Rückblick auf das vierte Jahr


Seit vier Jahren engagiert sich die Mobilitätswende Weßling nach dem Motto Fossiles Denken überwinden für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde. Dieser Beitrag gibt einen Rückblick auf die Aktivitäten und Projekte im vergangenen Jahr 2016.

Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR

Eine Beleuchtung für den Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 vom Ortsausgang beim Autohaus Widmann bis zum DLR war in der Vergangenheit lange vorgesehen und im Gemeindehaushalt berücksichtigt gewesen. Als die Mobilitätswende im Jahr 2013 begann, sich für den Fuß- und Radverkehr einzusetzen, wurde zunächst der erste Abschnitt bis zum Kreisel bei der Feuerwehr realisiert. In 2015 stimmte der Gemeinderat dem Vorschlag der Mobilitätswende zu, auch den restliche Weg bis zum DLR mit einer LED-Beleuchtung auszustatten. Seit Juli ist der Weg nun durchgehend beleuchtet. Wenig später wurde vom DLR der weitere Verlauf bis zum OHB-Gelände mit Leuchten am Zaun versehen.

Damit existiert nun eine Geh- und Radwegverbindung nach Gilching, die dank hervorragendem Belag, vorbildlichem Winterdienst und ununterbrochener Beleuchtung ganzjährig und zu jeder Tages- und Nachtzeit problemlos und sicher benutzbar ist. Schade ist nur, dass der Gemeinderat nicht dem Vorschlag der Mobilitätswende folgte, eine bedarfsgerechte Beleuchtung mittels Bewegungssensoren einzusetzen oder wenigstens das Licht (z. B. zwischen 23 und 5 Uhr) abzuschalten, wenn es nahezu keinen Fußverkehr gibt.

Geh- und Radweg nach Etterschlag

Viel Engagement hatte die Mobilitätswende in die dieses Jahr realisierte Geh- und Radwegverbindung nach Etterschlag gesteckt. Nun gibt es zwischen Grünsink und der Schranke zur Umfahrung einen drei Meter breiten asphaltierten Weg und von dort einen neuen Geh- und Radweg neben der Staatsstraße zum Wirtschaftsweg entlang der Autobahn 96. In Anbetracht der engen Rahmenbedingungen durch Planfeststellung, Naturschutz, Kosten und Alltagstauglichkeit kann die jetzt verfügbare Lösung als optimal angesehen werden.

Radlreparaturstation

Im Jahr 2015 hatte der Landkreis STA einen Preis von 2.000 € für die Landkreiskommune mit den meisten STAdtradel-Kilometern pro Einwohner ausgelobt. Wie jedes Jahr seit 2011 waren die Weßlinger Radlerinnen und Radler in dieser Kategorie Spitze und das Preisgeld ging an die Gemeinde.

Heuer stimmte der Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Mobilität dem Vorschlag der Mobilitätswende zu, für das Preisgeld eine hochwertige Reparaturstation anzuschaffen und am Bahnhof aufzustellen. Seit Juli steht die Station allen Radlerinnen und Radlern zur Verfügung und macht Weßling im Landkreis zum Vorreiter im Radverkehrsförderungsbereich Service.

Bushaltestelle Hort

Seit Anfang 2015 setzt sich die Mobilitätswende für eine sichere Neugestaltung der Bushaltestelle am Hort in Hochstadt ein. Ein solcher Umbau wurde in diesem Jahr vom Gemeinderat als Teil der Sanierung der Dorfstraße beschlossen und wird derzeit umgesetzt. Damit wird die erste moderne, barrierefreie Bushaltestelle mit Witterungsschutz in der Gemeinde realisiert.

Dennoch ist leider nicht zu erwarten, dass in naher Zukunft ein Großteil der Hortschülerinnen und -schüler mit dem Linienbus 955 anstatt mit dem Elterntaxi nach hause fahren. Denn nach ausführlichen Diskussionen zwischen Eltern, Gemeindeverwaltung und Erzieherinnen wurde beschlossen, dass die Kinder den Hort weiterhin erst ab 16:00 Uhr verlassen dürfen – und damit nicht den Bus 955 um 15:55 Uhr nehmen können.

STAdtradeln

Beim diesjährigen STAdtradeln vom 19. Juni bis 9. Juli legten 344 Weßlinger Radlerinnen und Radler 69.243 Kilometer zurück. Damit sind Beteiligung und Gesamtkilometer leicht rückläufig gegenüber den Vorjahren. Im sechsten Jahr stellte sich leider nicht mehr die ganz große Begeisterung der vorigen Jahre für die Mitmachaktion ein. Das ist schade, weil sie als wichtiger Katalysator für die Radverkehrsförderung im Landkreis STA gewirkt hat – sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung, als auch in der Kommunalpolitik.

