STAdtradeln leicht rückläufig

Historie der Weßlinger STAdtradel-Ergebnisse

Historie der Weßlinger STAdtradel-Ergebnisse

Die Gemeinde Weßling hat dieses Jahr zum sechsten Mal am STAdtradeln teilgenommen. Im dreiwöchigen Aktionszeitraum vom 19. Juni bis 9. Juli haben 344 aktive Radlerinnen und Radler in 23 Teams 69.243 km zurückgelegt. Während die bundesweite Aktion Stadtradeln weiterhin stark wächst, sind die Teilnehmer- und Kilometerzahlen in Weßling wie fast im gesamten Landkreis STA leicht rückläufig. Dabei spielten sicherlich das übermächtige Fußballfieber und das durchwachsene Wetter in den ersten beiden Wochen eine Rolle, es ist aber auch eine gewisse STAdtradel-Müdigkeit sowohl bei den Radlerinnen und Radlern, als auch bei den Koordinatoren und Teamkapitänen erkennbar. Und so ist Weßling in der Bundeswertung Fahrradaktivste Kommune mit den meisten Radlkilometern pro EinwohnerIn mit 12,98 km erstmalig nicht unter den ersten drei, aber weiterhin mit Abstand führend im Landkreis.

In diesem Jahr hatte der Landkreis einen Preis von 2.000 € für die Kommune mit dem besten Ergebnis in der Wertung Fahrradaktivstes Kommunalparlament ausgelobt. Während in der Siegergemeinde Inning alle(!) Gemeinderäte mitmachten, ließen sich leider 14 der 21 Räte aus Weßling trotz freundlicher Aufforderung auch dieses Jahr nicht dazu bewegen, mit ihrer Teilnahme am STAdtradeln ein Zeichen für umwelt- und mitbürgerfreundliche Mobilität zu setzen – das ist entäuschend für die vielen ehrenamtlich tätigen STAdtradel-Engagierten im Ort. Allen STAdtradelverweigerern und –kritikern ist übrigens gemein, dass sie keinen konstruktiven Vorschlag für eine wirkungsvollere Aktion zur Förderung des Radfahrens haben.

Aber nach dem STAdtradeln ist vor dem STAdtradeln. Im kommenden Jahr werden die Karten neu gemischt und es besteht die Chance, mit neuen Ideen und Impulsen zu alter Stärke zurückzufinden. Der Anfang vom Ende des fossilen Zeitalters und die immer deutlicher erkennbare Zukunftsunfähigkeit der totalen Autogesellschaft werden den Zielen des STAdtradelns langfristig zum Durchbruch verhelfen – ganz unabhängig vom guten Willen der Weßlinger Gemeinderäte.

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Weßling wird radlfreundlicher

Es gibt gute Nachrichten für Weßlinger Radler und Fußgänger: Am Bahnhof wurde eine Servicestation für Fahrräder installiert, und der Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 wurde mit einer Beleuchtung ausgestattet.

Radlservicestation am Bahnhof

Radlservicestation am Bahnhof

Seit diesem Montag steht am Bahnhof hinter dem Eingang der Gemeindebücherei eine hochwertige Fahrradreparaturstation. Eine Radlaufhängung, angeleinte Werkzeuge und eine Luftpumpe ermöglichen es in unserem fahrradladenlosen Ort, Fahrräder wieder flott zu machen. Damit wird Weßling im Landkreis zum Vorreiter im Bereich Service, einer der vier Säulen der Radverkehrsförderung neben Infrastruktur, Information und Kommunikation.

Die Servicestation wurde entsprechend dem Vorschlag der Mobilitätswende mit dem Preisgeld für das landkreisbeste Ergebnis beim STAdtradeln 2015 angeschafft. Genauso wie die vorbildliche Abstellanlage beim Kiosk am See haben also die Weßlinger mit ihrem hervorragenden Einsatz beim STAdtradeln eine weitere gemeinnützige Einrichtung erradelt. Die Unkenrufe über sinnloses Gestrampel wurden einmal mehr widerlegt.

