Archiv des Autors: Gerhard Hippmann

Verkehrsplanung für alle

Leserbrief zum Artikel Mit Bypass schneller zur B 2 in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Februar 2017 und Leserbriefen

Wieder einmal geht man beim Straßenbau im Landkreis die uralten Wege: Für mehr Autos braucht man eine neue Straße, die man so durch die Landschaft legt, dass die vielen Autos möglichst schnell und sicher von der Stelle kommen. Fußgänger und Radfahrer könnte man, wie in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts üblich, in dunkle und enge Unterführungen schicken oder sie sollen sich über platzsparend geplante und deshalb steile Überführungen quälen. Und wenn Anlieger dafür keinen Grund hergeben wollen, dann gibt es halt irgendwelche Notlösungen, ganz egal, wie weit diese an den Bedürfnissen der Nicht-Autofahrer vorbeigehen.

Wer eine Karte lesen kann, erkennt auf den ersten Blick, dass die Wald- und Feldwege über Mamhofen und Hanfeld für Radfahrer und Fußgänger die einzige Möglichkeit darstellen, aus Hochstadt oder Oberbrunn nach Söcking und Starnberg zu kommen. Nachdem bei Mamhofen in Zukunft mehr Autos noch schneller fahren sollen, stünde für einen guten Verkehrsplaner fest: Dieser Rad- und Fußweg muss erhalten bleiben und sicher über die neue Straße geführt werden.

Es muss also eine Lösung für die Autos gefunden werden, nicht für die Radler und Fußgänger!

Wie könnte die ausschauen? Man legt die Straße bei Mamhofen auf der bestehenden Trasse tiefer, führt einen Weg für Radler und Fußgänger ebenerdig darüber hinweg und kann die erforderliche Brücke so breit anlegen, dass auch landwirtschaftliche Fahrzeuge, Reiter und, auf breiten Grünstreifen, auch Wildtiere eine Querungsmöglichkeit bekommen. Und nachts fliegen Fledermäuse und Eulen auch ohne Lärmschutzwall als Überflughilfe ungefährdet über die Straße hinweg.

Um den Weg alltagstauglich zu machen, müsste man ihn ab Hanfeld tatsächlich auf einer für Radfahrer ausreichenden Breite asphaltieren. Jenseits der Westumfahrung kann man ihn dann asphaltiert auf bestehenden Wegen bis zu einem bereits gebauten Begleitweg der Oberbrunner Umfahrung führen.

Aber leider gibt es im Landkreis halt keine guten und zukunftsfähigen Verkehrsplaner…

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Aufstieg statt Umstieg

Leserbrief zum Kommentar Schwieriger Umstieg in der Süddeutschen Zeitung vom 27. Februar 2017

„Ein Autofahrer ist per se kein schlechterer Mensch als ein Radler oder Fußgänger” schreibt Herr Fritscher in seinem Kommentar. Wollen wir hoffen, dass er damit recht hat – leben wir doch in einem Landkreis, in dem es mehr Kfz als volljährige Einwohner gibt.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Fahrradinfrastrukur ist allerdings entscheidend, dass der Autofahrer das für fast alle schlechtere Verkehrsmittel nutzt. Denn nur die Insassen können die Vorteile des Autos genießen, der Rest der Welt wird hingegen durch Lärm, Abgase und Blechwüsten belästigt und durch Lebensgefahr auf den Straßen, Klimawandel und Resourcenkriege bedroht.

Es ist daher rückwärtsgewandt und unangemessen, aus der Windschutzscheibenperspektive der weiteren Marginalisierung des Rad- und Linienbusverkehrs das Wort zu reden. Gerade im völlig übermotorisierten Landkreis STA ist eine Wende in der Verkehrspolitik dringend notwendig und letztlich unvermeidbar.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Motorwelt Vierseenland

Leserbrief zum Kommentar Schwieriger Umstieg in der Süddeutschen Zeitung vom 27. Februar 2017

