Archiv des Autors: Gerhard Hippmann

Seit Beginn der Motorisierung sind mindestens 42 Millionen Menschen auf dem Globus durch Straßenverkehr ums Leben gekommen. Verwundet wurden etwa 1,5 Milliarden Menschen.

Das Auto ist nicht nur die größte, sondern auch die einzige Massenvernichtungswaffe, die auf der ganzen Welt geliebt wird.

Aus dem Buch Totalschaden von Klaus Gietinger, 2010.

Mit Shared Space wird nicht futuristisches Neuland betreten. Vielmehr wird an eine seit Beginn der Menschheit funktionierende Koexistenz verschiedener Verkehrsmittel im öffentlichen Raum angeknüpft, welche nur für eine kurze Zeit (von ca. 60 Jahren) von einer funktionalistischen und autogerechten Planung unterbrochen wurde.

Aus dem Beitrag Die Grundlagen von Shared Space von Florian Schmidt im Buch Shared Space des AKP, 2010.

Radverkehrsbeschilderung Argelsrieder Straße/Feld

Alles hat ein Ende, nur der Fuß- und Radweg hat zwei: Redundante und nicht standardkonforme Beschilderung an der Einmündung Argelsrieder Feld - Argelsrieder Straße

Alles hat ein Ende, nur der Fuß- und Radweg hat zwei: Redundante und nicht standardkonforme Beschilderung an der Einmündung Argelsrieder Feld – Argelsrieder Straße

Aus Sicht vieler Radlerinnen und Radler ist die gegenwärtige Beschilderung der Radverkehrsanlagen im Gebiet Argelsrieder Straße/Argelsrieder Feld weit vom Optimum entfernt. Daher hat die Mobilitätswende einen Änderungsvorschlag erarbeitet, der sich insbesondere durch folgende Verbesserungen auszeichnet:

Der Verbesserungsvorschlag steht als interaktive Karte mit Vergleichsmöglichkeit zum Iststand zur Verfügung (maximale Zoomstufe verwenden). Die Mobilitätswende wird versuchen, die Gemeindeverwaltung von den Vorzügen dieser Lösung zu überzeugen.

Will man den derzeit laufenden Raubbau an der Zukunft der kommenden Generationen und der marginalisierten Teile der Weltbevölkerung stoppen, bedeutet das nicht die Substitution der fossilen Automobilität durch Elektrofahrzeuge, sondern eine ganz und gar veränderte Vorstellung von Mobilität.

Aus dem Buch Transformationsdesign von Bernd Sommer und Harald Welzer, 2014.

Unterschriftenaktion für sichere Bushaltestelle am Hort

Die Unterschriftenaktion für einen sicheren Umbau der Bushaltestelle am Hort wurde erfolgreich beendet. Am 27. Februar übergab Astrid Kahle von der Mobilitätswende die Listen mit 73 gesammelten Unterschriften an Bürgermeister Michael Muther. Mehr als 50 Unterschriften stammen von Eltern der Hortkinder, die damit großes Interesse an der Absicherung der Haltestelle gezeigt haben – vielen Dank!

Auf Anregung der Mobilitätswende ist die Gemeinde bereits mit der Unteren Verkehrsbehörde des Landratsamts im Gespräch. Herr Muther betonte bei der Übergabe der Unterschriften, dass er sich für eine Lösung des Problems einsetzt. Wie diese aussehen könnte, ist derzeit allerdings noch unklar.

ADFC-Fahrradklimatest 2014

Vorige Woche veröffentlichte der ADFC die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2014. 52 Radlerinnen und Radler sorgten dafür, dass Weßling es wie beim letzten Mal im Jahr 2012 in die Auswertung geschafft hat. Dabei schneidet die Gemeinde recht gut ab.

Mit der Gesamtnote 3,4 (Schulnotensystem) belegt Weßling den 93. Platz von 292 gewerteten Kommunen bis 50.000 Einwohnern. Damit liegt Weßling klar vor den anderen Landkreiskommunen Gilching (190. Platz, Note 3,9), Gauting (212. Platz, Note 4,0), Herrsching (241. Platz, Note 4,1) und Starnberg (261. Platz, Note 4,2).

