Archiv des Autors: Gerhard Hippmann

Gemeinderat enttäuscht beim STAdtradeln

Historie der Weßlinger STAdtradel-Ergebnisse

Beim diesjährigen STAdtradeln legten 19 Weßlinger Teams mit 322 Teilnehmerinnen und Teilnehmern 62.241 km mit dem Radl zurück. Trotz der beiden neuen starken Teams OHB System AG und Verkehrsraum fairteilen setzte sich damit der leicht rückläufige Trend aus dem letzten Jahr fort. Wie in den meisten Landkreiskommunen fiel es Koordinatoren und Radlern im siebten Jahr schwer, das Motto Mit neuem Schwung mit Leben zu erfüllen und ein STAdtradel-Fieber wie im Glanzjahr 2013 zu entfachen.

Im Landkreisvergleich liegt die Gemeinde Weßling bei den Gesamtkilometern auf dem beachtlichen dritten Platz hinter Gauting und Starnberg, und in der Wertung Kilometer pro Einwohner mit 11,567 km wieder einsam an der Spitze. Während die Bürgerinnen und Bürger also einmal mehr ihre Freude am Radeln unter Beweis stellten, enttäuschte der Gemeinderat mit nur drei aktiven STAdtradlern, die im Landkreis auf dem zwölften von 14 Plätzen landeten. Dermaßen demonstratives Desinteresse und fehlendes Verständnis für Radverkehrsförderung ist angesichts der weiterhin massiven Verkehrsbelastung im Ort nicht nachvollziehbar.

Die Mobilitätswende dankt allen Teamkapitänen und Radlern fürs Mitmachen, denn nur wenn der Radverkehr deutlich sichtbar wird, kann er in der Kommunalpolitik im erforderlichen Maße Beachtung finden.

Verträglich mobil mit Pedelec und Anhänger

von Gerhard Hippmann für Unser Dorf heute

Trotz S-Bahn-Anschluss mit 20-Minuten-Takt ist Weßling mit 840 Kfz pro 1000 Einwohnern die Kommune mit dem dritthöchsten Motorisierungsgrad im Landkreis. Dieser Wert liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt (572) und selbst den USA (797), und die Tendenz ist immer noch steigend. Doch auch in unserer Gemeinde gibt es Menschen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und ihre Autoabhängigkeit bewusst reduzieren. Wir stellen einige von ihnen vor.

Anna Eibl-Eibesfeldt lebt mit ihrer fünfköpfigen Familie im Ortsteil Weßling. Beide Eltern sind berufstätig und kommen dennoch ohne Zweitauto aus. Stattdessen nutzen sie neben ihrem Pkw ein Pedelec mit zweisitzigem Kinderanhänger. Damit haben sie seit der Anschaffung im Herbst 2015 bereits 4000 km zurückgelegt.

Zuvor hatte Anna ein gewöhnliches Mountainbike benutzt, doch durch das Zusatzgewicht des Anhängers hatten sich Rücken- und Knieschmerzen eingestellt. Beim Pedelec hingegen hilft ein Elektromotor bei Fahrgeschwindigkeiten bis 25 km/h beim Treten: Je nach am Lenker per Tastendruck einstellbarer Unterstützungsstufe muss nur ein Teil der Antriebsleistung von der Fahrerin aufgebracht werden. Das fühlt sich an wie Radeln mit Rückenwind – oder eben ohne die Bremswirkung des Anhängers oder von kräftezehrenden Steigungen.

Mit einer Akkuladung kann Anna je nach Beladung und Unterstützungsstufe 35 bis 85 km weit fahren. Zum Aufladen lässt sich der Akku einfach abnehmen, es wird also keine Ladestation am Abstellplatz benötigt. Übrigens unterscheiden sich Pedelecs straßenverkehrsrechtlich nicht von gewöhnlichen Fahrrädern (gleiche Regeln zur Radwegebenutzung, Anhänger erlaubt, keine Helm- und Versicherungspflicht).

