Critical Mass Weßling

Am Abend des 27. April fand die erste Critical Mass in Weßling statt. Bürgerinnen und Bürger radelten bei traumhaftem Wetter gemeinsam für die Rückeroberung der Straßen durch den Ort. Mit mehr als 90 Radlerinnen und Radlern übertraf die Beteiligung die kühnsten Erwartungen bei Weitem.

Auf dem Weg zum Kreisel an der Dellinger Höhe

Die gefahrene Route führte vom Maibaum über die Hauptstraße zum Feuerwehrhaus in der Argelsrieder Straße, in umgekehrter Richtung durch die gesamte Hauptstraße bis zum Kreisel an der Dellinger Höhe, wieder zurück bis zur Einmündung in den Uferweg, dann entlang der geplanten Fahrradstraße Pfarrstadel bis zur Hochstadter Straße und schließlich über die Gautinger Straße zurück zum Maibaum.

Nicht zuletzt durch die entspannte und friedliche Stimmung des zum größten Teil aus Familien rekrutierten Teilnehmerfelds reagierten die allermeisten Kraftfahrer besonnen oder sogar freundlich auf die Aktion. Diese positive Atmosphäre sorgte im Anschluss für viel Zuspruch bei den teilnehmenden Radlerinnen und Radlern.

Critical Mass nach dem Motto „Wir behindern nicht den Verkehr – wir sind der Verkehr!” findet auch in Dachau, Freising, München und vielen weiteren Städten und Gemeinden in Deutschland und auf der Welt statt.

Eine unzerstörte Landschaft findet man heute bevorzugt in Tourismusprospekten und in der Automobilwerbung. Dort stehen die neuesten Automodelle auf Almwiesen oder sind auf kleinen Nebensträsschen unterwegs. Eine pervertierte Darstellung, in der die Täter ihr Opfer auch noch als Kulisse missbrauchen.

Aus dem Positionspapier Bessere Mobilität des Bund Naturschutz in Bayern e.V.

Rendezvous mit LaRa 1

von Gerhard Hippmann für Unser Dorf heute

Etwa die Hälfte aller Pkw-Fahrten ist kürzer als sechs Kilometer. In diesem Entfernungsbereich, der unserem Gemeindegebiet zuzüglich der unmittelbaren Nachbarorte entspricht, kann ein sehr großer Teil des unerträglich gewordenen Kraftverkehrsaufkommens durch Zufußgehen oder Fahrrad- bzw. Pedelecfahren ersetzt werden. In vielen Fällen kommt dennoch das Auto zum Einsatz, weil es den nötigen Transportraum z. B. für Einkäufe oder Kinder bietet. Dieses Problem kann durch Lastenfahrräder elegant gelöst werden.

Hochwertiges Lastenpedelec für Weßling: LaRa 1

Lastenräder sind das bildliche Yes we can des Radverkehrs. Viele Modelle unterstreichen diese Botschaft mit ansprechendem Design und machen ästhetisch Lust auf die Verkehrswende. So auch LaRa 1 (für „LastenRad Nummer 1”), ein hochwertiges Lastenpedelec vom Typ Riese & Müller Packster 60 nuvinci mit elektrischer Tretunterstützung bis 25 km/h. Auf der ca. 60×60 cm großen Ladefläche können Lasten bis 100 kg oder zwei Kinder bis sechs Jahre transportiert werden; für sie steht eine passende Sitzbank mit Anschnallgurten zur Verfügung. Durch seine zweirädrige Ausführung fährt sich LaRa 1 nach kurzer Eingewöhnung ähnlich wie ein gewöhnliches Pedelec. Der Fahrspaß ist enorm – und der Hinguckfaktor stellt locker jeden Porsche in den Schatten.

Kindertransport mit LaRa 1

LaRa 1 entspringt einer Spende aus dem Umfeld von Mobilitätswende, Radl Werkstatt sowie befreundeter Personen und Firmen. Pflege und Wartung übernimmt das Team der Radl Werkstatt. Seit dem letzten Sommer kann LaRa 1 von Mitgliedern der Nachbarschaftshilfe unkompliziert und kostenlos ausgeliehen werden. Nichtmitglieder sind mit einer Leihgebühr von drei Euro pro Stunde bzw. zehn Euro pro Tag dabei.

