Archiv des Autors: Gerhard Hippmann

Heute ist Autofahren nur noch gestrig.

Was, bitteschön, soll modern daran sein, wenn über eine Tonne Stahl in Gang gesetzt werden muss, um einen durchschnittlich siebzig Kilo schweren Menschen zu transportieren?

Heute ist das beste Auto das, das erst gar nicht gebaut wird.

Aus dem Kommentar Das Problem sind die Autos von Lioba Werrelmann auf wdr.de am 19. September 2015.

Buslinien: Hausaufgaben erledigen

Leserbrief zu den Beiträgen Expressbus zur U-Bahn und Hohe Kosten für neue Buslinien verärgern Weßlinger in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juni 2016

Mit immer neuen Buslinien kann man als Verkehrsmanagerin natürlich viel Lob einheimsen und kaum ein Gemeinderat kann es sich leisten da nein zu sagen, auch wenn ihn die hohen Kosten nerven. Hoch erscheinen die Kosten für diese Buslinien aber vor allem deshalb, weil weder Frau Münster noch der Weßlinger Gemeinderat die dazugehörigen Hausaufgaben erledigen. Die Weßlinger haben keinen Profit von Bussen die entweder leer durch das Gemeindegebiet fahren oder zu deren Endhaltestelle am Weßlinger Bahnhof immer mehr Pendler aus den Nachbargemeinden und den Weßlinger Ortsteilen mit ihren Autos nach Weßling kommen und den Ort nicht nur bei An- und Abfahrt, sondern auch noch den ganzen Tag über mit ihrem geparkten Fahrzeug belasten.

Verkehrsmanagerin und Gemeinderat müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass Park and Ride ein längst überholtes Verkehrskonzept der 60er und 70er Jahre ist. Moderne Konzepte bieten Lösungen dafür den ganzen Weg von Zuhause bis zum Ziel ohne Auto zurückzulegen. In Weßling werden diese Lösungen aber erst greifen, wenn die Parkplätze am Bahnhof reduziert werden. Ohne Längsparkplätze wäre in der Bahnhofstraße genug Platz für eine zusätzliche Buslinie und Radler und Fußgänger könnten sich endlich wieder sicher bewegen.

Und warum ist zum Beispiel der 955er Bus von Starnberg Nord nach Weßling zwar beliebt, aber tagsüber und am Samstag trotzdem meist leer? Er führt über Hochstadt und Oberpfaffenhofen und die Haltestellen in beiden Orten liegen im Ring 9. Sie wurden damit völlig willkürlich weiter nach außen verlagert als Weßling und Starnberg Nord.

Was das bedeutet? Nicht ganz so schlimm: Pendler aus Hochstadt nach München müssen eine Kurzstrecke zusätzlich stempeln. Viel schlimmer: Wer zum Beispiel von Hochstadt Schule mit dem Bus einen Krankenbesuch im Klinikum Starnberg erledigen möchte zahlt dafür sage und schreibe 5,40 € – für die einfache Fahrt von ca. 9 km Länge.

Im Vergleich dazu: Mit dem Expressbus von Starnberg Nord nach Buchenau zu fahren kostet 2,70 € für mehr als 30 km! Zwischen Hochstadt und Starnberg kostet der Bus-Kilometer also 60 Cent, zwischen Starnberg und Buchenau dagegen nur 9 Cent! Mit solchen Preisen und Preisunterschieden treibt man Fahrgäste zurück ins Auto oder man verleitet sie zum Schwarzfahren. Der Verweis auf eine Tarifreform am Sankt-Nimmerleinstag hilft da nicht weiter – da muss Frau Münster sofort aktiv werden. Und die Weßlinger Gemeinderäte sollten sie dabei kräftig unterstützen. Ansonsten investieren sie viel Geld in tolle Busse und der Profit für Weßling – weniger Autoverkehr – bleibt trotzdem aus!

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Radlständer-Vergleichstest 2016

Radlständer beim Edeka

Radlständer beim Edeka

Vor zwei Jahren führte die Mobilitätswende den ersten Radlständer-Vergleichstest durch, und im letzten Jahr gab es eine erste Aktualisierung. Nun liegen die Ergebnisse für dieses Jahr (Erhebung im Mai 2016) vor. Kategorisierung, Kriterien, Hinweise und Empfehlungen wurden im ersten Test ausführlich dargestellt und sind nach wie vor aktuell.