Lastentransporte mit dem Kinderanhänger: Gartenabfall, Großeinkauf, Weihnachtsbaum, TV-Gerät und Kinderfahrrad.

Die Kombination aus Pedelec und Anhänger ist eine kluge Idee: Mit wenigen Handgriffen lässt sich die Kupplung trennen, sodass der Anhänger nur bei Bedarf gezogen werden muss und platzsparender abgestellt werden kann. Dabei eignet sich ein geräumiger Kinderanhänger mit zwei Plätzen nicht nur für Kinder bis sieben Jahre, sondern auch für vielerlei Lastentransporte.

Anna erledigt mit ihrem genialen Gespann zu jeder Jahreszeit nicht nur Kindertransporte und Einkäufe im Gemeindegebiet, sondern auch Alltagsfahrten nach Hochstadt, Gilching und Seefeld. Und wenn sie nach Germering zur Arbeit fährt, schätzt sie es besonders, dort unverschwitzt anzukommen.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten, etwa wenn der Akku zu Ende geht und sich das relativ schwere Gefährt dann nur noch recht mühsam fortbewegen lässt. Oder wenn Anna, wie in diesem Januar geschehen, von einem Autofahrer übersehen wird, der ohne die Stopschilder zu beachten mit hoher Geschwindigkeit von der Gautinger Straße in die Hauptstraße einbog und sie nur knapp verfehlte. Dennoch zieht die Weßlingerin eine positive Bilanz: „Die meiste Zeit macht es Spaß, entspannt mich und die Landschaftserlebnisse sind inspirierend.”

In Deutschland sind bereits mehr als drei Millionen Pedelecs im Einsatz. Wenn auch Sie mit einem Pedelec menschen- und umweltfreundlicher mobil werden möchten, empfehlen wir eine Beratung mit Probefahrt im Fahrradfachhandel. Gerne können Sie auch über die Kommentarfunktion Fragen zu diesem Artikel stellen.

Aktionsbündnis Verkehrswende STA freut sich über gelungene Radldemo


Petrus meinte es denkbar gut mit den Teilnehmern der Radldemo, die am Samstag, 01. Juli 2017, dem Ruf von Mobilitätswende Weßling, ADFC Kreisverband Starnberg, VCD Kreisverband Fürstenfeldbruck-Starnberg, Bund Naturschutz Kreisgruppe Starnberg und Energiewendeverein Landkreis Starnberg gefolgt waren. Bei schönstem Sonnenschein starteten rund 120 Radfahrer auf eine 12 km lange Tour, die überwiegend auf Autostraßen von Gilching über Unterbrunn, Oberbrunn und Hanfeld bis nach Mamhofen führte.

Bereits bei seinem Zusammentreffen am Gilchinger Marktplatz erregte der bunte Trupp Aufmerksamkeit: Radfahrer aller Altersgruppen, vom Grundschulkind bis zum Senior waren dort versammelt – mit Alltagsrädern, Rennrädern, Lastenrädern und Liegerad. Sogar ein selbst gebautes Gehzeug, eine einfache Konstruktion, die den Raumbedarf eines kleinen PKW veranschaulicht, war zu bestaunen. Die Politik wurde vor Ort vertreten durch Christian Winkelmeier, Bundestagskandidat der SPD. Kerstin Täubner-Benicke, Bundestagskandidatin der Grünen, hatte eine Grußadresse geschickt. Leider fehlten die Bürgermeister der betroffenen und anliegenden Gemeinden sowie Landrat Karl Roth.

