit Wörthsee das traurige Schlusslicht. Allerdings wurden beim Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Bahnhofsumfelds stark unterschiedliche Vorschläge für die Positionierung und Ausgestaltung der Radlständer gemacht, sodass es derzeit weiterhin keinen Sinn macht, die Anlage ohne Rücksicht auf die noch nicht vorliegende restliche Planung zu erneuern.

Halbe Kapazität zum vollen Preis

Viel zu geringer seitlicher Abstand: Bahnhof

Viel zu geringer seitlicher Abstand: Bahnhof

Allen neu installierten (und ebenso nahezu alle anderen) Abstellanlagen in Weßling haben den gemeinsamen Makel zu geringer seitlicher Abstände. Die Technischen Richtlinie TR 6102-0911 des ADFC und die neue DIN-Norm 79008-1 „Stationäre Fahrradparksysteme“ fordern 70 cm Abstand für höhengleiche und 50 cm für hoch-tief-angeordnete Abstellplätze. Bei geringeren Abständen (z. B. 35 cm beim Modell wsm 2500) ist nur jeder zweite Platz problemlos nutzbar, sodass man letztlich nur die halbe Kapazität zum vollen Preis erhält und sogar mehr Fläche je Radl verbraucht.

Auswertung

Auswertung der Kategorie: Öffentlich

Auswertung der Kategorie: Für Kunden

Auswertung als Tabellendokument

Fazit

Mit dem Radlständervergleichstest wollte die Mobilitätswende Gewerbetreibende und Gemeindeverwaltung motivieren, mehr und bessere Fahrradabstellanlagen zu installieren. In den vergangenen zwei Jahren hat sich diese recht aufwändige Aktion allerdings als wenig effektiv erwiesen. Offenbar lassen sich Entscheider eher über persönlich unterbreitete, konkrete Vorschläge, als über einen um Objektivität bemühten Vergleich überzeugen. Neben diesem direkten Weg wird sich die Mobilitätswende in Zukunft verstärkt für die Einführung einer verbindlichen Fahrradabstellplatzsatzung einsetzen.

In überentwickelten Konsumgesellschaften agiert die Politik nicht, sondern reagiert; sie eilt einem nötigen Kulturwandel zum Weniger niemals voraus, sondern bestenfalls in sicherem Abstand hinterher. Und weil sie sich darin seit 40 Jahren übt, ist sie an allen Abzweigungen in Richtung Nachhaltigkeit vorbeigerauscht. Jetzt geht es nicht mehr um die Vermeidung des Kollapses, sondern um seine Gestaltung.

Aus dem Beitrag Wege aus der Wachstumgsdiktatur von Niko Paech im Buch Wege aus der Wachstumgsgesellschaft, 2013.

Verkehrspolitik aus dem vergangenen Jahrhundert

Leserbrief zum Beitrag Groll aufs Staatliche Bauamt im Starnberger Merkur vom 5. März 2016

„Unverständnis und Verärgerung, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, über ein Amt, das konsequent alle Versuche ablehnt, entlang des Ortseingangs an der Staatsstraße den Verkehrslärm zu reduzieren und die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu verbessern” schreibt der Autor erfreulich klar und deutlich.

Tatsächlich lässt das Straßenbauamt Weilheim, aber auch die Untere Verkehrsbehörde des Landratsamtes und die örtlichen Polizeiinspektionen keine Möglichkeit aus, jede vernünftige Maßnahme zur Bändigung des allerorts unerträglich gewordenen Kfz-Verkehrs mit aller Wucht zu konterkarieren – lediglich der Neu- und Ausbau von Straßen für noch mehr Autos findet Zustimmung. Entgegen dem Wohl von geplagten Anwohnern und schwachen Verkehrsteilnehmern wird offenbar die Linie der Landesregierung durchgesetzt, für die unendliches Wachstum der bayerischen Premiumautobauer höhere Priorität genießt als menschen- und umweltgerechte Mobilität. Diese überholte, nicht zukunftsfähige Verkehrspolitik nach dem Motto „freie Fahrt für freie Bürger” aus den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts fällt selbst in der lobbykratischen Autorepublik Deutschland frappierend durch ihre Rückständigkeit aus der Reihe.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Statt sich mit einem zwei Tonnen schweren paramilitärischen Fahrzeug durch den Berufsverkehr zu quälen, um im Fitnessstudio auf einem elektrisch betriebenen Förderband zu joggen und sich dabei Werbespots für noch größere Autos auf einem Ultra-HD-Bildschirm anzusehen, kann es wesentlich wohltuender und gesünder sein, mit dem Fahrrad ein paar Runden durch die autofreie Stadt zu drehen.