Um LaRa 1 zu buchen, können Sie eine E-Mail an lara-1(a)nbh-wessling.de senden oder während der Geschäftszeiten im Büro der Nachbarschaftshilfe anrufen (Tel. 3700) bzw. persönlich vorbei schauen. Die Verfügbarkeit ist in einem Kalender auf der Webseite nbh-wessling.de (unter „Veranstaltungen”) einsehbar. Nach Unterzeichnung eines Leihvertrags, Hinterlegung eines Ausweisdokuments und einer kurzen Einweisung können Sie mit LaRa 1 durchstarten.

Nicht nur Klima-, Natur- und Umweltschutz, sondern auch die Entlastung unserer Mitmenschen von Lärm, Abgasen und Lebensgefahr legen immer dringender nahe, unnötige Kfz-Fahrten zu vermeiden. Mit LaRa 1 erhalten alle Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde ein kostengünstiges Angebot, um verträgliche, attraktive und zukunftsfähige Mobilität zu erfahren. Nutzen Sie diese Chance auf ein Rendevous mit LaRa 1!

Durch unsere Arbeit bringen wir eine Bewegung für eine andere Mobilitätskultur ins Rollen. Eine Mobilität, die Menschen voran bringt, ohne ihnen zu schaden. Eine Mobilität bei der Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität im Mittelpunkt stehen. Darauf sind wir stolz.

Aus einem Brief der Bundesgeschäftsführerin Carolin Ritter an die Mitglieder des VCD Webseite vom 15. Februar 2018.

Alltagsradroute zwischen Steinebach und Weßling

Der Wirtschaftsweg zwischen Steinebach und Weßling ist eine Route des Alltagsradroutennetzes des Landkreises STA. Da es für diese Verbindung keine brauchbare Alternative gibt, ist sie der Kategorie „Hauptnetz” mit der zweithöchsten Netzbedeutung zugeordnet.

Wie die am Mittwoch dieser Woche fotografierten Bilder deutlich zeigen, ist diese sogenannte Alltagsradroute nach Schneefällen für Tage oder auch Wochen nicht mit dem Fahrrad befahrbar. Während das Kfz-Straßennetz völlig selbstverständlich mit gigantischem Aufwand schnee- und eisfrei gehalten wird, ist Winterdienst auf Wirtschaftswegen ohne befestigte Oberfläche schlichtweg nicht möglich. Dennoch wird im Maßnahmenkataster des Alltagsradroutennetzes für diesen und viele weitere derartige Wege keine Asphaltierung, sondern lediglich eine Verbesserung der unbefestigten Oberfläche vorgesehen – sie sind also mitnichten alltagstauglich und daran wird sich gemäß der aktuellen Planung auch nicht viel ändern.

Im letzten September hatte Dr. Harald Lossau, Gemeinderat der Gemeinde Wörthsee, einen Antrag zur Verbesserung der Radwege im Hauptnetz zwischen Weßling, Wörthsee und Seefeld gestellt. Darin wurde vorgeschlagen, die wichtigen Alltagsradrouten zwischen Steinebach und Weßling sowie zwischen Steinebach und Hechendorf mit einer Spritzdecke (Bitumen mit Split) zu versehen. Dieser Antrag fand aber nur im Gemeinderat Wörthsee eine Mehrheit. Der Weßlinger Gemeinderat lehnte einstimmig ab, weil er die Maßnahme als „nicht notwendig” erachtet und sich „nicht in vielen Kleinprojekten verzetteln” will. Daraufhin vertagte der Seefelder Gemeinderat seine Entscheidung auf unbestimmte Zeit.