In seiner kurzen Begrüßung erklärte Gerhard Sailer, Sprecher der Mobilitätswende Weßling, warum die Demoroute exemplarisch für die vielen Mängel im landkreisweiten Radwegnetz steht: Mit der Umfahrung Unterbrunn wurde eine zweite Autostraße parallel zur alten Trasse gebaut, aber es wurde versäumt

  1. die alte Trasse den Radlern zu geben,
  2. fehlende Radwegstücke entlang der Staatsstraße zu ergänzen,
  3. das angrenzende Gewerbegebiet Gilching Süd für Radfahrer zu erschließen und
  4. wichtige Übergänge, wie z.B. bei Gut Hüll zu schaffen.

Mit etwas gutem Willen könnte man hier eine durchgehende Radverbindung von Starnberg bis nach Fürstenfeldbruck schaffen.

Anlässlich der Auftaktveranstaltung zeigte Clara Scheufler (Gilching) ihre Fahrkünste auf dem Einrad, der Schauspieler Bartholomäus Sailer (München) verlas das „Lob des Velos“, Tobias Königbauer und Jonas Schlenger (Gilching) bezauberten mit gekonnter Jonglage. Anschließend starteten die Teilnehmer, die aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus gekommen waren, zur Demonstration unter dem Motto Verkehrsraum fairteilen. Begleitet von zwei Polizeifahrzeugen und Beamten der Polizeiinspektion Germering sowie einem Rettungswagen des BRK Gilching sorgte das langgezogene Teilnehmerfeld unterwegs für reichlich Aufmerksamkeit. In Unterbrunn gab es sogar spontanen Applaus von vorbeikommenden Passanten. Die meisten Autofahrer auf der Umfahrungsstraße Ober-/Unterbrunn und auf der alten Ortsverbindungsstraße reagierten mit Besonnenheit und Geduld auf die unerwartete Behinderung.

Nur in Mamhofen konnte der öffentlich gewidmete Weg durch das Forstgut nicht genutzt werden, weil der dortige Verwalter die Tore zum Anwesen fest verschlossen hatte. Die Demonstranten nahmen es mit Gelassenheit und querten über die angrenzende Kreisstraße – eine Option, die mit Eröffnung der Westtangente nicht mehr möglich sein wird. Auf der gegenüberliegenden Seite versammelten sich dann alle ein letztes Mal, um sich von Renate Richter (Initiatorin der Petition für den Bau einer Straßenunterführung bei Mamhofen) die bitteren Konsequenzen des Ausbaus der Kreisstraße für Radfahrer und Fußgänger erläutern zu lassen. Nach einem Schlusswort von Gerhard Sailer löste sich die Demonstration auf. Abschließend waren sich die Teilnehmer einig, dass man sich als Radfahrer auf öffentlichen Straßen lange nicht mehr so sicher gefühlt hatte, wie anlässlich der Radldemo, und dass die erzielte Sichtbarkeit Grund genug sei, diese Aktion zu gegebener Zeit zu wiederholen.

Renate Richter
Pressesprecherin Verkehrsraum fairteilen

Radfahrer demonstrieren für Wertewandel in der Verkehrspolitik

Unter dem Motto Verkehrsraum fairteilen lädt die Mobilitätswende Weßling unterstützt von den Kreisgruppen des ADFC, des Bund Naturschutz, des Energiewendevereins und des VCD für Samstag, den 1. Juli 2017 zu einer Fahrrad-Demo ein. Diese ist als gemeinschaftliche Radtour von Gilching nach Starnberg konzipiert. Der Streckenverlauf berücksichtigt dabei ausgewählte Brennpunkte aktueller Straßenbaumaßnahmen, die im Rahmen kurzer Zwischenstopps angesteuert und besichtigt werden.

Auch im angeblich fahrradfreundlichen Landkreis Starnberg wird Verkehrspolitik nach wie vor hauptsächlich für den motorisierten Individualverkehr gemacht. Dies verdeutlicht eine in der Jubiläumsbeilage der Süddeutschen Zeitung vom 17. Mai 2017 veröffentlichte Statistik, laut der die Anzahl der Radwegekilometer im Zeitraum von 1999 bis 2016 entgegen dem bundesweiten Trend zurückgegangen ist.

