Archiv des Autors: Gerhard Hippmann

Fortschritt ohne Durchblick

Leserbrief zum Beitrag Hoffen auf Regen in der Süddeutschen Zeitung vom 29. Mai 2015

Nepomuk gibt den braven ADAC-Schützen und schwärmt von seinem mobilen Dach über dem Kopf. Auf das diesjährige STAdtradel-Motto „Einander begegnen” geht er freilich nicht ein, sperrt er sich doch lieber in seine geliebte Blechkiste ein und hofft auf Regen.

„Nachdem endlich jeder im Landkreis einen automobilen Untersatz hat”, herrscht bekanntlich allerorts große Begeisterung über Lärm, Gestank und Lebensgefahr durch die fortschrittlichen Kraftfahrer. Aber warum über eine Lösung nachdenken, wenn man selbst Teil des Problems ist?

Da regt sich Nepomuk lieber über Retro-Getue und sinnloses Gestrampel auf und freut sich über Misserfolge beim STAdtradeln. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, seine Windschutzscheibe gewähre nicht immer den nötigen Durchblick.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Hoffen auf Mobilität ohne Zukunft

Leserbrief zum Beitrag Hoffen auf Regen in der Süddeutschen Zeitung vom 29. Mai 2015

Nepomuk illustriert den weit verbreiteten autoaffinen Landkreisbürger, dessen dringenste Sorgen in Sachen Fortbewegung in der Qual der Wahl zwischen Q7, 911 Cabrio oder gar i8, der ausreichenden Anzahl kostenloser Kfz-Stellplätze im öffentlichen Raum und dem schnellstmöglichen Bau einer Ortsumfahrung bestehen. Die gewaltigen Herausforderungen auf dem Weg zu nachhaltiger Mobilität wird er erst wahrnehmen, wenn die Kosten für seinen nicht zukunftsfähigen Fahrzeugpark explodieren und das Auto seine Funktion als Statussymbol endgültig einbüßt. Dann wird auch Nepomuk die Botschaft des Stadtradelns verstanden haben.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Seit Beginn der Motorisierung sind mindestens 42 Millionen Menschen auf dem Globus durch Straßenverkehr ums Leben gekommen. Verwundet wurden etwa 1,5 Milliarden Menschen.

Das Auto ist nicht nur die größte, sondern auch die einzige Massenvernichtungswaffe, die auf der ganzen Welt geliebt wird.

Aus dem Buch Totalschaden von Klaus Gietinger, 2010.

Mit Shared Space wird nicht futuristisches Neuland betreten. Vielmehr wird an eine seit Beginn der Menschheit funktionierende Koexistenz verschiedener Verkehrsmittel im öffentlichen Raum angeknüpft, welche nur für eine kurze Zeit (von ca. 60 Jahren) von einer funktionalistischen und autogerechten Planung unterbrochen wurde.

Aus dem Beitrag Die Grundlagen von Shared Space von Florian Schmidt im Buch Shared Space des AKP, 2010.

Radverkehrsbeschilderung Argelsrieder Straße/Feld

Alles hat ein Ende, nur der Fuß- und Radweg hat zwei: Redundante und nicht standardkonforme Beschilderung an der Einmündung Argelsrieder Feld - Argelsrieder Straße

Alles hat ein Ende, nur der Fuß- und Radweg hat zwei: Redundante und nicht standardkonforme Beschilderung an der Einmündung Argelsrieder Feld – Argelsrieder Straße

Aus Sicht vieler Radlerinnen und Radler ist die gegenwärtige Beschilderung der Radverkehrsanlagen im Gebiet Argelsrieder Straße/Argelsrieder Feld weit vom Optimum entfernt. Daher hat die Mobilitätswende einen Änderungsvorschlag erarbeitet, der sich insbesondere durch folgende Verbesserungen auszeichnet:

Der Verbesserungsvorschlag steht als interaktive Karte mit Vergleichsmöglichkeit zum Iststand zur Verfügung (maximale Zoomstufe verwenden). Die Mobilitätswende wird versuchen, die Gemeindeverwaltung von den Vorzügen dieser Lösung zu überzeugen.