Dieses Beispiel zeigt schmerzlich, dass es für die Asphaltierung von Wirtschaftswegen – und damit für die vollumfängliche Realisierung des Alltagsradroutennetzes STA – in der Regel keine politischen Mehrheiten gibt. Der größte Teil der Kommunalpolitiker entscheidet aus der Windschutzscheiben- und Freizeitradlerperspektive und kann die ganzjährige Nutzung von Fahrrädern als Alltagsverkehrsmittel auch außerhalb geschlossener Ortschaften nicht nachvollziehen. Dabei ist ärgerlich, dass keine Bemühungen aus dem Landratsamt erkennbar sind, ähnlich leidenschaftlich wie beim Linienbusverkehr zwischen den Kommunen zu vermitteln und sich für Maßnahmen für das Alltagsradroutennetz einzusetzen. Die Zertifizierung des Landkreises STA als Fahrradfreundliche Kommune verkommt zur Farce – und eine deutliche Erhöhung des Radverkehrsanteils im Rahmen einer überfälligen Verkehrswende bleibt Wunschdenken.

Nicht nur die anhaltende Marginalisierung des Alltagsradverkehrs steht der Umsetzung von interkommunalen Alltagsradverbindungen im Wege, sondern auch einige weitere schwer auflösbare Interessenlagen und Priorisierungen:

  • Naturschützer lehnen eine Flächenversiegelung für Radwege meist ab. Diese Haltung ist nur auf den ersten Blick nachvollziehbar, denn die Asphaltierung bestehender Wirtschaftswege ist nur ein minimaler Eingriff in die Natur, und letztlich führt die resultierende Verhinderung eines attraktiven Radroutennetzes zu Forderungen nach neuen Straßenbauprojekten mit meist unabwendbarer, massiver Naturzerstörung.
  • Grundstückseigentümer erklären sich nicht bereit Grund für den Bau von Radwegen zu verkaufen, weil sie den Kaufpreis als zu niedrig erachten oder sich eine Überschneidung mit bereits genutzten Flächen ergäbe. Nur für den Kfz-Straßenbau und außerhalb des Landkreises STA werden in solchen Fällen Enteigungsverfahren zur Wahrung der Interessen des Gemeinwesens eingeleitet.
  • Landwirte verhindern den Bau von Radwegen, um nicht für deren Reinigung infolge landwirtschaftlicher Verschmutzung verpflichtet zu werden.
  • Gemeinde- und Stadtverwaltungen sprechen sich gegen die Einführung von Alltagsradrouten auf ihrer Flur aus, um dort keinen Winterdienst leisten zu müssen.

Unter diesen Voraussetzungen besteht in absehbarer Zeit wenig Hoffnung auf die erfolgreiche Realisierung des geplanten Alltagsradroutennetzes. Bis ein entsprechender Bewusstseinswandel wie zum Beispiel in den Niederlanden stattfindet, wird sich die Mobilitätswende daher auf innerörtliche Radverkehrsprojekte konzentrieren.

Fotos: Rüdiger Knoblach

Wir müssen einen fundamentalen Irrweg korrigieren: Die Tatsache, dass wir es heute für akzeptabel halten, wenn täglich Millionen Menschen allein in fünfsitzigen, anderthalb Tonnen schweren, Gift und CO2 ausstoßenden, jährlich tausendfach tötenden Maschinen herumfahren. Maschinen, die ihrerseits wiederum 23 von 24 Stunden pro Tag herumstehen und damit für ein menschheitsgeschichtlich einmaliges Ausmaß an Flächenversiegelung und Platzverschwendung sorgen. Wir müssen uns die Welt von den Autos zurückholen.

Aus dem Beitrag Holen wir uns die Welt zurück! von Christian Stöcker auf Spiegel Online am 18. Februar 2018.

Mobilität für Menschen

Der VCD Kreisverband Fürstenfeldbruck-Starnberg und die Mobilitätswende Weßling laden am Montag, den 5. März, um 19:30 Uhr zum Fairkehrsforum im Nebenraum des Hotels Zur Post ein.

In fast jedem Ort im Großraum München zählt die wachsende Kfz-Verkehrsbelastung zu den drängensten Sorgen der Bürgerinnen und Bürger. Der öffentliche Raum wird vom Kraftverkehr dominiert. Lärm, Abgase und Lebensgefahr führen zu verwaisten Straßen und Ortszentren, die kaum mehr als Lebensraum genutzt werden.

