Zeit zum Abrüsten

In Ihrem Artikel „Zeit zum Gasgeben“ stellen Sie Elektromobilität weitgehend mit Elektroautos gleich. Damit übernehmen Sie die Darstellung der Autolobby und der nach ihrer Pfeife tanzenden Bundesregierung. Richtig ist, dass im Landkreis Elektromobilität mit der S-Bahn seit Jahrzehnten funktionierende Realität ist – ganz ohne Reichweitenproblem. Wer die Autobrille abnimmt, erkennt auch, dass die von der Bundesregierung im Jahr 2020 angestrebten eine Million Elektrofahrzeuge längst in Form von Pedelecs unterwegs sind.

Kraftverkehrsverbände und Politik propagieren die in Ihrem Beitrag wiedergegebene Vorstellung, aufgrund rückläufiger Erdölförderung stünde im Mobilitätssektor lediglich ein Wechsel des Kfz-Antriebssystems bevor. Tatsächlich stoßen wir aber auch beim Elektroauto an Resourcengrenzen, die eine massenhafte Verbreitung unmöglich machen: Der unvermeidliche Flächenverbrauch für die Energiegewinnung, und der beim Stand der Technik extrem hohe Rohstoff- und Energiebedarf für die Produktion.

Trotzdem ist das erwähnte eCar-Sharing-System eine gute Idee. Denn Elektroautos können zum nachhaltigen Mobilitätsmix der Zukunft beitragen, wenn sie von größeren Personenkreisen gemeinsam genutzt werden.

Wer allerdings schon(?) heute postfossil mobil sein will, sollte nicht mit dem Umstieg auf ein Elektroauto liebäugeln, sondern seine alltäglichen Wege umorganisieren, sodass er sie zu Fuß, mit dem Radl/Pedelec oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen kann. Das gilt auch für Rathaus-Mitarbeiter.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Ein Gedanke zu „Zeit zum Abrüsten

  1. Gerhard Sailer

    Ich hatte am Wochenende die Gelgenheit einen BMWi3 Probe zu fahren. Ganz besitmmt ein tolles Auto und es ist auch ein gutes Gefühl, mit Strom unterwegs zu sein – aber: Wir werden uns, eben so wenig, wie die meisten von uns, nie selbst so ein Gefährt leisten können. Es sei denn im Wege des Carsharings zusammen mit vielen anderen. Und du hast recht: Würden wir unsere Autoflotte einfach auf Elektroautos umstellen, bliebe der Platzbedarf der gleiche – gar nicht mal so sehr der für den (mehr oder weniger) fließenden Verkehr, als der Bedarf an Stellplätzen. Und diesen Platz haben wir einfach nicht mehr. Die SZ berichtet heute im Münchener Teil über eine Tagung der Urbanauten in Tutzing (http://www.die-urbanauten.de/wordpress/?p=2762). Zitat: “ Bis 2030 rechnen Experten mit einer Zunahme der (Münchner) Bevölkerung um mehr als 200.000 Menschen. … Die eng gezogene Stadtgrenze hat zur Folge, dass nur noch Platz für etwa 50.000 neue Wohnungen vorhanden ist.“ Und für wie viele Autos? Garten- und Hofflächen und die Ränder unzähliger ruhiger Seitenstraßen opfern wir wie selbstverständlich geparkten Autos, die eben die meiste Zeit alles andere als AUTOmobil sind, anstatt sie unseren Kinder zum Spielen oder uns selbst zum Erholen und Flanieren zu schenken.
    Auch für Weßling gilt immer noch eine völlig überholte Stellplatzverordnung, die Flächen verschwendet, den uns allen doch ach so wichtigen „dörflichen Charakter“ zerstört und Bauen und Wohnen verteuert. Lasst uns abrüsten: Parkplätze und Garagen zu Fahrradständer!

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