Aus dem Buch Das Ende der Megamaschine von Fabian Scheidler, 2015.

Hochstadt hat jetzt Bus!

von Gerhard Sailer für Unser Dorf heute

„Huch, ich glaub ich bin im falschen Bus!“ rief kürzlich eine Frau, die am Bahnhof in Weßling in den 955er eingestiegen war und stieg schnell wieder aus. Ja, das kann jetzt schon vorkommen, schließlich halten seit dem Fahrplanwechsel im Dezember viel mehr Busse am Bahnhof. Auf diese Weise sind zum Beispiel Meiling, Steinebach und Inning, aber auch die Gewerbegebiete zwischen Weßling und Gilching mit dem Bus erreichbar.

Der Clou aber ist der neue 955er! Mit ihm haben die Hochstadter endlich eine MVV-Anbindung, die ihren Namen auch verdient. Von Montag bis Freitag startet der Bus schon vor sechs Uhr (Samstags zwei Stunden später) zu seiner ersten Runde von Starnberg Nord nach Weßling. Den ganzen Tag über, bis abends um neun, pendelt er dann unermüdlich zwischen Weßling und der Kreisstadt. Auf diese Weise hat Hochstadt zweimal in der Stunde Busanschluss an die S-Bahn.

Übrigens geht es über Starnberg in Richtung München sogar ein bisschen schneller als über Weßling. Zumindest früh morgens, wenn der Bus problemlos die S6 erreicht. Wenn der Verkehr in Starnberg dann dichter wird, kann das schon mal knapp werden. In Weßling dagegen ist die Umsteigezeit zur S-Bahn immer ausreichend. Umgekehrt ist es auf dem Rückweg: Wenn die S8 aus München Verspätung hat, ist der Bus manchmal schon weg. Deutet sich das rechtzeitig an, kann man in Westkreuz in die S6 umsteigen und ohne Stress den Weg über Starnberg nehmen.

Der Bus hält auf seinem Weg durch die Gemeinde auch beim Plonner, an der Neuhochstadter Straße, am Hort und in der Dorfstraße. So können nicht nur Pendler nach München und die vielen Schulkinder problemlos mit dem Bus ihr Ziel erreichen, auch die Kinder aus dem Hort müssen nicht mehr abgeholt werden, und die Arbeiter und Kunden der Firmen rund um den Bauhof können auch Bus fahren.

Viele Besorgungen können ohne Auto erledigt werden: Der Einkauf oder der Besuch beim Arzt in Weßling, der Krankenbesuch in Starnberg oder der Spaziergang am See, auch der Besuch bei Freunden oder der Weg zum Fußballtraining – für alles bietet sich der Bus an, statt selber fahren oder Taxi Mama!

Wir müssen nur alle lernen, den Bus auch zu nutzen, nicht nur die Jungen und die Alten, die noch nicht oder nicht mehr Auto fahren können. Vielleicht wird der Bus dann auch zur Begegnungsstätte mit Nachbarn und Freunden, zwischen Alt und Jung und mit den vielen neuen Weßlingern, die nach ihrer Flucht wohl noch lange ohne Auto bei uns leben werden. Wenn wir es aber nicht lernen, dann werden wir auf unserem Weg zu einer Gemeinde mit weniger Autoverkehr nicht vorankommen.

Übrigens war auch die lästige Frage „Was bringen wir denn mit?“, als wir kürzlich eine Einladung zu Freunden erhalten hatten, schnell beantwortet: „Eine Streifenkarte natürlich!“ Für nur 13 Euro kann man damit zehnmal das Auto stehen lassen und eine Fahrt mit Chauffeur genießen!

Fahr- und Streckenpläne der Buslinie 955 gibt es hier.