Archiv des Autors: Gerhard Hippmann

Highway to Bell

Nach bald zwei Jahren seit Eröffnung der Westumfahrung hat sich bei den meisten Bürgerinnen und Bürgern Ernüchterung breit gemacht, denn der Rückgang der Verkehrsbelastung in der Hauptstraße ist subjektiv kaum wahrnehmbar und nichtmotorisierte Menschen meiden sie nach wie vor so weit wie möglich. Als zweifellos positive Wirkung bleibt allerdings die vom Kfz-Verkehr weitgehend befreite Grünsinker Straße, welche hinter der Grünsinker Kapelle sogar für den Durchgangskraftverkehr gesperrt wurde. Hier haben Fußgänger und Radfahrer die Straße zurück erobert und man kann getrost von einem kleinen Paradies für menschen- und umweltfreundlich mobile Menschen sprechen.

Überdimensionierte Kfz-Straße statt Allee für Fußgänger und Radler

Um die Straße der neuen Nutzung entsprechend umzugestalten, hatten die Ortsgruppe Weßling des Bund Naturschutz und die Mobilitätswende im vorigen Jahr vorgeschlagen, die Straße von derzeit sechs Metern auf ca. vier Meter zu verschmälern und eine Allee zu pflanzen. Bedauerlicherweise wurden beide Ideen von Anrainern und Gemeinderäten abgelehnt. Als Begründung wurden die kostenlose Sanierung der bestehenden Straße durch das Straßenbauamt sowie zu hoher Aufwand durch im Boden verlegte Leitungen genannt. So müsse sich die Gemeinde für Jahrzehnte nicht mehr um die Straße kümmern. Nur in unmittelbarer Nähe der Kapelle wurde eine Umgestaltung der Fahrbahn beschlossen.

Verworfener Beschilderungsvorschlag der Mobilitätswende

Im Juli führte das Straßenbauamt die Sanierung durch. Dabei wurden die geplanten Änderungen allerdings nicht berücksichtigt, weil die Gemeinde keine Haushaltsmittel für die dafür erforderliche Entsorgung des teerhaltigen Asphalts zur Verfügung hatte. Daher führt nun nach wie vor eine sechs Meter breite Landstraße bis zum Beginn des Geh- und Radwegs hinter der Kapelle. Obwohl sie überwiegend von Fußgängern und Radlern benutzt wird, weist sie einen Querschnitt für Verkehrsstärken zwischen 3.000 und 10.000 Kfz/Tag auf und die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt weiterhin 100 km/h. Auch in der Kommunikation kann sich die Gemeindeverwaltung nicht von alten Denkmustern lösen: Während viele andere Kommunen (z. B. Dachau 1, Dachau 2, und Ismaning) längst empfehlen, ihre Veranstaltungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu besuchen, werden die Besucher der Grünsinker Feste weiterhin lediglich auf die gute Erreichbarkeit mit dem Auto hingewiesen.

Grünsinker Kapelle an der erneuerten Asphaltpiste

Bei Außenstehenden kann die völlig überdimensionierte Straße nach Grünsink nur für Kopfschütteln sorgen. Frappierend ist dabei nicht nur das fehlende Gespür für eine ansprechende Gestaltung des Straßenraums mit angemessenen Proportionen, sondern auch die darin zum Ausdruck gebrachte Zukunftsvergessenheit. Denn der Rückbau der ehemaligen Staatsstraße und die aufwändige Entsorgung des giftigen Asphalts wurden ohne Not zukünftigen Generationen aufgebürdet.

Rekordergebnis für Weßling beim STAdtradeln

Historie der Weßlinger STAdtradel-Ergebnisse

Nach rückläufigen Ergebnissen in den beiden Vorjahren erzielten die Weßlinger Radlerinnen und Radler beim diesjährigen STAdtradeln ein Rekordergebnis. 435 aktive Teilnehmer in 28 Teams übertrafen mit 93.374 gefahrenen Kilometern selbst das Resultat aus dem Super-STAdtradeljahr 2013.