Was qualifiziert eigentlich Herrn Fritscher dafür, Kommentare zum Thema Verkehr in einer anspruchsvollen Tageszeitung wie der SZ zu schreiben? Da wird den Stadtradlern schnell unterstellt, bei ihren Kilometerangaben zu betrügen – schließt da jemand von sich auf andere und vergisst dabei, dass es auch ehrliche Menschen gibt? – und die vielen Busse fahren bei Herrn Fritscher natürlich leer durch die Gegend. Ich bin den Winter über fast täglich ein- oder zweimal Bus gefahren und war nur ganz selten mal auf einem Teilstück einziger Fahrgast. Kommentare auf diesem Niveau wären auf jeden Fall besser in der ADAC-Motorwelt aufgehoben! Aber nicht alle Landkreisbürger wollen das Vierseenland zur Motorwelt verkommen lassen und haben längst verstanden, dass das Auto nicht die Zukunft unserer Mobilität darstellen wird.

Dass beim Ausbau der Fahrradinfrastruktur so wenig vorangeht, liegt auch weder an den vielen Hindernissen, die Herr Fritscher ausgemacht hat, noch an den angeblich so astronomischen Grundstückspreisen, hinter denen sich Herr Roth so gerne versteckt. Es liegt vielfach am fehlenden politischen Willen. Oder hat schon jemand von einer neuen Straße gehört, die nicht gebaut werden konnte, weil der Grund zu teuer war? Was hindert Landkreis und Gemeinden denn eigentlich daran, alltagstaugliche Radwege auf bestehenden Feld- und Waldwegen anzulegen, und was spricht dagegen, bestehende Autostraßen den Radfahrern zurückzugeben? Die Grünsinker Straße in Weßling zeigt, dass das geht! Aber warum braucht man die alte Staatsstraße durch Unter- und Oberbrunn immer noch für Autos, obwohl daneben die neue Umgehung verläuft? Auch die Römerstraße von Gauting nach Gilching könnte man für Radler und die wenigen Anwohner reservieren und schon hätte man einen wunderbaren Fahrradschnellweg!

In das Straßennetz wurde in den letzten Jahren genug Geld gesteckt, das anderswo fehlt. Weßling hat jetzt eine Umgehungsstraße, auf der niemand fährt und für den Betrag, den der anstehende Ausbau der A 96 auf sechs Fahrspuren kosten wird, könnte man den ganzen Landkreis mit einem Radwegnetz ausstatten – und das nicht erst in 25 Jahren!

Gerhard Sailer
Mobilitätswende Weßling

Teufels-Kreis-Verkehr

Leserbrief zu den Beiträgen Stadtrat Starnberg entscheidet sich für einenTunnel im Starnberger Merkur vom 22. Februar 2017 und Ende eines Dauerstreits in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Februar 2017

Die Stadt Starnberg versenkt 162 Millionen € für einen Tunnel, der neben der im Bau befindlichen West-Umfahrung und einer zu prüfenden Nord-Umfahrung für Entlastung vom unerträglich gewordenen Kfz-Verkehr sorgen soll. Dabei ist seit Jahrzehnten bekannt, dass Straßennetze dynamische Systeme sind, bei denen eine Erweiterung des Angebots für entsprechend mehr Nachfrage sorgt (induzierter Verkehr). So werden Brennpunkte der Verkehrsbelastung bestenfalls verlagert (z. B. von Ober-/Unterbrunn in die Hanfelder Straße) – oder auch nicht (z. B. Weßling), das ursprüngliche Problem der nach 84 Jahren autozentrierter Verkehrspolitik völlig aus dem Ruder gelaufenen Kfz-Übernutzung jedoch noch weiter verschärft.

In den Ministerien auf Bundes- und Landesebene wird bekanntlich seit Jahrzehnten alles dafür getan, um das endlose Wachstum der Auto- und Straßenbauindustrie aufrecht zu erhalten. Da kommt es gerade recht, wenn man Kommunen den Neu- oder Ausbau von Kfz-Infrastruktur als Entlastungsmaßnahme verkaufen kann. Nach der Fertigstellung werden wirksame Verkehrsberuhigungsmaßnahmen vor Ort freilich nicht genehmigt, um die „Flüssigkeit” des Kfz-Verkehrs zu erhalten.