Radlständer für Kunden

In der Kategorie für Kunden gab es im Vorjahr keine Fortschritte. Diesmal sieht es etwas besser aus. Wegen des miserablen Zustands und der ungenügenden Kapazität des intensiv genutzten Radlständers beim Edeka legte die Mobilitätswende dem Geschäftsführer eine Planung inklusive Angebot für eine qualitativ hochwertige Abstellanlage vor. Zwar wurde diese leider nicht realisiert, es wurde aber wenigstens ein brauchbarer Ständer mit sechs Abstellplätzen zusätzlich zur alten Anlage installiert – mit der Note 2,3 nun immerhin der zweitbeste Weßlinger Radlständer in dieser Kategorie.

Vier neue Abstellplätze in unbefriedigender Qualität (Note 4,1) gibt es außerdem beim Restaurant Marina, und an der BK-Tankstelle steht nun ein etwas besseres Modell als zuvor. Im Übrigen sind die 2015 verschwundenen Radlständer bei Il Cielo Catering und bei der Spenglerei/Dachdeckerei Bernlochner wieder aufgetaucht. Damit erhöht sich die Gesamtanzahl von 204 auf 220, und die Durchschnittsnote verbessert sich von 3,7 auf 3,6 – genauso mäßig wie im Jahr 2014.

Öffentliche Radlständer

Radlständer am Spielplatz

Radlständer am Spielplatz

Auch bei den Radlständern für öffentliche Einrichtungen gab es leichte Verbesserungen. So wurde auf Anregung der Mobilitätswende ein im Bauhof deponierter Radlständer am Spielplatz installiert. Hierbei handelt sich um dasselbe Modell (wsm 2500) wie beim Rathaus und beim Edeka, welches eine brauchbare Standfestigkeit und einen sehr guten Diebstahlschutz bietet. Außerdem wurde die vorbildliche Abstellanlage am Kiosk in zwei Teile zerlegt, sodass jetzt vier Abstellplätze optimal zwischen Strand und Kiosk liegen, was zur neuen Bestnote 1,7 führt. Somit hat sich die Anzahl der Abstellplätze an öffentlichen Einrichtungen von 446 auf 450 erhöht und die Durchschnittsnote von 3,4 auf 3,3 verbessert.

Die Abstellanlage am Bahnhof ist nach wie vor zu klein und in miserablem Zustand. Entlang des südwestlichen Zweigs der S8 bildet sie zusammen mit Wörthsee das traurige Schlusslicht. Allerdings wurden beim Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Bahnhofsumfelds stark unterschiedliche Vorschläge für die Positionierung und Ausgestaltung der Radlständer gemacht, sodass es derzeit weiterhin keinen Sinn macht, die Anlage ohne Rücksicht auf die noch nicht vorliegende restliche Planung zu erneuern.

Halbe Kapazität zum vollen Preis

Viel zu geringer seitlicher Abstand: Bahnhof

Viel zu geringer seitlicher Abstand: Bahnhof

Allen neu installierten (und ebenso nahezu alle anderen) Abstellanlagen in Weßling haben den gemeinsamen Makel zu geringer seitlicher Abstände. Die Technischen Richtlinie TR 6102-0911 des ADFC und die neue DIN-Norm 79008-1 „Stationäre Fahrradparksysteme“ fordern 70 cm Abstand für höhengleiche und 50 cm für hoch-tief-angeordnete Abstellplätze. Bei geringeren Abständen (z. B. 35 cm beim Modell wsm 2500) ist nur jeder zweite Platz problemlos nutzbar, sodass man letztlich nur die halbe Kapazität zum vollen Preis erhält und sogar mehr Fläche je Radl verbraucht.

Auswertung

Auswertung der Kategorie: Öffentlich

Auswertung der Kategorie: Für Kunden

Auswertung als Tabellendokument

Fazit

Mit dem Radlständervergleichstest wollte die Mobilitätswende Gewerbetreibende und Gemeindeverwaltung motivieren, mehr und bessere Fahrradabstellanlagen zu installieren. In den vergangenen zwei Jahren hat sich diese recht aufwändige Aktion allerdings als wenig effektiv erwiesen. Offenbar lassen sich Entscheider eher über persönlich unterbreitete, konkrete Vorschläge, als über einen um Objektivität bemühten Vergleich überzeugen. Neben diesem direkten Weg wird sich die Mobilitätswende in Zukunft verstärkt für die Einführung einer verbindlichen Fahrradabstellplatzsatzung einsetzen.