Geh- und Radwegbeleuchtung beim DLR

Geh- und Radwegbeleuchtung beim DLR

Weniger plakativ, aber mindestens genauso nützlich ist die neue LED-Beleuchtung des Geh- und Radwegs zwischen dem Kreisel beim Feuerwehrhaus und dem DLR. Sie ist insbesondere für in Richtung Weßling gehende Fußgänger, aber auch Radler segensreich, weil sie die starke Blendwirkung durch den auf der höher gelegenen Straße fahrenden Kfz-Verkehr entschärft.

Gemäß den vom Arbeitskreis Radverkehr STA erarbeiteten Qualitätskriterien für Alltagsradverbindungen sollen außerörtliche Wege nur dann beleuchtet werden, wenn sie hohes Rad- und Fußverkehrsaufkommen aufweisen. Dieses Kriterium ist zwischen Weßling und der DLR-Einfahrt erfüllt, sodass die Mobilitätswende einen entsprechenden Vorschlag machte, der vom Gemeinderat befürwortet wurde.

Beide Maßnahmen stellen deutliche Fortschritte auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Gemeinde Weßling, aber auch schöne Erfolge der Mobilitätswende dar. Wir danken Herrn Bürgermeister Muther, der Radverkehrsbeauftragten Frau Schuster, der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat für die konstruktive Zusammenarbeit – und sind gespannt auf Rückmeldungen der Nutzer.

Heute ist Autofahren nur noch gestrig.

Was, bitteschön, soll modern daran sein, wenn über eine Tonne Stahl in Gang gesetzt werden muss, um einen durchschnittlich siebzig Kilo schweren Menschen zu transportieren?

Heute ist das beste Auto das, das erst gar nicht gebaut wird.

Aus dem Kommentar Das Problem sind die Autos von Lioba Werrelmann auf wdr.de am 19. September 2015.

Buslinien: Hausaufgaben erledigen

Leserbrief zu den Beiträgen Expressbus zur U-Bahn und Hohe Kosten für neue Buslinien verärgern Weßlinger in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juni 2016

Mit immer neuen Buslinien kann man als Verkehrsmanagerin natürlich viel Lob einheimsen und kaum ein Gemeinderat kann es sich leisten da nein zu sagen, auch wenn ihn die hohen Kosten nerven. Hoch erscheinen die Kosten für diese Buslinien aber vor allem deshalb, weil weder Frau Münster noch der Weßlinger Gemeinderat die dazugehörigen Hausaufgaben erledigen. Die Weßlinger haben keinen Profit von Bussen die entweder leer durch das Gemeindegebiet fahren oder zu deren Endhaltestelle am Weßlinger Bahnhof immer mehr Pendler aus den Nachbargemeinden und den Weßlinger Ortsteilen mit ihren Autos nach Weßling kommen und den Ort nicht nur bei An- und Abfahrt, sondern auch noch den ganzen Tag über mit ihrem geparkten Fahrzeug belasten.

Verkehrsmanagerin und Gemeinderat müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass Park and Ride ein längst überholtes Verkehrskonzept der 60er und 70er Jahre ist. Moderne Konzepte bieten Lösungen dafür den ganzen Weg von Zuhause bis zum Ziel ohne Auto zurückzulegen. In Weßling werden diese Lösungen aber erst greifen, wenn die Parkplätze am Bahnhof reduziert werden. Ohne Längsparkplätze wäre in der Bahnhofstraße genug Platz für eine zusätzliche Buslinie und Radler und Fußgänger könnten sich endlich wieder sicher bewegen.

Und warum ist zum Beispiel der 955er Bus von Starnberg Nord nach Weßling zwar beliebt, aber tagsüber und am Samstag trotzdem meist leer? Er führt über Hochstadt und Oberpfaffenhofen und die Haltestellen in beiden Orten liegen im Ring 9. Sie wurden damit völlig willkürlich weiter nach außen verlagert als Weßling und Starnberg Nord.

Was das bedeutet? Nicht ganz so schlimm: Pendler aus Hochstadt nach München müssen eine Kurzstrecke zusätzlich stempeln. Viel schlimmer: Wer zum Beispiel von Hochstadt Schule mit dem Bus einen Krankenbesuch im Klinikum Starnberg erledigen möchte zahlt dafür sage und schreibe 5,40 € – für die einfache Fahrt von ca. 9 km Länge.