In der Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamts sprachen sich 82 % der Befragen (und 92 % der 14- bis 17-Jährigen) dafür aus, Städte und Gemeinden gezielt so umzugestalten, dass man kaum noch auf ein Auto angewiesen ist. Städte, die daran schon lange konsequent arbeiten, indem sie den Straßenraum weg vom Auto und hin zum ÖPNV, Fuß- und Radverkehr umverteilen (z. B. Wien, Zürich und Kopenhagen), führen die weltweiten Ranglisten für Lebensqualität an. Unterdessen basteln unsere Kommunen noch immer ungewollt, aber sehr erfolgreich am autogerechten Landkreis STA – und unser Landrat freut sich, dass es mit dem Tunnel „endlich weiter geht”.

Gerhard Hippmann
Mobilitätswende Weßling

Dazu gehört schon einiges an galoppierender Demenz: Als kleine Minderheit von zehn Prozent das Doppelte von dem zu verbrauchen, was der Planet nachwachsen lassen kann, und dann auch noch den Rest der Welt fröhlich aufzufordern: „Kommt, macht alle mit!”

Aus dem Buch Die ganze Wahrheit über alles von Sven Böttcher und Mathias Bröckers, 2016.

Radl Werkstatt Weßling

Jeden Donnerstagabend von 18 bis 20 Uhr hat die Radl Werkstatt geöffnet. In den Garagenräumen auf der Rückseite des ehemaligen Weßlinger Feuerwehrhauses (Walchstadter Weg 4) steht die offene Werkstatt allen Gemeindeeinwohnern zur Verfügung. Wir reparieren gemeinsam Fahrräder und helfen bei Problemen rund ums Radl. Spezielle Werkzeuge und Hilfsmittel für Radlreparaturen (Montageständer, Zentrierständer, Abzieher, Konusschlüssel, Kettenpeitsche u. s. w.) stehen zur Nutzung bereit – bitte nach Möglichkeit Ersatzteile mitbringen.

Gemeinnützige Schrauber in der Radl Werkstatt

Neben technischer Unterstützung leistet die Radl Werkstatt auch einen gemeinschaftlichen Beitrag: Ein Besuch bietet eine gute Gelegenheit, sich mit neuen und alteingesessenen Menschen aus unserer Gemeinde auszutauschen und das Jeder für Jeden zu leben. Außerdem regt Reparieren eine Mentalitätsveränderung an, die für die Schaffung einer breiten Akzeptanz für eine nachhaltige Postwachstumsgesellschaft erforderlich ist.

Die Radl Werkstatt hat eine jahrelange Vorgeschichte: Im Oktober 2014 wurde im Rahmen der dritten Klimaschutzwoche der SoKo Weßling einmalig ein Repair Café durchgeführt, bei dem bereits drei Reparateure der Radl Werkstatt mitwirkten. Als UNSER DORF im Mai 2015 die Gewerkhausidee vorstellte, bot die Mobilitätswende ein Radl-Repair-Café an. Einige Wochen später erreichte die Flüchtlingswelle Weßling und es wurde ein von der Nachbarschaftshilfe koordinierter Helferkreis Asyl gegründet, zu dem die Helfergruppe Radl für Flüchtlinge gehörte. Aus ihr ging im Sommer 2016 schließlich die heutige Radl Werkstatt als Teil des IntegrationsPunkt Weßling hervor. Eine Weiterentwicklung zu einem Repair Café, einer allgemeinen offenen Werkstatt und/oder einem Werkzeugverleih ist denkbar, sofern sich weitere Mitstreiter dafür finden.

Rückblick auf das vierte Jahr


Seit vier Jahren engagiert sich die Mobilitätswende Weßling nach dem Motto Fossiles Denken überwinden für nachhaltige Mobilität in der Gemeinde. Dieser Beitrag gibt einen Rückblick auf die Aktivitäten und Projekte im vergangenen Jahr 2016.

Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR

Eine Beleuchtung für den Geh- und Radweg entlang der Staatsstraße 2068 vom Ortsausgang beim Autohaus Widmann bis zum DLR war in der Vergangenheit lange vorgesehen und im Gemeindehaushalt berücksichtigt gewesen. Als die Mobilitätswende im Jahr 2013 begann, sich für den Fuß- und Radverkehr einzusetzen, wurde zunächst der erste Abschnitt bis zum Kreisel bei der Feuerwehr realisiert. In 2015 stimmte der Gemeinderat dem Vorschlag der Mobilitätswende zu, auch den restliche Weg bis zum DLR mit einer LED-Beleuchtung auszustatten. Seit Juli ist der Weg nun durchgehend beleuchtet. Wenig später wurde vom DLR der weitere Verlauf bis zum OHB-Gelände mit Leuchten am Zaun versehen.