Radlständer-Vergleichstest

Zum dritten Mal führte die Mobilitätswende in diesem Jahr einen Vergleichstest der Radlständer in Weßling durch. Gegenüber dem Vorjahr konnten nur minimale Fortschritte verzeichnet werden, nämlich die neue Abstellanlage mit sechs Plätzen beim Edeka und der neue Vierfach-Radlständer beim Spielplatz. Beide Anlagen wurden auf Anregung der Mobilitätswende installiert, entsprechen aber nicht einschlägigen Qualitätskriterien.

Radl Werkstatt

Seit diesem Sommer gibt es in Weßling eine offene Werkstatt für Radlreparaturen. Dafür stellt die Gemeinde dankenswerterweise die Garagen auf der Rückseite des ehemaligen Feuerwehrgebäudes zur Verfügung. Sowohl Geflüchtete als auch Einheimische sind jeden Donnerstagabend eingeladen, ihre Radl instandsetzen zu lassen oder selbst zu reparieren. Die Radl Werkstatt ist ein Projekt des IntegrationsPunkt der Nachbarschaftshilfe Weßling und wird von Mitstreitern der Mobilitätswende tatkräftig unterstützt und gestaltet.

Umgehungsstraße

In diesem Jahr wurde die Weßlinger Umfahrung fertiggestellt und eröffnet. Während sich die Straßenbauer über eine „gute, leistungsfähige Strecke” freuen, erfüllt die Straße nicht die hohen Erwartungen zur Verkehrsberuhigung der Weßlinger. Für Fußgänger und Radler stellt nur die Sperrung der Grünsinker Straße für den Durchgangs-Kfz-Verkehr eine Verbesserung dar, während die Trennung des Waldweges an der Mitterwiese und die dilettantisch ausgeführte Unterführung beim Kreisel nach Delling für viel Ärger bei menschen- und umweltfreundlich mobilen Menschen sorgen.

Als positive Entwicklung ist die Beendigung des jahrzehntelangen Umgehungsstraßen-Konfliktes und die damit möglich gewordene Bildung des im Mai gegründeten Arbeitskreises mobil & lebenswert zu nennen. Durch Mitwirkung aller mobilitätsrelevanten Gruppen, Vereine und Fraktionen, maximaler Öffentlichkeit und großer Nähe zum Gemeinderat kann er Fortschritte in Richtung nachhaltige Mobilität bringen.

Sonstiges

Im Beitrag Stummer Schrei nach friedlichen Straßen machte die Mobilitätswende anschaulich darauf aufmerksam, dass der für den Kfz-Verkehr gestaltete Weßlinger Straßenraum die altersgerechte Entwicklung und selbstbestimmte Mobilität von Kindern massiv einschränkt. Mit zwei Leserbriefen bezog die Mobilitätswende Stellung zur Etablierung der Buslinien und zum autozentrierten Vorgehen der Verkehrsbehörden im Landkreis STA. Und wie immer informierte sie in der Gemeindezeitung Unser Dorf heute über Neuigkeiten in Sachen nachhaltige Mobilität, in der Frühjahrsausgabe sogar mit beigelegten Minifahrplänen der neuen Buslinie 955 und in der Sommerausgabe mit unbequemen – mittlerweile bestätigten – Aussichten zur begrenzten Wirksamkeit der Umfahrung.

Fazit und Ausblick

Mit der Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR, dem Bau des Geh- und Radwegs nach Etterschlag und der Installation der Radlreparaturstation am Bahnhof hat die Mobilitätswende in diesem Jahr besonders viel bewirkt. Von einer hinsichtlich Klimaschutz, Resourcen- und Energieverbrauch und menschengerechter Gestaltung des öffentlichen Raums dringend notwendigen Mobilitätswende ist indes weiterhin nichts zu bemerken. Vielmehr wächst der weit über dem Bundesdurchschnitt liegende Motorisierungsgrad in Weßling immer noch an, und die Verkehrspolitik auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene fördert weiterhin mit ganzer Kraft den nicht zukunftsfähigen Kfz-Verkehr.

Auch die personelle Entwicklung der Mobilitätswende Weßling stimmt wenig hoffnungsvoll, denn seit der Gründung vor vier Jahren sind die Personalresourcen stets geschrumpft, sodass immer weniger Aktivitäten und Projekte angegangen werden können. Es gibt also wenig Grund zur Annahme, dass das fossile Denken in Weßling in absehbarer Zeit überwunden werden kann.

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