Im Vergleich dazu: Mit dem Expressbus von Starnberg Nord nach Buchenau zu fahren kostet 2,70 € für mehr als 30 km! Zwischen Hochstadt und Starnberg kostet der Bus-Kilometer also 60 Cent, zwischen Starnberg und Buchenau dagegen nur 9 Cent! Mit solchen Preisen und Preisunterschieden treibt man Fahrgäste zurück ins Auto oder man verleitet sie zum Schwarzfahren. Der Verweis auf eine Tarifreform am Sankt-Nimmerleinstag hilft da nicht weiter – da muss Frau Münster sofort aktiv werden. Und die Weßlinger Gemeinderäte sollten sie dabei kräftig unterstützen. Ansonsten investieren sie viel Geld in tolle Busse und der Profit für Weßling – weniger Autoverkehr – bleibt trotzdem aus!

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Radlständer-Vergleichstest 2016

Radlständer beim Edeka

Radlständer beim Edeka

Vor zwei Jahren führte die Mobilitätswende den ersten Radlständer-Vergleichstest durch, und im letzten Jahr gab es eine erste Aktualisierung. Nun liegen die Ergebnisse für dieses Jahr (Erhebung im Mai 2016) vor. Kategorisierung, Kriterien, Hinweise und Empfehlungen wurden im ersten Test ausführlich dargestellt und sind nach wie vor aktuell.

Radlständer für Kunden

In der Kategorie für Kunden gab es im Vorjahr keine Fortschritte. Diesmal sieht es etwas besser aus. Wegen des miserablen Zustands und der ungenügenden Kapazität des intensiv genutzten Radlständers beim Edeka legte die Mobilitätswende dem Geschäftsführer eine Planung inklusive Angebot für eine qualitativ hochwertige Abstellanlage vor. Zwar wurde diese leider nicht realisiert, es wurde aber wenigstens ein brauchbarer Ständer mit sechs Abstellplätzen zusätzlich zur alten Anlage installiert – mit der Note 2,3 nun immerhin der zweitbeste Weßlinger Radlständer in dieser Kategorie.

Vier neue Abstellplätze in unbefriedigender Qualität (Note 4,1) gibt es außerdem beim Restaurant Marina, und an der BK-Tankstelle steht nun ein etwas besseres Modell als zuvor. Im Übrigen sind die 2015 verschwundenen Radlständer bei Il Cielo Catering und bei der Spenglerei/Dachdeckerei Bernlochner wieder aufgetaucht. Damit erhöht sich die Gesamtanzahl von 204 auf 220, und die Durchschnittsnote verbessert sich von 3,7 auf 3,6 – genauso mäßig wie im Jahr 2014.

Öffentliche Radlständer

Radlständer am Spielplatz

Radlständer am Spielplatz

Auch bei den Radlständern für öffentliche Einrichtungen gab es leichte Verbesserungen. So wurde auf Anregung der Mobilitätswende ein im Bauhof deponierter Radlständer am Spielplatz installiert. Hierbei handelt sich um dasselbe Modell (wsm 2500) wie beim Rathaus und beim Edeka, welches eine brauchbare Standfestigkeit und einen sehr guten Diebstahlschutz bietet. Außerdem wurde die vorbildliche Abstellanlage am Kiosk in zwei Teile zerlegt, sodass jetzt vier Abstellplätze optimal zwischen Strand und Kiosk liegen, was zur neuen Bestnote 1,7 führt. Somit hat sich die Anzahl der Abstellplätze an öffentlichen Einrichtungen von 446 auf 450 erhöht und die Durchschnittsnote von 3,4 auf 3,3 verbessert.

Die Abstellanlage am Bahnhof ist nach wie vor zu klein und in miserablem Zustand. Entlang des südwestlichen Zweigs der S8 bildet sie zusammen mit Wörthsee das traurige Schlusslicht. Allerdings wurden beim Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Bahnhofsumfelds stark unterschiedliche Vorschläge für die Positionierung und Ausgestaltung der Radlständer gemacht, sodass es derzeit weiterhin keinen Sinn macht, die Anlage ohne Rücksicht auf die noch nicht vorliegende restliche Planung zu erneuern.