Damit existiert nun eine Geh- und Radwegverbindung nach Gilching, die dank hervorragendem Belag, vorbildlichem Winterdienst und ununterbrochener Beleuchtung ganzjährig und zu jeder Tages- und Nachtzeit problemlos und sicher benutzbar ist. Schade ist nur, dass der Gemeinderat nicht dem Vorschlag der Mobilitätswende folgte, eine bedarfsgerechte Beleuchtung mittels Bewegungssensoren einzusetzen oder wenigstens das Licht (z. B. zwischen 23 und 5 Uhr) abzuschalten, wenn es nahezu keinen Fußverkehr gibt.

Geh- und Radweg nach Etterschlag

Viel Engagement hatte die Mobilitätswende in die dieses Jahr realisierte Geh- und Radwegverbindung nach Etterschlag gesteckt. Nun gibt es zwischen Grünsink und der Schranke zur Umfahrung einen drei Meter breiten asphaltierten Weg und von dort einen neuen Geh- und Radweg neben der Staatsstraße zum Wirtschaftsweg entlang der Autobahn 96. In Anbetracht der engen Rahmenbedingungen durch Planfeststellung, Naturschutz, Kosten und Alltagstauglichkeit kann die jetzt verfügbare Lösung als optimal angesehen werden.

Radlreparaturstation

Im Jahr 2015 hatte der Landkreis STA einen Preis von 2.000 € für die Landkreiskommune mit den meisten STAdtradel-Kilometern pro Einwohner ausgelobt. Wie jedes Jahr seit 2011 waren die Weßlinger Radlerinnen und Radler in dieser Kategorie Spitze und das Preisgeld ging an die Gemeinde.

Heuer stimmte der Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Mobilität dem Vorschlag der Mobilitätswende zu, für das Preisgeld eine hochwertige Reparaturstation anzuschaffen und am Bahnhof aufzustellen. Seit Juli steht die Station allen Radlerinnen und Radlern zur Verfügung und macht Weßling im Landkreis zum Vorreiter im Radverkehrsförderungsbereich Service.

Bushaltestelle Hort

Seit Anfang 2015 setzt sich die Mobilitätswende für eine sichere Neugestaltung der Bushaltestelle am Hort in Hochstadt ein. Ein solcher Umbau wurde in diesem Jahr vom Gemeinderat als Teil der Sanierung der Dorfstraße beschlossen und wird derzeit umgesetzt. Damit wird die erste moderne, barrierefreie Bushaltestelle mit Witterungsschutz in der Gemeinde realisiert.

Dennoch ist leider nicht zu erwarten, dass in naher Zukunft ein Großteil der Hortschülerinnen und -schüler mit dem Linienbus 955 anstatt mit dem Elterntaxi nach hause fahren. Denn nach ausführlichen Diskussionen zwischen Eltern, Gemeindeverwaltung und Erzieherinnen wurde beschlossen, dass die Kinder den Hort weiterhin erst ab 16:00 Uhr verlassen dürfen – und damit nicht den Bus 955 um 15:55 Uhr nehmen können.

STAdtradeln

Beim diesjährigen STAdtradeln vom 19. Juni bis 9. Juli legten 344 Weßlinger Radlerinnen und Radler 69.243 Kilometer zurück. Damit sind Beteiligung und Gesamtkilometer leicht rückläufig gegenüber den Vorjahren. Im sechsten Jahr stellte sich leider nicht mehr die ganz große Begeisterung der vorigen Jahre für die Mitmachaktion ein. Das ist schade, weil sie als wichtiger Katalysator für die Radverkehrsförderung im Landkreis STA gewirkt hat – sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung, als auch in der Kommunalpolitik.

Radlständer-Vergleichstest

Zum dritten Mal führte die Mobilitätswende in diesem Jahr einen Vergleichstest der Radlständer in Weßling durch. Gegenüber dem Vorjahr konnten nur minimale Fortschritte verzeichnet werden, nämlich die neue Abstellanlage mit sechs Plätzen beim Edeka und der neue Vierfach-Radlständer beim Spielplatz. Beide Anlagen wurden auf Anregung der Mobilitätswende installiert, entsprechen aber nicht einschlägigen Qualitätskriterien.