Will man den derzeit laufenden Raubbau an der Zukunft der kommenden Generationen und der marginalisierten Teile der Weltbevölkerung stoppen, bedeutet das nicht die Substitution der fossilen Automobilität durch Elektrofahrzeuge, sondern eine ganz und gar veränderte Vorstellung von Mobilität.

Aus dem Buch Transformationsdesign von Bernd Sommer und Harald Welzer, 2014.

Unterschriftenaktion für sichere Bushaltestelle am Hort

Die Unterschriftenaktion für einen sicheren Umbau der Bushaltestelle am Hort wurde erfolgreich beendet. Am 27. Februar übergab Astrid Kahle von der Mobilitätswende die Listen mit 73 gesammelten Unterschriften an Bürgermeister Michael Muther. Mehr als 50 Unterschriften stammen von Eltern der Hortkinder, die damit großes Interesse an der Absicherung der Haltestelle gezeigt haben – vielen Dank!

Auf Anregung der Mobilitätswende ist die Gemeinde bereits mit der Unteren Verkehrsbehörde des Landratsamts im Gespräch. Herr Muther betonte bei der Übergabe der Unterschriften, dass er sich für eine Lösung des Problems einsetzt. Wie diese aussehen könnte, ist derzeit allerdings noch unklar.

ADFC-Fahrradklimatest 2014

Vorige Woche veröffentlichte der ADFC die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2014. 52 Radlerinnen und Radler sorgten dafür, dass Weßling es wie beim letzten Mal im Jahr 2012 in die Auswertung geschafft hat. Dabei schneidet die Gemeinde recht gut ab.

Mit der Gesamtnote 3,4 (Schulnotensystem) belegt Weßling den 93. Platz von 292 gewerteten Kommunen bis 50.000 Einwohnern. Damit liegt Weßling klar vor den anderen Landkreiskommunen Gilching (190. Platz, Note 3,9), Gauting (212. Platz, Note 4,0), Herrsching (241. Platz, Note 4,1) und Starnberg (261. Platz, Note 4,2).

ADFC-Fahrradklimatest 2014 Ergebnisse für Weßling

ADFC-Fahrradklimatest 2014 Ergebnisse für Weßling

Die besten Noten vergaben die Weßlinger für die Erreichbarkeit des Ortszentrums, für die Möglichkeit, zügig Rad zu fahren, und zu den Kriterien „Spaß oder Stress” und „Alle fahren Fahrrad”. Außerdem wurden die Radwege und der Winterdienst positiv bewertet. Im Vergleich zu anderen Kommunen schneidet Weßling bei der Werbung für das Radfahren besonders gut ab – hier wird offenbar das große Engagement beim STAdtradeln honoriert.

Die größten Schwächen identifizieren die Weßlinger im nicht vorhandenen Fahrradverleih sowie in der schwierigen bzw. unmöglichen Fahrradmitnahme im öffentlichen Verkehr. Erwartungsgemäß wurden auch die Abstellanlagen sowie das Fahren im Mischverkehr mit Kfz überwiegend negativ bewertet.

Gegenüber dem Fahrradklimatest 2012 hat sich Weßlings Gesamtnote deutlich von 3,8 auf 3,4 verbessert. Damit fühlt sich die Ende 2012 gegründete Mobilitätswende in ihrem Engagement für eine fahrradfreundliche Gemeinde bestätigt und motiviert.

Radverkehrsverbindung Weßling – Etterschlag

Von Weßling nach Etterschlag (und weiter bis Inning) besteht eine alltagstaugliche Radverkehrsverbindung: Über die Staatsstraße 2349 vorbei an Grünsink zum Wirtschaftsweg, der an der Zufahrt zum Golfplatz Schluifeld beginnt. Diese Route ist auch Teil des Ammersee-Radwegs sowie des Kreisradwanderweg-Netzes.

An dieser Stelle wird die Grünsinker Straße in die Westumfahrung einmünden. Die Abfahrt nach Schluifeld liegt dann etwa 130 m weiter nördlich.

An dieser Stelle wird die Grünsinker Straße in die Westumfahrung einmünden. Die Abfahrt nach Schluifeld liegt dann etwa 130 m weiter nördlich.