Beim VCD Fairkehrsforum werden Ideen und Konzepte für die Rückeroberung der Straßen vorgestellt. In einem Vortrag mit anschließender Diskussion stellt Dr. Markus Büchler, Kreis- und Gemeinderat aus Oberschleißheim, die gegenwärtige Entwicklung in der Region München dar und zeigt anhand von erfolgreich umgesetzten Maßnahmen aus aller Welt, wie Mobilität für Menschen gestaltet werden kann.

Einen SUV zu fahren ist Ausdruck einer Nach-mir-die-Sint­flut-Haltung, die sich besten­falls noch naiv gibt. Die opti­sche, akus­ti­sche und ener­ge­ti­sche Aufrüs­tung des Indi­vi­du­al­ver­kehrs fügt sich nahtlos ein in den Prozess der schlei­chenden Entso­li­da­ri­sie­rung und Priva­ti­sie­rung des öffent­li­chen Raums. Im Design der klobigen Gesamt­form und der aggres­siven Front ist jene gesell­schaft­liche Bruta­lität aufge­spei­chert, die jene dazu treibt, es den anderen noch einmal vor Augen zu führen.

Aus dem Beitrag Autofahren im Design des Neoliberalismus: das SUV von Markus Caspers auf Geschichten der Gegenwart am 17. Januar 2018.

Rückblick auf das fünfte Jahr


Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Aktivitäten und Projekte der Mobilitätswende im vergangenen Jahr 2017.

Radldemo „Verkehrsraum fairteilen”

Am 1. Juli organisierte die Mobilitätswende die Radldemo Verkehrsraum fairteilen. Etwa 150 Radlerinnen und Radler traten mit einem Demonstrationszug von Gilching nach Mamhofen für einen Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik im Landkreis STA mit folgenden Forderungen ein:

  • Rad- und Fußverkehr dem Kraftverkehr gleichstellen
  • Kraftverkehr reduzieren
  • Fahrradfreundlichen Landkreis realisieren

Besonders erfreulich war dabei, dass mit der Bildung des Aktionsbündnisses „Verkehrswende STA” die wichtigsten Organisationen für nachhaltige Mobilität und Lebensweise an einem Strang zogen: Der ADFC Kreisverband STA, die Bund Naturschutz Kreisgruppe STA, der Energiewendeverein STA und der VCD Kreisverband FFB-STA. Enttäuschend war hingegen die geringe Presseresonanz, denn obwohl die unerträglich gewordene Belastung durch den Kfz-Verkehr in den meisten Landkreiskommunen ganz oben auf der Sorgenliste der Bürgerinnen und Bürger steht, wurde die Demo auf eine Lobbyveranstaltung für mehr Fahrradwege reduziert. Die Süddeutsche Zeitung verzichtete sogar komplett auf eine Berichterstattung.

Tempo 30

Es gibt überwältigende, wissenschaftlich untermauerte Argumente für eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften. Ähnlich wie auf Autobahnen und Landstraßen werden diese aber von der in Deutschland durchregierenden Autolobby ohne vernünftige Begründung erfolgreich marginalisiert. Als kleines Zugeständnis – und zur Vermeidung weiterer Debatten zu diesem Thema – wurde mit der Ende 2016 eingeführten Novelle der Straßenverkehrsordnung wenigstens die Einführung von Tempo 30 im unmittelbaren Bereich von Kindertagesstätten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern erleichtert.

Die Mobilitätswende initiierte daher die Beantragung von Tempo 30 auf der Weßlinger Straße im Bereich des Horts sowie auf der Hauptstraße im Bereich des altersgerechten Wohnhauses durch den Arbeitskreis mobil & lebenswert. In beiden Fällen führte der Antrag im Herbst schließlich zur Einführung von jeweils 300 m langen Tempo-30-Abschnitten. Es ist ein schöner Erfolg des AK mobil & lebenswert, dass diese seit Jahrzehnten geforderten Geschwindigkeitsbegrenzungen endlich durchgesetzt werden konnten. Neu und erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass Gemeinderat und -verwaltung nicht mehr widerstandslos den Empfehlungen von Unterer Verkehrsbehörde, Straßenbauamt und Verkehrspolizei folgen, sondern selbstbewusst die Interessen der Weßlinger Bürgerinnen und Bürger vertreten.