Damit belegten sie bei den Gesamtkilometern den dritten Platz im Landkreis hinter den deutlich einwohnerstärkeren Kommunen Starnberg und Gauting. In der Wertung Kilometer pro Einwohner liegt Weßling im Landkreis wie immer mit großem Abstand an der Spitze und deutschlandweit auf Rang sechs von 877 teilnehmenden Kommunen. Ebenfalls rekordverdächtig ist das erneut miserable Abschneiden des Weßlinger Gemeinderats, der durch das schlechteste Ergebnis aller Kommunalparlamente im Landkreis auffiel.

Die unerwartet starke Leistung der Weßlinger kann nicht nur durch die günstige Witterung während des dreiwöchigen Aktionszeitraums erklärt werden, denn in fast allen anderen Landkreiskommunen lief es nicht dermaßen gut. Als entscheidende Leistungsträger stechen erfreulicherweise die vielen Firmenteams hervor. Auch das hervorragende Ergebnis des Teams Die Radelnden Superhelden der Grundschule Weßling und die erstmalige Teilnahme der Freiwilligen Feuerwehr Weßling stechen positiv hervor. Nicht zuletzt könnten aber auch das umfangreiche und vielseitige Programm (inklusive Semmelservice) sowie erkennbare Fortschritte auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Gemeinde für besonders hohe Motivation bei den teilnehmenden Radlerinnen und Radlern gesorgt haben.

Wir danken allen Teamkapitänen und Teilnehmern dafür, dass sie die wachsende Bedeutung des Radverkehrs in unserer Gemeinde einmal mehr so eindrucksvoll demonstriert haben. Mit solchem Rückenwind macht der Einsatz für nachhaltige Mobilität in Weßling Sinn und Freude.

Semmelservice

Verwöhnaktion der Mobilitätswende für Weßlings STAdtradler

Wer kennt das nicht? In vielen Urlaubsorten kann man sich jeden Morgen die Frühstückssemmeln an die Tür der Ferienwohnung liefern lassen. Tja, dachte ich mir, das wäre doch auch in Weßling eine tolle Sache, samstags auf diese Weise ein bisschen Urlaubsgefühle zu verbreiten. Und jetzt, wo mit LaRa 1 das geeignete Gefährt dafür bei der Nachbarschaftshilfe bereitsteht, war endlich der Zeitpunkt da, diesen schon lange gehegten Gedanken in die Tat umzusetzen.

LaRa 1 im Semmelservice-Einsatz

Also nahmen wir an allen drei STAdtradel-Samstagen den „Semmelservice“ in die Terminliste des Weßlinger STAdtradelns auf. Zum Start kamen mir unsere beiden Bürgermeister, Michael Muther und Michael Sturm, zu Hilfe. Sie wollten sich gerne bei den STAdtradel-Aktiven für ihr Engagement bedanken und griffen meinen Vorschlag, allen Team-Kapitänen eine prall gefüllte Semmeltüte vor die Haustür zu stellen, begeistert auf. Um 6:30 Uhr ging es los. Den Duft der frisch gebackenen Semmeln in der Nase und erstaunte Blicke einiger Frühaufsteher einheimsend, sauste ich mit LaRa 1 durch den Ort. Es war einfach eine Freude, die Semmeltüten mit einer netten Danke-Karte von der Gemeinde an den vielen Haustüren abzulegen, an die noch schlafenden Bewohner zu denken und sich vorzustellen, wie sie später ihre Semmeln ins Haus holen würden.

Aber dann wurde es spannend. Würden auch Weßlings STAdtradler den Service annehmen? Ein bisschen zögerlich waren sie anfangs schon, aber dann kamen tatsächlich die ersten Bestellungen per E-Mail oder WhatsApp bei mir an. Von „uns war es in der Tat etwas unangenehm diesen Service anzunehmen. Aber gut, damit bewerben wir uns bei Dir!“ bis „Welch geniale Idee!“ reichten die Reaktionen. Die vielen Einladungen zum Kaffee, die mit den Bestellungen verbunden waren, konnte ich leider nicht annehmen – da wären die letzten Kunden ja erst gegen Mittag bedient worden. Über die Danke-Mails und -Fotos habe ich mich aber sehr gefreut.