In überentwickelten Konsumgesellschaften agiert die Politik nicht, sondern reagiert; sie eilt einem nötigen Kulturwandel zum Weniger niemals voraus, sondern bestenfalls in sicherem Abstand hinterher. Und weil sie sich darin seit 40 Jahren übt, ist sie an allen Abzweigungen in Richtung Nachhaltigkeit vorbeigerauscht. Jetzt geht es nicht mehr um die Vermeidung des Kollapses, sondern um seine Gestaltung.

Aus dem Beitrag Wege aus der Wachstumgsdiktatur von Niko Paech im Buch Wege aus der Wachstumgsgesellschaft, 2013.

Verkehrspolitik aus dem vergangenen Jahrhundert

Leserbrief zum Beitrag Groll aufs Staatliche Bauamt im Starnberger Merkur vom 5. März 2016

„Unverständnis und Verärgerung, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, über ein Amt, das konsequent alle Versuche ablehnt, entlang des Ortseingangs an der Staatsstraße den Verkehrslärm zu reduzieren und die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu verbessern” schreibt der Autor erfreulich klar und deutlich.

Tatsächlich lässt das Straßenbauamt Weilheim, aber auch die Untere Verkehrsbehörde des Landratsamtes und die örtlichen Polizeiinspektionen keine Möglichkeit aus, jede vernünftige Maßnahme zur Bändigung des allerorts unerträglich gewordenen Kfz-Verkehrs mit aller Wucht zu konterkarieren – lediglich der Neu- und Ausbau von Straßen für noch mehr Autos findet Zustimmung. Entgegen dem Wohl von geplagten Anwohnern und schwachen Verkehrsteilnehmern wird offenbar die Linie der Landesregierung durchgesetzt, für die unendliches Wachstum der bayerischen Premiumautobauer höhere Priorität genießt als menschen- und umweltgerechte Mobilität. Diese überholte, nicht zukunftsfähige Verkehrspolitik nach dem Motto „freie Fahrt für freie Bürger” aus den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts fällt selbst in der lobbykratischen Autorepublik Deutschland frappierend durch ihre Rückständigkeit aus der Reihe.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Statt sich mit einem zwei Tonnen schweren paramilitärischen Fahrzeug durch den Berufsverkehr zu quälen, um im Fitnessstudio auf einem elektrisch betriebenen Förderband zu joggen und sich dabei Werbespots für noch größere Autos auf einem Ultra-HD-Bildschirm anzusehen, kann es wesentlich wohltuender und gesünder sein, mit dem Fahrrad ein paar Runden durch die autofreie Stadt zu drehen.

Aus dem Buch Das Ende der Megamaschine von Fabian Scheidler, 2015.

Hochstadt hat jetzt Bus!

von Gerhard Sailer für Unser Dorf heute

„Huch, ich glaub ich bin im falschen Bus!“ rief kürzlich eine Frau, die am Bahnhof in Weßling in den 955er eingestiegen war und stieg schnell wieder aus. Ja, das kann jetzt schon vorkommen, schließlich halten seit dem Fahrplanwechsel im Dezember viel mehr Busse am Bahnhof. Auf diese Weise sind zum Beispiel Meiling, Steinebach und Inning, aber auch die Gewerbegebiete zwischen Weßling und Gilching mit dem Bus erreichbar.

Der Clou aber ist der neue 955er! Mit ihm haben die Hochstadter endlich eine MVV-Anbindung, die ihren Namen auch verdient. Von Montag bis Freitag startet der Bus schon vor sechs Uhr (Samstags zwei Stunden später) zu seiner ersten Runde von Starnberg Nord nach Weßling. Den ganzen Tag über, bis abends um neun, pendelt er dann unermüdlich zwischen Weßling und der Kreisstadt. Auf diese Weise hat Hochstadt zweimal in der Stunde Busanschluss an die S-Bahn.

Übrigens geht es über Starnberg in Richtung München sogar ein bisschen schneller als über Weßling. Zumindest früh morgens, wenn der Bus problemlos die S6 erreicht. Wenn der Verkehr in Starnberg dann dichter wird, kann das schon mal knapp werden. In Weßling dagegen ist die Umsteigezeit zur S-Bahn immer ausreichend. Umgekehrt ist es auf dem Rückweg: Wenn die S8 aus München Verspätung hat, ist der Bus manchmal schon weg. Deutet sich das rechtzeitig an, kann man in Westkreuz in die S6 umsteigen und ohne Stress den Weg über Starnberg nehmen.