Auch die Realisierung des Ende 2014 von der Mobilitätswende vorgelegten Tempo-30-Konzepts wurde im AK mobil & lebenwert diskutiert. Da sich jedoch die Beantragung einer verwässerten Variante abzeichnete, stellten wir unsere Aktivitäten in dieser Sache vorerst ein.

Fahrradstraßen

Im Juli wurde bekannt, dass die Klassenstufen der Grundschule ab dem Schuljahr 2017/2018 jeweils in einem der beiden Schulhäuser unterrichtet werden. Die Mobilitätswende nahm den dadurch zu erwartenden zusätzlichen Radverkehr durch pendelnde Schulkiner zum Anlass, die Einführung zweier Fahrradstraßen vorzuschlagen. Diese Idee wurde sowohl im AK mobil & lebenswert als auch bei vielen Weßlinger Radlerinnen und Radlern wohlwollend bis begeistert aufgenommen. Wegen der überwältigenden Zustimmung setzte sich die Mobilitätswende federführend dafür ein, einen entsprechenden Gemeinderatsantrag im AK mobil & lebenswert zu erarbeiten und einzureichen. Obwohl es sich um eine für Weßlinger Verhältnisse sehr progressive Maßnahme zur Radverkehrsförderung handelt, kam der Vorschlag mittlerweile auch im Gemeinderat überraschend gut an und wurde einstimmig(!) angenommen.

Bushaltestelle beim Hort

Im Rahmen der Erneuerung von Kanalisation und Fahrbahndecke in der Dorfstraße wurde im Sommer auch die Bushaltestelle beim Hort neu gestaltet. Wie von der Mobilitätswende seit Jahren gefordert und Ende 2016 vom Gemeinderat beschlossen, wurde der Bürgersteig deutlich verbreitert und barrierefrei ausgeführt. Auch die Installation einer Überdachung wurde mittlerweile beschlossen.

Verkehrsberuhigter Bereich

Bereits im Jahr 2015 hatte die Mobilitätswende die Anwohner im Sackgassenbereich Herbststraße-Winterweg-Walchstadter Weg bei der Formulierung und Einreichung eines Gemeinderatsantrags zur Einführung eines Verkehrsberuhigten Bereichs unterstützt. Dieser Antrag fand nicht nur die Zustimmung des Gemeinderats, sondern erstaunlicherweise auch der Verkehrspolizei. Daher gibt es seit November neben dem Höhenrainäcker einen zweiten Verkehrsberuhigten Bereich in Weßling.

Radlständer

Da sich in der Gemeinde Weßling in Sachen Fahrradabstellanlagen von Jahr zu Jahr leider nur sehr wenig tut, hat die Mobilitätswende in 2017 auf einen aktualisierten Radlständervergleichstest verzichtet und stattdessen ein konkretes Projekt angestoßen. Da die Abstellanlage am Schulhaus Weßling im Schuljahr 2016/2017 häufig überlastet war, schlug die Mobilitätswende vor, einen zusätzlichen Radlständer mit Überdachung und Ansperrmöglichkeit zu installieren. Als Ergebnis eines Ortstermins mit Schulleitung, Lehrerinnen, Elternbeiräten und Gemeinderäten erstellten wir eine Grobplanung, die heuer hoffentlich umgesetzt wird.

Radl Werkstatt, Ferienprogramm und freies Lastenpedelec

Der Flüchtlingansturm im Sommer 2015 hat viele hilfsbereite Weßlingerinnen und Weßlinger zusammen gebracht. Aus der Helfergruppe Radl für Flüchtlinge entwickelte sich die Radl Werkstatt, welche sich mittlerweile zu einer festen Institution etabliert hat. Sowohl die Gäste, die sich zu etwa gleich großen Teilen aus Geflüchteten und Einheimischen zusammen setzen, als auch das auf acht Helfer angewachsene Reparaturteam möchten die technisch wie sozial bereichernden Donnerstagabende nicht mehr missen.