Semmeln mit Danke-Karte von Bürgermeister Muther

Nach drei Samstagen hatte ich dann schon ein paar Stammkunden. Ob man so einen Service aber auch dauerhaft etablieren könnte? Schließlich setzen sich jeden Samstag und Sonntag ganz viele Menschen ins Auto, um sich Frühstückssemmeln zu holen. Bestimmt ließe sich mit einem Lieferservice so manche Autofahrt vermeiden, oder?

Gerhard Sailer

Der motorisierte Individualverkehr ist nicht nur schlecht für Umwelt und Gesundheit, braucht viel zu viel Platz und fordert zu viele Todesopfer, er ist zudem auch noch das Produkt einer verlogenen und amoralischen Industrie, die ihre Kunden belügt und alle anderen vergiftet.

Aus dem Artikel Radfahren ist mein Gebet von Hannes Leitlein in der Zeit am 22. Juni 2018.

Mangelhaft fahrradfreundlich

Leserbrief zum Beitrag Meldesystem mit Macken in der Süddeutschen Zeitung vom 3. Juli 2018

Ein funktionierendes Meldesystem für Mängel bei der Fahrradinfrastruktur gehört eigentlich zu den wesentlichen Eigenschaften einer fahrradfreundlichen Kommune. Obwohl der Landkreis als solche zertifiziert ist, weist er bis heute kein entsprechendes System auf. Egal auf welchem Weg man Mängel meldet, man bekommt keine Antwort. In vielen Fällen kümmert sich offensichtlich auch niemand um die Behebung der Mängel. Wie anders ist es zu erklären, dass zum Beispiel am Golfplatz Wörthsee die Radfahrer per grünem Radwegweiser auf die neue, für Radfahrer lebensgefährliche, Umfahrungsstraße von Weßling geschickt werden, anstatt auf den sicheren Radweg, der über Grünsink nach Weßling führt. Der Wegweiser müsste nur um 25 m versetzt werden, was aber seit zwei Jahren trotz zahlreicher Hinweise an das Landratsamt nicht geschieht. Auch mit einem transparenten Mängelmeldesystem, wie dem vom Klimabündnis angebotenem RADar!, wird sich nichts zum Besseren wenden, wenn die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes nicht dazu angehalten werden, Mängelmeldungen ernst zu nehmen und sich unverzüglich darum zu kümmern. Hier sind eindeutig Landrat und Verkehrsmanagerin in der Pflicht!

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Wir sind in einem hohen Maße abhängig von Autos – selbst in den Zentren. Das, was wir hier derzeit machen, lässt sich global nicht übertragen, das ist nicht zukunftsfähig. Diese Herumfahrerei wird vom Energiebedarf bis zu den Umweltfolgen nicht auszuhalten sein für den Planeten.

Aus dem Interview Wir brauchen eine Mobilitätswende mit Prof. Helmut Holzapfel im Weser Kurier vom 19. Juni 2018.

Fortschritte auf dem Weg zur radlfreundlichen Gemeinde

von Gerhard Hippmann für Unser Dorf heute

Die Radlabstellanlage am Bahnhof genügt längst nicht mehr den heutigen Anforderungen.

In vom Kfz-Verkehr geplagten Kommunen können Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit durch fahrradfreundliche Infrastruktur erheblich verbessert werden. In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis mobil & lebenswert und durch lobenswerte Unterstützung des Gemeinderats konnte die Mobilitätswende in den letzten Monaten die folgenden Maßnahmen anstoßen, welche große Fortschritte auf dem Weg zur radlfreundlichen Gemeinde darstellen.