Radl Werkstatt

Seit diesem Sommer gibt es in Weßling eine offene Werkstatt für Radlreparaturen. Dafür stellt die Gemeinde dankenswerterweise die Garagen auf der Rückseite des ehemaligen Feuerwehrgebäudes zur Verfügung. Sowohl Geflüchtete als auch Einheimische sind jeden Donnerstagabend eingeladen, ihre Radl instandsetzen zu lassen oder selbst zu reparieren. Die Radl Werkstatt ist ein Projekt des IntegrationsPunkt der Nachbarschaftshilfe Weßling und wird von Mitstreitern der Mobilitätswende tatkräftig unterstützt und gestaltet.

Umgehungsstraße

In diesem Jahr wurde die Weßlinger Umfahrung fertiggestellt und eröffnet. Während sich die Straßenbauer über eine „gute, leistungsfähige Strecke” freuen, erfüllt die Straße nicht die hohen Erwartungen zur Verkehrsberuhigung der Weßlinger. Für Fußgänger und Radler stellt nur die Sperrung der Grünsinker Straße für den Durchgangs-Kfz-Verkehr eine Verbesserung dar, während die Trennung des Waldweges an der Mitterwiese und die dilettantisch ausgeführte Unterführung beim Kreisel nach Delling für viel Ärger bei menschen- und umweltfreundlich mobilen Menschen sorgen.

Als positive Entwicklung ist die Beendigung des jahrzehntelangen Umgehungsstraßen-Konfliktes und die damit möglich gewordene Bildung des im Mai gegründeten Arbeitskreises mobil & lebenswert zu nennen. Durch Mitwirkung aller mobilitätsrelevanten Gruppen, Vereine und Fraktionen, maximaler Öffentlichkeit und großer Nähe zum Gemeinderat kann er Fortschritte in Richtung nachhaltige Mobilität bringen.

Sonstiges

Im Beitrag Stummer Schrei nach friedlichen Straßen machte die Mobilitätswende anschaulich darauf aufmerksam, dass der für den Kfz-Verkehr gestaltete Weßlinger Straßenraum die altersgerechte Entwicklung und selbstbestimmte Mobilität von Kindern massiv einschränkt. Mit zwei Leserbriefen bezog die Mobilitätswende Stellung zur Etablierung der Buslinien und zum autozentrierten Vorgehen der Verkehrsbehörden im Landkreis STA. Und wie immer informierte sie in der Gemeindezeitung Unser Dorf heute über Neuigkeiten in Sachen nachhaltige Mobilität, in der Frühjahrsausgabe sogar mit beigelegten Minifahrplänen der neuen Buslinie 955 und in der Sommerausgabe mit unbequemen – mittlerweile bestätigten – Aussichten zur begrenzten Wirksamkeit der Umfahrung.

Fazit und Ausblick

Mit der Beleuchtung des Geh- und Radwegs zum DLR, dem Bau des Geh- und Radwegs nach Etterschlag und der Installation der Radlreparaturstation am Bahnhof hat die Mobilitätswende in diesem Jahr besonders viel bewirkt. Von einer hinsichtlich Klimaschutz, Resourcen- und Energieverbrauch und menschengerechter Gestaltung des öffentlichen Raums dringend notwendigen Mobilitätswende ist indes weiterhin nichts zu bemerken. Vielmehr wächst der weit über dem Bundesdurchschnitt liegende Motorisierungsgrad in Weßling immer noch an, und die Verkehrspolitik auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene fördert weiterhin mit ganzer Kraft den nicht zukunftsfähigen Kfz-Verkehr.

Auch die personelle Entwicklung der Mobilitätswende Weßling stimmt wenig hoffnungsvoll, denn seit der Gründung vor vier Jahren sind die Personalresourcen stets geschrumpft, sodass immer weniger Aktivitäten und Projekte angegangen werden können. Es gibt also wenig Grund zur Annahme, dass das fossile Denken in Weßling in absehbarer Zeit überwunden werden kann.