Der Bus hält auf seinem Weg durch die Gemeinde auch beim Plonner, an der Neuhochstadter Straße, am Hort und in der Dorfstraße. So können nicht nur Pendler nach München und die vielen Schulkinder problemlos mit dem Bus ihr Ziel erreichen, auch die Kinder aus dem Hort müssen nicht mehr abgeholt werden, und die Arbeiter und Kunden der Firmen rund um den Bauhof können auch Bus fahren.

Viele Besorgungen können ohne Auto erledigt werden: Der Einkauf oder der Besuch beim Arzt in Weßling, der Krankenbesuch in Starnberg oder der Spaziergang am See, auch der Besuch bei Freunden oder der Weg zum Fußballtraining – für alles bietet sich der Bus an, statt selber fahren oder Taxi Mama!

Wir müssen nur alle lernen, den Bus auch zu nutzen, nicht nur die Jungen und die Alten, die noch nicht oder nicht mehr Auto fahren können. Vielleicht wird der Bus dann auch zur Begegnungsstätte mit Nachbarn und Freunden, zwischen Alt und Jung und mit den vielen neuen Weßlingern, die nach ihrer Flucht wohl noch lange ohne Auto bei uns leben werden. Wenn wir es aber nicht lernen, dann werden wir auf unserem Weg zu einer Gemeinde mit weniger Autoverkehr nicht vorankommen.

Übrigens war auch die lästige Frage „Was bringen wir denn mit?“, als wir kürzlich eine Einladung zu Freunden erhalten hatten, schnell beantwortet: „Eine Streifenkarte natürlich!“ Für nur 13 Euro kann man damit zehnmal das Auto stehen lassen und eine Fahrt mit Chauffeur genießen!

Fahr- und Streckenpläne der Buslinie 955 gibt es hier.

Wir haben in Paris hehre Klimaabsichten beschlossen, doch wir geben immer noch Geld zum Asphaltieren und Zubetonieren von Fahrbahnen aus. Eigentlich müsste jetzt ein Moratorium kommen: kein Quadratmeter mehr für den Autoverkehr insgesamt.

Aus dem Interview Kein Meter fürs Auto mit Prof. Hermann Knoflacher in der Kontext Wochenzeitung vom 13. Januar 2016.

Rückblick auf das dritte Jahr

Das dritte Jahr der Ende 2012 gegründeten Mobilitätswende Weßling ist Geschichte. Dieser Beitrag gibt einen Rückblick auf die Aktivitäten und Projekte im Jahr 2015.

Bushaltestelle am Hort

Durch den Hort in Hochstadt wird viel unnötiger Abhol-Kfz-Verkehr verursacht, weil die Kinder nicht mit einem Schulbus zurück nach Oberpfaffenhofen und Weßling gebracht werden können. Um Eltern und Hortleitung dafür zu gewinnen, die Schulkinder mit dem Linienbus 955 nach hause fahren zu lassen, sammelte die Mobilitätswende Unterschriften für einen sicheren Umbau der Bushaltestelle am Hort. Das Problem ist nun in Gemeindeverwaltung und Landratsamt bekannt, es wurden aber bisher leider keine Maßnahmen zu seiner Lösung getroffen.

Radverbindung nach Etterschlag

In der Planfeststellung der Westumfahrung Weßling ist keine Rad- und Fußverkehrsverbindung nach Etterschlag/Schluifeld vorgesehen, sodass Ammerseeradweg und Kreisradwanderweg durchtrennt werden. Die Mobilitätswende hatte seit Jahren auf dieses Problem aufmerksam gemacht und versucht, eine praktikable Lösung zu finden. Mit Unterstützung von Bürgermeister Michael Muther gelang es im Februar, die bestehenden Pläne um einen alltagstauglichen Geh- und Radweg zu erweitern, der die Lücke zwischen der Grünsinker Straße und dem Wirtschaftsweg mit Unterführung nach Etterschlag schließt.

Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR

Ebenfalls auf Anregung der Mobilitätswende hat der Gemeinderat im vergangenen Jahr beschlossen, den Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 zwischen Aldi-Kreisel und DLR-Einfahrt mit einer Beleuchtung auszustatten. Während außerörtliche Radwege normalerweise nicht beleuchtet werden, wird sie in diesem Abschnitt wegen hohem Fußgängeraufkommen und starker Blendwirkung durch auf der erhöhten Straße fahrenden Kfz benötigt.