ADFC-Fahrradklimatest 2014 Ergebnisse für Weßling

ADFC-Fahrradklimatest 2014 Ergebnisse für Weßling

Die besten Noten vergaben die Weßlinger für die Erreichbarkeit des Ortszentrums, für die Möglichkeit, zügig Rad zu fahren, und zu den Kriterien „Spaß oder Stress” und „Alle fahren Fahrrad”. Außerdem wurden die Radwege und der Winterdienst positiv bewertet. Im Vergleich zu anderen Kommunen schneidet Weßling bei der Werbung für das Radfahren besonders gut ab – hier wird offenbar das große Engagement beim STAdtradeln honoriert.

Die größten Schwächen identifizieren die Weßlinger im nicht vorhandenen Fahrradverleih sowie in der schwierigen bzw. unmöglichen Fahrradmitnahme im öffentlichen Verkehr. Erwartungsgemäß wurden auch die Abstellanlagen sowie das Fahren im Mischverkehr mit Kfz überwiegend negativ bewertet.

Gegenüber dem Fahrradklimatest 2012 hat sich Weßlings Gesamtnote deutlich von 3,8 auf 3,4 verbessert. Damit fühlt sich die Ende 2012 gegründete Mobilitätswende in ihrem Engagement für eine fahrradfreundliche Gemeinde bestätigt und motiviert.

Radverkehrsverbindung Weßling – Etterschlag

Von Weßling nach Etterschlag (und weiter bis Inning) besteht eine alltagstaugliche Radverkehrsverbindung: Über die Staatsstraße 2349 vorbei an Grünsink zum Wirtschaftsweg, der an der Zufahrt zum Golfplatz Schluifeld beginnt. Diese Route ist auch Teil des Ammersee-Radwegs sowie des Kreisradwanderweg-Netzes.

An dieser Stelle wird die Grünsinker Straße in die Westumfahrung einmünden. Die Abfahrt nach Schluifeld liegt dann etwa 130 m weiter nördlich.

An dieser Stelle wird die Grünsinker Straße in die Westumfahrung einmünden. Die Abfahrt nach Schluifeld liegt dann etwa 130 m weiter nördlich.

Durch den bevorstehenden Bau der Westumfahrung Weßling wird diese Verbindung ersatzlos unterbrochen. Laut Planfeststellungsbeschluss wird der Radverkehr von der Einmündung Grünsink bis zur Abfahrt Schluifeld (etwa 130 m) über die Umgehungsstraße geführt. Diese „Lösung” ist extrem gefährlich und absolut inakzeptabel.

 

Die Mobilitätswende setzt sich schon lange für den Erhalt der Radverkehrsverbindung nach Etterschlag ein. Mittlerweile haben sich drei Lösungsmöglichkeiten herauskristallisiert:

Unterführung (grün)

Der Weg wird an der Einmündung nach Süden verschwenkt und durch eine Unterführung („Röhre”) geleitet. Diese Lösung ist in jeder Hinsicht die vorteilhafteste: Es entsteht kein Umweg, der Naturverbrauch ist minimal und unkritisch, und soziale Kontrolle und Winterdiensttauglichkeit (und damit Alltagstauglichkeit) sind uneingeschränkt gegeben. Trotzdem wird diese Lösung wahrscheinlich nicht realisiert, weil sie formal eine zeitaufwändige Änderung der Planfeststellung erfordert.

Straßenbegleitender Weg (blau)

Der straßenbegleitende Weg verliefe östlich der Umfahrung (im Bild rechts)

Der straßenbegleitende Weg verliefe östlich der Umfahrung (im Bild rechts)

Von der Grünsinker Straße bis zum bereits vorhandenen Wirtschaftsweg zur A96 wird ein (etwa 270 m langer) Geh- und Radweg entlang der Westumfahrung gebaut. An der Autobahnauffahrt gibt es bereits eine Unterführung zum Wirtschaftsweg nach Etterschlag (Radlsymbol in der Karte). Gegenüber der ersten Lösung gibt es zwei wesentliche Nachteile: Es wird zusätzliche Waldfläche verbraucht, und nach Schluifeld entsteht ein Umweg von etwa 690 m, der wahrscheinlich einen Teil der Fußgänger und Radler veranlasst, den kürzeren Weg über die Umfahrung zu nehmen. Diese Lösung hat wohl die besten Realisierungschancen, weil sie von Straßenbauamt und Gemeindeverwaltung als möglich erachtet wird und ohne Änderung der Planfeststellung gebaut werden kann.