Wie bereits in der letzten Ausgabe berichtet, hat der Gemeinderat die Einrichtung zweier Fahrradstraßen „Bahnhof” (vom Sportplatz zum Maibaum) und „Pfarrstadel” (vom Uferweg zur Ettenhofener Straße) beschlossen. Mittlerweile kam auch von der Unteren Verkehrsbehörde grünes Licht, sodass der Umsetzung nichts mehr im Wege steht. Zu Redaktionsschluss war noch nicht bekannt, wann die Gemeindeverwaltung zur Tat schreiten wird.

Exkursion von Mobilitätswende-Aktiven mit
Radlständer-Praxistest.

Der sehnlichste Wunsch der meisten Radlerinnen und Radler in unserer Gemeinde ist sicherlich die Erneuerung der qualitativ und quantitativ unzureichenden Fahrradabstellanlagen am Bahnhof. Nachdem im Februar bekannt wurde, dass der Bahnhof erst 2026 barrierefrei umgebaut wird, und zudem der Fördersatz für Bike+Ride-Anlagen in 2018 auf 75 % erhöht wurde, nahm sich der AK mobil & lebenswert dieser Sache an. Mittlerweile liegen Konzeptplanungen in mehreren Varianten vor, die genügend viele Abstellplätze mit sicherem Stand, ausreichendem Seitenabstand, Rahmenansperrmöglichkeit, Überdachung und Beleuchtung bieten. Nach Abstimmung mit dem Ortsbildbeirat soll der erste Teil der Maßnahmen noch vor der Sommerpause im Gemeinderat beantragt und noch in diesem Jahr realisiert werden. Der zweite Teil ist für nächstes Jahr vorgesehen. Falls möglich sollen die alten Überdachungen für die Flüchtlingsunterkünfte weiterverwendet werden. Drücken Sie mit uns die Daumen, dass alles so klappt!

Auch die Radlabstellanlage des Weßlinger Schulhauses wird demnächst bedarfsgerecht erweitert und aufgewertet. Hier sind zusätzlich 24 Rollerständer und zwölf hochwertige, überdachte Radlständer geplant.

Seit vielen Jahren versucht die Mobilitätswende, einige rotmarkierte Radwegfurten im Gemeindegebiet durchzusetzen. Genauso wie Fußgängerüberwege (Zebrastreifen) werden diese im Landkreis Starnberg allerdings von Landratsamt, Straßenbauamt und Polizei stets mit merkwürdigen Begründungen abgelehnt. Dank ausdauerndem Einsatz der Verwaltung ist es nun endlich gelungen, eine erste Markierung über die Einfahrt zum Aldi anzubringen. Um drei weitere Furtmarkierungen (Buchenweg, Nelkenweg, Neuhochstadter Straße) wird weiter gerungen.

Fehlende Bordsteinabsenkung beim Edeka.

Auch beim Thema Bordsteinabsenkungen tut sich jetzt erfreulicherweise etwas. Die Mobilitätswende hatte 2013 eine priorisierte Liste mit 28 fehlenden Bordsteinabsenkungen im Gemeindegebiet erstellt, von denen in diesem Jahr die wichtigsten barrierefrei umgebaut werden. Davon profitieren nicht nur radelnde und rollernde Kinder, sondern auch behinderte und mobilitätseingeschränkte Menschen.

Wie die umfangreiche Zusammenstellung zeigt, gibt es in unserer Gemeinde in Sachen Radlinfrastruktur zurzeit viel Bewegung in die richtige Richtung.

Eine Flugreise ist ökologisch so ziemlich das schlimmste Verbrechen, das eine einzelne Personen anrichten kann. Die Klimagasemissionen erwärmen die Erde mit verheerenden Folgen für Ökosysteme und Artenvielfalt. Fluglärm und Schadstoffe kommen noch dazu. Die Folgen sind tödlich.

Aus dem Kommentar Eine Flugreise ist das größte ökologische Verbrechen von Catherine Hoffmann in der Süddeutschen Zeitung vom 30. Mai 2018.