Umgehungsstraße Weßling

Unterbrochener Wirtschaftsweg an der Mitterwiese

Unterbrochener Wirtschaftsweg an der Mitterwiese

Heute wurde die Umfahrung Weßling für den Kfz-Verkehr freigegeben. Eine nach allen Regeln der Ingenieurskunst gestaltete, 3,3 km lange Asphalttrasse verbindet nun die Autobahnausfahrt Wörthsee mit der Staatsstraße 2068 nach Herrsching. Dies führt zu teilweise erheblichen, dauerhaften Einschränkungen für den Fuß- und Radverkehr.

Die einst idyllische Mitterwiese liegt jetzt direkt an der Staatsstraße

Die einst idyllische Mitterwiese liegt jetzt direkt an der Staatsstraße

Besonders schmerzlich ist die Trennung des bei Spaziergängern, Wanderern, Joggern und Radlern beliebten Wirtschaftswegs an der Mitterwiese nach Steinebach. Außerdem ist nun die erholsame Ruhe und Idylle der Mitterwiese durch die unmittelbar angrenzende Kfz-Straße Geschichte.

Laut Planfeststellung hätte die Radverkehrsverbindung nach Etterschlag bzw. Schluifeld ebenso unterbrochen werden sollen. Hier konnte allerdings auf Betreiben der Mobilitätswende eine brauchbare Lösung gefunden werden, die in Richtung Etterschlag sogar eine Verbesserung, nach Schluifeld allerdings einen großen Umweg bedeutet.

Di­let­tan­tische Radverkehrsanlage an der Dellinger Höhe

Di­let­tan­tische Radverkehrsanlage an der Dellinger Höhe

Sehr enttäuschend ist die Ausgestaltung der Geh- und Radwegunterführung am Kreisel zwischen Weßling und Delling. Die Zufahrt aus Richtung Delling ist zu steil und zu kurvig, die Unterführung zu schmal und unübersichtlich. Gemessen an der absoluten Perfektion der neuen Kfz-Trasse ist dieses Bauwerk geradezu di­let­tan­tisch – und eines fahrradfreunlichen Landkreises in keinster Weise würdig.

Obwohl es sich um eine Staatsstraße handelt, werden etwa 2,4 Millionen € (von über zehn Millionen € Gesamtkosten) von der Gemeinde Weßling und der Rest vom Freistaat Bayern bezahlt. Dabei verfolgen die beiden Parteien völlig unterschiedliche Ziele: Während die Gemeinde den Durchgangs-Kfz-Verkehr reduzieren will, nutzt die Staatsregierung die Gelegenheit, im Rahmen ihrer zukunftsblinden Verkehrspolitik das außerordentlich dichte bayerische Straßennetz noch leistungsfähiger zu machen und damit den Kfz-Verkehr zu fördern. Diese im Grunde gegensätzlichen Interessen äußern sich auch darin, dass ernsthaft Kfz-Verkehrsbeschränkende Maßnahmen (z. B. Tempo 30, Durchfahrtverbot für Lkw) auf der Weßlinger Hauptstraße von den durch die Staatsregierung gelenkten Verkehrsbehörden nicht genehmigt werden.

Die Umfahrung wird kurzfristig für eine Reduktion der Kfz-Verkehrsbelastung auf der Hauptstraße sorgen. Wie deutlich diese ausfällt und inwieweit sie durch freie Bahn für den innerörtlichen Verkehr und Steigerung des Gesamtverkehrsaufkommens durch den unablässigen Bau weiterer Straßen und Gewerbegebiete im Landkreis egalisiert wird, ist nicht vorhersehbar. Zu den sicheren Gewinnern zählen jedenfalls Automobil- und Bauindustrie, welche bekanntlich massive Lobbyarbeit für Umfahrungsstraßen betreiben.

Die Mobilitätswende sieht den Bau von Umfahrungen kritisch, weil in hohem Maße Natur und Geld verbraucht wird, um die Symptome des unerträglich gewordenen Kfz-Verkehrs aus dem Blick zu rücken, wobei dieser aber ursächlich gefördert wird. Somit wird das kluge Prinzip global denken, lokal handeln auf den Kopf gestellt und die Verkehrswende als unumgänglicher Teil der Energiewende verzögert.