Im August führte die Radl Werkstatt im Rahmen des Ferienprogramms der Nachbarschaftshilfe einen Radl-Reparaturkurs für Kinder ab neun Jahren durch. Zwei Mädchen und drei Jungen lernten, wie man einen Platten flickt, um anschließend zum Eisessen zu radeln.

Durch eine Spende aus dem Umfeld von Mobilitätswende, Radl Werkstatt und befreundeten Personen und Firmen gelang es im Sommer außerdem, das schicke Lastenpedelec LaRa 1 anzuschaffen, das seit September von Mitgliedern der Nachbarschaftshilfe kostenlos ausgeliehen werden kann. Pflege und Wartung werden vom Team der Radl Werkstatt übernommen.

STAdtradeln

Im Sommer nahm die Gemeinde Weßling zum siebten Mal am Stadtradeln teil. Mit 322 aktiven Radlerinnen und Radlern, die im dreiwöchigen Aktionszeitraum 62.241 Kilometer zurücklegten, belegte Weßling den beachtlichen dritten Platz im Landkreis. In der Wertung Kilometer pro Einwohner lagen die 19 Weßlinger Teams mit 11,567 Kilometer einmal mehr deutlich vor allen anderen Landkreiskommunen.

Verkehrszählung auf der Hauptstraße

Im November wiederholte die Mobilitätswende die vor zwei Jahren erstmalig durchgeführten Verkehrszählungen auf der Hauptstraße. Beim Gasthof Zur Post und beim Einrichtungshaus Hof Art ergaben sich um 27 bzw. 26 % geringere Verkehrsstärken als vor Eröffnung der Umgehungsstraße. Auch das Geschwindigkeitsniveau war diesmal erfreulicherweise etwas niedriger.

Sonstiges

Im vergangenen Jahr wurden vom AK mobil & lebenswert überdies einige weitere Maßnahmen für den Fuß- und Radverkehr initiiert bzw. beschlossen (Alltagsradroutennetz, Rotmarkierung von Radwegfurten, Bordsteinabsenkungen, Radlständer Freizeitheim), die hoffentlich in den kommenden Monaten realisiert werden. Es ist sehr erfreulich, dass die Mitarbeit im Arbeitskreis zunehmend Früchte trägt. Darüber hinaus beteiligte sich die Mobilitätswende in der Regel an den monatlichen Treffen der AG Radverkehr.

In einigen Leserbriefen sowie Artikeln für UNSER DORF heute hielt die Mobilitätswende auch im Jahr 2017 die Fahne für menschen- und umweltfreundliche Mobilität hoch. Einschlägige Sach- und Fachliteratur stellte sie in erweitertem Umfang der Gemeindebücherei zur Verfügung.

Fazit

Seit Ende 2012 engagiert sich die Mobilitätswende für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde Weßling. Auch im fünften Jahr wurden zahlreiche Aktionen und Projekte erfolgreich durchgeführt bzw. angestoßen. Während die große Politik auf Bundes- und Landesebene bei der dringend notwendigen Einleitung einer Verkehrswende bisher völlig versagt, geben die jüngsten Beschlüsse des Weßlinger Gemeinderats zu Tempo 30, Fahrradstraßen und Verkehrsberuhigtem Bereich Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Ernüchternd ist allerdings die alltägliche Erfahrung im Ort: Ob Edeka, Kindergarten, Elternabend, Grünsinker Feste, Baden im See und selbst Fitnessstudio, für Entfernungen von wenigen Kilometern benutzt die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger noch immer tonnenschwere Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die viel mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Ein Ende des fossilen Denkens ist also nach wie vor nicht absehbar – wir bleben dran…

Während das Kraftfahrzeug brachial Raum und Leben fordert und das Klima schädigt, ermöglicht das Fahrrad neben dem Zufußgehen die natürlichste und raumschonendste Art, vom Fleck zu kommen. Besser noch, wir Pedalisten verbrennen dabei ausschließlich das körpereigene Fett.

Aus dem Lexikon übers Radfahren Problemradler von Johann-Günther König in der Freitag Ausgabe 19/2017.