Teufels-Kreis-Verkehr

Leserbrief zu den Beiträgen Stadtrat Starnberg entscheidet sich für einenTunnel im Starnberger Merkur vom 22. Februar 2017 und Ende eines Dauerstreits in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Februar 2017

Die Stadt Starnberg versenkt 162 Millionen € für einen Tunnel, der neben der im Bau befindlichen West-Umfahrung und einer zu prüfenden Nord-Umfahrung für Entlastung vom unerträglich gewordenen Kfz-Verkehr sorgen soll. Dabei ist seit Jahrzehnten bekannt, dass Straßennetze dynamische Systeme sind, bei denen eine Erweiterung des Angebots für entsprechend mehr Nachfrage sorgt (induzierter Verkehr). So werden Brennpunkte der Verkehrsbelastung bestenfalls verlagert (z. B. von Ober-/Unterbrunn in die Hanfelder Straße) – oder auch nicht (z. B. Weßling), das ursprüngliche Problem der nach 84 Jahren autozentrierter Verkehrspolitik völlig aus dem Ruder gelaufenen Kfz-Übernutzung jedoch noch weiter verschärft.

In den Ministerien auf Bundes- und Landesebene wird bekanntlich seit Jahrzehnten alles dafür getan, um das endlose Wachstum der Auto- und Straßenbauindustrie aufrecht zu erhalten. Da kommt es gerade recht, wenn man Kommunen den Neu- oder Ausbau von Kfz-Infrastruktur als Entlastungsmaßnahme verkaufen kann. Nach der Fertigstellung werden wirksame Verkehrsberuhigungsmaßnahmen vor Ort freilich nicht genehmigt, um die „Flüssigkeit” des Kfz-Verkehrs zu erhalten.

In der Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamts sprachen sich 82 % der Befragen (und 92 % der 14- bis 17-Jährigen) dafür aus, Städte und Gemeinden gezielt so umzugestalten, dass man kaum noch auf ein Auto angewiesen ist. Städte, die daran schon lange konsequent arbeiten, indem sie den Straßenraum weg vom Auto und hin zum ÖPNV, Fuß- und Radverkehr umverteilen (z. B. Wien, Zürich und Kopenhagen), führen die weltweiten Ranglisten für Lebensqualität an. Unterdessen basteln unsere Kommunen noch immer ungewollt, aber sehr erfolgreich am autogerechten Landkreis STA – und unser Landrat freut sich, dass es mit dem Tunnel „endlich weiter geht”.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

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