Halbe Kapazität zum vollen Preis

Viel zu geringer seitlicher Abstand: Bahnhof

Viel zu geringer seitlicher Abstand: Bahnhof

Allen neu installierten (und ebenso nahezu alle anderen) Abstellanlagen in Weßling haben den gemeinsamen Makel zu geringer seitlicher Abstände. Die Technischen Richtlinie TR 6102-0911 des ADFC und die neue DIN-Norm 79008-1 „Stationäre Fahrradparksysteme“ fordern 70 cm Abstand für höhengleiche und 50 cm für hoch-tief-angeordnete Abstellplätze. Bei geringeren Abständen (z. B. 35 cm beim Modell wsm 2500) ist nur jeder zweite Platz problemlos nutzbar, sodass man letztlich nur die halbe Kapazität zum vollen Preis erhält und sogar mehr Fläche je Radl verbraucht.

Auswertung

Auswertung der Kategorie: Öffentlich

Auswertung der Kategorie: Für Kunden

Auswertung als Tabellendokument

Fazit

Mit dem Radlständervergleichstest wollte die Mobilitätswende Gewerbetreibende und Gemeindeverwaltung motivieren, mehr und bessere Fahrradabstellanlagen zu installieren. In den vergangenen zwei Jahren hat sich diese recht aufwändige Aktion allerdings als wenig effektiv erwiesen. Offenbar lassen sich Entscheider eher über persönlich unterbreitete, konkrete Vorschläge, als über einen um Objektivität bemühten Vergleich überzeugen. Neben diesem direkten Weg wird sich die Mobilitätswende in Zukunft verstärkt für die Einführung einer verbindlichen Fahrradabstellplatzsatzung einsetzen.

In überentwickelten Konsumgesellschaften agiert die Politik nicht, sondern reagiert; sie eilt einem nötigen Kulturwandel zum Weniger niemals voraus, sondern bestenfalls in sicherem Abstand hinterher. Und weil sie sich darin seit 40 Jahren übt, ist sie an allen Abzweigungen in Richtung Nachhaltigkeit vorbeigerauscht. Jetzt geht es nicht mehr um die Vermeidung des Kollapses, sondern um seine Gestaltung.

Aus dem Beitrag Wege aus der Wachstumgsdiktatur von Niko Paech im Buch Wege aus der Wachstumgsgesellschaft, 2013.

Verkehrspolitik aus dem vergangenen Jahrhundert

Leserbrief zum Beitrag Groll aufs Staatliche Bauamt im Starnberger Merkur vom 5. März 2016

„Unverständnis und Verärgerung, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, über ein Amt, das konsequent alle Versuche ablehnt, entlang des Ortseingangs an der Staatsstraße den Verkehrslärm zu reduzieren und die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu verbessern” schreibt der Autor erfreulich klar und deutlich.

Tatsächlich lässt das Straßenbauamt Weilheim, aber auch die Untere Verkehrsbehörde des Landratsamtes und die örtlichen Polizeiinspektionen keine Möglichkeit aus, jede vernünftige Maßnahme zur Bändigung des allerorts unerträglich gewordenen Kfz-Verkehrs mit aller Wucht zu konterkarieren – lediglich der Neu- und Ausbau von Straßen für noch mehr Autos findet Zustimmung. Entgegen dem Wohl von geplagten Anwohnern und schwachen Verkehrsteilnehmern wird offenbar die Linie der Landesregierung durchgesetzt, für die unendliches Wachstum der bayerischen Premiumautobauer höhere Priorität genießt als menschen- und umweltgerechte Mobilität. Diese überholte, nicht zukunftsfähige Verkehrspolitik nach dem Motto „freie Fahrt für freie Bürger” aus den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts fällt selbst in der lobbykratischen Autorepublik Deutschland frappierend durch ihre Rückständigkeit aus der Reihe.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Statt sich mit einem zwei Tonnen schweren paramilitärischen Fahrzeug durch den Berufsverkehr zu quälen, um im Fitnessstudio auf einem elektrisch betriebenen Förderband zu joggen und sich dabei Werbespots für noch größere Autos auf einem Ultra-HD-Bildschirm anzusehen, kann es wesentlich wohltuender und gesünder sein, mit dem Fahrrad ein paar Runden durch die autofreie Stadt zu drehen.

Aus dem Buch Das Ende der Megamaschine von Fabian Scheidler, 2015.