Waldweg (rot)

Diese bereits existierende Unterführung (oranges Radlsymbol in der Karte) ermöglicht eine gefahrlose Querung der Umfahrung

Diese bereits existierende Unterführung (oranges Radlsymbol in der Karte) ermöglicht eine gefahrlose Querung der Umfahrung

Ein in Grünsink beginnender Forstweg wird für den Radverkehr ausgebaut und bis zur Unterführung an der Autobahnauffahrt erweitert. Diese Lösung ist mit Abstand die schlechteste, weil am meisten Waldfläche verbraucht wird, keine soziale Kontrolle gewährleistet ist, und mangels Asphaltierung kein Winterdienst möglich ist.

Es ist kaum zu fassen und äußerst ärgerlich, dass der als „Fahrradfreundliche Kommune” ausgezeichnete Landkreis STA es versäumt hat, die Radverkehrsverbindung zwischen Etterschlag und Weßling zu erhalten. Die Mobilitätswende wird weiterhin versuchen, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Dazu gehört auch, die Grünsinker Straße soweit wie nötig als Geh- und Radweg zu erhalten und zu prüfen, ob eine Förderung im Rahmen der Programme ‚Nachträglicher Anbau von Radwegen an Staatsstraßen‘ oder ‚Staatsstraßen in gemeindlicher Sonderbaulast‘ möglich ist.

Keine Hoffnung besteht übrigens, die von Wanderern und Freizeitradlern viel genutzte Forstwegverbindung nach Steinebach an der Waldbrücke Mitterwiese zu erhalten. Dieser Kollateralschaden ist nüchtern betrachtet von geringer Bedeutung, da das Gebiet aufgrund der durch die Straße entstehenden Emissionen seine Qualität zur Naherholung ohnehin einbüßen wird.

Bushaltestelle am Hort

Die Bushaltestelle Hochstadt Schule liegt direkt gegenüber dem Hort Villa Kunterbunt in Hochstadt. Dort halten die Busse der Linie 955 von Starnberg über Weßling nach Gilching mit Halt in der Neuhochstadter Straße, in Oberpfaffenhofen und am Bahnhof Weßling.

Mehr als 100 Schulkinder besuchen den Hort und werden täglich nach der Schule mit einem Schulbus nach Hochstadt gebracht. Fast alle Kinder werden von Eltern in Privat-Pkws nach Oberpfaffenhofen oder Weßling zurück geholt. Das kostet viel Zeit und Energie und sorgt für eine Menge zusätzlichen Straßenverkehr mit all seinen Nachteilen. Außerdem wird den Passagieren im Grundschulalter wieder und wieder nichtnachhaltige Mobilität vorgelebt.

Zurzeit benutzen nur einige wenige Kinder den Bus der Linie 955 für den Heimweg. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens fährt dieser Bus am späten Nachmittag nur einmal um 16:46 Uhr, und zweitens besteht die Haltestelle aus einem extrem schmalen Gehweg und erfüllt daher nicht annähernd die Sicherheitsanforderungen für Kinder im Grundschulalter.

Aber es besteht begründete Hoffnung, dass sich die Situation grundlegend verbessert. Denn im Rahmen des Ausbaus des Busangebots im Landkreis wird die Linie 955 ab Dezember im Stundentakt von Hochstadt nach Weßling fahren. Und die Haltestelle kann durch bauliche Maßnahmen abgesichert werden – wenn sich die Gemeindeverwaltung darum kümmert.

Um dies zu erreichen, führt die Mobilitätswende zusammen mit dem Elternbeirat des Horts die Unterschriftenaktion „Die Bushaltestelle am Hort muss sicherer werden!” durch. Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, die Absicherung der Haltestelle mit ihrer Unterschrift zu unterstützen. Die Listen hängen im Vorraum des Horts aus.

Rückblick auf das zweite Jahr

2014 war das zweite Jahr der Ende 2012 gegründeten Mobilitätswende Weßling. Wie im Vorjahr setzte sie sich mit zahlreichen Projekten und Aktivitäten für Rad- und Fußverkehr sowie öffentlichen Personennahverkehr, kurzum zukunftsfähige Mobilität in Weßling ein.

Radverkehrsbeauftragte

Auf Anregung der Mobilitätswende ernannte Bürgermeister Michael Muther im Februar Frau S. zur Radverkehrsbeauftragten der Gemeinde Weßling. Damit nimmt Weßling eine Vorreiterrolle im Landkreis Starnberg ein und erfüllt ein wichtiges Kriterium für die AGFK-Zertifizierung als Fahrradfreundliche Kommune. Die Mobilitätswende pflegt einen regen Informationsaustausch mit Frau S. und unterstützt sie gerne in ihrer neuen Funktion.