Durch den bevorstehenden Bau der Westumfahrung Weßling wird diese Verbindung ersatzlos unterbrochen. Laut Planfeststellungsbeschluss wird der Radverkehr von der Einmündung Grünsink bis zur Abfahrt Schluifeld (etwa 130 m) über die Umgehungsstraße geführt. Diese „Lösung” ist extrem gefährlich und absolut inakzeptabel.

 

Die Mobilitätswende setzt sich schon lange für den Erhalt der Radverkehrsverbindung nach Etterschlag ein. Mittlerweile haben sich drei Lösungsmöglichkeiten herauskristallisiert:

Unterführung (grün)

Der Weg wird an der Einmündung nach Süden verschwenkt und durch eine Unterführung („Röhre”) geleitet. Diese Lösung ist in jeder Hinsicht die vorteilhafteste: Es entsteht kein Umweg, der Naturverbrauch ist minimal und unkritisch, und soziale Kontrolle und Winterdiensttauglichkeit (und damit Alltagstauglichkeit) sind uneingeschränkt gegeben. Trotzdem wird diese Lösung wahrscheinlich nicht realisiert, weil sie formal eine zeitaufwändige Änderung der Planfeststellung erfordert.

Straßenbegleitender Weg (blau)

Der straßenbegleitende Weg verliefe östlich der Umfahrung (im Bild rechts)

Der straßenbegleitende Weg verliefe östlich der Umfahrung (im Bild rechts)

Von der Grünsinker Straße bis zum bereits vorhandenen Wirtschaftsweg zur A96 wird ein (etwa 270 m langer) Geh- und Radweg entlang der Westumfahrung gebaut. An der Autobahnauffahrt gibt es bereits eine Unterführung zum Wirtschaftsweg nach Etterschlag (Radlsymbol in der Karte). Gegenüber der ersten Lösung gibt es zwei wesentliche Nachteile: Es wird zusätzliche Waldfläche verbraucht, und nach Schluifeld entsteht ein Umweg von etwa 690 m, der wahrscheinlich einen Teil der Fußgänger und Radler veranlasst, den kürzeren Weg über die Umfahrung zu nehmen. Diese Lösung hat wohl die besten Realisierungschancen, weil sie von Straßenbauamt und Gemeindeverwaltung als möglich erachtet wird und ohne Änderung der Planfeststellung gebaut werden kann.

Waldweg (rot)

Diese bereits existierende Unterführung (oranges Radlsymbol in der Karte) ermöglicht eine gefahrlose Querung der Umfahrung

Diese bereits existierende Unterführung (oranges Radlsymbol in der Karte) ermöglicht eine gefahrlose Querung der Umfahrung

Ein in Grünsink beginnender Forstweg wird für den Radverkehr ausgebaut und bis zur Unterführung an der Autobahnauffahrt erweitert. Diese Lösung ist mit Abstand die schlechteste, weil am meisten Waldfläche verbraucht wird, keine soziale Kontrolle gewährleistet ist, und mangels Asphaltierung kein Winterdienst möglich ist.

Es ist kaum zu fassen und äußerst ärgerlich, dass der als „Fahrradfreundliche Kommune” ausgezeichnete Landkreis STA es versäumt hat, die Radverkehrsverbindung zwischen Etterschlag und Weßling zu erhalten. Die Mobilitätswende wird weiterhin versuchen, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Dazu gehört auch, die Grünsinker Straße soweit wie nötig als Geh- und Radweg zu erhalten und zu prüfen, ob eine Förderung im Rahmen der Programme ‚Nachträglicher Anbau von Radwegen an Staatsstraßen‘ oder ‚Staatsstraßen in gemeindlicher Sonderbaulast‘ möglich ist.

Keine Hoffnung besteht übrigens, die von Wanderern und Freizeitradlern viel genutzte Forstwegverbindung nach Steinebach an der Waldbrücke Mitterwiese zu erhalten. Dieser Kollateralschaden ist nüchtern betrachtet von geringer Bedeutung, da das Gebiet aufgrund der durch die Straße entstehenden Emissionen seine Qualität zur Naherholung ohnehin einbüßen wird.