Sanierung Hochstadter Straße

Nach der ursprünglichen Planung sollte die Hochstadter Straße in Oberpfaffenhofen im Rahmen ihrer Sanierung lediglich verbreitert werden. Als das Projekt im Gemeinderat diskutiert wurde, konnte die Mobilitätswende einige wesentliche Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer einbringen. So gibt es jetzt einen Gehsteig vom Durchgang zur Ettenhofener Straße bis zum Kesselboden, und an der Ortseinfahrt wurde eine Querungshilfe gebaut, die auch temporeduzierend auf den Kfz-Verkehr wirkt.

Radl Repair Café

Bei der Vorstellung der Gewerkhausidee im ehemaligen Feuerwehrhaus Weßling wirkte die Mobilitätswende mit einem Radl Repair Café mit. Diese Aktivitäten wurden ab Ende Juli durch wöchentliche Treffen des von der Nachbarschaftshilfe Weßling gegründeten Helferkreises Radl für Flüchtlinge fortgesetzt.

Radlständer

Beim zweiten Radlständer-Vergleichstest wurde deutlich, dass diese erstmalig im Jahr 2014 durchgeführte Aktion leider keinen Anstoß zur Verbesserung der Abstellanlagen in Weßling gegeben hat. Lediglich der von den Weßlinger STAdtradlern gewonnene Radlständer beim Kiosk am Badestrand setzt qualitativ neue Maßstäbe, und an der Grundschule Weßling stimmt nun wenigstens die Anzahl der Stellplätze. Auf Anregung der Mobilitätswende wurden außerdem brauchbare Radlständer beim Spielplatz und beim Edeka installiert.

STAdtradeln

Zum fünften Mal nahm Weßling erfolgreich am STAdtradeln teil. 419 Radlerinnen und Radler erreichten mit 83.232 km den landkreisweit ersten und deutschlandweit dritten Platz in der Wertung Radlkilometer je Einwohner. Damit gewannen sie den von Landrat Karl Roth ausgelobten Preis von 2.000 € zur Radverkehrsförderung. Auch diesmal hatte die Mobilitätswende organisatorisch in Weßling und auf Landkreisebene mitgewirkt. Bürgermeister Michael Muther zeigte sich beim begleitenden Wettbewerb Chefsache Radverkehr großzügig und sagte zu, sich um die Radverkehrsverbindung nach Etterschlag sowie die Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR zu kümmern. Auch die Radverkehrsbeauftragte der Gemeinde hat sich für ihr Interesse und ihren Einsatz im Jahr 2015 übrigens ein dickes Lob verdient.

Sonstiges

Als im Sommer im Walchstadter Weg eine neue Stromleitung verlegt wurde, nahm die Gemeindeverwaltung die Anregung der Mobilitätswende an, dabei zwei der 28 fehlenden Bordsteinabsenkungen herzustellen. Nach den Herbstferien führte die Mobilitätswende eine Verkehrszählung in der Hauptstraße durch. Mit zahlreichen Leserbriefen, Zitaten und Artikeln in Unser Dorf heute kommentierte die Mobilitätswende die aktuellen Geschehnisse hinsichtlich nachhaltiger Mobilität. Außerdem wirkten Vertreter der Mobilitätswende im Gemeinderat, im städtebaulichen Arbeitskreis Weßling, im Arbeitskreis Radverkehr des Landratsamts und in der Arbeitsgemeinschaft Radverkehr STA des ADFC mit.

Stillstand

In ihrem dritten Jahr hat die Mobilitätswende zweifellos mehr erreicht als zuvor. Allerdings verliefen nicht alle Bemühungen erfolgreich. So hat es der Gemeinderat abgelehnt, den 40 m langen Radwegabschnitt zwischen Aldi-Einfahrt und Kreisel endlich mit einer alltagstauglichen Fahrbahnoberfläche zu versehen, und auch die offenkundig falschen Beschilderungen in Argelsrieder Straße/Feld und am Badestrand wurden von der Verwaltung trotz mehrfacher Anfrage nicht behoben. Außerdem wurde das fertige Tempo-30-Konzept der Mobilitätswende nicht in Angriff genommen.

Rückschritte

Schmerzlicher als diese Kleinigkeiten sind allerdings im Jahr 2015 realisierte Millionenprojekte auf Weßlinger Flur, die die Dominanz des Kfz-Verkehrs in einer neuen Dimension für Jahrzehnte zementieren: Westumfahrung, DLR-Parkhaus (251 Kfz-Stellplätze) und OHB-Parkplatz (177 Kfz-Stellplätze) schaffen Tatsachen, neben denen die genannten Bemühungen für zukunftsfähige Mobilität gänzlich verblassen. In Weßling steht die Überwindung fossilen Denkens nach wie vor ganz am Anfang.