Radverkehrskonzept

Im März legte die Mobilitätswende ein Radverkehrskonzept für die Gemeinde Weßling vor. Unter dem Titel „Weßling auf dem Weg zur Fahrradfreundlichen Kommune” enthält es eine Zusammenstellung von Problempunkten und Verbesserungsvorschlägen für den Radverkehr im Gemeindegebiet.

Zu Fuß zur Schule

Wie schon im Jahr 2013 unterstützte die Mobilitätswende im Frühjahr wieder die Aktion Zu Fuß zur Schule durch die technische Umsetzung und den Aushang einer Plakatserie. Die zwölf hübschen Motive wurden von Schülerinnen und Schülern der Weßlinger Grundschulen gestaltet.

Radlständer-Vergleichstest

Ende Mai veröffentlichte die Mobilitätswende einen Radlständer-Vergleichstest, in dem die Fahrradabstellanlagen in Weßling nach den Kriterien Kapazität, Standort, Kompatibilität, Stellfläche, Standfestigkeit, Diebstahl- und Witterungsschutz bewertet wurden. Das Ergebnis bestätigte den subjektiven Eindruck: Die große Mehrzahl der 95 getesteten Radlständer konnte nicht überzeugen, und kein einziger genügte der Zertifizierung „ADFC-geprüfte Qualität”.

Willkommensradltouren

Im Jahr 2014 wurde nur eine einzige Willkommensradltour für Neubürger nachgefragt und auch durchgeführt. Leider gelingt es offenbar kaum, neue Mitbürger zu erreichen und/oder zur Teilnahme zu bewegen.

STAdtradeln

Einmal mehr engagierte sich die Mobilitätswende beim STAdtradeln sowohl für die Gemeinde, als auch auf Landkreisebene. Das durchwachsene Wetter während des Aktionszeitraums und eine gewisse Konsolidierung bei den Teilnehmern sorgten erstmalig für schwächere Ergebnisse als im Vorjahr. Weßling schlug sich mit unveränderter Teilnehmerzahl und dem bundesweit zweiten Platz in der Wertung Fahrradaktivste Kommune mit den meisten Radkilometern pro EinwohnerIn dennoch tapfer.

Radlständer am Kiosk

Mit ihrem Bundessieg beim Stadtradeln 2013 hatten die Weßlinger Radler eine hochwertige Fahrradabstellanlage gewonnen. Sie wurde im Juli beim Kiosk am See montiert und eingeweiht.

Tempo-30-Konzept

Das bereits im Herbst 2013 vorgestellte Tempo-30-Konzept wurde nach einer Stellungnahme der Unteren Verkehrsbehörde noch einmal überarbeitet und liegt der Gemeindeverwaltung seit September in einer beschlussfertigen Fassung vor.

Repair Café und Spezialradeln

Im Oktober unterstützte die Mobilitätswende die SoKo Weßling bei der Gestaltung und der Durchführung der dritten Klimaschutzwoche zum Thema Nachhaltigkeit. Mit einem Repair Café und der Aktion Spezialradeln wurden den Besuchern praxisnahe Bausteine zukunftsfähiger Lebensstile vorgestellt.

Weitere Aktivitäten

Die Erneuerung der Radlständer am Bahnhof liegt leider weiterhin auf Eis, weil nach wie vor nicht feststeht, wie das Areal durch die DB und das Städtebauprogramm umgestaltet werden wird. Die Mobilitätswende setzt sich auch für fuß- und radverkehrsfreundliche Lösungen für den barrierefreien Bahnsteigzugang, die Sanierung der Hochstadter Straße und die Westumfahrung ein. Weiter arbeitet sie im Arbeitskreis Radverkehr der Unteren Verkehrsbehörde, im ADFC-Kreisverband STA und im VCD-Kreisverband FFB-STA mit. Und ferner vertritt sie in Diskussionen und Leserbriefen eine Position für nachhaltige Mobilität.

Fazit

Das Engagement für eine Mobilitätswende in Weßling gleicht weiterhin einem Kampf gegen Windmühlen. Obwohl eigentlich ein breiter Konsens über die Unerträglichkeit des Kfz-Verkehrs besteht, ist das Gros der Weßlinger nicht bereit, das persönliche Mobilitätsverhalten zu überdenken. So kann es aber weder gelingen, die Hauptstraße zu beruhigen, noch die Energiewende zu meistern. Die Mobilitätswende wird weiterhin versuchen, durch Förderung von Fuß- und Radverkehr sowie des ÖPNV Grundlagen für zukunftsfähige Mobilität zu schaffen und auszubauen.