Aktive Radfahrer bekommen die Konsequenzen tagtäglich zu spüren: Nicht nur fehlt es landkreisweit an straßenbegleitenden Radwegen und sicheren Querungsmöglichkeiten entlang neugebauter Umfahrungsstraßen. Schlimmer noch: Durch überörtliche Straßenbaumaßnahmen wurden und werden zahlreiche Ortsverbindungen im bestehenden Rad- und Fußwegenetz dauerhaft zerstört.

Jüngste Beispiele dieser verfehlten Verkehrspolitik sind die Umfahrung Weßling bei Mitterwies, die jetzige Kreisstraße STA 3 bei Mamhofen sowie die geplante Umfahrung Gilching. Darüber hinaus werden bestehende Möglichkeiten zum Straßenrückbau nicht aktiv genutzt, wie zum Beispiel bei der alten Ortsverbindungsstraße Oberbrunn-Unterbrunn. In Folge fahren immer mehr Autos mit immer höheren Geschwindigkeiten auf immer mehr Straßenkilometern, während sich das Wegeangebot für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer sukzessive reduziert und der Erholungswert der Landschaft sinkt.

Die oben genannten Vereine und Verbände sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger fordern schon länger eine Abkehr von der autozentrierten Verkehrspolitik in diesem Landkreis. Der Forderung nach einer gleichberechtigten Berücksichtigung der Interessen aller Verkehrsteilnehmer soll am Samstag, den 1. Juli 2017 mit einer Fahrrad-Demo Nachdruck verliehen werden. Treff- und Startpunkt ist um 15:00 Uhr am Marktplatz in Gilching. Von dort geht es über Unterbrunn, Oberbrunn und Hanfeld nach Mamhofen, wo die Abschlusskundgebung stattfindet. Weitere Informationen sind unter www.verkehrsraum-fairteilen.de zu finden.

Renate Richter
Pressesprecherin Verkehrsraum fairteilen

Naturschutz-PR für den Straßenbau

Leserbrief zu den Beiträgen Drei Millionen für den Artenschutz im Starnberger Merkur vom 12. Mai 2017 und Modellwald an der Umfahrung in der Süddeutschen Zeitung vom 12. Mai 2017

In einer dreisten PR-Aktion feiert das Straßenbauamt Weilheim seine großartigen Verdienste für den Umwelt- und Naturschutz im Rahmen des Baus der Weßlinger Umgehungsstraße. Der Bund Naturschutz, der einen großen Teil der umfangreichen Maßnahmen nur über jahrelange Grabenkämpfe gegen die Umfahrungslobby durchsetzen konnte, wird dabei nicht einmal erwähnt. Völlig absurd wird sogar suggeriert, es ergäbe sich letztlich eine Aufwertung für das weiträumig durch Lärm und Abgase zerstörte FFH-Naherholungsgebiet. Warum lassen sich Bürgermeister Muther, Förster Mergler und die Lokalpresse bereitwillig vor den Karren einer Behörde spannen, welche die haarsträubend rückwärtsgewandte Verkehrspolitik von Bund und Land bekanntlich ganz besonders gewissenhaft umsetzt und noch immer den Neu- und Ausbau von Kfz-Straßen als Lösung aller Verkehrsprobleme propagiert?

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Wir brauchen den Ausstieg aus der Autoindustrie so wie den aus der Atomwirtschaft. Als kriminelle Vereinigung, die Abgaswerte manipuliert und damit die Gesundheit der Menschen zerstört, und die alle Versuche blockiert, klimaschädliche Treibhausgase zu beschränken, beleidigt sie die Intelligenz und die Moral jener Millionen Menschen, die in Deutschland für sie arbeiten.

Aus dem Beitrag Von der Absurdität des Autos von Fred Grimm in Schrot & Korn 2015/12.